Ein Pilz ist viel mehr als sein Hut. Entdecke das verborgene Myzel, erkunde die Nährstoffaufnahme und unterscheide Zersetzer, Symbiosepartner und Parasiten.
Das kannst du danach
Fruchtkörper, Hyphen und Myzel erklärenNährstoffaufnahme Schritt für Schritt verstehenDie Rolle von Pilzen im Ökosystem beurteilen
Pilze sind eine eigene Organismengruppe
Auf dem Waldboden siehst du einen Pilzhut. Im Brotteig arbeitet eine Hefe, auf einem alten Stück Obst wächst Schimmel. Alle drei Beispiele gehören zu den Pilzen. Diese bilden eine eigene große Organismengruppe: Sie sind weder Pflanzen noch Tiere.
Pilzzellen besitzen einen Zellkern und eine Zellwand, deren Bestandteile unter anderem Chitin sind. Sie haben keine Chloroplasten und betreiben keine Fotosynthese. Stattdessen nehmen sie organische Stoffe aus ihrer Umgebung auf. Diese Ernährungsweise heißt heterotroph.
Fruchtkörper machen einen Pilz sichtbar; ein großer Teil seines Körpers kann im Holz verborgen sein. Keine Darstellung zur Art- oder Essbarkeitsbestimmung. KI-generierte Illustration.
Auf schmalen Bildschirmen kannst du diese Tabelle seitlich verschieben.
Merkmal
Typische Pflanzenzelle
Pilzzelle
Zellkern
Vorhanden
Vorhanden
Zellwand
Vor allem aus Cellulose aufgebaut
Unter anderem mit Chitin und Glucanen
Chloroplasten
In fotosynthetisch aktiven Zellen vorhanden
Nicht vorhanden
Ernährung
Grüne Pflanzen bilden organische Stoffe durch Fotosynthese
Organische Stoffe werden aufgenommen
Eine Zellwand macht noch keine Pflanze. Pilze ähneln Pflanzen äußerlich manchmal durch ihr ortsfestes Wachstum. Ihre Ernährung, Zellbiologie und Abstammung unterscheiden sich aber deutlich. Auch nicht jede Pflanzenzelle enthält Chloroplasten – zum Beispiel viele Wurzelzellen nicht.
Fruchtkörper, Hyphe und Myzel
Der „Pilz“, den du im Wald pflückbar vor dir siehst, ist bei vielen Arten nur der Fruchtkörper. Er entsteht aus dicht miteinander verwobenen Pilzfäden. Diese Fäden heißen Hyphen; ihr gesamtes Geflecht nennt man Myzel.
Das Myzel durchzieht zum Beispiel Bodenstreu oder Holz. Es wächst, erschließt neue Bereiche und nimmt gelöste Stoffe auf. Der Fruchtkörper dient vor allem der Bildung und Verbreitung von Sporen. Nicht jeder Pilz bildet einen Hut mit Stiel.
Schematischer Lamellenpilz: Oberhalb liegt der Fruchtkörper, im Substrat das verzweigte Myzel. Die gezeichneten Fäden sind stark vergrößert und vereinfacht.
1 · Hut: Teil des Fruchtkörpers; er trägt hier an seiner Unterseite die Lamellen.
2 · Lamellen: Auf ihrer Oberfläche werden bei diesem Pilz Sporen gebildet. Andere Hutpilze besitzen zum Beispiel Röhren statt Lamellen.
3 · Stiel: Hebt den Hut an und kann dadurch die Verbreitung der Sporen unterstützen.
4 · Hyphe: Ein einzelner Pilzfaden; Hyphen können sich verzweigen.
5 · Myzel: Das gesamte Geflecht der Hyphen im dargestellten Substrat.
Sporen sind keine Samen
Eine Pilzspore kann unter geeigneten Bedingungen keimen und neues Wachstum beginnen. Sie enthält keinen Pflanzenembryo wie ein Samen. Sporen sind oft sehr klein und können beispielsweise mit Luft oder Wasser verbreitet werden.
Hefen zeigen eine andere Bauform
Viele Hefen leben überwiegend als einzelne Zellen. Sie vermehren sich häufig durch Sprossung: Eine kleinere Tochterzelle entsteht an einer Mutterzelle. Die Aussage „Alle Pilze bestehen immer aus einem Myzel mit Hut“ ist daher falsch.
Keine Pflanzenorgane: Ein Stiel ist hier kein Pflanzenstängel, ein Myzel keine Wurzel. Ähnliche Lage oder Form bedeutet nicht, dass es sich um dieselben Organe handelt.
Interaktiv: So nimmt eine Pilzhyphe Nährstoffe auf
Wie kommt ein Pilz an Nahrung, obwohl er keinen Mund hat? Schalte durch die vier Schritte. Das Modell zeigt eine einzelne Hyphe und einen beispielhaften Nährstoff.
