„Das Heft liegt auf dem Tisch.“ – „Mila legt das Heft auf den Tisch.“ Die Präposition auf bleibt gleich. Trotzdem wechselt der Artikel von dem zu den. Der Grund: Im ersten Satz beschreibst du einen Ort, im zweiten ein Ziel.
Wo? → Dativ
Wo liegt das Heft? Auf dem Tisch. Das Heft befindet sich bereits dort. Die räumliche Beziehung besteht.
Wohin? → Akkusativ
Wohin legt Mila das Heft? Auf den Tisch. Das Heft gelangt erst dorthin. Die räumliche Beziehung entsteht.
Bestimmte Präpositionen können in solchen räumlichen Angaben mit Dativ oder Akkusativ stehen. Sie heißen Wechselpräpositionen. Der Fall hängt von der gemeinten Beziehung ab. Prüfe deshalb immer den ganzen Satz und frage gezielt nach der betreffenden Orts- oder Zielangabe.
Das lernst du: Die neun Wechselpräpositionen erkennen, Ort und Ziel unterscheiden, passende Artikel einsetzen und die häufige Falle „Bewegung = Akkusativ“ vermeiden.
Die neun Wechselpräpositionen im Vergleich
Merke dir: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen. Die Tabelle zeigt jeweils eine bestehende Lage und ein Ziel. Ergänze beim Lesen gedanklich: „Es befindet sich …“ oder „Ich bringe es …“.
Ort und Ziel bei den neun Wechselpräpositionen
Präposition
Wo? · Dativ
Wohin? · Akkusativ
an
an der Wand
an die Wand
auf
auf dem Tisch
auf den Tisch
hinter
hinter dem Haus
hinter das Haus
in
in dem Zimmer
in das Zimmer
neben
neben dem Stuhl
neben den Stuhl
über
über dem Bett
über das Bett
unter
unter dem Tisch
unter den Tisch
vor
vor der Tür
vor die Tür
zwischen
zwischen den Stühlen
zwischen die Stühle
Beispiel: „Das Poster hängt an der Wand.“ beschreibt seine Lage. „Ich hänge das Poster an die Wand.“ beschreibt, wohin es kommt. Bei über kann etwas auch oberhalb von etwas anderem befestigt werden: „Ich hänge die Lampe über das Bett.“
Diese Gegenüberstellung erklärt die räumliche Grundverwendung. Die gleichen Wörter kommen auch in Zeitangaben, übertragenen Bedeutungen und festen Verbverbindungen vor. Dort reicht die Frage Wo oder Wohin nicht immer aus.
In vier Schritten zum passenden Artikel
Präposition erkennen: Gehört sie zu den neun Wechselpräpositionen? Bei mit, für oder zu gelten andere Fallregeln.
Bedeutung prüfen: Findet etwas an einem Ort statt oder gelangt etwas an einen neuen Platz? Frage nach genau dieser Wortgruppe: Wo? oder Wohin?
Fall wählen: Für die räumliche Lage Dativ, für das räumliche Ziel Akkusativ.
Die ganze Nomengruppe anpassen: Bestimme Genus und Zahl. Setze Artikel und gegebenenfalls Adjektiv und Nomen in den passenden Fall.
Bestimmte Artikel: Dativ und Akkusativ
Nomen
Dativ · Wo?
Akkusativ · Wohin?
der Schrank
in dem Schrank
in den Schrank
die Kiste
in der Kiste
in die Kiste
das Regal
in dem Regal
in das Regal
die Schränke
in den Schränken
in die Schränke
Im Dativ Plural kommt häufig ein -n am Nomen hinzu: Schränke → Schränken, Stühle → Stühlen. Ein schon vorhandenes -n wird nicht verdoppelt; bei Pluralformen auf -s wie Autos kommt kein weiteres -n dazu.
Auch ein Adjektiv gehört zur Gruppe: „neben dem kleinen Schrank“ oder „neben den kleinen Schrank“. Prüfe nicht nur ein einzelnes Wort. Der ganze Ausdruck muss zur gemeinten Lage oder zum Ziel passen.
Bewegung allein entscheidet nicht über den Fall
Bewegung an einem Ort
„Die Kinder rennen im Garten.“
Die Kinder bewegen sich, bleiben dabei aber innerhalb des Gartens. Wo rennen sie? In dem Garten. Deshalb steht die Nomengruppe im Dativ.
Bewegung zu einem Ziel
„Die Kinder rennen in den Garten.“
Sie gelangen von außerhalb in den Garten. Wohin rennen sie? In den Garten. Deshalb steht die Nomengruppe im Akkusativ.
Dasselbe Verb rennen kann also mit beiden Fällen vorkommen. Auch spielen, laufen und schwimmen können eine Handlung an einem Ort ausdrücken. Frage nicht nur: „Bewegt sich jemand?“, sondern: „Welche räumliche Beziehung beschreibt diese Wortgruppe?“
Hilfreiche Verbpaare sind liegen – legen, stehen – stellen und sitzen – sich setzen: „Der Ball liegt unter dem Stuhl.“ – „Ich lege den Ball unter den Stuhl.“ Die Verben geben einen Hinweis. Die Bedeutung der jeweiligen Angabe bleibt entscheidend.
