Bitte, Einladung oder Arbeitsauftrag
„Gib mir bitte den Stift.“ formuliert eine Bitte. „Kommt doch mit!“ lädt ein. „Unterstreiche die Verben.“ ist ein sachlicher Arbeitsauftrag. Die Formen sind Imperative, ihre Wirkung unterscheidet sich.
Deutsch · Grammatik · etwa Klasse 5–7
Lies, lest oder lesen Sie? Formuliere verständliche Bitten und Anleitungen mit passenden Verbformen, Pronomen und Satzzeichen.
Wähle zuerst, wen du ansprichst.
„Lies den nächsten Satz.“ – „Kommt bitte näher.“ – „Nehmen Sie sich einen Stift.“ Mit solchen Formen richtest du eine Aufforderung an eine oder mehrere angesprochene Personen. Sie können eine Bitte, eine Anleitung, eine Einladung oder eine Warnung ausdrücken.
Du brauchst den Imperativ zum Beispiel in Spielregeln, Rezepten, Arbeitsaufträgen und kurzen Wegbeschreibungen. Eine Aufforderung ist dabei nicht automatisch ein strenger Befehl. Wortwahl, Tonfall und Situation bestimmen mit, wie sie wirkt.
Das lernst du: die passende Anrede wählen, regelmäßige und wichtige unregelmäßige Formen bilden sowie Verbteile, Pronomen und Satzzeichen richtig setzen. Außerdem unterscheidest du die grammatische Form von der Wirkung einer Äußerung.
| Anrede | Beispiel | Was du beachtest |
|---|---|---|
| du · eine vertraute Person | Öffne das Heft. | Du wird normalerweise nicht mitgesprochen. |
| ihr · mehrere vertraute Personen | Öffnet die Hefte. | Die Verbform entspricht hier der Präsensform zu ihr, ohne ihr. |
| Sie · höfliche Anrede | Öffnen Sie das Heft. | Sie steht hinter dem Verb und bleibt erhalten. |
Die höfliche Anrede Sie kann sich an eine Person oder an mehrere Personen richten. Du schreibst dieses Sie groß. Bei du und ihr entfällt das Pronomen im gewöhnlichen Imperativsatz. Es kann zur besonderen Betonung vorkommen: „Hilf du Ben; ich helfe Mila.“
Die eigentlichen Imperativformen betreffen die vertraute Anrede einer oder mehrerer Personen: du und ihr. Im Unterricht werden auch die höfliche Aufforderung mit Sie und die gemeinsame Aufforderung mit wir oft dazugenommen. „Gehen wir los!“ bezieht die sprechende Person mit ein. Die Pronomen Sie und wir bleiben bei diesen Formen stehen. Eine gewöhnliche Imperativform für ich gibt es nicht.
Bei vielen Verben verwendest du den Stamm, häufig mit einer möglichen Endung -e: machen → mach oder mache; kommen → komm oder komme. Beide Varianten sind in diesen Beispielen korrekt. Ein freiwilliges -e darf deshalb in einer Übung nicht pauschal als Fehler gelten.
| Infinitiv | Imperativ für du | Beispiel |
|---|---|---|
| machen | mach / mache | Mach bitte die Tür zu. |
| kommen | komm / komme | Komm bitte zum Tisch. |
| spielen | spiel / spiele | Spiel die nächste Runde. |
| warten | warte | Warte bitte am Eingang. |
| reden | rede | Rede etwas langsamer. |
| öffnen | öffne | Öffne das Fenster. |
| atmen | atme | Atme ruhig weiter. |
Bei Formen wie warte, rede, öffne und atme brauchst du im standardsprachlichen Grundmuster das -e. Es erleichtert die Aussprache. Lerne solche Formen mit einem kurzen Satz; die Regel „einfach bei jeder du-Form das -st abschneiden“ reicht nicht für alle Verben.
| Infinitiv | du im Präsens | Imperativ für du |
|---|---|---|
| lesen | du liest | lies |
| geben | du gibst | gib |
| nehmen | du nimmst | nimm |
| helfen | du hilfst | hilf |
| sehen | du siehst | sieh |
| essen | du isst | iss |
Bei diesen Formen bleibt der Wechsel von e zu i oder ie erhalten. Sie haben kein zusätzliches -e: Lies den Text. Gib mir den Stift. Nimm eine Karte. Nicht richtig sind hier „Lese den Text“ oder „Nehme eine Karte“, wenn du eine Person unmittelbar mit du aufforderst.
| Infinitiv | du im Präsens | Imperativ für du |
|---|---|---|
| fahren | du fährst | fahr / fahre |
| laufen | du läufst | lauf / laufe |
| schlafen | du schläfst | schlaf / schlafe |
| Infinitiv | du | ihr | Sie |
|---|---|---|---|
| lesen | Lies! | Lest! | Lesen Sie! |
| nehmen | Nimm! | Nehmt! | Nehmen Sie! |
| helfen | Hilf! | Helft! | Helfen Sie! |
| fahren | Fahr! / Fahre! | Fahrt! | Fahren Sie! |
| warten | Warte! | Wartet! | Warten Sie! |
| sein | Sei! | Seid! | Seien Sie! |
| haben | Hab! / Habe! | Habt! | Haben Sie! |
Für die ihr-Form nimmst du die Präsensform zu ihr und lässt das Pronomen normalerweise weg: ihr nehmt → nehmt; ihr lest → lest; ihr seid → seid. Übertrage den Vokalwechsel aus der du-Form nicht auf die Mehrzahl: Es heißt nimm, aber nehmt.
