Ungleiche Verteilung
K+ ist in einer typischen Nervenzelle innen höher konzentriert als außen. Für Na+ gilt das Umgekehrte. Diese Konzentrationsunterschiede enthalten die Voraussetzung für gerichteten Transport.
Biologie · Verstehen und üben
Warum ist eine ruhende Nervenzelle innen gegenüber außen elektrisch negativ? Verknüpfe Ionengradienten, Membrankanäle und die Natrium-Kalium-Pumpe – Schritt für Schritt.
Eine Nervenzelle kann auch dann eine elektrische Spannung an ihrer Membran besitzen, wenn sie gerade kein Aktionspotenzial erzeugt. Diese relativ stabile Spannung heißt Ruhepotenzial. Gemessen wird die elektrische Potenzialdifferenz zwischen Zellinnerem und Außenraum.
Wir verwenden die Vereinbarung Vm = Potenzial innen − Potenzial außen. Ein Wert von etwa −70 mV bedeutet: Innen liegt das elektrische Potenzial um 70 Millivolt niedriger als außen. Das ist ein häufiges Lehrbuchbeispiel, kein einheitlicher Wert aller Nervenzellen.

K+ ist in einer typischen Nervenzelle innen höher konzentriert als außen. Für Na+ gilt das Umgekehrte. Diese Konzentrationsunterschiede enthalten die Voraussetzung für gerichteten Transport.
Geladene Ionen gelangen kaum direkt durch die Lipidschicht. Sie brauchen passende Transportproteine. In Ruhe ist die Membran meist wesentlich durchlässiger für K+ als für Na+.
Die Na+/K+-ATPase arbeitet fortlaufend gegen die elektrochemischen Gradienten. Dadurch bleiben die unterschiedlichen Konzentrationen auf Dauer erhalten.
Viel Na+ · wenig K+
K+-Leckkanäle: ermöglichen passiven Transport; beim typischen Ruhepotenzial besteht ein kleiner Nettoausstrom von K+.
Na+/K+-Pumpe: pro Transportzyklus 3 Na+ nach außen und 2 K+ nach innen; dabei wird ein ATP umgesetzt.
Viel K+ · wenig Na+ · große, überwiegend negativ geladene Moleküle
Qualitatives Schema einer typischen tierischen Nervenzelle. „Viel“ und „wenig“ vergleichen die Konzentration derselben Ionensorte innen und außen. Andere Ionen und Transportwege sind nicht vollständig dargestellt.
Betrachten wir zuerst ein vereinfachtes Gedankenmodell, dessen Membran nur K+ passieren lässt. Wegen seiner höheren Konzentration innen besteht eine Tendenz zum Nettoausstrom. Dabei entsteht an der Membran eine Ladungstrennung: Die Innenseite wird gegenüber der Außenseite negativer.
Diese Spannung wirkt auf die positiv geladenen K+-Ionen in die entgegengesetzte Richtung. Der Konzentrationsunterschied begünstigt den Weg nach außen; die elektrische Wirkung begünstigt den Weg nach innen. Zusammen bilden beide den elektrochemischen Gradienten.
Beim Kalium-Gleichgewichtspotenzial EK gleichen sich diese beiden Wirkungen für K+ aus. Es gibt dann keinen Netto-Kaliumstrom durch die offenen Kaliumkanäle. Einzelne Ionen können die Membran weiterhin in beide Richtungen passieren.
Die echte Zellmembran ist nicht ausschließlich für K+ durchlässig. Auch ein kleiner Na+-Einstrom und weitere Transportwege beeinflussen die Spannung. Deshalb liegt das Ruhepotenzial einer typischen Nervenzelle weniger negativ als ihr reines Kalium-Gleichgewichtspotenzial.
Kanäle ermöglichen schnellen passiven Ionenfluss entlang des jeweiligen elektrochemischen Gradienten. Die Pumpe nutzt chemische Energie aus ATP für aktiven Transport. Sie ist daher kein bloßer Kanal, der sich öffnet.
Pro Zyklus transportiert sie drei positive Natriumionen hinaus und zwei positive Kaliumionen hinein. Damit bewegt sie netto eine positive Ladung nach außen und trägt auch direkt zur Spannung bei. Besonders wichtig ist ihr langfristiger Erhalt der Ionengradienten.
„Ruhe“ bedeutet einen stationären Zustand: Die Spannung und Konzentrationen bleiben annähernd konstant, obwohl Transport stattfindet. Das ist kein vollständiges thermodynamisches Gleichgewicht. Fällt die Pumpe aus, sind nicht sofort alle Konzentrationen gleich. Erst im Verlauf werden die Unterschiede durch weiterlaufende Transportprozesse abgebaut; der direkte Pumpenbeitrag entfällt früher.
