Variation
Nicht alle Individuen sind gleich. Mutationen können neue genetische Varianten hervorbringen. Bei sexueller Fortpflanzung kombiniert Rekombination bereits vorhandene Varianten neu.
Biologie · Verstehen und üben
Verstehe, wie sich Populationen über Generationen verändern. Erkunde ein Selektionsmodell, berechne Variantenanteile und unterscheide Anpassung von anderen Evolutionsmechanismen.
In einer Population unterscheiden sich Individuen, zum Beispiel in Körperbau, Stoffwechsel oder Verhalten. Ein Teil dieser Unterschiede ist erblich. Wenn sich die Häufigkeiten erblicher Varianten über Generationen ändern, findet Evolution statt. Über lange Zeiträume können sich Abstammungslinien auseinanderentwickeln und neue Arten entstehen.
Eine Population umfasst Individuen derselben Art in einem bestimmten Gebiet. Bei sexuell fortpflanzenden Arten ist zwischen ihnen grundsätzlich Fortpflanzung möglich. Bei der genetischen Beschreibung betrachtet man häufig Allele: unterschiedliche Varianten eines Gens. Evolution muss nicht immer sofort als auffällige Veränderung des Aussehens erkennbar sein.
Ein einzelner Mensch wächst oder trainiert seine Muskeln. Das ist für sich genommen keine evolutionäre Veränderung einer Population. Natürliche Selektion wirkt über Unterschiede zwischen Individuen; evolutionär verändert sich die Häufigkeit erblicher Varianten über Generationen.
Nicht alle Individuen sind gleich. Mutationen können neue genetische Varianten hervorbringen. Bei sexueller Fortpflanzung kombiniert Rekombination bereits vorhandene Varianten neu.
Für eine dauerhafte evolutionäre Antwort auf Selektion müssen die relevanten Unterschiede eine erbliche Grundlage haben. Nicht jeder Unterschied im Aussehen ist erblich: Ernährung und andere Umweltbedingungen wirken ebenfalls mit.
Natürliche Selektion bedeutet, dass sich Varianten wegen ihrer Merkmale unterschiedlich erfolgreich an der nächsten Generation beteiligen. In einer bestimmten Umwelt können manche Individuen beispielsweise leichter Nahrung finden, länger überleben oder mehr fortpflanzungsfähige Nachkommen haben. Sind die dafür relevanten Unterschiede erblich, können entsprechende Varianten häufiger werden.
Die Umwelt muss eine passende Variante nicht erst absichtlich erzeugen. Selektion kann auf bereits vorhandene Unterschiede wirken; neue Mutationen und Rekombination können weiterhin Variation liefern.
Überleben ist oft wichtig, aber nicht die ganze Erklärung. Wer lange lebt und keine Nachkommen hat, trägt direkt keine Allele zur nächsten Generation bei. Entscheidend ist der Beitrag zu späteren Generationen.
Erbliche Unterschiede können weitergegeben werden. In einem einfachen Fall hinterlässt eine Variante im Mittel mehr überlebende Nachkommen als eine andere.
Über mehrere Generationen kann die begünstigte Variante zunehmen. Dabei verwandeln sich nicht alle Individuen gezielt in eine neue Form. Die Zusammensetzung der Population verändert sich.
Charles Darwin und Alfred Russel Wallace formulierten die Erklärung durch natürliche Selektion im 19. Jahrhundert unabhängig voneinander. Die moderne Evolutionstheorie verbindet diese Idee unter anderem mit Genetik und Populationsbiologie. Selektion ist ein wichtiger Evolutionsmechanismus, aber nicht der einzige.
In der Evolutionsbiologie beschreibt Fitness den Beitrag eines Individuums oder einer Variante zu folgenden Generationen. Gemeint ist nicht einfach Kraft, Ausdauer oder Gesundheit. Welche Eigenschaften vorteilhaft sind, hängt von der konkreten Umwelt ab.
Eine helle Färbung könnte auf hellem Untergrund die Entdeckung durch bestimmte Räuber erschweren. Auf dunklem Untergrund kann derselbe Vorteil wegfallen oder sich umkehren. Außerdem wirken oft mehrere Faktoren gleichzeitig, etwa Nahrung, Temperatur, Krankheitserreger und Partnerwahl.
Ein vorteilhaftes erbliches Merkmal kann durch Selektion häufiger werden. Organismen verändern ihr Erbgut aber nicht gezielt, weil sie ein bestimmtes Merkmal brauchen. Mutationen entstehen nicht vorausschauend passend zu einem zukünftigen Bedarf.
Das Labor betrachtet zwei gedachte, erblich stabile Farbvarianten: hell und dunkel. Die Modellorganismen vermehren sich ungeschlechtlich; Nachkommen behalten hier die Variante ihres Elternorganismus. So lässt sich die Wirkung unterschiedlicher Fortpflanzungsbeiträge ohne ein zusätzliches Kreuzungsschema untersuchen.
Wähle eine Umwelt und den Startanteil. Der Generationsregler liest einen Punkt der Kurve ab. Wenn du Umwelt oder Startanteil änderst, wird der gesamte Modellverlauf neu berechnet.
↔ Diagramm bei Bedarf seitlich verschieben.
Die helle Variante hat im Modell den höheren mittleren Fortpflanzungsbeitrag und nimmt zu, wenn beide Varianten vorhanden sind.
