Einsatzbereiche im Unterricht
Im Unterricht deckt Classtime typische Situationen ab, in denen Du schnell wissen willst, wer was verstanden hat: kurze Einstiegschecks, Zwischenfragen in der Erarbeitungsphase, Exit-Tickets, Übungsphasen, Hausaufgaben sowie testähnliche Lernzielkontrollen und digitale Prüfungen.
Ein praktischer Vorteil ist die Flexibilität in der Durchführung: Du kannst Sessions live im Raum steuern (Fragen ein-/ausblenden, Timer setzen, Fragen mischen), oder Du nutzt Zeitfenster/Start-Endzeiten, wenn Lernende asynchron arbeiten sollen.
Für den deutschen Markt wichtig: Classtime bewirbt explizit Einsatzfelder rund um individuelle Förderung und datengestützte Diagnostik im Kontext des Startchancen-Programms (z. B. über Chancenbudgets). Das Programm selbst ist bundesweit auf zehn Jahre angelegt, umfasst rund 20 Mrd. € von Bund und Ländern und adressiert „gut 4.000 Schulen“.
Neben „klassischem“ Unterricht wird das Tool auch dort interessant, wo Prüfungen organisatorisch und sicher laufen müssen: Classtime nennt den Safe Exam Browser als Schutzmechanismus für digitale Prüfungen.
Zusätzlich ist für Deutschland bemerkenswert, dass die Bayerisches Staatsministerium der Justiz Ende November 2025 im Rahmen einer öffentlichen Vergabe der Classtime AG den Zuschlag für das Prüfungssystem im E‑Examen erteilt hat (inkl. bereitgestellter Prüfungssoftware/Hardware/Support vor Ort).
Funktionen & Anwendung
Classtime ist so aufgebaut, dass Du in der Praxis meist in drei Schritten arbeitest: Fragenset erstellen oder importieren → Session aktivieren → Zugang teilen und live auswerten.
Fragen & Fragetypen
Im Standard-Abo stehen laut Preisseite elf Fragetypen zur Verfügung (u. a. Single-/Multiple-Choice, Richtig/Falsch, Kurz- und Langtext, Sortieren, Kategorisieren, Checkbox, Text markieren, Hotspot, Lückentext). Damit lassen sich sowohl reine Wissensfragen als auch anwendungsorientierte Aufgaben (z. B. Markieren im Text oder Hotspots im Bild) abbilden.
Sessions starten, steuern und auswerten
Für eine Session aktivierst Du ein Fragenset und legst vor dem Start Einstellungen fest (z. B. Antwortoptionen/Fragen mischen, Teilpunkte, rundenbasierter Modus, Abschlussreflexion, Zeitplan). Während der Session siehst Du im Dashboard Antworten in Echtzeit und kannst Fragen gezielt ein- oder ausblenden, um den Ablauf an Dein Unterrichtstempo anzupassen.
Zugang für Lernende: URL, QR, Code oder Klasseneinladung
Den Einstieg für Lernende kannst Du sehr niedrigschwellig halten: Zugang ist über URL, QR-Code oder Sessioncode möglich. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit „Beitritt über Klasseneinladung“, was besonders bei regelmäßiger Nutzung hilft (keine Codes mehr; Lernende sehen Sessions im Portal).
Für die Identität der Lernenden gibt es mehrere Stufen: Teilnahme per (Nick-)Name ist möglich, alternativ über E‑Mail/SSO (z. B. Google/Microsoft/Clever). Der Help-Center-Hinweis ist praxisnah: SSO statt Spitznamen sorgt für konsistentere Namen und erlaubt u. a. das Fortsetzen einer Session auf einem anderen Gerät.
Premium-Mehrwerte, die im Alltag wirklich auffallen
Premium ergänzt vor allem Funktionen, die Dir bei wiederkehrenden Abläufen Zeit sparen und Prüfungen „sauberer“ machen: Klassenverwaltung (Sessions an ganze Klassen zuweisen), individuelle Session-Einstellungen (z. B. nur ein Versuch, Timer/Start-Endzeit), Teilpunkte, detaillierte Exporte (Excel/PDF), Live-Chat, Session-Archivierung auch über 60 Tage hinaus sowie eine höhere gleichzeitige Klassengröße (bis 300).
Gamification: Collaborative Challenges
Ein zentrales motivierendes Element sind die „Collaborative Challenges“ (Classroom Games), die Du in Premium unbegrenzt nutzen kannst. Zusätzlich gibt es Puzzle-Challenges inkl. Upload eigener Bilder.
Sichere Prüfungen: Safe Exam Browser
Für Prüfungen kann Classtime mit dem Safe Exam Browser genutzt werden. Laut Help Center integrierst Du den Safe Exam Browser in den Session-Einstellungen, definierst Start-/Endpasswörter und kannst festlegen, welche Anwendungen/Links zugelassen sind. Der Ansatz ist: Endgerät wird in eine „Kiosk-Umgebung“ versetzt; ohne Freigabe sind Apps und Webseiten blockiert.
