Aussehen allein reicht nicht
Individuen derselben Art können sehr verschieden aussehen. Umgekehrt können sich Arten äußerlich stark ähneln. Äußere Unterschiede liefern Hinweise, ersetzen aber nicht die Untersuchung weiterer Merkmale.
Biologie · Verstehen und üben
Wie können aus einer Ausgangspopulation neue Arten entstehen? Verfolge mögliche Entwicklungen, unterscheide räumliche Trennung von Fortpflanzungsbarrieren und prüfe konkrete Fälle.
Viele Organismen lassen sich zu Arten zusammenfassen. Für sexuell fortpflanzende Organismen ist der biologische Artbegriff hilfreich: Zur selben Art gehören Populationen, deren Individuen sich unter natürlichen Bedingungen tatsächlich oder grundsätzlich miteinander fortpflanzen können und die gegenüber anderen solchen Gruppen reproduktiv abgegrenzt sind.
Dabei geht es um fortdauernden genetischen Austausch und die Bildung lebensfähiger, fortpflanzungsfähiger Nachkommen. Nicht jedes einzelne Individuum muss sich fortpflanzen können. Alter oder Unfruchtbarkeit eines einzelnen Tiers machen es nicht zu einer anderen Art.
Individuen derselben Art können sehr verschieden aussehen. Umgekehrt können sich Arten äußerlich stark ähneln. Äußere Unterschiede liefern Hinweise, ersetzen aber nicht die Untersuchung weiterer Merkmale.
Bei Fossilien lässt sich Fortpflanzung nicht direkt beobachten; bei ungeschlechtlich vermehrten Organismen ist dieses Kriterium nicht passend. Deshalb werden auch Körpermerkmale, genetische Daten, ökologische Eigenschaften und Abstammungslinien herangezogen.
Verschiedene Arten können sich gelegentlich kreuzen. Solche Kreuzungsnachkommen heißen Hybride. Manche sind unfruchtbar, andere können genetischen Austausch ermöglichen. Ein einzelner Hybrid entscheidet deshalb nicht allein über die Einordnung ganzer Populationen.
Isolation schränkt den Austausch zwischen Populationen ein. Eine räumliche Barriere kann verhindern, dass Individuen einander erreichen. Reproduktive Isolation beruht dagegen auf Unterschieden, die Fortpflanzung oder erfolgreichen genetischen Austausch zwischen Gruppen begrenzen.
Beide Formen können zusammenhängen: Eine geografische Trennung kann eine getrennte Entwicklung ermöglichen. Währenddessen können Fortpflanzungsbarrieren entstehen, die später auch bei erneutem Kontakt wirksam bleiben.
Zum Beispiel trennt eine Wasserfläche, ein Gebirge oder eine große Entfernung geeignete Lebensräume. Die Wirkung hängt von der Art und ihrer Ausbreitungsfähigkeit ab. Eine Barriere für einen Käfer muss keine für einen Vogel sein.
Unterschiedliche Paarungszeiten, Partnererkennung oder Probleme bei Befruchtung und Nachkommen können den Austausch begrenzen. Ob solche Unterschiede bestehen, muss untersucht werden – räumliche Entfernung allein beantwortet die Frage nicht.
Das Modell zeigt einen möglichen Ablauf der allopatrischen Artbildung: Populationen werden geografisch getrennt und entwickeln sich unter eingeschränktem Genfluss auseinander. Nicht jede Trennung führt zur Artbildung. Schau deshalb im letzten Schritt beide Möglichkeiten beim Wiederkontakt an.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
Individuen einer Art können genetische Varianten austauschen. Innerhalb der Population sind bereits erbliche Unterschiede möglich. Es muss nicht erst eine Barriere entstehen, damit genetische Variation vorhanden ist.
Es gibt keine allgemeine Zahl von Generationen oder einen universellen Prozentsatz an DNA-Unterschieden, ab dem zwei Populationen plötzlich neue Arten sind. Entscheidend sind die Entwicklung der Linien, ihre Eigenschaften und die Kriterien des verwendeten Artkonzepts.
Eine Zygote ist die Zelle, die durch die Verschmelzung der Keimzellen bei der Befruchtung entsteht. Fortpflanzungsbarrieren werden danach unterschieden, ob sie vor oder nach ihrer Entstehung wirken.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
Beispiele sind unterschiedliche Fortpflanzungszeiten, verschiedene Balzsignale, die Nutzung verschiedener Fortpflanzungsorte, mechanische Hindernisse oder eine fehlende Verträglichkeit der Gameten. Die gemeinsame Zygote entsteht dabei nicht.
Eine Zygote entsteht, aber die Nachkommen sind zum Beispiel eingeschränkt lebensfähig oder unfruchtbar. Auch Probleme in späteren Hybridgenerationen können den genetischen Austausch begrenzen.
„Präzygotisch“ bedeutet nicht nur „vor der Paarung“: Auch eine Barriere bei der Befruchtung gehört dazu. „Postzygotisch“ bedeutet nicht zwingend „nach der Geburt“: Ein Entwicklungsabbruch im Embryonalstadium liegt bereits nach der Entstehung der Zygote.