Die höfliche Aufforderung lautet bei den meisten Verben wie der Infinitiv mit nachgestelltem Sie: Lesen Sie, Warten Sie. Eine besonders wichtige Ausnahme ist sein: Seien Sie bitte leise. „Sind Sie leise?“ wäre eine Frage.
| Infinitiv | du | ihr | Sie |
|---|---|---|---|
| anrufen | Ruf Ben an. | Ruft Ben an. | Rufen Sie Ben an. |
| aufmachen | Mach das Heft auf. | Macht die Hefte auf. | Machen Sie das Heft auf. |
| vorlesen | Lies den Satz vor. | Lest den Satz vor. | Lesen Sie den Satz vor. |
| sich setzen | Setz dich. / Setze dich. | Setzt euch. | Setzen Sie sich. |
| sich beeilen | Beeil dich. / Beeile dich. | Beeilt euch. | Beeilen Sie sich. |
Bei den trennbaren Verben steht die Verbpartikel am Ende: „Ruf bitte nach der Schule an.“ Dazwischen können weitere Satzteile stehen. Ein untrennbares Verb bleibt zusammen: „Besuch Ben“ oder „Besuche Ben“.
Bei rückbezüglichen Verben passt sich das Pronomen an die angesprochene Person an: dich – euch – sich. In „Setzen Sie sich“ ist Sie die höfliche Anrede; sich bleibt kleingeschrieben. Prüfe beim Wechsel der Anrede deshalb sowohl das Verb als auch das Pronomen.
Verneinte Aufforderungen bilden weiterhin Imperativsätze: „Sprich nicht so schnell.“ – „Nehmt keine fremden Stifte.“ Nicht und kein verändern, was getan oder unterlassen werden soll; die Verbform bleibt eine Aufforderungsform.
„Gib mir bitte den Stift.“ formuliert eine Bitte. „Kommt doch mit!“ lädt ein. „Unterstreiche die Verben.“ ist ein sachlicher Arbeitsauftrag. Die Formen sind Imperative, ihre Wirkung unterscheidet sich.
Ein Ausrufezeichen kann eine Aufforderung besonders nachdrücklich machen: „Pass auf!“ Ein sachlicher Arbeitsauftrag kann mit einem Punkt enden: „Lies den Text.“ Beide Satzzeichen sind je nach beabsichtigter Wirkung möglich.
Umgekehrt macht ein Ausrufezeichen noch keinen Imperativ: „Wie schön!“ ist ein Ausruf ohne Imperativform. Und eine Bitte muss keinen Imperativ enthalten: „Kannst du bitte die Tür schließen?“ ist grammatisch ein Fragesatz mit Modalverb, obwohl er meist eine Bitte ausdrückt.
| Äußerung | Grammatische Form | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Schließ bitte die Tür. | Imperativsatz | Bitte |
| Kannst du bitte die Tür schließen? | Fragesatz mit Modalverb | Bitte |
| Die Tür ist offen. | Aussagesatz | Feststellung; im Kontext vielleicht ein Hinweis, sie zu schließen |
| Wie schön! | Ausruf ohne Imperativ | Freude oder Bewunderung |
Jede Auswahl zeigt zwei beschriftete, farbige Beispiele. Vergleiche die Form und sprich die Sätze laut.
Lesen bildet lies für du und lest für ihr.
Schreibe drei Schritte für eine Kartenübung in der du-Anrede. Verwende nehmen, lesen und aufschreiben. Formuliere danach dieselbe Anleitung für eine Gruppe mit ihr. Markiere die Verbformen und trennbaren Verbteile.
Du: „Nimm eine Karte. Lies den Satz. Schreib die Lösung auf.“ Auch „Schreibe die Lösung auf“ ist richtig.
Ihr: „Nehmt eine Karte. Lest den Satz. Schreibt die Lösung auf.“
Die Anrede bleibt innerhalb jeder Anleitung gleich. Nimm wird zu nehmt, lies zu lest und schreib zu schreibt. Die Partikel auf bleibt am Satzende. Die Punkte passen zu sachlichen Arbeitsaufträgen; eine nachdrückliche Aufforderung kann mit Ausrufezeichen stehen.
Einstieg: Einen Arbeitsauftrag einmal an eine Person, dann an eine Gruppe und schließlich in höflicher Anrede richten. Veränderungen sammeln.
Differenzierung: Mit mach, komm und spielt beginnen. Danach lies, nimm, sei und trennbare Verben einbauen. Fortgeschrittene vergleichen Bitte als Fragesatz und Imperativsatz.
Abschluss: Kurze Anleitungen austauschen. Prüfen, ob Anrede, Verbform, Pronomen und Satzzeichen zur beabsichtigten Wirkung passen.
Wähle ein Arbeitsblatt oder eine Lernhilfe. Auf der Produktseite findest du die Angaben zum Material und zum Download.
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