Erbliche Variation ist vorhanden
Pflanzen unterscheiden sich beispielsweise in der Abwehr. Pflanzenfresser unterscheiden sich darin, wie gut sie diese Abwehr überwinden. Neue Varianten entstehen nicht auf Bestellung.
Biologie · Verstehen und üben
Wie beeinflussen Arten gegenseitig ihre Evolution? Entdecke Selektion in beide Richtungen, untersuche ein Pflanzen-Fresser-Modell und entscheide, welche Befunde Koevolution tatsächlich stützen.
Koevolution ist die wechselseitige evolutionäre Beeinflussung von zwei oder mehr Arten. Eine Art verändert die Selektionsbedingungen der anderen; deren evolutionäre Veränderung kann wiederum auf die erste Art zurückwirken.
Entscheidend sind erbliche Unterschiede und Veränderungen von Populationen über Generationen. Es genügt nicht, dass zwei Arten zusammenleben, gleichzeitig vorkommen oder im Laufe eines Tages aufeinander reagieren.
Wenn nur eine Art auf die andere evolutionär reagiert, ist die zweite Wirkungsrichtung noch nicht nachgewiesen. Auch zwei Arten, die unabhängig auf dasselbe Klima reagieren, sind deshalb nicht automatisch koevolviert.
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Pflanzen unterscheiden sich beispielsweise in der Abwehr. Pflanzenfresser unterscheiden sich darin, wie gut sie diese Abwehr überwinden. Neue Varianten entstehen nicht auf Bestellung.
Eine Abwehr kann Pflanzen schützen. Eine Gegenabwehr kann Fressern die Nutzung dieser Pflanzen ermöglichen. Beide Merkmale können zugleich Kosten verursachen.
Varianten mit höherem Fortpflanzungserfolg können häufiger werden. Dadurch ändern sich die Bedingungen für die jeweils andere Population.
Wird eine Gegenabwehr häufiger, kann sich der Vorteil starker Pflanzenabwehr verändern. Welche Variante günstig ist, hängt also auch von den Merkmalen des Partners oder Gegenspielers ab.
„Die Pflanze entwickelt eine Abwehr, um sich zu schützen“ ist eine verkürzte Formulierung. Präziser ist: Erbliche Abwehrvarianten hinterlassen unter bestimmten Bedingungen mehr Nachkommen und nehmen dadurch zu. Einzelne Pflanzen oder Tiere planen diesen Prozess nicht.
Beide Arten können von einer Wechselwirkung profitieren, etwa durch Nahrung auf der einen und Bestäubung auf der anderen Seite. Gegenseitiger Nutzen in der Gegenwart ist jedoch noch kein Beweis für die Entstehung dieser Beziehung durch Koevolution.
Eine Art nutzt die andere zu deren Nachteil, etwa bei Pflanzenfraß oder Parasitismus. Abwehr und Gegenabwehr können ein evolutionäres Wettrüsten bilden. Dieses muss nicht endlos zu immer stärkeren Merkmalen führen.
Eine Pflanze kann mit mehreren Bestäubern, Pflanzenfressern und anderen Arten interagieren. Deren gemeinsame Einflüsse können die Selektion prägen; man spricht dann auch von diffuser Koevolution.
Partner, Umwelt und genetische Ausgangslage können regional verschieden sein. Deshalb müssen dieselben Arten nicht überall dieselben Selektionsbeziehungen und Entwicklungen zeigen.
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Eine ökologische Beziehung beschreibt zunächst das Zusammenwirken von Organismen. Koevolution erklärt eine mögliche evolutionäre Geschichte dieser Wechselwirkung. Die beiden Ebenen ergänzen sich, sind aber nicht austauschbar.
Wir betrachten zwei gedachte Populationen: Pflanzen mit schwacher oder starker Abwehr und Pflanzenfresser ohne oder mit Gegenabwehr. Die beiden Varianten jeder Population werden im Modell unverändert an ihre Nachkommen weitergegeben; Kreuzungen und neue Varianten fehlen.
Starke Pflanzenabwehr hilft besonders gegen Fresser ohne Gegenabwehr. Gegenabwehr hilft besonders bei vielen stark abgewehrten Pflanzen, ist aber mit Kosten verbunden. Stelle die Startanteile ein und lies die Entwicklung über 40 Modellgenerationen ab.
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Starke Abwehr: 30,0 % der Pflanzen · Gegenabwehr: 20,0 % der Fresser
Fortpflanzungsbeiträge werden aus den Anteilen der anderen Population berechnet.
Beide Populationen werden aus demselben Ausgangsschritt aktualisiert.
Das Modell enthält weder Mutation noch Zuwanderung.
Die Linien zeigen Variantenanteile, keine Zahl der Pflanzen oder Fresser. Unterschiedliche Verläufe bedeuten nicht, dass eine Art insgesamt wächst oder ausstirbt. Es gibt auch keinen vorgegebenen Sieger: Die Vorteile hängen von der Zusammensetzung der jeweils anderen Population ab.
Die Tabellen enthalten frei gewählte relative Fortpflanzungsbeiträge. Sie sind keine Wahrscheinlichkeiten und keine gemessenen Werte realer Arten. Begegnungen werden entsprechend den Anteilen der anderen Population gewichtet.
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| Pflanzenvariante | Ohne Gegenabwehr | Mit Gegenabwehr |
|---|---|---|
| Schwache Abwehr | 0,5 | 0,5 |
| Starke Abwehr | 0,9 | 0,4 |
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| Fresservariante | Schwache Abwehr | Starke Abwehr |
|---|---|---|
| Ohne Gegenabwehr | 1,0 | 0,3 |
| Mit Gegenabwehr | 0,8 | 0,7 |
Bei 20 % Fressern mit Gegenabwehr beträgt der mittlere Beitrag einer stark abgewehrten Pflanze 0,8 × 0,9 + 0,2 × 0,4 = 0,8. Der Beitrag einer schwach abgewehrten Pflanze ist 0,5.
