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Deutsch · Grammatik · etwa Klasse 5–7

Präteritum: Vergangenes sicher erzählen

Lachte, ging oder dachte? Lerne die Präteritumformen schwacher, starker und gemischter Verben und verwende sie in eigenen Erzählungen.

Verstehen · ausprobieren · selbst anwenden
Etwa 25–35 Minuten mit Übungen · je nach Lernstand

lachenschwachlachtePräteritum
gehenstarkgingPräteritum

Mit dem Präteritum Vergangenes erzählen

„Mila öffnet die Tür und sieht einen Brief.“ Im Präsens wirkt das Geschehen gegenwärtig. „Mila öffnete die Tür und sah einen Brief.“ Diese Verbformen stehen im Präteritum: Die Erzählung blickt auf Vergangenes zurück.

Regelmäßig gebildet

öffnen → öffnete

Das Verb erhält die Präteritummarkierung -te; ein zusätzliches e erleichtert hier die Aussprache.

Mit verändertem Stamm

sehen → sah

Der Stammvokal verändert sich. Die Form musst du zusammen mit dem Verb lernen.

Das lernst du: Präteritumformen erkennen, schwache, starke und gemischte Verben passend beugen und eine kurze Erzählung in einer stimmigen Zeitform schreiben.

Das Präteritum wird auch einfache Vergangenheit oder Imperfekt genannt. Die Bezeichnung Imperfekt bedeutet im Deutschen nicht, dass die Handlung unbedingt unvollendet sein muss. „Sie öffnete die Tür“ kann eine vollständig abgeschlossene Handlung bezeichnen.

Schwache Verben: Stamm plus -te und Personalendung

Bei schwachen Verben bleibt der Stamm bei der Präteritumbildung grundsätzlich erhalten. An den Stamm tritt -te. Hinzu kommt je nach Person eine weitere Endung: lachen → lach-te, lach-te-st, lach-te-n.

Lachen im Präteritum
Person Verbform Aufbau
ich lachte lach + te
du lachtest lach + te + st
er / sie / es lachte lach + te
wir lachten lach + te + n
ihr lachtet lach + te + t
sie / Sie lachten lach + te + n

Bei Stämmen auf d oder t sowie bei bestimmten weiteren Konsonantenverbindungen steht ein zusätzliches e vor -te: reden → redete, warten → wartete, öffnen → öffnete. Achte auch bei längeren Formen auf alle Buchstaben: du wartetest, ihr wartetet.

wirSubjekt · PluralwartStammeAussprachehilfetePräteritummarkierungnPersonalendung

Das -te allein legt die Person nicht fest: Ich lachte und sie lachte haben dieselbe Verbform. Das Subjekt zeigt, ob ich oder eine andere Person gemeint ist. Die Personalendung muss auch dann passen, wenn weitere Wörter zwischen Subjekt und Verb stehen.

Starke Verben: den Präteritumstamm lernen

Bei starken Verben verändert sich der Stammvokal. Man spricht von Ablaut: singen → sang, lesen → las, fahren → fuhr. Du kannst die richtige Form nicht durch ein einziges Muster für alle Verben erraten. Lerne häufige Formen als zusammengehörige Reihe.

Häufige starke Verben
Infinitiv ich / er im Präteritum wir im Präteritum
gehen ging gingen
kommen kam kamen
sehen sah sahen
lesen las lasen
schreiben schrieb schrieben
fahren fuhr fuhren
nehmen nahm nahmen
finden fand fanden
essen aßen
bleiben blieb blieben
Fahren im Präteritum
Person Verbform Endung am Präteritumstamm fuhr-
ich fuhr keine zusätzliche Personalendung
du fuhrst -st
er / sie / es fuhr keine zusätzliche Personalendung
wir fuhren -en
ihr fuhrt -t
sie / Sie fuhren -en

Bei ich und er/sie/es wird hier kein zusätzliches -e oder -t angehängt: ich fuhr, er fuhr. Der Präteritumstamm gilt aber für alle Personen, auch für den Plural. Das unterscheidet sich vom Präsenswechsel in ich fahre – du fährst – wir fahren.

Was hilft bei ungewohnten Formen?

Sprich die Form in einem ganzen Satz: „Gestern nahm ich den Bus.“ Ergänze dann eine zweite Person: „Wir nahmen den Bus.“ Ein Wörterbuch nennt bei unregelmäßigen Verben wichtige Stammformen. Bei bestimmten Verben existieren Varianten; bei backen zum Beispiel backte und buk. In Zweifelsfällen schlägst du die konkrete Form nach.

