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Deutsch · Satzbau · etwa Klasse 6–8

Infinitivgruppen verstehen und Kommas sicher setzen

Bilde Infinitive mit zu, erkläre um, ohne und statt und erkenne den Personenbezug. Übe die Kommasetzung mit klaren Beispielen und den wichtigen Ausnahmen.

Verstehen · ausprobieren · selbst anwenden
Etwa 25–35 Minuten mit Übungen · je nach Lernstand

Ein Ziel ausdrücken

Mila übt,Handlung
um sicherer zu lesen.Zweck · Mila ist mitgemeint

Die gesamte Gruppe wird mit Komma abgegrenzt.

Was ist eine Infinitivgruppe?

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs: lesen, helfen, sammeln. Mit zu entsteht zum Beispiel zu lesen. Kommen Ergänzungen hinzu, entsteht eine erweiterte Gruppe: „den kurzen Text aufmerksam zu lesen“. Diese Gruppe hat keine eigene finite Verbform wie liest oder lesen in „wir lesen“. Die handelnde Person wird meist aus dem Zusammenhang erschlossen.

Finite Form

„Mila liest den Text.“
Liest passt zu Mila und steht in der dritten Person Singular.

Infinitiv mit zu

„Mila plant, den Text zu lesen.“
Zu lesen hat keine Personalendung. Plant ist die finite Form des Gesamtsatzes.

Auf dieser Seite lernst du vor allem satzwertige Infinitivgruppen kennen. Sie übernehmen eine Aufgabe ähnlich wie ein Nebensatz: Sie ergänzen einen Inhalt, beschreiben ein Ziel oder erläutern ein Nomen. Für die Zeichensetzung ist außerdem wichtig, sie von Bestandteilen eines mehrteiligen Prädikats zu unterscheiden.

Grundidee: Suche nicht nur das Wort zu. Bestimme die ganze zusammengehörige Gruppe und ihre Verbindung zum übrigen Satz.

Zu-Infinitive richtig bilden

Bildung des zu-Infinitivs
Verb Form mit zu Beispiel
lesen zu lesen Mila plant, das Buch zu lesen.
verstehen zu verstehen Ben versucht, die Regel zu verstehen.
aufstehen aufzustehen Mila plant, früh aufzustehen.
mitbringen mitzubringen Ben verspricht, sein Heft mitzubringen.
vorbereiten vorzubereiten Mila beginnt, den Vortrag vorzubereiten.

Bei einem trennbaren Verb steht zu zwischen dem abtrennbaren Bestandteil und dem Verbstamm: auf + zu + stehen ergibt aufzustehen. Bei verstehen bleibt zu ein eigenes Wort vor dem ganzen Infinitiv. Ob ein Verb trennbar ist, erkennst du zum Beispiel an der Personalform: „Mila steht auf“, aber „Mila versteht die Regel“.

Verwechsle das Infinitivzeichen nicht mit der Präposition zu. In „Mila geht zu Ben“ verbindet zu eine Orts- beziehungsweise Richtungsangabe. In „Mila versucht, Ben zu helfen“ gehört zu zum Infinitiv helfen. Auch „zum Lesen“ ist eine andere Form: zum enthält zu dem, und Lesen ist hier nominalisiert.

Mehrteilige Infinitivformen

„Mila hofft, die Aufgabe gelöst zu haben.“ Gelöst zu haben ist ein Infinitiv Perfekt und stellt das Lösen als vorhergehend dar. „Ben freut sich, eingeladen zu werden“ enthält eine passive Form. Für den Einstieg genügt es, jeweils die ganze Verbgruppe zu erkennen, statt jedes Wort isoliert zu beurteilen.

Welche Aufgabe übernimmt die Gruppe?

Eine Infinitivgruppe kann einen verbalen Inhalt ergänzen: „Ben verspricht, morgen zu helfen.“ Sie kann ein Nomen näher erläutern: „Der Plan, gemeinsam zu üben, gefällt uns.“ Auch Adjektive können einen solchen Anschluss haben: „Mila ist bereit, die Aufgabe zu erklären.“

Verschiedene Anschlüsse
Anschluss Beispiel Gedankenhilfe
an ein Verb Ben hofft, bald zu gewinnen. Was hofft Ben?
an ein Nomen Der Wunsch, allein zu reisen, bleibt. Welcher Wunsch ist gemeint?
an ein Adjektiv Mila ist froh, hier zu sein. Worüber ist sie froh?
mit Verweiswort Ben freut sich darauf, Mila zu treffen. Worauf freut sich Ben?