Schematischer Ausschnitt, nicht maßstabsgetreu. Gelb: Nährstoff und seine Bausteine; Türkis: Enzym beziehungsweise Transportprotein. Das Substrat ist das Material, in dem der Pilz wächst.
1 · Große Moleküle bleiben zunächst außen
Im Substrat liegen zum Beispiel lange Kohlenhydratketten. Solche großen Moleküle können nicht einfach als Ganzes durch die Zellmembran aufgenommen werden. Die Perlenkette steht vereinfacht für ein großes Molekül.
Merksatz: erst außerhalb zerlegen, dann gelöste Bausteine aufnehmen. Auch Tiere verdauen mit Enzymen; bei einem Hutpilz findet die erste Zerlegung unmittelbar in seiner Umgebung statt.
Drei wichtige Lebensweisen
Zersetzer – tote organische Substanz nutzen
Viele Pilze leben von abgestorbenen Pflanzenresten oder Holz. Sie werden Saprobionten genannt. Als Destruenten tragen sie dazu bei, organisches Material abzubauen und Stoffe für weitere Organismen verfügbar zu machen.
Symbiosepartner – zusammenleben und profitieren
Bei der Mykorrhiza arbeiten Pilzhyphen und Pflanzenwurzeln zusammen. Die Pflanze liefert organische Stoffe aus der Fotosynthese; das Hyphennetz kann ihre Versorgung mit Mineralstoffen und Wasser verbessern.
Parasiten – auf Kosten eines Wirts leben
Manche Pilze nutzen lebende Organismen und schädigen sie, beispielsweise Mehltaupilze an Pflanzen. Parasitismus beschreibt die Beziehung zwischen Organismen, nicht das gesamte Reich der Pilze.
Flechten – eine besondere Lebensgemeinschaft
Flechten bestehen aus einem Pilz und fotosynthetisch aktiven Partnern, meist Grünalgen und/oder Cyanobakterien. Der Pilz bildet den wesentlichen Körper der Flechte; die Partner liefern durch Fotosynthese organische Stoffe.
Ordne die drei Beispiele zunächst selbst zu: Zersetzer, Symbiosepartner oder Parasit.
Morsches Holz
Ein Pilz wächst in abgestorbenem Holz und nutzt dessen organische Stoffe. Welche Ernährungsweise liegt vor?
Stoffkreislauf ist kein Energiekreislauf. Beim Abbau werden Stoffe umgewandelt und wieder verfügbar. Pilze gewinnen aus organischen Stoffen Energie; bei der Zellatmung entsteht auch CO₂ und es wird Wärme abgegeben. Energie wird im Ökosystem nicht wie Materie im Kreis geführt.
Pilze in Natur, Alltag und Unterricht
Warum tauchen Fruchtkörper plötzlich auf?
Das Myzel kann bereits im Substrat vorhanden sein, obwohl du noch keinen Fruchtkörper siehst. Wenn artspezifisch geeignete Bedingungen zusammenkommen, kann es Fruchtkörper ausbilden. Sichtbare Pilzhüte sind deshalb kein vollständiges Maß dafür, wie viele Pilze an einem Ort leben.
Ein Faden hat viel Kontakt zur Umgebung
Ein verzweigtes Hyphennetz erschließt eine große Oberfläche im Verhältnis zu seinem Volumen. Das unterstützt den Kontakt mit dem Substrat, die Wirkung von Enzymen und die Aufnahme gelöster Stoffe. Wachstum hängt unter anderem von verfügbaren Nährstoffen, Wasser, Temperatur und der Pilzart ab.
Hefe lockert einen Teig
Backhefe nutzt Zucker. Bei der alkoholischen Gärung entstehen unter anderem Kohlenstoffdioxid und Ethanol. Das Gas kann im Teig festgehalten werden und ihn lockern. Die Hefe „erzeugt“ das Gas also durch ihren Stoffwechsel; sie betreibt dabei keine Fotosynthese.
Genau beobachten statt vorschnell schließen
Ein Fruchtkörper direkt neben einem Baum beweist allein noch keine Mykorrhiza. Er könnte beispielsweise zu einem Holz- oder Streuzersetzer gehören. Für eine zuverlässige Aussage braucht man zusätzliche Informationen über die Pilzart und ihre Verbindung zur Wurzel.
Für Beobachtungen: Diese Lernseite ist keine Anleitung zum Bestimmen von Speisepilzen. Unbekannte Pilze nicht probieren. Schimmel auf Lebensmitteln nicht absichtlich für offene Versuche züchten oder daran riechen; nutze für den Unterricht geeignete Präparate, Bilder oder angeleitete Versuche mit Backhefe.
12 Aufgaben: verstehen, anwenden und begründen
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
1 · Warum sind Pilze keine Pflanzen? Nenne zwei Gründe.
Tipp
Betrachte Chloroplasten und Ernährung.