Schullizenz: Zusammenarbeit und Diagnostik im Kollegium
Für Fachschaften/Schulen betont Classtime Team-Funktionen wie gemeinsame Ordner und Fragenpools, Co-Lehrkräfte, Schul-Auswertungen sowie Datenintegration (z. B. in Microsoft Teams oder Google Classroom). Gleichzeitig wird Import aus anderen Quellen (z. B. XML, Moodle, Kahoot) als Möglichkeit genannt – relevant, wenn bereits Material existiert.
Didaktischer Mehrwert
Didaktisch liegt der Mehrwert vor allem in der Kombination aus schneller Diagnose und direktem Handeln im Unterricht: Durch die Live-Übersicht siehst Du sofort, welche Fragen die Lernenden bearbeiten, wo Fehlerhäufungen entstehen und welche Antworten noch bewertet werden müssen. Damit lässt sich Unterricht unmittelbar anpassen (noch einmal erklären, üben lassen, differenzieren).
Ein zweiter Kernnutzen ist Zeitersparnis in der Korrektur: Geschlossene Fragetypen werden automatisch ausgewertet; für Freitexte beschreibt Classtime eine teilautomatische Auswertung mit Unterstützung durch KI. Das senkt den Aufwand besonders bei häufigen kurzen Lernstandschecks und hilft, regelmäßig Daten zu sammeln, statt nur punktuell Klassenarbeiten zu schreiben.
Für Motivation und Klassenklima sind die Collaborative Challenges interessant: Sie kombinieren Leistungsrückmeldung mit einer gemeinsamen Aufgabe („nur wenn die Klasse gut zusammenarbeitet, gelingt die Challenge“). Das kann Beteiligung erhöhen – gerade in Phasen, in denen Aufmerksamkeit sonst abfällt.
Für Schulen/Teams kommt als dritter Mehrwert hinzu: Wenn Aufgabenpools geteilt und Auswertungen auf Klassen- oder Schul-Ebene genutzt werden, entsteht eher eine systematische Diagnostik (z. B. Lernlücken über mehrere Lerngruppen hinweg). Classtime nennt dafür explizit „Auswertungen für Schulen“ und kompetenzbasierte Diagnostikmöglichkeiten.
Datenschutz & Hosting
Für deutsche Schulen ist hier entscheidend, welche Rolle Classtime einnimmt: Laut Datenschutzerklärung verarbeitet Classtime personenbezogene Daten entweder als Verantwortlicher (z. B. bei direkter Nutzung) oder als Auftragsverarbeiter im Auftrag von Schule/Institution.
Als EU-Vertreter wird die Swiss Infosec (Deutschland) GmbH in Berlin genannt – ein relevantes Detail für Kontaktwege in der EU.
Hosting und Sicherheitsmaßnahmen (laut Anbieterangaben)
Classtime gibt an, Personendaten bei Nutzung der Software auf Servern in der Schweiz zu speichern. Zusätzlich werden Sicherheitsmaßnahmen wie TLS-verschlüsselte Verbindungen, Verschlüsselung „at rest“, begrenzter Mitarbeiterzugriff und regelmäßige Backups benannt.
Cookies/Tracking
In der Datenschutzerklärung wird angegeben, dass nur technisch notwendige Cookies genutzt werden und weitere Cookies (z. B. Marketing) nicht verwendet werden.
Datenlöschung und Aufbewahrung
Laut Datenschutzerklärung werden Daten nur so lange gespeichert, wie nötig; nach Löschung können Kontodaten bis zu 30 Tage wiederherstellbar sein, Backups können bis zu 9 Monate enthalten, und kostenlose Konten werden nach 3 Jahren Inaktivität gelöscht.
Für institutionelle Nutzung liegt ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) vor, der die Auftragsverarbeitung als Bestandteil des Lizenzvertrags beschreibt.
Unterauftragsverarbeiter und Datenstandorte
Für Schulen besonders wichtig ist die Liste der Unterauftragsverarbeiter im AVV-Anhang:
- Hosting wird u. a. über Google Cloud mit Datenstandort Schweiz beschrieben.
- Weitere Dienste liegen u. a. in der EU (z. B. Pusher, TalkJS, Customerly, Brevo/Sendinblue in Berlin).
- Es werden auch Anbieter mit Bezug zu den USA genannt (z. B. Sentry; Cloudinary), teils mit Maßnahmen wie Pseudonymisierung vor Übermittlung.
Einordnung für deutsche Schulen (praxisnah)
- Da Hosting in der Schweiz liegt, ist relevant, dass die Schweiz von der EU als „angemessen“ eingestuft wird (Angemessenheitsmechanismus nach Art. 45 DSGVO). Das erleichtert Datentransfers EU → Schweiz grundsätzlich.