Die Gruppe gehört jeweils als Ganzes zusammen. In „Ben verspricht, seinem Bruder morgen beim Lernen zu helfen“ umfasst sie auch seinem Bruder, morgen und beim Lernen. Setze die Grenze deshalb nicht einfach unmittelbar vor zu. Das Komma steht vor der gesamten satzwertigen Gruppe.

Beim Lesen kannst du den Infinitiv zuerst finden und dann rückwärts fragen, welche Wörter zu seiner Aussage gehören. In „Mila beschließt, morgen früh mit dem Bus zu fahren“ gehört die Zeitangabe zur Fahrt. In „Mila beschließt morgen früh, mit dem Bus zu fahren“ gehört sie zum Beschließen. Die Kommaposition zeigt hier einen Bedeutungsunterschied.

Um, ohne und statt: Beziehungen ausdrücken

Einleitende Wörter
Form Beispiel Bedeutung
um … zu Mila übt, um sicherer zu lesen. Ziel oder Zweck
ohne … zu Ben geht, ohne sich zu verabschieden. Etwas unterbleibt.
statt … zu Mila zeichnet, statt einen Text zu schreiben. Eine Alternative wird gewählt.
anstatt … zu Ben fragt nach, anstatt einfach zu raten. Anstatt ist hier gleichbedeutend mit statt.

Bei um … zu muss der Personenbezug verständlich sein. „Mila übt, um sicherer zu lesen“ bedeutet, dass Mila sicherer lesen möchte. „Mila erklärt, damit Ben die Aufgabe versteht“ nennt dagegen ausdrücklich eine andere Person im Zwecksatz. Ein um-zu-Satz mit Mila als mitgedachter Handelnder würde diese Aussage verändern.

Prüfe auch bei ohne und statt, wer die Handlung ausführt. „Ben geht, ohne sich zu verabschieden“ meint Ben. Soll jemand anderes sich nicht verabschieden, brauchst du eine Formulierung, die diese Person nennt, etwa „Ben geht, ohne dass Mila sich verabschiedet“.

Keine automatische Umformung: Ein damit-Satz lässt sich nur dann sinnvoll durch um … zu ersetzen, wenn der gemeinte Handelnde und die Aussage erhalten bleiben.

Kommas nach dem aktuellen amtlichen Regelwerk

Satzwertige Infinitivgruppen werden mit Komma abgegrenzt. Das gilt auch ohne um, ohne oder statt: „Mila versucht, den Text fehlerfrei zu lesen.“ Bei Einschüben stehen zwei Kommas: „Der Plan, gemeinsam zu üben, gefällt uns.“ Entscheidend ist die Satzstruktur, nicht die Länge allein.

Ein bloßer, nicht erweiterter zu-Infinitiv kann auch als Wortgruppe aufgefasst werden: „Ben versucht zu schlafen“ und „Ben versucht, zu schlafen“ sind möglich. Bildet der Infinitiv dagegen mit einem anderen Verb ein mehrteiliges Prädikat, steht kein Komma: „Ben scheint zu schlafen.“

Stand: amtliches Regelwerk 2024. Ältere Materialien behandeln manche erweiterten Infinitivgruppen noch als grundsätzlich fakultativ. Orientiere dich an der aktuellen Unterscheidung zwischen satzwertiger Gruppe, nicht erweitertem Infinitiv und mehrteiligem Prädikat.
Grenzen sichtbar machen
Satz Begründung
Mila lernt, um die Prüfung zu bestehen. Satzwertige Gruppe mit um.
Ben hofft, bald nach Hause zu fahren. Erweiterte satzwertige Gruppe.
Der Plan, früh loszufahren, steht fest. Die eingeschobene Gruppe wird beidseitig abgegrenzt.
Ben scheint heute zu fehlen. Scheint … zu fehlen bildet hier ein mehrteiliges Prädikat.

Die Regel lautet also nicht „Vor jedem zu steht ein Komma“. In den ersten Beispielen beginnt die Gruppe schon vor zu. Im letzten Beispiel bildet scheint … zu fehlen eine Einheit im Prädikat. Prüfe beides, bevor du ein Satzzeichen setzt.

Wer ist als handelnde Person mitgemeint?

Infinitivgruppen nennen ihren Handelnden gewöhnlich nicht durch ein eigenes ausgesprochenes Subjekt. Der Bezug ergibt sich unter anderem aus dem übergeordneten Verb. Vergleiche „Mila verspricht Ben, pünktlich zu kommen“ und „Mila bittet Ben, pünktlich zu kommen“. Beim Versprechen soll Mila kommen; beim Bitten richtet sich die Bitte an Ben.