Gemischte Verben und besonders häufige Formen

Einige Verben verbinden eine Stammveränderung mit -te. In der Schule heißen sie oft gemischte Verben: denken → dachte, bringen → brachte. Sie sind weder mit der einfachen Regel „Stamm bleibt gleich“ noch mit „nur der Vokal wechselt, ohne -te“ vollständig beschrieben.

Gemischte Verben im Vergleich
Infinitiv ich / er du wir
denken dachte dachtest dachten
bringen brachte brachtest brachten
kennen kannte kanntest kannten
nennen nannte nanntest nannten
wissen wusste wusstest wussten

Je nach Grammatik werden diese Verben auch unter unregelmäßigen schwachen Verben eingeordnet. Wichtig ist für deine Anwendung, beide Merkmale zu erkennen: der veränderte Stamm und die Markierung -te. Nicht jedes unregelmäßige Verb muss in eine dieser drei Schubladen gepresst werden.

Sein und haben im Präteritum
Person sein haben
ich war hatte
du warst hattest
er / sie / es war hatte
wir waren hatten
ihr wart hattet
sie / Sie waren hatten

Auch die Modalverben kommen oft im Präteritum vor: können → konnte, müssen → musste, dürfen → durfte, wollen → wollte, sollen → sollte, mögen → mochte. Lerne die Formen ohne zusätzlichen Umlaut: konnte ist Präteritum; könnte ist eine andere Form, nämlich Konjunktiv II.

Achte auf ihr wart ohne d. Warten gehört zu einem anderen Verb: „Ihr wart pünktlich“ verwendet sein, „Ihr wartetet vor der Tür“ verwendet warten.

Präteritum in Erzählungen, Berichten und Gesprächen

Das Präteritum ist typisch für viele geschriebene Erzählungen, Märchen und Berichte über Vergangenes. Es eignet sich dazu, eine Folge von Ereignissen zu schildern: „Mila betrat den Raum. Sie entdeckte den Brief und las ihn leise.“ Auch erfundene Geschichten können im Präteritum stehen; die Zeitform beweist nicht, dass die Ereignisse wirklich passiert sind.

In Gesprächen wird für vergangene Ereignisse häufig das Perfekt verwendet: „Ich habe den Brief gelesen.“ Besonders sein, haben und Modalverben stehen aber auch mündlich oft im Präteritum: „Ich war müde“, „Ich hatte keine Zeit“, „Ich konnte nicht kommen“. Wie häufig man Präteritum oder Perfekt verwendet, hängt außerdem von Region und Situation ab.

Präteritum

Mila las den Brief.

Das Vollverb trägt selbst die Vergangenheitsform.

Perfekt

Mila hat den Brief gelesen.

Hilfsverb und Partizip II bilden gemeinsam die Zeitform.

Beide Sätze können dasselbe vergangene Lesen beschreiben. Der Unterschied ist nicht einfach „kurze Handlung“ gegen „lange Handlung“. Auch gestern erzwingt keine bestimmte Vergangenheitsform: „Gestern las ich“ und „Gestern habe ich gelesen“ sind möglich. Prüfe die Verbformen und beachte die Textsorte.

„Einfache Vergangenheit“ heißt nicht, dass jedes Prädikat nur ein Wort umfasst. Bei trennbaren Verben bleiben die Teile im Aussagesatz getrennt: „Mila räumte den Tisch ab.“ Mit Modalverb: „Ben wollte helfen.“ Räumte und wollte stehen im Präteritum; ab und helfen gehören zum jeweiligen Prädikat.

Muss in einer Erzählung jedes Verb im Präteritum stehen?

Die Haupthandlung kann im Präteritum bleiben, während wörtliche Rede eine eigene Perspektive hat: „Mila öffnete den Brief und sagte: Ich bin gespannt!“ Ein noch früheres Ereignis kann mit dem Plusquamperfekt ausgedrückt werden: „Sie hatte den Brief gestern gefunden.“ Entscheidend ist ein begründeter Zeitwechsel. Die genaue Tempusfolge wird auf einer eigenen Seite vertieft.

Präteritum-Explorer: Formen vergleichen

Wie wird aus der Gegenwartsform eine Vergangenheitsform?

Blau markiert das Subjekt, Orange die Ausgangsform und Grün die Präteritumform. Die Vergleiche behalten in jeder Auswahl dieselbe Gestaltung.

Präsens
MilaSubjektlacht.Präsens
Präteritum
MilaSubjektlachte.Stamm + -te

Bei lachen bleibt der Stamm lach- gleich. Die Markierung -te zeigt das Präteritum.

