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Deutsch · Grammatik · etwa Klasse 5–7

Wechselpräpositionen: Ort und Richtung

Auf dem Tisch oder auf den Tisch? Verstehe den Unterschied zwischen Ort und Ziel und wähle den passenden Fall.

Verstehen · ausprobieren · selbst anwenden
Etwa 25–35 Minuten mit Übungen · je nach Lernstand

aufPräpositiondem TischWo? · Dativ
aufPräpositionden TischWohin? · Akkusativ

Wo liegt es – und wohin kommt es?

„Das Heft liegt auf dem Tisch.“ – „Mila legt das Heft auf den Tisch.“ Die Präposition auf bleibt gleich. Trotzdem wechselt der Artikel von dem zu den. Der Grund: Im ersten Satz beschreibst du einen Ort, im zweiten ein Ziel.

Wo? → Dativ

Wo liegt das Heft? Auf dem Tisch. Das Heft befindet sich bereits dort. Die räumliche Beziehung besteht.

Wohin? → Akkusativ

Wohin legt Mila das Heft? Auf den Tisch. Das Heft gelangt erst dorthin. Die räumliche Beziehung entsteht.

Bestimmte Präpositionen können in solchen räumlichen Angaben mit Dativ oder Akkusativ stehen. Sie heißen Wechselpräpositionen. Der Fall hängt von der gemeinten Beziehung ab. Prüfe deshalb immer den ganzen Satz und frage gezielt nach der betreffenden Orts- oder Zielangabe.

Das lernst du: Die neun Wechselpräpositionen erkennen, Ort und Ziel unterscheiden, passende Artikel einsetzen und die häufige Falle „Bewegung = Akkusativ“ vermeiden.

Die neun Wechselpräpositionen im Vergleich

Merke dir: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen. Die Tabelle zeigt jeweils eine bestehende Lage und ein Ziel. Ergänze beim Lesen gedanklich: „Es befindet sich …“ oder „Ich bringe es …“.

Ort und Ziel bei den neun Wechselpräpositionen
Präposition Wo? · Dativ Wohin? · Akkusativ
an an der Wand an die Wand
auf auf dem Tisch auf den Tisch
hinter hinter dem Haus hinter das Haus
in in dem Zimmer in das Zimmer
neben neben dem Stuhl neben den Stuhl
über über dem Bett über das Bett
unter unter dem Tisch unter den Tisch
vor vor der Tür vor die Tür
zwischen zwischen den Stühlen zwischen die Stühle

Beispiel: „Das Poster hängt an der Wand.“ beschreibt seine Lage. „Ich hänge das Poster an die Wand.“ beschreibt, wohin es kommt. Bei über kann etwas auch oberhalb von etwas anderem befestigt werden: „Ich hänge die Lampe über das Bett.“

Diese Gegenüberstellung erklärt die räumliche Grundverwendung. Die gleichen Wörter kommen auch in Zeitangaben, übertragenen Bedeutungen und festen Verbverbindungen vor. Dort reicht die Frage Wo oder Wohin nicht immer aus.

In vier Schritten zum passenden Artikel

  1. Präposition erkennen: Gehört sie zu den neun Wechselpräpositionen? Bei mit, für oder zu gelten andere Fallregeln.
  2. Bedeutung prüfen: Findet etwas an einem Ort statt oder gelangt etwas an einen neuen Platz? Frage nach genau dieser Wortgruppe: Wo? oder Wohin?
  3. Fall wählen: Für die räumliche Lage Dativ, für das räumliche Ziel Akkusativ.
  4. Die ganze Nomengruppe anpassen: Bestimme Genus und Zahl. Setze Artikel und gegebenenfalls Adjektiv und Nomen in den passenden Fall.
Bestimmte Artikel: Dativ und Akkusativ
Nomen Dativ · Wo? Akkusativ · Wohin?
der Schrank in dem Schrank in den Schrank
die Kiste in der Kiste in die Kiste
das Regal in dem Regal in das Regal
die Schränke in den Schränken in die Schränke

Im Dativ Plural kommt häufig ein -n am Nomen hinzu: Schränke → Schränken, Stühle → Stühlen. Ein schon vorhandenes -n wird nicht verdoppelt; bei Pluralformen auf -s wie Autos kommt kein weiteres -n dazu.

Auch ein Adjektiv gehört zur Gruppe: „neben dem kleinen Schrank“ oder „neben den kleinen Schrank“. Prüfe nicht nur ein einzelnes Wort. Der ganze Ausdruck muss zur gemeinten Lage oder zum Ziel passen.

