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Deutsch · Grammatik · etwa Klasse 5–7

Präsens bilden und richtig verwenden

Ich lerne, du liest, morgen beginnt es: Bilde sichere Präsensformen und erkenne, ob ein Satz Gegenwart, Gewohnheit oder Zukunft meint.

Verstehen · ausprobieren · selbst anwenden
Etwa 25–35 Minuten mit Übungen · je nach Lernstand

JetztGegenwartlerne ich.Präsens
MorgenZukunftlerne ich.Präsens

Präsens: Was geschieht – und wann?

„Mila liest gerade ein Buch.“ – „Morgen liest Mila in der Klasse vor.“ Beide Verbformen stehen im Präsens. Trotzdem beschreibt nur der erste Satz etwas, das gerade passiert. Im zweiten Satz zeigt morgen, dass es um die Zukunft geht.

Die grammatische Form

liest → Präsens von lesen

Die Form passt zu Mila, also zur 3. Person Singular.

Die gemeinte Zeit

gerade → jetzt
morgen → später

Zeitangaben und Zusammenhang zeigen, wann das Geschehen gemeint ist.

Das lernst du: regelmäßige und wichtige unregelmäßige Präsensformen bilden, die Verbform an das Subjekt anpassen und Gegenwart, Gewohnheiten, allgemeine Aussagen und Zukunftsbezug unterscheiden.

Das Präsens heißt auch Gegenwartsform. Dieser Name hilft beim Einstieg, erklärt aber nicht alle Verwendungen. Unterscheide deshalb immer zwei Fragen: „Welche Zeitform hat das Verb?“ und „Auf welche Zeit bezieht sich der Satz?“ Hier übst du das Präsens in gewöhnlichen Aussagesätzen, also im Indikativ.

Regelmäßige Verben im Präsens bilden

Bei vielen Verben gehst du von der Grundform, dem Infinitiv, aus: lernen. Ohne die Endung -en erhältst du den Stamm lern-. Ergänze die Personalendung, die zum Subjekt passt.

Lernen im Präsens
Person Verbform Stamm + Endung
ich lerne lern + e
du lernst lern + st
er / sie / es lernt lern + t
wir lernen lern + en
ihr lernt lern + t
sie / Sie lernen lern + en

Auch ein Nomen oder eine Wortgruppe kann Subjekt sein: Ben lernt, aber Ben und Mila lernen. Entscheidend sind Person und Zahl des Subjekts. Die Wörter zwischen Subjekt und Verb ändern daran nichts: „Die Kinder aus meiner Klasse lernen zusammen.“

Die KinderSubjekt · PlurallernStammenEndung zum Plural

Die höfliche Anrede Sie verwendet die Form der 3. Person Plural, auch wenn nur eine Person angesprochen wird: „Sie lernen Deutsch.“ Das höfliche Sie wird großgeschrieben.

Ist jede Form auf -en ein Infinitiv?

Nein. In „Wir lernen“ ist lernen eine finite Personalform. In „Wir wollen lernen“ ist lernen ein Infinitiv; wollen trägt die Personalendung. Das Aussehen allein reicht also nicht aus. Untersuche die Aufgabe des Verbs im Satz.

Auf diese Besonderheiten musst du achten

Häufige Abweichungen vom Grundmuster
Infinitiv Präsensbeispiele Worauf achten?
arbeiten du arbeitest · er arbeitet · ihr arbeitet Vor -st und -t steht hier ein zusätzliches e.
öffnen du öffnest · er öffnet · ihr öffnet Auch hier erleichtert e die Aussprache.
heißen du heißt · er heißt Nach dem s-Laut steht bei du nur -t.
tanzen du tanzt · er tanzt Kein zusätzliches s in der du-Form.
sammeln ich sammle · wir sammeln Bei -eln fällt in dieser ich-Form ein e weg.
fahren ich fahre · du fährst · er fährt Stammvokal a → ä bei du und er/sie/es.
lesen ich lese · du liest · er liest Stammvokal e → ie bei du und er/sie/es.
nehmen ich nehme · du nimmst · er nimmt Der Stamm verändert sich deutlich.

Bei einigen starken Verben ändert sich der Stammvokal in der 2. und 3. Person Singular. Übertrage die Änderung nicht auf den Plural: wir fahren, ihr fahrt, nicht „wir fähren“. Auch nicht jedes Verb mit e verändert sich: Es heißt du lernst, nicht „du lirnst“. Lerne schwierige Formen mit einem kurzen Beispielsatz.