- Gleichzeitig bleiben Drittland-Themen relevant, sobald Unterauftragsverarbeiter in Drittstaaten eingebunden sind. Classtime verweist hier auf Standardvertragsklauseln und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Pseudonymisierung), wo nötig.
- In der Praxis solltest Du (bzw. Deine Schule) vor Einführung prüfen, ob ein AVV abgeschlossen werden muss/soll und welche Identitätsstufe sinnvoll ist (Pseudonym vs. SSO vs. Klassenverwaltung), abhängig davon, ob Noten erhoben werden und wie eure Schulvorgaben lauten.
Kosten & Lizenzmodelle
Standard (kostenlos) als Einstieg
Der kostenlose Tarif ist darauf ausgelegt, Classtime ohne Beschaffungshürden auszuprobieren: Fragen erstellen, Sessions starten und Live-Feedback nutzen – laut Help Center bis zu 40 Lernende gleichzeitig, ohne Limit bei der Anzahl der Sessions.
Für viele Alltags-Szenarien (Exit-Ticket, kurze Abfrage, Übungsphase) reicht das oft aus, solange Klassengröße und gewünschte Auswertungs-/Verwaltungsfunktionen passen.
Premium (Einzellizenz) für regelmäßige Nutzung
Premium ist vor allem dann sinnvoll, wenn Du wiederkehrend prüfen/diagnostizieren willst und dafür mehr Organisation, Auswertungen und Prüfungssettings brauchst: Klassenverwaltung, mehr gleichzeitige Teilnehmende (bis 300), Excel/PDF-Exporte, erweiterte Benotung (Teilpunkte), Live-Chat und umfangreiche Session-Einstellungen. Als Test ist Premium laut Preisseite 60 Tage ohne Kreditkarte verfügbar. Die Laufzeitlogik ist klassisch Abo-basiert (monatlich, vierteljährlich, jährlich), mit Rabatten bei längerer Bindung.
Rückwechsel ohne Datenverlust
Wenn Du Premium kündigst und auf kostenlos zurückgehst, bleiben Fragen und vergangene Sessions laut Help Center erhalten. Das senkt das Risiko, „alles zu verlieren“, wenn Du nur phasenweise ein Abo brauchst.
Schullizenzen / Institutionen
Schullizenzen sind auf Zusammenarbeit und Schul-Use-Cases ausgelegt: Team-/Fachschafts-Kollaboration, gemeinsame Inhalte, Schulberichte und Integrationen (z. B. MS Teams/Google Classroom) – Preis auf Anfrage.
Erfahrungen & Bewertungen
Aggregierte Bewertungen (Plattformen, Stand Juli 2026)
Auf Bewertungsplattformen fällt die Durchschnittsbewertung insgesamt hoch aus, bei typischerweise guter Bewertung für Bedienkomfort und Support:
- Software Advice (DE): 4,7/5 bei 166 Bewertungen; zudem werden Gratisversion und Testversion sowie ein Startpreis genannt.
- GetApp (DE): 4,7/5 bei 166 Bewertungen, 97 % Weiterempfehlung, Kundenservice im Schnitt sehr hoch bewertet.
- G2: 4,8/5 bei 11 Reviews (kleinere Stichprobe, aber sehr positiv).
Typische Stärken aus der Praxis
- Viele Rückmeldungen heben hervor, dass sich Lernstände in Echtzeit sehen und Unterricht dadurch schnell anpassen lässt.
- Gamification wird als motivierend beschrieben (z. B. „group challenges“ machen Lernenden Spaß und regen zum Wiederholen an).
- Ein Schweizer Praxisbericht (Sek I) beschreibt die Collaborative Challenge als sehr positiv aufgenommen und nennt die Auswertung/teilautomatische Korrektur als spürbare Entlastung – gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass bei instabiler Verbindung einzelne Geräte neu laden mussten (typisches BYOD-/WLAN-Thema).
Typische Stolpersteine (und wie Du sie abfederst)
- Technik/WLAN: Wenn Verbindungen abbrechen, hilft oft Reload – aber für Prüfungen brauchst Du ein klares Technik-Setup (WLAN-Check, Ersatzgeräte, vorheriger Probelauf).
- „Anti-Spicken“ ist kein Selbstläufer: Mischfunktionen und Safe Exam Browser erhöhen die Hürde, bedeuten aber zusätzliche Vorbereitung (Passwörter/Installation/Regeln).
- Didaktische Passung je Fach: Der Praxisbericht betont, dass Classtime besonders gut bei Textverständnis/Hörverstehen und bestimmten Wissensprüfungen passt – in Mathematik (je nach Aufgabenformat) ggf. weniger häufig.