Ein Satz kann beides enthalten: „Im Zimmer legt Ben das Heft auf den Tisch.“ Im Zimmer nennt den Ort der Handlung und steht im Dativ. Auf den Tisch nennt das Ziel des Heftes und steht im Akkusativ.
Kurzformen erkennen und die Regel passend einsetzen
Häufige Verschmelzungen
Kurzform
Aufgelöst
Beispiel
im
in + dem · Dativ
Das Kind sitzt im Zelt.
ins
in + das · Akkusativ
Das Kind kriecht ins Zelt.
am
an + dem · Dativ
Wir warten am Tor.
ans
an + das · Akkusativ
Wir gehen ans Tor.
Die Kurzformen verstecken den Artikel, verändern aber den Fall nicht. Löse sie bei Unsicherheit auf. „Im Zelt“ bedeutet in dem Zelt; „ins Zelt“ bedeutet in das Zelt. Bei besonders betontem Artikel kann auch die unverschmolzene Form sinnvoll sein: „in dem Zelt dort“.
Warum heißt es trotzdem „zum Bahnhof“?
Zu ist keine Wechselpräposition, sondern verlangt Dativ. „Wir gehen zum Bahnhof“ enthält zu + dem. Obwohl ein Ziel genannt wird, steht hier Dativ. Die Wo-/Wohin-Unterscheidung ersetzt also nicht die Fallregeln anderer Präpositionen.
Und bei „warten auf“ oder „arbeiten an“?
„Ich warte auf den Bus“ ist keine räumliche Zielangabe. Die Verbindung warten auf verlangt hier Akkusativ. „Ich arbeite an dem Plakat“ enthält eine feste Verbindung mit Dativ. Lerne solche Verbindungen zusammen mit dem Verb. Auch eine Wegangabe wie „über die Brücke gehen“ gehört zu den Verwendungen, die du gesondert kennenlernst.
Wechselpräpositions-Explorer: Ort und Ziel vergleichen
Welche Beziehung ist gemeint?
Orange zeigt die Präposition, Grün die Fallform und Blau den räumlichen Bezug. In jeder Auswahl stehen zwei Beispiele gegenüber.
Wo liegt das Heft?
Es liegtLageaufWechselpräpositiondemDativTisch.Ort
Wohin legt Mila das Heft?
Sie legt esPlatzwechselaufWechselpräpositiondenAkkusativTisch.Ziel
Die bestehende Lage verlangt hier Dativ. Das Ziel des Legens verlangt Akkusativ.
Typische Fehler vermeiden
„Ich laufe im Park, also Akkusativ“ stimmt nicht Das Laufen findet im Park statt. Im enthält in + dem und damit Dativ.
„Ich lege das Buch auf dem Tisch“ passt nicht zum gemeinten Ziel Wenn der Tisch der neue Platz des Buches ist, heißt es auf den Tisch. Auf dem Tisch würde einen Ort der Handlung bezeichnen.
„zwischen den Stühle“ → „zwischen den Stühlen“ Bei einer Lage braucht die Pluralgruppe Dativ. Hier erhält auch das Nomen die Endung -n.
„Wohin bedeutet immer Akkusativ“ ist zu allgemein Zu verlangt auch bei einer Zielangabe Dativ. Prüfe zuerst, welche Präposition vorliegt.
„Auf“ hat nicht in jeder Verwendung eine räumliche Bedeutung Bei warten auf den Bus gehört auf zur Verbverbindung. Die passende Frage lautet hier Worauf?, nicht Wohin?
Selbst ausprobieren
Üben & prüfen
Mit Erklärungen üben oder dein Wissen testen – du entscheidest.
Ort und Ziel selbst unterscheiden
3 · Ein Zimmer umräumen
Schreibe zwei Sätze darüber, wo Gegenstände jetzt stehen oder liegen. Beschreibe anschließend in zwei weiteren Sätzen, wohin du sie stellst oder legst. Verwende mindestens zwei verschiedene Wechselpräpositionen und begründe die vier Fälle.
Mögliche Lösung mit Begründung
„Die Kiste steht neben dem Schrank. Das Kissen liegt auf dem Stuhl. Ich stelle die Kiste unter den Tisch. Ich lege das Kissen auf das Bett.“
Neben dem Schrank und auf dem Stuhl beschreiben bestehende Plätze: Dativ. Unter den Tisch und auf das Bett nennen neue Plätze: Akkusativ. Andere sinnvolle Zimmerbeschreibungen sind ebenfalls möglich.
Wie sicher bist du jetzt?
Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.
Den passenden Artikel einsetzen. Ergänze jeweils den bestimmten Artikel. Der Hinweis sagt dir, welche räumliche Beziehung gemeint ist.
Lösungen mit Erklärungen
den – Das Ziel verlangt Akkusativ: auf den Tisch.
die – Das Ziel verlangt Akkusativ: neben die Tür.
den – Der Garten ist das Ziel: in den Garten.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
Zum fachlichen Nachlesen: IDS: Präposition. Beispiele und Aufgaben sind eigenständig für Lernmarktplatz erstellt. Klassenangaben sind eine Orientierung; Reihenfolge und Vertiefung unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform.