Biologie · Verstehen und üben

Reizaufnahme und Reizcodierung

Wie wird aus einer Berührung ein Nervensignal? Verfolge die Umwandlung und entdecke, wie Reizart, Stärke und Dauer im Nervensystem dargestellt werden.

Das kannst du danach

Transduktion erklärenPotenzial und Frequenz unterscheidenReizcodierung und Adaptation verstehen

Vom Reiz zum elektrischen Signal

Eine Berührung, ein Lichtreiz oder ein Duft beginnt als physikalische beziehungsweise chemische Einwirkung. Sinnesrezeptoren übersetzen passende Reize in Veränderungen der Zellaktivität. Diese Umwandlung heißt Transduktion.

Bei einer mechanosensorischen Nervenendigung kann Verformung mechanisch empfindliche Ionenkanäle beeinflussen. Dadurch ändert sich die Membranspannung. Dieses abgestufte Rezeptor- oder Generatorpotenzial beeinflusst, ob und wie häufig im zugehörigen sensorischen Neuron Aktionspotenziale entstehen.

Ein Rezeptorpotenzial ist nicht dasselbe wie ein Aktionspotenzial. Es kann unterschiedlich groß sein. Ein Aktionspotenzial ist dagegen ein regenerativ entstehendes Signal mit Alles-oder-nichts-Charakter.

Primäre Sinneszelle

Die reizaufnehmende Zelle ist selbst eine Nervenzelle. Reizaufnahme und die Weiterleitung von Aktionspotenzialen gehören zu derselben Zelle, etwa bei Riechzellen.

Sekundäre Sinneszelle

Die Sinneszelle gibt ihre Information über eine Synapse an ein sensorisches Neuron weiter. Ein Beispiel sind Haarzellen des Innenohrs. Die Aktionspotenziale zur Weiterleitung entstehen im nachgeschalteten Neuron.

Welche Information steckt im Signal?

Reizmerkmal Wichtiger Code Beispiel
Art des Reizes Aktivierte Rezeptortypen und Nervenbahnen Sehbahn und Hörbahn führen zu unterschiedlichen Sinneseindrücken.
Stärke Entladungsfrequenz und Aktivität mehrerer Neuronen In einem geeigneten Arbeitsbereich kann stärkerer Druck mehr Impulse pro Zeit auslösen.
Ort Welche rezeptiven Felder und Bahnen aktiv sind Eine Berührung am Finger aktiviert andere räumlich zugeordnete Eingänge als am Unterarm.
Dauer und Veränderung Zeitlicher Verlauf der Aktivität Manche Rezeptoren melden anhaltende Einwirkung, andere besonders deren Veränderung.

Ein einzelnes Aktionspotenzial trägt deshalb keine Aufschrift „Licht“ oder „Druck“. Das Nervensystem wertet aus, welche Zellen wann und wie häufig aktiv sind.

Codierungslabor: Stärkerer Reiz, größere Impulse?

Vergleiche drei frei gewählte Reizstärken in einem vereinfachten sensorischen Neuron. Alle Zeichnungen zeigen dasselbe Zeitfenster von einer Sekunde.

Schematische Impulsfolge in einer Sekunde Gleiche Höhe · veränderte Häufigkeit0 s1 s

Schematische Impulszeichnung, keine gemessene Spannungskurve. Die Werte 4, 8 und 12 Hz dienen nur dem Vergleich. Reale Zusammenhänge sind rezeptorabhängig, oft nicht linear und durch Refraktärzeit, Anpassung und Sättigung begrenzt.

Adaptation: Warum gleichbleibende Reize anders gemeldet werden

Eine Uhr am Handgelenk fällt anfangs auf und später oft weniger. Dazu können Anpassungen der Rezeptorantwort und die weitere Verarbeitung im Nervensystem beitragen. Sensorische Adaptation bedeutet, dass sich die Antwort bei anhaltendem Reiz verändert, häufig abnimmt.

Langsam adaptierend

Die Aktivität bleibt während eines anhaltenden Reizes vergleichsweise lange bestehen. So können Stärke und Dauer einer Einwirkung übermittelt werden.

Schnell adaptierend

Die Antwort ist besonders ausgeprägt, wenn sich ein Reiz verändert. Das hilft zum Beispiel, Vibrationen oder den Beginn und das Ende einer Berührung zu erfassen.

Nicht jede Sinneszelle reagiert gleich

Das einfache Beispiel „mehr Reiz → stärkere Depolarisation → höhere Frequenz“ passt nicht unverändert auf alle Sinneszellen. Fotorezeptoren der Wirbeltiernetzhaut hyperpolarisieren bei Licht und verändern ihre Transmitterfreisetzung. Entscheidend ist stets die konkrete Signalkette.