Lies die Beschreibung und prüfe zuerst: Ist bereits eine Zygote entstanden? Ordne erst danach ein. Wenn wichtige Beobachtungen fehlen, ist eine sichere Zuordnung nicht möglich.
Zwei Pflanzengruppen wachsen am gleichen Ort. Eine blüht nur im Frühjahr, die andere nur im Spätsommer. Ihre Blütezeiten überlappen nicht.
Wähle eine Einordnung und begründe sie zunächst selbst.
Bei sympatrischer Artbildung entstehen neue Arten innerhalb desselben geografischen Gebiets. Es gibt zu Beginn keine vollständige räumliche Trennung der beteiligten Populationen. Für ein dauerhaftes Auseinanderentwickeln muss der genetische Austausch dennoch ausreichend eingeschränkt werden.
Gruppen können sich auf verschiedene Ressourcen oder Fortpflanzungsorte spezialisieren. Wenn dies mit unterschiedlicher Partnerwahl oder Fortpflanzungszeit zusammenhängt, kann der Genfluss abnehmen. Spezialisierung allein beweist aber noch keine Artbildung.
Bei einer Vervielfachung ganzer Chromosomensätze kann sich eine Pflanzengruppe reproduktiv von der Ausgangspopulation unterscheiden. Beispielsweise können Pflanzen mit vier Chromosomensätzen bei Kreuzungen mit diploiden Pflanzen Nachkommen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit erzeugen. Eine dauerhaft bestehende neue Linie muss sich auch selbst erfolgreich fortpflanzen können.
Polyploidie betrifft vollständige Chromosomensätze. Sie ist von einer Veränderung der Anzahl einzelner Chromosomen zu unterscheiden. Nicht jede Chromosomenveränderung führt automatisch zu einer lebensfähigen neuen Art.
Peripatrische Artbildung beschreibt eine getrennte kleine Randpopulation und wird häufig als Sonderfall der allopatrischen Artbildung behandelt; ein Gründereffekt kann dabei eine Rolle spielen. Bei parapatrischer Artbildung entwickeln sich benachbarte Populationen bei begrenztem Austausch auseinander. Diese Begriffe beschreiben räumliche Konstellationen, keine fest vorgeschriebenen Abläufe.
Fehlen ausreichend wirksame Fortpflanzungsbarrieren, kann Genfluss Unterschiede verringern. Eine frühere geografische Trennung muss dann keine dauerhafte Artgrenze hinterlassen.
In einer Kontaktzone können Hybride entstehen. Je nach ihrem Fortpflanzungserfolg und den übrigen Bedingungen kann die Zone fortbestehen. Begrenzte Hybridisierung und die Abgrenzung zweier Linien können gleichzeitig vorkommen.
Sind Hybride unter den gegebenen Bedingungen im Nachteil, kann Selektion Merkmale begünstigen, die Kreuzungen zwischen den Gruppen verringern. Dieser mögliche Prozess heißt Verstärkung oder Reinforcement; er tritt nicht bei jedem Wiederkontakt ein.
Wirksame Fortpflanzungsbarrieren können Unterschiede auch bei Kontakt aufrechterhalten. Die Einschätzung stützt sich auf mehrere Befunde, etwa Partnerwahl, Fruchtbarkeit, genetischen Austausch und die Entwicklung der Populationen.
Wenn sich aus einer gemeinsamen Ausgangslinie mehrere Arten mit unterschiedlichen ökologischen Spezialisierungen entwickeln, spricht man von adaptiver Radiation. Dazu gehören mehrere Artbildungsereignisse; eine solche Entwicklung ist keine zwingende Folge jeder Besiedlung eines neuen Lebensraums.
Ein Fluss trennt eine Population seit einiger Zeit. Welche Aussage ist fachlich gerechtfertigt?
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Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
Einstieg: Beschreibt, was ein neu entstandener Fluss für verschiedene Organismen ändern könnte. Trennt dabei Erreichbarkeit und Fortpflanzungsfähigkeit.
Erarbeitung: Gruppen erklären die vier Schritte im Artbildungs-Labor und vergleichen beide Ausgänge beim Wiederkontakt. Das Fall-Labor übt die zeitliche Einordnung von Barrieren.
Transfer: Formuliert zu „verschiedene Farben“, „räumliche Trennung“ und „ein Hybrid“ jeweils, was daraus folgt und was noch offenbleibt.
Vertiefung: Verbindet die Beispiele mit Gendrift und Genfluss sowie mit dem Lesen evolutionärer Stammbäume.
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Kostenlos · PDF mit LösungenWende die Begriffe und Zusammenhänge in passenden Aufgaben an.
Arbeitsblatt ansehen →Fachliche Vertiefung: OpenStax · Formation of New Species · UC Berkeley · Gene Flow. Eigene Erklärungen, Aufgaben und Schaubilder. Zahlenbeispiele sind frei gewählte Unterrichtsdaten; Modelle und Zeichnungen sind bewusst vereinfacht. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.