Bewegung allein entscheidet nicht über den Fall

Bewegung an einem Ort

„Die Kinder rennen im Garten.“

Die Kinder bewegen sich, bleiben dabei aber innerhalb des Gartens. Wo rennen sie? In dem Garten. Deshalb steht die Nomengruppe im Dativ.

Bewegung zu einem Ziel

„Die Kinder rennen in den Garten.“

Sie gelangen von außerhalb in den Garten. Wohin rennen sie? In den Garten. Deshalb steht die Nomengruppe im Akkusativ.

Dasselbe Verb rennen kann also mit beiden Fällen vorkommen. Auch spielen, laufen und schwimmen können eine Handlung an einem Ort ausdrücken. Frage nicht nur: „Bewegt sich jemand?“, sondern: „Welche räumliche Beziehung beschreibt diese Wortgruppe?“

Hilfreiche Verbpaare sind liegen – legen, stehen – stellen und sitzen – sich setzen: „Der Ball liegt unter dem Stuhl.“ – „Ich lege den Ball unter den Stuhl.“ Die Verben geben einen Hinweis. Die Bedeutung der jeweiligen Angabe bleibt entscheidend.

Ein Satz kann beides enthalten: „Im Zimmer legt Ben das Heft auf den Tisch.“ Im Zimmer nennt den Ort der Handlung und steht im Dativ. Auf den Tisch nennt das Ziel des Heftes und steht im Akkusativ.

Kurzformen erkennen und die Regel passend einsetzen

Häufige Verschmelzungen
Kurzform Aufgelöst Beispiel
im in + dem · Dativ Das Kind sitzt im Zelt.
ins in + das · Akkusativ Das Kind kriecht ins Zelt.
am an + dem · Dativ Wir warten am Tor.
ans an + das · Akkusativ Wir gehen ans Tor.

Die Kurzformen verstecken den Artikel, verändern aber den Fall nicht. Löse sie bei Unsicherheit auf. „Im Zelt“ bedeutet in dem Zelt; „ins Zelt“ bedeutet in das Zelt. Bei besonders betontem Artikel kann auch die unverschmolzene Form sinnvoll sein: „in dem Zelt dort“.

Warum heißt es trotzdem „zum Bahnhof“?

Zu ist keine Wechselpräposition, sondern verlangt Dativ. „Wir gehen zum Bahnhof“ enthält zu + dem. Obwohl ein Ziel genannt wird, steht hier Dativ. Die Wo-/Wohin-Unterscheidung ersetzt also nicht die Fallregeln anderer Präpositionen.

Und bei „warten auf“ oder „arbeiten an“?

„Ich warte auf den Bus“ ist keine räumliche Zielangabe. Die Verbindung warten auf verlangt hier Akkusativ. „Ich arbeite an dem Plakat“ enthält eine feste Verbindung mit Dativ. Lerne solche Verbindungen zusammen mit dem Verb. Auch eine Wegangabe wie „über die Brücke gehen“ gehört zu den Verwendungen, die du gesondert kennenlernst.

Wechselpräpositions-Explorer: Ort und Ziel vergleichen

Welche Beziehung ist gemeint?

Orange zeigt die Präposition, Grün die Fallform und Blau den räumlichen Bezug. In jeder Auswahl stehen zwei Beispiele gegenüber.

Wo liegt das Heft?
Es liegtLageaufWechselpräpositiondemDativTisch.Ort
Wohin legt Mila das Heft?
Sie legt esPlatzwechselaufWechselpräpositiondenAkkusativTisch.Ziel

Die bestehende Lage verlangt hier Dativ. Das Ziel des Legens verlangt Akkusativ.

Typische Fehler vermeiden

„Ich laufe im Park, also Akkusativ“ stimmt nicht
Das Laufen findet im Park statt. Im enthält in + dem und damit Dativ.
„Ich lege das Buch auf dem Tisch“ passt nicht zum gemeinten Ziel
Wenn der Tisch der neue Platz des Buches ist, heißt es auf den Tisch. Auf dem Tisch würde einen Ort der Handlung bezeichnen.
„zwischen den Stühle“ → „zwischen den Stühlen“
Bei einer Lage braucht die Pluralgruppe Dativ. Hier erhält auch das Nomen die Endung -n.
„Wohin bedeutet immer Akkusativ“ ist zu allgemein
Zu verlangt auch bei einer Zielangabe Dativ. Prüfe zuerst, welche Präposition vorliegt.
„Auf“ hat nicht in jeder Verwendung eine räumliche Bedeutung
Bei warten auf den Bus gehört auf zur Verbverbindung. Die passende Frage lautet hier Worauf?, nicht Wohin?