Der Anschluss steuert den Bezug
Satz Wer soll handeln?
Mila verspricht Ben, das Fenster zu schließen. Mila soll schließen.
Mila bittet Ben, das Fenster zu schließen. Ben soll schließen.
Ben übt, um schneller zu lesen. Ben möchte schneller lesen.

Lies deine eigene Formulierung deshalb aus der Sicht einer Person, die deine Absicht noch nicht kennt. Ist klar, wer liest, hilft oder kommt? Wenn mehrere Personen möglich erscheinen, formuliere einen finiten Nebensatz mit genanntem Subjekt oder teile die Aussage in zwei Sätze.

Nicht jede dass-Verbindung lässt sich verkürzen

„Mila hofft, dass Ben gewinnt“ lässt sich nicht bedeutungsgleich in „Mila hofft, zu gewinnen“ umformen. In der zweiten Fassung bezieht sich gewinnen auf Mila. Die grammatisch kürzere Form ist nur hilfreich, wenn sie die gewünschte Aussage wirklich bewahrt.

Ein verlässlicher Prüfweg

  1. Finde das Verb in der Grundform und prüfe, ob zu dazugehört. Trenne Infinitivzeichen und Präposition gedanklich.
  2. Markiere alle Ergänzungen der Gruppe. In „den langen Text deutlich vorzulesen“ gehören auch Objekt und Artangabe dazu.
  3. Prüfe den Anschluss und den Personenbezug: Ergänzt die Gruppe einen Inhalt, ein Nomen oder ein Ziel? Wer führt die Handlung aus?
  4. Entscheide zwischen satzwertiger Gruppe und mehrteiligem Prädikat. Grenze die satzwertige Gruppe ab; bei Einschüben auf beiden Seiten.
  5. Lies den vollständigen Satz noch einmal und kontrolliere die Schreibweise des zu-Infinitivs.

Bei anspruchsvollen Verbindungen können mehrere Strukturen möglich sein. Verwende dann eine eindeutige Formulierung oder schlage den konkreten Fall nach. Für die Grundübungen dieser Seite sind die Beispiele so gewählt, dass die jeweils erfragte Entscheidung klar ist.

Infinitiv-Explorer

Form, Bedeutung und Bezug vergleichen

Jede Auswahl zeigt zwei gleichartig farbige Beispiele. Achte auf den jeweils beschrifteten Unterschied.

Nicht erweitert
Ben versuchtübergeordnetzu schlafen.bloßer zu-Infinitiv
Erweitert
Ben versucht,übergeordnetheute früh zu schlafen.satzwertige Gruppe

Die erweiterte satzwertige Gruppe wird abgegrenzt. Beim bloßen zu-Infinitiv ist hier auch die Fassung mit Komma möglich.

Typische Fehler vermeiden

„Mila plant, früh auf zu stehen.“
Richtig: Mila plant, früh aufzustehen. Zu steht innerhalb des trennbaren Verbs.
„Vor zu steht immer ein Komma.“
Die Grenze liegt vor der gesamten satzwertigen Gruppe. Bestandteile eines mehrteiligen Prädikats werden nicht getrennt.
„Mila hofft, dass Ben gewinnt“ wird zu „Mila hofft, zu gewinnen“.
Dabei wechselt der gemeinte Gewinner. Der Personenbezug muss erhalten bleiben.
„Der Plan, gemeinsam zu üben gefällt uns.“
Auch das zweite Komma fehlt: Der Plan, gemeinsam zu üben, gefällt uns.

Infinitivgruppen bilden und prüfen

1 · Form und Bedeutung erkennen

Beantworte jeweils die kurze Frage zum markierten Ausdruck.

Wie lautet der Infinitiv ohne zu?Antwort: __________________

Welche Beziehung ist gemeint: Zweck oder Gegensatz?Antwort: __________________

Welches Einleitungswort nennt das Unterbleiben?Antwort: __________________

Welches Einleitungswort kennzeichnet die Alternative?Antwort: __________________

Wer soll kommen: Mila oder Ben?Antwort: __________________

Wer soll kommen: Mila oder Ben?Antwort: __________________

Ist zu hier Präposition oder Infinitivzeichen?Antwort: __________________

Ist zu hier Präposition oder Infinitivzeichen?Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. aufstehen – Aufzustehen enthält zu zwischen auf und stehen.
  2. Zweck – Die Gruppe nennt das Ziel seines Übens.
  3. ohne – Ohne kennzeichnet die nicht ausgeführte Begleithandlung.
  4. statt – Statt stellt die gewählte Tätigkeit der anderen gegenüber.
  5. Mila – Mila verspricht ihre eigene Ankunft.
  6. Ben – Die Bitte richtet sich an Ben.
  7. Präposition – Zu verbindet hier eine Angabe mit einem Namen.
  8. Infinitivzeichen – Zu gehört zur Grundform verstehen.