Die Aussprachehilfen sind keine starre Regel für jeden Stamm auf d oder t. Vergleiche du arbeitest mit du hältst. Bei unregelmäßigen Verben ist die vollständige Form maßgeblich.
Sein, haben und werden sicher verwenden
Person sein haben werden
ich bin habe werde
du bist hast wirst
er / sie / es ist hat wird
wir sind haben werden
ihr seid habt werdet
sie / Sie sind haben werden

„Es wird dunkel“ steht im Präsens: Werden beschreibt hier eine Veränderung. Das Wort werden allein beweist kein Futur. Erst die gesamte Verbgruppe und ihre Verwendung zeigen die Zeitform.

Vier wichtige Verwendungen des Präsens

Die Form bleibt gleich, der Zeitbezug kann wechseln
Verwendung Beispiel Woran erkennst du sie?
Gerade jetzt Mila schreibt gerade eine Nachricht. Gerade und die Situation zeigen den aktuellen Vorgang.
Gewohnheit Ben fährt jeden Dienstag mit dem Rad zur Schule. Jeden Dienstag bezeichnet eine Wiederholung.
Allgemeine Aussage Ein Quadrat hat vier gleich lange Seiten. Die Aussage gilt unabhängig von diesem Moment.
Zukunft Nächste Woche besuchen wir das Museum. Nächste Woche verlegt das Geschehen in die Zukunft.

Bei Gewohnheiten muss die Handlung nicht in diesem Augenblick stattfinden. Wer sagt „Ich spiele freitags Fußball“, kann gerade am Schreibtisch sitzen. Auch Zustände passen zum Präsens: „Der Schlüssel liegt im Rucksack.“ Präsens bedeutet nicht automatisch eine sichtbare Tätigkeit.

Für zukünftige Pläne oder Termine ist Präsens ganz üblich, wenn der Zeitbezug klar ist. In „Morgen beginnt das Turnier“ macht morgen die Zukunft deutlich. Du musst den Satz nicht zwingend ins Futur I umformen. Ohne Zeitangabe kann der Gesprächszusammenhang ebenfalls genügen.

Historisches oder erzählendes Präsens

Manchmal wird Vergangenes im Präsens erzählt, damit es näher und lebendiger wirkt: „Gestern auf dem Schulhof: Plötzlich rollt ein Ball auf mich zu!“ Gestern benennt die Vergangenheit; rollt bleibt grammatisch Präsens. Das ist ein bewusstes Stilmittel. In einem sonst sachlich im Präteritum erzählten Bericht solltest du die Zeitform nicht zufällig wechseln.

Präsens im Satz und im eigenen Text

In einem gewöhnlichen Aussagesatz steht die finite Verbform an der zweiten Satzgliedstelle. Das ist nicht unbedingt das zweite Wort: „Nach der langen Pause beginnt der Unterricht.“ Die ganze erste Wortgruppe besetzt eine Stelle.

Trennbares Verb

Mila räumt ihr Zimmer auf.

Die finite Form räumt und der Verbzusatz auf gehören zu aufräumen. Trotz der Trennung steht der Satz im Präsens.

Modalverb mit Infinitiv

Ben kann gut schwimmen.

Kann ist die finite Präsensform. Schwimmen bleibt Infinitiv. Zwei Verbteile bedeuten nicht automatisch eine andere Zeitform.

Vergleiche genauer: „Mila lernt“ steht im Präsens. „Mila hat gelernt“ steht als ganze Verbgruppe im Perfekt, obwohl hat für sich eine Präsensform von haben ist. Bestimme die Zeitform deshalb anhand des gesamten Prädikats.

  1. Finde das Subjekt: Wer oder was ist gemeint? „Die beiden Freunde“ verlangt eine Pluralform.
  2. Bestimme Grundform und passende Personalform: lesen → die Freunde lesen; ein Freund liest.
  3. Prüfe den Zeitbezug: gerade, jeden Tag oder morgen geben Hinweise, ersetzen aber nicht die Prüfung der Verbform.
  4. Lies den Text als Ganzes: Passt das Präsens zur Aufgabe, etwa einer Beschreibung, Anleitung oder Inhaltsangabe?

In einer Inhaltsangabe steht die Haupthandlung üblicherweise im Präsens: „Die Hauptfigur entdeckt einen Brief und sucht dessen Absender.“ Auch wenn die Geschichte selbst in der Vergangenheit erzählt wird, gibst du ihren Inhalt so im Präsens wieder. Für Ereignisse, die innerhalb der Handlung früher liegen, braucht es gegebenenfalls eine andere Zeitform; das wird bei der Tempusfolge vertieft.

Präsens-Explorer: Formen und Zeitbezug vergleichen

Was verändert sich – und was bleibt Präsens?

Blau zeigt Subjekt oder Zusammenhang, Orange die untersuchte Verbform und Grün die Veränderung. Jede Auswahl enthält zwei Vergleichszeilen.

Singular
MilaSubjekt · SingularlerntPräsens · -t
Plural
Mila und BenSubjekt · PlurallernenPräsens · -en

Die Zahl des Subjekts ändert die Verbendung. Beide Sätze stehen im Präsens.