Typische Fehler vermeiden

„er gehte“ → „er ging“
Gehen ist ein starkes Verb; die Präteritumform lautet ging.
„wir denkte“ → „wir dachten“
Denken hat einen veränderten Stamm und -te. Zu wir kommt die Pluralendung -n.
„er fuhrt“ → „er fuhr“
In der 3. Person Singular erhält fuhr keine zusätzliche Endung. Fuhrt passt zu ihr.
„ihr ward“ → „ihr wart“
Die Form von sein wird hier mit t geschrieben.
„er könnte“ ist nicht das Präteritum zu können
Das Präteritum lautet konnte. Könnte ist Konjunktiv II.
„Gestern bedeutet automatisch Präteritum“ stimmt nicht
Gestern bezeichnet Vergangenheit. Die grammatische Zeitform erkennst du an der gesamten Verbgruppe.

Präteritum erkennen und bilden

1 · Vergangenheitsformen einsetzen

Setze die angegebene Grundform ins Präteritum. Schreibe nur die fehlende Verbform.

lachenAntwort: __________________

wartenAntwort: __________________

gehenAntwort: __________________

fahrenAntwort: __________________

denkenAntwort: __________________

seinAntwort: __________________

habenAntwort: __________________

könnenAntwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. lachte – Das schwache Verb erhält -te: lach-te.
  2. wartetest – Die Form enthält das zusätzliche e: wart-e-te-st.
  3. ging – Gehen bildet das Präteritum mit dem Stamm ging-.
  4. fuhren – An den Präteritumstamm fuhr- tritt die Pluralendung -en.
  5. dachte – Denken verbindet Stammveränderung und -te.
  6. wart – Zu ihr gehört im Präteritum von sein die Form wart.
  7. hattest – Die Präteritumform zu du lautet hattest.
  8. konnte – Das Präteritum lautet konnte ohne Umlaut.

2 · Formen vergleichen und verbessern

Untersuche die gelb markierte Stelle und beantworte nur die gestellte Frage.

Schwaches, starkes oder gemischtes Verb?Antwort: __________________

Schwaches, starkes oder gemischtes Verb?Antwort: __________________

Schwaches, starkes oder gemischtes Verb?Antwort: __________________

Welche Zeitform bildet die gesamte markierte Verbgruppe?Antwort: __________________

Verbessere nur die markierte Form ins passende Präteritum.Antwort: __________________

Verbessere nur die markierte Form von sein.Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. schwach – Der Stamm bleibt gleich; -te markiert das Präteritum.
  2. stark – Der Stammvokal verändert sich; die Form hat kein -te.
  3. gemischt – Stammveränderung und -te treten gemeinsam auf.
  4. Perfekt – Hat und gelesen bilden gemeinsam das Perfekt.
  5. fuhr – Bei er lautet die Form fuhr ohne zusätzliche Endung.
  6. wart – Die Präteritumform von sein zu ihr lautet wart.

3 · Eine kleine Entdeckung erzählen

Schreibe vier Sätze über einen erfundenen Fund. Verwende mindestens ein schwaches, ein starkes und ein gemischtes Verb im Präteritum. Markiere die Formen und erkläre, wie sie gebildet sind.

Mögliche Lösung mit Begründung

„Mila wartete vor der Schule. Unter einer Bank fand sie einen Schlüssel. Sie dachte an das Fundbüro. Dort gab sie ihn ab.“

Wartete gehört zum schwachen Verb warten. Fand und gab gehören zu den starken Verben finden und geben. Dachte gehört zum gemischten Verb denken. Gab … ab ist die getrennte Präteritumform von abgeben.

Ideen für den Unterricht

Einstieg: Eine kurze Szene zuerst im Präsens, dann im Präteritum vorlesen. Nur die veränderten Verbformen sammeln.

Differenzierung: Schwache Verben mit einer Endungstabelle üben; starke Verben mit Wortkarten sortieren. Fortgeschrittene vergleichen Stammveränderung und Personalendung.

Transfer: Einen Erzählabschnitt überarbeiten: Verbformen kontrollieren, Zeitwechsel begründen und passende Verben statt häufiger Wiederholungen auswählen.

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Zum fachlichen Nachlesen: IDS: Präteritum · IDS: Konjugation · Duden: Präteritum. Beispiele und Aufgaben sind eigenständig für Lernmarktplatz erstellt. Klassenangaben sind eine Orientierung; Reihenfolge und Vertiefung unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform.

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