Modellbeiträge: hell 1,2 · dunkel 0,8.
Es beschreibt erwartete Anteile in einer großen Population. Zufallsschwankungen kleiner Bestände, neue Mutationen, Zu- und Abwanderung sowie sexuelle Fortpflanzung fehlen. Die Zahlen 1,2 und 0,8 sind frei gewählte relative Beiträge, keine gemessenen Überlebenswahrscheinlichkeiten. Bei 0 % oder 100 % Startanteil entsteht die fehlende Variante in diesem Modell nicht neu.
Starten beide Varianten mit je 50 %, werden ihre Anteile mit dem jeweiligen Fortpflanzungsbeitrag gewichtet. Für hell ergibt sich 0,5 × 1,2 = 0,6; für dunkel 0,5 × 0,8 = 0,4. Der Anteil von hell unter den Nachkommen ist deshalb 0,6 ÷ (0,6 + 0,4) = 60 %.
In der folgenden Generation wird mit diesen neuen Anteilen weitergerechnet. Der Zuwachs beträgt also nicht immer zehn Prozentpunkte. Die Berechnung aktualisiert Anteile, ohne eine feste Anzahl von Individuen vorauszusetzen.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
p ist der Anteil der hellen Variante zwischen 0 und 1. wH und wD sind die mittleren relativen Fortpflanzungsbeiträge von hell und dunkel. Zuerst werden p und 1 − p gewichtet; danach wird durch den Gesamtbeitrag geteilt.
Sind beide Beiträge gleich, bleibt p in diesem deterministischen Modell konstant. Beim Umweltwechsel werden zehn Schritte mit 1,2/0,8 und danach zehn mit 0,8/1,2 berechnet. Nach zwanzig Schritten ergibt sich hier wieder der Startanteil. Das ist eine Folge der gewählten symmetrischen Modellwerte und keine allgemeine Regel für reale Populationen.
Bei erblich verschiedener Färbung kann ein Räuber eine Variante häufiger entdecken. Wenn sich dadurch der Beitrag zu den Nachkommen unterscheidet, kann Selektion stattfinden. Der Untergrund allein färbt die Nachkommen dabei nicht gezielt um.
Resistente Varianten können bereits vorhanden sein oder während der Vermehrung entstehen; Resistenzgene können auch übertragen werden. Unter einem wirksamen Antibiotikum sind empfindliche Bakterien gegenüber resistenten oft im Nachteil. Die Population kann sich dadurch zugunsten resistenter Varianten verschieben. Nicht der behandelte Mensch wird dabei „gegen das Antibiotikum resistent“.
Bei künstlicher Selektion wählen Menschen aus, welche Organismen sich vermehren sollen. Auch hier braucht es erbliche Unterschiede. Bei natürlicher Selektion ergeben sich Unterschiede im Fortpflanzungserfolg aus den Lebensbedingungen und Wechselwirkungen.
Ein zuvor günstiges Merkmal kann unter anderen Bedingungen neutral oder nachteilig sein. Evolution ist keine Stufenleiter hin zu immer größeren, stärkeren oder komplizierteren Lebewesen.
Mutationen können neue Allele schaffen. Rekombination ordnet vorhandene Allele neu an und beeinflusst die genetischen Kombinationen von Individuen. Rekombination allein muss die Häufigkeit eines einzelnen Allels nicht verändern.
Zufällige Unterschiede darin, welche Individuen Nachkommen hinterlassen, können Allelhäufigkeiten verändern. Dieser Zufallseffekt ist besonders in kleinen Populationen bedeutsam. Eine häufigere Variante muss daher nicht automatisch vorteilhafter sein.
Wenn genetische Varianten durch erfolgreiche Fortpflanzung zwischen Populationen ausgetauscht werden, spricht man von Genfluss. Bloße Bewegung ohne genetischen Beitrag genügt dafür nicht.
Wird der Austausch zwischen Populationen eingeschränkt, können sie sich auseinanderentwickeln. Dauerhafte Fortpflanzungsbarrieren können zur Entstehung neuer Arten beitragen. Eine geografische Trennung allein erzeugt nicht sofort neue Arten.
Eine erbliche Variante wird in einer Population häufiger. Was ist damit allein noch nicht bewiesen?
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Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
Einstieg: Zwei erblich unterschiedliche Varianten zeigen. Die Lernenden vermuten zuerst, welche unter einer beschriebenen Umweltbedingung häufiger werden könnte, und begründen ihre Vermutung.
Erarbeitung: Gruppen vergleichen die vier Laborfälle. Vor jeder Änderung wird eine Vorhersage notiert; danach werden Kurve und Erklärung abgeglichen.
Transfer: Besprecht, was eine flache Kurve, ein Umweltwechsel und eine fehlende Startvariante zeigen – und was das Modell nicht abbildet.
Differenzierung: Grundniveau: Mechanismus in eigenen Worten. Vertiefung: zwei Generationen berechnen und Selektion von Drift oder Genfluss abgrenzen.
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Arbeitsblatt ansehen →Fachliche Vertiefung: UC Berkeley · Natural Selection · OpenStax · Understanding Evolution · OpenStax · Adaptive Evolution. Eigene Erklärungen, Aufgaben und Schaubilder. Zahlenbeispiele sind frei gewählte Unterrichtsdaten; Modelle und Körperbauzeichnungen sind bewusst vereinfacht. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.