Gemeinsame Ausgangslinie
Die betrachteten Arten sind durch gemeinsame Abstammung verbunden. Eine zufällige Ansammlung verschiedener Einwanderer ist etwas anderes.
Biologie · Verstehen und üben
Wie wird aus einer Ausgangslinie eine Vielfalt unterschiedlich angepasster Arten? Verbinde Abstammung, Artbildung und ökologische Nischen – und erkunde, wann verschiedene Schnabelformen Vorteile haben.
Adaptive Radiation bezeichnet die Aufspaltung einer gemeinsamen Ausgangslinie in mehrere Arten, die unterschiedliche ökologische Möglichkeiten nutzen. Dabei entwickeln sich verschiedene Angepasstheiten. Häufig entstehen in einer – im Vergleich zur übrigen Geschichte der Gruppe – relativ kurzen Phase viele neue Linien.
„Radiation“ meint hier eine Auffächerung von Abstammungslinien, keine radioaktive Strahlung. „Adaptiv“ verweist auf die Bedeutung unterschiedlicher Angepasstheiten. Nicht jede Zunahme der Artenzahl ist deshalb schon eine adaptive Radiation.
Die betrachteten Arten sind durch gemeinsame Abstammung verbunden. Eine zufällige Ansammlung verschiedener Einwanderer ist etwas anderes.
Arten unterscheiden sich beispielsweise in Nahrung, Aufenthaltsort oder Aktivitätszeit. Erbliche Merkmale können diese Nutzung begünstigen.
Neue Merkmale entstehen nicht, weil Individuen sie benötigen. Erbliche Variation, Selektion und weitere Evolutionsmechanismen verändern Populationen über Generationen. Für eine Radiation kommen mehrere Artbildungsereignisse hinzu.
Ein möglicher Ausgangspunkt ist die Besiedlung eines Gebiets mit verschiedenen nutzbaren Ressourcen. Auch eine neue Fähigkeit oder der Wegfall von Konkurrenten kann neue Möglichkeiten eröffnen. Solche ökologischen Gelegenheiten erhöhen aber nicht automatisch die Artenzahl.
Eine Ausgangspopulation besitzt erbliche Unterschiede. Teilpopulationen können verschiedene Gebiete besiedeln; welche Varianten dorthin gelangen, kann auch vom Zufall abhängen.
Nahrung, Klima, Feinde und Konkurrenten unterscheiden sich. Dadurch können unterschiedliche erbliche Merkmale den Fortpflanzungserfolg begünstigen.
Eingeschränkter Genfluss und Fortpflanzungsbarrieren können Artbildung ermöglichen. Eine räumliche Trennung allein beweist noch keine neue Art.
Wiederholte Artbildung und unterschiedliche ökologische Spezialisierung können eine vielfältige Gruppe hervorbringen. Nicht jede Linie bleibt erhalten; manche sterben aus.
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Der Ablauf ist kein verpflichtender Stufenplan. Ökologische Unterschiede können vor, während oder nach einer Artaufspaltung entstehen. Artbildung und Anpassung beeinflussen sich häufig gegenseitig. Mehr dazu findest du bei Isolation und Artbildung.
Ein kräftiger Schnabel kann das Öffnen harter Samen erleichtern. Ein kleiner oder schmaler Schnabel kann bei anderen Ressourcen Vorteile haben. Welche Form günstig ist, hängt von den Bedingungen und den damit verbundenen Kosten ab. Eine Spezialisierung kann mit Nachteilen bei einer anderen Aufgabe verbunden sein – einem Zielkonflikt oder Trade-off.
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Die ökologische Nische umfasst mehr als den Aufenthaltsort. Zur Ressourcennutzung kommen etwa Umweltansprüche und Beziehungen zu anderen Arten. Unterschiedliche Nutzung kann Konkurrenz verringern; Überschneidungen und Konkurrenz können trotzdem bestehen bleiben.
Drei gedachte Schnabelformen treffen auf harte Samen, kleine Samen und Insekten. Stelle die relativen Angebote von 0 bis 10 ein. Das Modell nimmt an: Die Chance, einer Ressource zu begegnen, entspricht ihrem Anteil am Gesamtangebot. Die Formtypen haben je nach Nahrung unterschiedliche, frei gewählte Erträge.
Vergleiche zuerst ein reines Angebot harter Samen mit einem reinen Insektenangebot. Stelle dann eine Mischung ein. Gibt es eine Form, die unter allen Bedingungen gewinnt?
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Kräftig: 4,33 · Klein: 4,67 · Schmal: 4,00 Punkte
Unterschiedliche Angebote können andere Formen begünstigen.
Pro Begegnung mit einer Ressource werden folgende Erträge angesetzt. Gleiche Suchkosten sind bereits vorausgesetzt; weitere Kosten werden nicht berechnet.