Typische Fehler vermeiden

„Mila und Ben lernt“ → „Mila und Ben lernen“
Das Subjekt steht im Plural und verlangt lernen.
„du lesst“ → „du liest“
Bei lesen verändert sich in dieser Form der Stammvokal.
„ihr sind“ → „ihr seid“
Sein hat unregelmäßige Personalformen. Zu ihr gehört seid.
„Morgen beginnt ist Futur“ stimmt nicht
Der Satz hat Zukunftsbezug, aber beginnt ist eine Präsensform.
„Präsens besteht immer aus einem einzigen Verbteil“ stimmt nicht
Räumt … auf und kann … schwimmen können ebenfalls Prädikate im Präsens sein.
„hat gelernt ist Präsens, weil hat Präsens ist“ stimmt nicht
Die gesamte Verbgruppe hat gelernt steht im Perfekt.

Präsens bilden und richtig deuten

1 · Passende Verbformen bilden

Setze die Grundform aus dem Hinweis ins Präsens. Schreibe nur die fehlende Verbform.

lernenAntwort: __________________

wartenAntwort: __________________

lesenAntwort: __________________

fahrenAntwort: __________________

seinAntwort: __________________

heißenAntwort: __________________

nehmenAntwort: __________________

aufräumenAntwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. lerne – Zu ich gehört beim regelmäßigen Verb lernen die Endung -e.
  2. wartest – Nach dem Stamm wart- steht in dieser Form ein e vor -st.
  3. liest – Lesen verändert hier den Stammvokal: e → ie.
  4. fahren – Zwei Personen bilden ein Subjekt im Plural: sie fahren.
  5. seid – Die Präsensform von sein zu ihr lautet seid.
  6. heißt – Nach dem s-Laut steht in der du-Form nur -t.
  7. nimmst – Nehmen hat hier den veränderten Stamm nimm-.
  8. räumt – Das Verb ist trennbar. Räumt ist die finite Form; auf steht bereits am Ende.

2 · Zeitform und Verwendung unterscheiden

Achte auf die genaue Frage: Manchmal ist die Verwendung gesucht, manchmal die grammatische Zeitform.

Verwendung: aktueller Vorgang, Gewohnheit, allgemeine Aussage oder Zukunft?Antwort: __________________

Verwendung: aktueller Vorgang, Gewohnheit, allgemeine Aussage oder Zukunft?Antwort: __________________

Verwendung: aktueller Vorgang, Gewohnheit, allgemeine Aussage oder Zukunft?Antwort: __________________

Welche Zeit ist gemeint: Gegenwart oder Zukunft?Antwort: __________________

Welche grammatische Zeitform hat besuchen?Antwort: __________________

Welche Zeitform bildet die gesamte markierte Verbgruppe?Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. aktueller Vorgang – Gerade bezeichnet hier den Vorgang im aktuellen Moment.
  2. Gewohnheit – Jeden Freitag zeigt eine wiederholte Handlung an.
  3. allgemeine Aussage – Die Eigenschaft gilt unabhängig von diesem Moment.
  4. Zukunft – Morgen macht den zukünftigen Zeitbezug deutlich.
  5. Präsens – Besuchen bleibt Präsens, obwohl der Satz Zukünftiges meint.
  6. Perfekt – Hat und gelernt bilden zusammen das Perfekt.

3 · Deinen Tag und einen Plan beschreiben

Schreibe drei Sätze im Präsens: einen über diesen Moment, einen über eine Gewohnheit und einen über einen zukünftigen Plan. Markiere die Verbformen und die Wörter, die den Zeitbezug deutlich machen.

Mögliche Lösung mit Begründung

Gerade schreibe ich einen Text. Jeden Abend lese ich zehn Minuten. Morgen besuche ich meine Freundin.“

Schreibe, lese und besuche sind Präsensformen der 1. Person Singular. Gerade zeigt den aktuellen Vorgang, jeden Abend eine Gewohnheit und morgen den Zukunftsbezug.

Ideen für den Unterricht

Einstieg: Die Klasse vergleicht „Jetzt beginnt das Spiel“ mit „Morgen beginnt das Spiel“. Zeitform und Zeitbezug auf getrennten Karten notieren.

Differenzierung: Zuerst regelmäßige Formen, dann Stammvokalwechsel und sein/haben/werden. Stärkere Lernende untersuchen mehrteilige Prädikate.

Transfer: Einen kurzen Steckbrief oder eine Inhaltsangabe schreiben. Alle finiten Verben markieren und die Formen am Subjekt prüfen.

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Zum fachlichen Nachlesen: IDS: Präsens · IDS: Konjugation · IDS: Verb. Beispiele und Aufgaben sind eigenständig für Lernmarktplatz erstellt. Klassenangaben sind eine Orientierung; Reihenfolge und Vertiefung unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform.

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