Sind anfangs 30 % der Pflanzen stark abgewehrt, stammen 0,3 × 0,8 = 0,24 gewichtete Beiträge von dieser Variante. Die andere Variante liefert 0,7 × 0,5 = 0,35. Der neue Anteil starker Abwehr beträgt deshalb 0,24 / (0,24 + 0,35) ≈ 40,7 %.
Allgemeine Regel: Neuer Variantenanteil = gewichteter Beitrag dieser Variante / Summe der Beiträge beider Varianten derselben Population.
Für die Fresser wird dieselbe Regel mit ihren eigenen Tabellenwerten verwendet. Beide Populationen werden gleichzeitig aus den alten Anteilen berechnet. So fließt nicht versehentlich bereits der neue Pflanzenanteil in den gleichen Fresserschritt ein.
Ihr mittlerer Beitrag ist 0,9 − 0,5q; q ist der Anteil der Fresser mit Gegenabwehr als Zahl zwischen 0 und 1. Bei q unter 0,8 ist dieser Beitrag höher als 0,5. Bei q über 0,8 ist er geringer. Die Schwelle gilt nur für diese Modellwerte.
Ihr Beitrag ist 0,8 − 0,1p; ohne Gegenabwehr beträgt er 1 − 0,7p. p ist der Anteil stark abgewehrter Pflanzen. Gegenabwehr hat daher bei p über einem Drittel den höheren Beitrag. Auch das ist eine Modelleigenschaft, kein Naturgesetz.
Nur zwei vollständig vererbte Varianten je Population, zufällige Begegnungen und feste Tabellenwerte. Keine Mutation, Rekombination, Drift, Zuwanderung oder wechselnden Umweltbedingungen; keine unterschiedliche Lebensdauer und keine Bestandsdynamik. Deshalb bleiben anfangs fehlende Varianten bei 0 %. Reale Koevolution kann anders verlaufen und mehr als zwei Arten umfassen.
Eine passende Form allein kann verschiedene Ursachen haben. Sie könnte etwa durch einseitige Anpassung entstanden sein oder mit einem dritten Umweltfaktor zusammenhängen. Für Koevolution muss die Gegenseitigkeit untersucht werden.
Unterscheidet sich das Merkmal genetisch zwischen Populationen oder beruht es nur auf Umweltbedingungen und individuellem Lernen?
Verändern Merkmale von Art A den Fortpflanzungserfolg von Varianten der Art B – und gilt die umgekehrte Richtung ebenfalls?
Zeitreihen, kontrollierte Versuche und Vergleiche mehrerer Populationen können helfen, evolutionäre Veränderungen und alternative Erklärungen zu beurteilen.
Ein dritter Beteiligter kann Konkurrenz und Selektionsbedingungen verändern. Ein scheinbares Zweierpaar muss deshalb im ökologischen Zusammenhang betrachtet werden.
Forschungsbeispiel: Bei Drehkiefern und Kreuzschnäbeln wurden Zusammenhänge zwischen Zapfenschuppen, Schnabelform und der Nutzung der Samen untersucht. Regionale Unterschiede und funktionelle Untersuchungen stützen gegenseitige Anpassungen. Eichhörnchen verändern in diesem System zusätzlich die Bedingungen. Aus dieser Rolle allein folgt noch nicht, dass für sie dieselbe wechselseitige Anpassung nachgewiesen ist.
Entscheide, ob die Beschreibung wechselseitige Evolution stützt oder dafür noch nicht ausreicht. „Nicht ausreichend“ bedeutet nicht automatisch, dass Koevolution ausgeschlossen ist.
Ein Insekt trinkt Nektar und überträgt dabei Pollen. Für beide Arten wird ein Nutzen der aktuellen Wechselwirkung gemessen. Über erbliche Veränderungen in früheren Generationen liegen keine Daten vor.
Wähle eine Einordnung und begründe sie.
Organismen beschließen keine Gegenmaßnahmen. Erbliche Varianten unterscheiden sich im Fortpflanzungserfolg.
Kosten, wechselnde Vorteile und weitere Beteiligte können die Richtung begrenzen oder verändern. Stabile Zustände und wechselnde Häufigkeiten sind ebenfalls möglich.
Koevolution kann Merkmale verändern, ohne dass neue Arten entstehen. Adaptive Radiation beschreibt dagegen eine Auffächerung von Arten mit verschiedenen Angepasstheiten.
Koevolution kann bei gegenseitigem Nutzen und bei Konflikten auftreten. Sie ist kein Synonym für friedliches Zusammenleben.
Welche Aussage trifft Koevolution am besten?
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Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
Einstieg: Beschreibt eine Pflanze-Fresser-Beziehung und markiert die beiden Selektionsrichtungen im Schaubild.
Erarbeitung: Vergleicht im Modell niedrige und hohe Startanteile. Rechnet den ersten Pflanzenschritt von Hand und prüft anschließend die Kurve.
Transfer: Beurteilt die sechs Befunde im Fall-Labor. Formuliert jeweils, welche weitere Untersuchung eine offene Wirkungsrichtung klären könnte.
Vertiefung: Verbindet die Ergebnisse mit natürlicher Selektion und adaptiver Radiation.
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Arbeitsblatt ansehen →Fachliche Vertiefung: UC Berkeley · Coevolution · UC Berkeley · Case Study: Pinecones and Crossbills. Eigene Erklärungen, Aufgaben und Schaubilder. Zahlenbeispiele sind frei gewählte Unterrichtsdaten; Modelle und Zeichnungen sind bewusst vereinfacht. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.