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| Schnabel | Harte Samen | Kleine Samen | Insekten |
|---|---|---|---|
| Kräftig | 8 | 4 | 1 |
| Klein | 3 | 8 | 3 |
| Schmal | 1 | 3 | 8 |
Beispiel bei gleichen Angeboten: Der kräftige Typ erzielt im Mittel (8 + 4 + 1) / 3 = 4,33 Punkte je Suchversuch. Allgemein wird jeder Ertrag mit dem Anteil seiner Ressource gewichtet. Sind alle Angebote null, ist dieser Mittelwert nicht definiert.
Das Verdoppeln aller Angebote lässt ihre Anteile gleich. Deshalb ändert sich der Ertrag je Suchversuch hier nicht; über die gesamte erreichbare Nahrungsmenge sagt das nichts aus.
Es vergleicht eine ökologische Leistung, nicht den tatsächlichen Fortpflanzungserfolg. Es simuliert weder Vererbung noch Konkurrenz, Ressourcenverbrauch, Bestandsgrößen oder Artbildung. Ein günstiger Ertrag kann Teil eines Selektionsvorteils sein; aus den Balken allein folgt keine adaptive Radiation.
Verwandte Finkenarten der Galápagosregion unterscheiden sich unter anderem in Schnabelform, Nahrungsschwerpunkten und Verhalten. Sie veranschaulichen eine Auffächerung aus gemeinsamer Abstammung. Forschungen verbinden Merkmale mit Nahrung und Fortpflanzung; ein einzelnes Schnabelfoto erklärt die Geschichte nicht vollständig.
Auch diese verwandte Vogelgruppe hat verschiedene Schnabelformen und Lebensweisen hervorgebracht. Nahrungsspezialisierungen und Inselgeschichte gehören zur Erklärung. Die heutigen Arten sind keine unveränderten Zwischenstufen auf dem Weg zu einer vermeintlich höchsten Form.
Solche Prozesse sind nicht auf Vögel oder Inseln beschränkt. Inselgruppen machen räumliche Trennung und verschiedene Lebensbedingungen jedoch oft besonders anschaulich. Auch Arten mit einem Nahrungsschwerpunkt können je nach Jahreszeit andere Ressourcen nutzen.
Ein belastbares Gesamtbild verbindet Abstammung, Artaufspaltung, ökologische Unterschiede und die Funktion erblicher Merkmale. Der zeitliche Verlauf hilft, eine besonders starke Auffächerungsphase zu erkennen. Prüfe, welche Informationen im jeweiligen Fall vorliegen.
Eine Gruppe verwandter Arten geht auf eine gemeinsame Ausgangslinie zurück. Ihre Artenbildung häufte sich in einer früheren Phase. Die Arten nutzen verschiedene Ressourcen; Untersuchungen zeigen Vorteile ihrer jeweiligen erblichen Merkmale bei dieser Nutzung.
Wähle eine Einordnung.
Divergenz ist das Auseinanderentwickeln verwandter Linien. Adaptive Radiation umfasst eine Auffächerung in mehrere Arten mit unterschiedlichen Angepasstheiten; nicht jede einzelne Divergenz wird so bezeichnet.
Bei Konvergenz entstehen ähnliche Merkmale unabhängig in unterschiedlichen Linien. Bei einer Radiation stehen gemeinsame Abstammung und unterschiedliche ökologische Spezialisierung im Mittelpunkt.
Eine Verschiebung der Schnabelgröße innerhalb einer Art kann Evolution zeigen, ohne eine neue Art zu erzeugen. Für eine Radiation müssen mehrere Arten und ihre ökologische Diversifizierung betrachtet werden.
Es gibt keine feste Zahl von vorbereiteten „Nischenplätzen“, die automatisch ausgefüllt wird. Umweltbedingungen, Organismen und ihre Wechselwirkungen verändern sich.
Welcher Befund stützt adaptive Radiation am stärksten?
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Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
Einstieg: Vergleicht die drei Schnabelformen und formuliert Vermutungen zu ihrer Nutzung.
Erarbeitung: Gruppen untersuchen reine Angebote und Mischungen im Nischen-Labor. Jede Vorhersage wird mit einem berechneten Mittelwert überprüft.
Transfer: Erklärt, was das Labor zur Selektion beitragen kann und was man zusätzlich für eine adaptive Radiation nachweisen müsste.
Vertiefung: Verknüpft die Seite mit Stammbäumen und Koevolution.
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Arbeitsblatt ansehen →Fachliche Vertiefung: OpenStax · Formation of New Species · HHMI BioInteractive · The Beak of the Finch. Eigene Erklärungen, Aufgaben und Schaubilder. Zahlenbeispiele sind frei gewählte Unterrichtsdaten; Modelle und Zeichnungen sind bewusst vereinfacht. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.