Verändere zunächst nur einen Regler. Sage vorher voraus, ob das Zellinnere gegenüber außen negativer oder weniger negativ wird.
−68,5 mV
Vereinfacht wird die Goldman-Hodgkin-Katz-Gleichung bei 37 °C nur für K+ und Na+ verwendet. Fest bleiben K+ innen = 140 mmol/l, Na+ innen = 15 mmol/l und Na+ außen = 145 mmol/l. PK wird auf 1 gesetzt; r steht für PNa/PK.
Vm ≈ 61,5 mV · log10[(Kaußen + r · Naaußen) / (Kinnen + r · Nainnen)]
Für r = 0 bleibt das Kalium-Gleichgewichtspotenzial EK = 61,5 mV · log10(Kaußen/Kinnen). Die Konzentrationen im Quotienten werden jeweils in derselben Einheit eingesetzt.
Ionengradienten + selektive Membrandurchlässigkeit → Ladungstrennung an der Membran → Membranpotenzial. Die Pumpe erhält die Gradienten unter Energieverbrauch. Ihr Betrieb und die passiven Ionenströme gehören zusammen.
Die Natriumdurchlässigkeit steigt im Modell, die Konzentrationen bleiben gleich. Was passiert?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
Nenne die Bezugspunkte der Messung.
Das elektrische Potenzial im Zellinneren liegt um 70 mV niedriger als außen. Die Zahl beschreibt eine Differenz über der Membran.
Denke an Kalium.
Nein. Innen gibt es viele positive und negative Ionen. Die Ladungstrennung an der Membran betrifft nur einen sehr kleinen Anteil der vorhandenen Ladungen.
Vergleiche jede Ionensorte mit sich selbst.
Bei der typischen tierischen Nervenzelle ist K⁺ innen stärker konzentriert als außen; Na⁺ ist außen stärker konzentriert als innen.
Kann das Ion die Membran passieren?
Es muss ein geeigneter durchlässiger Weg vorhanden sein. Die Lipidschicht selbst ist für Ionen eine starke Barriere.
Konzentration und elektrische Ladung.
Der Konzentrationsunterschied begünstigt K⁺-Ausstrom. Das negative Zellinnere wirkt elektrisch in Richtung Einstrom. Ihre gemeinsame Wirkung entscheidet über den Nettotransport.
Unterscheide einzelne Bewegungen und ihre Bilanz.
Im Mittel passieren gleich viele K⁺-Ionen die Membran in beide Richtungen. Das bedeutet nicht, dass jedes Ion unbeweglich ist.
Welche weitere Ionensorte ist im Modell durchlässig?
Die Membran ist nicht nur für K⁺ durchlässig. Besonders ein kleiner Na⁺-Einstrom verschiebt das Potenzial. Reale Zellen haben weitere Ionen und Transportwege.
Drei hinaus, zwei hinein.
Pro Zyklus gelangen 3 Na⁺ nach außen und 2 K⁺ nach innen; dabei wird ein ATP umgesetzt. Netto wird eine positive Ladung nach außen transportiert.
Lasse die relative Na⁺-Durchlässigkeit bei 0,04.
Das Modellpotenzial steigt ungefähr von −68,5 auf −58,4 mV und wird weniger negativ. Der Kalium-Konzentrationsunterschied ist kleiner geworden.
Vergleiche Vₘ mit Eₖ.
Im Zwei-Ionen-Modell wird die Membran dann nur noch von K⁺ bestimmt: Vₘ ist gleich Eₖ. Bei 5 mmol/l K⁺ außen ergibt das etwa −89,0 mV.
Was arbeitet auch in Ruhe?
Die Pumpe setzt fortlaufend ATP um. Transport kann weiterlaufen, während Spannung und Konzentrationen ungefähr gleich bleiben.
Unterscheide Pumpenbeitrag und vorhandene Gradienten.
Falsch. Die bestehenden Ionengradienten verschwinden nicht schlagartig. Der direkte Pumpenbeitrag entfällt früher, während die Gradienten erst mit der Zeit abgebaut werden.

Kostenloses Arbeitsblatt mit Lösungen zum selbstständigen Üben oder für den Unterricht.
Arbeitsblatt ansehen →Vertiefung: UTHealth: Resting Potentials and Action Potentials sowie Alberts et al.: Ion Channels and the Electrical Properties of Membranes. Die Laborwerte sind selbst berechnete didaktische Modellwerte und keine Messreihe.