Ort und Ziel selbst unterscheiden

1 · Den passenden Artikel einsetzen

Ergänze jeweils den bestimmten Artikel. Der Hinweis sagt dir, welche räumliche Beziehung gemeint ist.

Wo liegt es? Tisch ist maskulin, Singular.Antwort: __________________

Wohin kommt es? Tisch ist maskulin, Singular.Antwort: __________________

Wo steht er? Tür ist feminin, Singular.Antwort: __________________

Wohin kommt er? Tür ist feminin, Singular.Antwort: __________________

Das Rennen findet innerhalb des Gartens statt. Garten ist maskulin.Antwort: __________________

Sie gelangen von draußen in den Garten hinein. Garten ist maskulin.Antwort: __________________

Wo liegt es? Bett ist neutral, Singular.Antwort: __________________

Wohin kommt sie? Stühle ist Plural.Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. dem – Die Lage verlangt Dativ: auf dem Tisch.
  2. den – Das Ziel verlangt Akkusativ: auf den Tisch.
  3. der – Die Lage verlangt Dativ: neben der Tür.
  4. die – Das Ziel verlangt Akkusativ: neben die Tür.
  5. dem – Es geht um den Ort der Handlung: in dem Garten, kurz im Garten.
  6. den – Der Garten ist das Ziel: in den Garten.
  7. dem – Die Lage verlangt Dativ: unter dem Bett.
  8. die – Das Ziel verlangt Akkusativ Plural: zwischen die Stühle.

2 · Markierte Angaben untersuchen

Schreibe nur die verlangte Antwort. Achte auf die gelb markierte Stelle.

Das Schwimmen findet innerhalb des Beckens statt. Welcher Fall liegt vor?Antwort: __________________

Das Becken ist sein Ziel. Welcher Fall liegt vor?Antwort: __________________

Löse am in zwei Wörter auf.Antwort: __________________

Löse ans in zwei Wörter auf.Antwort: __________________

Welcher Fall steht nach zu?Antwort: __________________

Verbessere nur das markierte Nomen.Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. Dativ – Im enthält in + dem. Die Bewegung findet an einem Ort statt.
  2. Akkusativ – Ins enthält in + das. Hier gelangt Ben in das Becken hinein.
  3. an dem – Am besteht aus an und dem; hier steht Dativ.
  4. an das – Ans besteht aus an und das; hier steht Akkusativ.
  5. Dativ – Zu verlangt Dativ, auch bei einem Ziel. Zum bedeutet zu + dem.
  6. Stühlen – Im Dativ Plural heißt es zwischen den Stühlen.

3 · Ein Zimmer umräumen

Schreibe zwei Sätze darüber, wo Gegenstände jetzt stehen oder liegen. Beschreibe anschließend in zwei weiteren Sätzen, wohin du sie stellst oder legst. Verwende mindestens zwei verschiedene Wechselpräpositionen und begründe die vier Fälle.

Mögliche Lösung mit Begründung

„Die Kiste steht neben dem Schrank. Das Kissen liegt auf dem Stuhl. Ich stelle die Kiste unter den Tisch. Ich lege das Kissen auf das Bett.“

Neben dem Schrank und auf dem Stuhl beschreiben bestehende Plätze: Dativ. Unter den Tisch und auf das Bett nennen neue Plätze: Akkusativ. Andere sinnvolle Zimmerbeschreibungen sind ebenfalls möglich.

Ideen für den Unterricht

Einstieg: Ein Buch auf verschiedene Plätze legen. Die Klasse beschreibt zunächst den neuen Platz als Ziel und danach die Lage.

Differenzierung: Mit maskulinen Nomen beginnen, damit dem/den sichtbar wird. Anschließend feminine Nomen, Pluralformen und verschmolzene Artikel ergänzen.

Transfer: Zwei Sätze mit demselben Bewegungsverb bilden: einmal Handlung an einem Ort, einmal Bewegung zu einem Ziel. Die unterschiedlichen Fälle mündlich begründen.

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Zum fachlichen Nachlesen: IDS: Präposition. Beispiele und Aufgaben sind eigenständig für Lernmarktplatz erstellt. Klassenangaben sind eine Orientierung; Reihenfolge und Vertiefung unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform.

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