Lösung mit Erklärung
Pilze besitzen keine Chloroplasten und betreiben keine Fotosynthese. Sie nehmen organische Stoffe auf, statt sie wie grüne Pflanzen durch Fotosynthese aufzubauen. Auch Zellwandbestandteile und Abstammung unterscheiden sich.
2 · Erkläre Hyphe und Myzel mit einem Satz pro Begriff.
Tipp
Ein einzelner Faden und das Geflecht sind nicht dasselbe.
Lösung mit Erklärung
Eine Hyphe ist ein Pilzfaden. Das Myzel ist das aus Hyphen bestehende Geflecht eines Pilzes, das ein Substrat durchziehen kann.
3 · Ist der sichtbare Fruchtkörper der gesamte Pilz?
Tipp
Denke an das Substrat unter oder hinter dem Fruchtkörper.
Lösung mit Erklärung
Bei vielen Hutpilzen nein. Ein erheblicher Teil besteht aus einem Myzel im Substrat. Der Fruchtkörper ist eine spezialisierte Struktur für die Sporenbildung und -verbreitung.
Die Zellmembran lässt nicht jedes große Molekül passieren.
Lösung mit Erklärung
Zuerst werden passende Enzyme abgegeben; sie spalten große Nährstoffmoleküle außerhalb der Hyphe. Anschließend nimmt der Pilz geeignete kleine, gelöste Bausteine auf.
5 · Warum ist die Aussage „Pilze fressen Holzstücke“ ungenau?
Tipp
Beschreibe den Weg bis über die Zellmembran.
Lösung mit Erklärung
Ein holzabbauender Pilz verschluckt keine Holzstücke. Er setzt Enzyme ein, die geeignete Bestandteile außerhalb seiner Zellen zerlegen, und nimmt danach gelöste kleine Moleküle auf.
6 · Weshalb kann ein verzweigtes Myzel bei der Ernährung vorteilhaft sein?
Tipp
Verbinde Form, Oberfläche und Umgebung.
Lösung mit Erklärung
Viele dünne, verzweigte Hyphen bieten viel Kontaktfläche zum Substrat und erschließen neue Bereiche. Dadurch können Enzyme und die Aufnahme gelöster Stoffe wirksam zusammenarbeiten.
7 · Ein Pilz baut gefallenes Laub ab. Welche Rolle übernimmt er?
Tipp
Ist das genutzte Material lebendig oder abgestorben?
Lösung mit Erklärung
Er lebt hier als Saprobiont und wirkt als Zersetzer. Er nutzt tote organische Substanz und trägt zum Stoffkreislauf bei.
8 · Was tauschen die Partner einer Mykorrhiza aus?
Tipp
Unterscheide energiereiche organische Stoffe von Mineralstoffen.
Lösung mit Erklärung
Die Pflanze liefert dem Pilz organische Stoffe aus der Fotosynthese. Der Pilz unterstützt die Versorgung der Pflanze mit Mineralstoffen und Wasser. Beide können von dieser Symbiose profitieren.
9 · Warum ist Mehltau an einer lebenden Pflanze kein Beispiel für reine Zersetzung abgestorbenen Materials?
Tipp
Achte auf den Zustand und die Schädigung des Wirts.
Lösung mit Erklärung
Der Pilz nutzt einen lebenden Wirt und schädigt ihn. Die beschriebene Beziehung ist Parasitismus, nicht die saprobiontische Ernährung von ausschließlich totem Material.
10 · Vergleiche eine Pilzspore mit einem Pflanzensamen.
Tipp
Welche Struktur enthält einen Pflanzenembryo?
Lösung mit Erklärung
Beide können der Verbreitung dienen. Ein Samen enthält einen Pflanzenembryo und schützende Hüllen, oft auch Reservestoffe. Eine Pilzspore ist kein solcher Samen und enthält keinen Pflanzenembryo.
11 · Was zeigt das Beispiel Hefe über die Vielfalt der Pilze?
Tipp
Muss ein Pilz immer einen Hut und ein ausgedehntes Myzel haben?
Lösung mit Erklärung
Nein. Viele Hefen leben überwiegend einzellig und vermehren sich häufig durch Sprossung. Pilze umfassen unterschiedliche Bau- und Lebensformen.
12 · Ein Pilzhut steht neben einer Buche. Belegt das eine Mykorrhiza? Begründe.
Tipp
Nähe ist eine Beobachtung; die Art der Beziehung ist eine weitergehende Aussage.
Lösung mit Erklärung
Nein. Räumliche Nähe allein genügt nicht. Der Pilz könnte tote Streu oder Holz nutzen. Man braucht weitere Informationen, etwa zur Art und zu einer tatsächlichen Verbindung mit der Wurzel.
Kurzer Wissenscheck
Welche Aussage beschreibt die Ernährung vieler Pilze richtig?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.