2 · Schreibweise und Kommas kontrollieren

Ergänze die gefragte Form oder Zahl. Zähle nur die fehlenden Kommas.

Bilde den zu-Infinitiv von mitbringen.Antwort: __________________

Bilde den zu-Infinitiv von verstehen.Antwort: __________________

Wie viele Kommas fehlen?Antwort: __________________

Wie viele Kommas fehlen?Antwort: __________________

Wie viele Kommas fehlen in diesem mehrteiligen Prädikat?Antwort: __________________

Ergänze die Einleitung für einen Zweck.Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. mitzubringen – Bei mitbringen wird zu eingeschoben.
  2. zu verstehen – Zu bleibt bei verstehen ein eigenes Wort.
  3. 1 – Vor um beginnt die abzugrenzende Infinitivgruppe.
  4. 2 – Die eingeschobene Gruppe braucht links und rechts ein Komma.
  5. 0 – Scheint zu schlafen wird nicht durch ein Komma getrennt.
  6. um – Um … zu nennt das Ziel der Handlung.

3 · Kommas gezielt entscheiden

Prüfe nur die markierte Stelle. Schreibe Komma, kein Komma oder möglich. Möglich bedeutet: Beide Fassungen sind zulässig.

Eine erweiterte satzwertige Gruppe folgt.Antwort: __________________

Scheint zu fehlen bildet ein mehrteiliges Prädikat.Antwort: __________________

Ein bloßer, nicht erweiterter zu-Infinitiv.Antwort: __________________

Die eingeschobene Gruppe endet.Antwort: __________________

Um leitet eine Zweckgruppe ein.Antwort: __________________

Zu ist eine Präposition vor einem Namen.Antwort: __________________

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst.

Lösungen mit Erklärungen öffnen
  1. Komma – Die ganze Infinitivgruppe wird abgegrenzt.
  2. kein Komma – Hier wird die Verbverbindung nicht getrennt.
  3. möglich – Die Auffassung als Wortgruppe oder infiniter Nebensatz erlaubt beide Schreibungen.
  4. Komma – Das schließende Komma darf nicht fehlen.
  5. Komma – Die Gruppe mit um wird abgegrenzt.
  6. kein Komma – Es liegt keine Infinitivgruppe vor.

Eigene Formulierungen überarbeiten

Beschreibe die Vorbereitung auf eine Klassenarbeit in drei Sätzen. Verwende eine Gruppe mit um … zu, eine Ergänzung zu einem Verb und eine eingeschobene Erläuterung zu einem Nomen. Markiere die vollständigen Gruppen und erkläre bei jeder, wer handelt.

Eine mögliche Lösung

„Ich wiederhole die Regeln, um Fehler zu vermeiden.“
„Ich versuche, schwierige Beispiele selbst zu erklären.“
„Mein Plan, jeden Tag kurz zu üben, hilft mir.“

In allen drei Beispielen handelt die sprechende Person. Die letzte Gruppe erläutert Plan und wird auf beiden Seiten abgegrenzt. Andere Lösungen sind möglich, wenn Bezug und Zeichensetzung stimmen.

Selbstkontrolle: Sind zu-Formen richtig geschrieben? Ist der Handelnde klar? Habe ich die ganze Gruppe statt nur das Verb markiert? Sind bei einem Einschub beide Grenzen sichtbar?

Ideen für den Unterricht

Einstieg: Aus zwei Sätzen mit derselben handelnden Person eine um-zu-Verbindung bilden.

Differenzierung: Zunächst trennbare Verben und klare um-Gruppen üben. Danach Bezüge bei bitten und versprechen sowie Prädikatsverbindungen vergleichen.

Schreibwerkstatt: Eigene Lernpläne formulieren und Kommas an den vollständigen Gruppengrenzen begründen.

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Zum fachlichen Nachlesen: Amtliches Regelwerk: § 73 · Amtliches Regelwerk: besondere Fälle. Beispiele und Aufgaben sind eigenständig für Lernmarktplatz erstellt. Klassenangaben sind eine Orientierung; Reihenfolge und Vertiefung unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform.

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