Eine Frequenz selbst berechnen

Du zählst 18 Aktionspotenziale in 3 Sekunden: mittlere Frequenz = Anzahl ÷ Zeit = 18 ÷ 3 s = 6 Hz. Die Zahl beschreibt die Häufigkeit im Messfenster, nicht die Geschwindigkeit der Erregungsleitung.

Kurzer Wissenscheck

Im Modell steigt die Reizstärke. Was verändert sich?

Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.

12 Aufgaben: verstehen, anwenden und begründen

Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.

1 · Was bedeutet Transduktion?

Tipp

Welche Art von Signal entsteht?

Lösung mit Erklärung

Ein Reiz wird in ein zelluläres Signal umgesetzt, beispielsweise in eine Änderung der Membranspannung eines Sinnesrezeptors.

2 · Nenne einen mechanischen und einen chemischen Reiz.

Tipp

Denke an Tasten und Riechen.

Lösung mit Erklärung

Zum Beispiel Verformung der Haut bei Berührung und Duftmoleküle an Riechrezeptoren.

3 · Unterscheide Rezeptorpotenzial und Aktionspotenzial.

Tipp

Abgestuft oder Alles-oder-nichts?

Lösung mit Erklärung

Rezeptorpotenziale können unterschiedlich groß sein. Aktionspotenziale entstehen bei ausreichender Erregung regenerativ und werden nicht mit jedem stärkeren Reiz einfach höher.

4 · Wo entsteht das weiterleitende Aktionspotenzial bei sekundären Sinneszellen?

Tipp

Zwischen Sinneszelle und Nervenzelle liegt eine Synapse.

Lösung mit Erklärung

Im nachgeschalteten sensorischen Neuron; die Sinneszelle beeinflusst es über ihre Transmitterfreisetzung.

5 · Was bedeutet eine Frequenz von 8 Hz?

Tipp

Die Einheit bezieht sich auf eine Sekunde.

Lösung mit Erklärung

Im betrachteten Mittel treten acht Aktionspotenziale pro Sekunde auf.

6 · Du zählst 30 Impulse in 5 Sekunden. Berechne die mittlere Frequenz.

Tipp

Teile die Anzahl durch die Zeit.

Lösung mit Erklärung

30 ÷ 5 s = 6 Hz.

7 · Warum können gleich hohe Impulse unterschiedliche Reizstärken anzeigen?

Tipp

Vergleiche ihre Abstände.

Lösung mit Erklärung

Die Anzahl pro Zeit beziehungsweise die Frequenz kann sich unterscheiden. Zusätzlich kann die Aktivität mehrerer Neuronen zur Stärkecodierung beitragen.

8 · Warum wird eine Aktivität der Sehbahn anders wahrgenommen als eine der Hörbahn?

Tipp

Welche Zellen und Verbindungen sind beteiligt?

Lösung mit Erklärung

Rezeptortypen und zugeordnete Verarbeitungsbahnen unterscheiden sich. Die Reizart wird nicht allein durch die Form eines einzelnen Impulses festgelegt.

9 · Was ist sensorische Adaptation?

Tipp

Der Reiz bleibt, die Antwort verändert sich.

Lösung mit Erklärung

Die Antwort auf einen anhaltenden Reiz verändert sich, häufig wird sie schwächer. Geschwindigkeit und Ausmaß hängen vom Rezeptorsystem ab.

10 · Welcher Rezeptortyp eignet sich besonders zum Melden schneller Änderungen?

Tipp

Vergleiche schnell und langsam adaptierend.

Lösung mit Erklärung

Schnell adaptierende Rezeptoren antworten besonders auf Veränderungen; langsam adaptierende liefern länger Informationen über anhaltende Reize.

11 · Korrigiere: Licht depolarisiert jeden Fotorezeptor.

Tipp

Denke an die Wirbeltiernetzhaut.

Lösung mit Erklärung

Fotorezeptoren der Wirbeltiernetzhaut hyperpolarisieren bei Licht. Die Richtung der Spannungsänderung hängt vom jeweiligen Rezeptormechanismus ab.

12 · Sind 12 Hz eine Leitungsgeschwindigkeit?

Tipp

Vergleiche Hz und m/s.

Lösung mit Erklärung

Nein. Hz beschreibt Impulse pro Sekunde. Leitungsgeschwindigkeit beschreibt die zurückgelegte Strecke pro Zeit, beispielsweise in m/s.

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Aktionspotenziale und Reizstärke

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OpenStax Biology 2e: Sensory Processes – Grundlagen der Sinnesverarbeitung. Das Codierungslabor verwendet eigene schematische Beispieldaten.

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