Antigen
Eine Struktur, die von Bestandteilen der spezifischen Immunabwehr erkannt wird. Ein Antigen ist nicht dasselbe wie ein vollständiger Erreger.
Biologie · Verstehen und üben
Wie bereitet eine Impfung die Abwehr vor? Vergleiche aktive und passive Immunisierung, erkunde Antikörperkurven und erkläre, was Gedächtniszellen für den späteren Schutz leisten.
Beim ersten Kontakt mit einem neuen Erreger braucht die erworbene Immunabwehr Zeit, um passende Abwehrzellen zu aktivieren und zu vermehren. Eine Impfung kann diese Vorbereitung anstoßen, bevor die entsprechende Infektionskrankheit auftritt.
Das Immunsystem reagiert auf bestimmte erkennbare Strukturen, die Antigene. Impfstoffe stellen solche Antigene bereit oder enthalten eine Anleitung, mit der Körperzellen vorübergehend ein Antigen herstellen. Das Ziel ist eine gezielte Immunantwort mit längerfristigem Schutz.
Eine Struktur, die von Bestandteilen der spezifischen Immunabwehr erkannt wird. Ein Antigen ist nicht dasselbe wie ein vollständiger Erreger.
Ein von Plasmazellen gebildetes Protein. Es bindet an eine passende Struktur und kann etwa Erreger oder deren Giftstoffe neutralisieren oder ihre Beseitigung erleichtern.
Eine länger erhaltene B- oder T-Zelle, die bei erneutem passenden Kontakt eine beschleunigte, gezielte Reaktion ermöglicht. Sie ist kein gespeicherter Antikörper.
Nach einer aktiven Impfung werden passende Zellen der erworbenen Abwehr aktiviert. Antigenpräsentierende Zellen und T-Helferzellen unterstützen viele dieser Antworten.
Aktivierte B- und T-Zellen bilden viele Nachkommen. Aus einem Teil der B-Zellen entstehen Plasmazellen, die spezifische Antikörper abgeben. Dieser Aufbau benötigt Zeit.
Ein Teil der aktivierten Zellen geht in Gedächtnispopulationen über. Zusätzlich können langlebige Plasmazellen Antikörper produzieren. Nach Ende der akuten Antwort müssen deshalb nicht alle Abwehrbestandteile verschwinden.
Trifft das passende Antigen später erneut auf das Immunsystem, können vorhandene Antikörper und Gedächtniszellen die Abwehr beschleunigen. Wie gut das eine Infektion oder Erkrankung verhindert, hängt vom Erreger, Impfstoff und individuellen Immunsystem ab.
| Merkmal | Aktiv | Passiv |
|---|---|---|
| Was wird gegeben? | Antigene oder eine Anleitung zu ihrer Herstellung | Bereits fertige, spezifische Antikörper |
| Wer bildet die schützenden Antikörper? | Der eigene Körper nach Aktivierung seiner Abwehr | Die verabreichten Antikörper wurden vorher außerhalb des Körpers hergestellt oder gewonnen |
| Wie schnell wirkt es? | Schutz baut sich erst auf, meist über Tage bis Wochen | Die gegebenen Antikörper können rasch wirken |
| Was bleibt? | Ein immunologisches Gedächtnis kann entstehen; Schutzdauer unterschiedlich | Die Antikörper werden abgebaut; die reine Antikörpergabe erzeugt kein eigenes spezifisches Gedächtnis |
| Wofür steht das Prinzip? | Vorbereitung der eigenen Abwehr | Vorübergehende Bereitstellung passender Abwehrproteine |
Eine passive Immunisierung kann auch vorbeugend eingesetzt werden. Sie ist nicht auf Situationen nach einer Ansteckung beschränkt. In bestimmten Fällen werden aktive und passive Immunisierung kombiniert. Welche Anwendung sinnvoll ist, hängt vom konkreten Schutzbedarf ab.
Wähle einen Fall. Beschreibe zuerst Beginn, Anstieg und Abfall der Kurve und öffne anschließend die Erklärung.
Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger. Sie können eine starke Immunantwort auslösen. Ihre Eignung hängt auch vom Gesundheitszustand ab.
Andere Impfstoffe enthalten nicht vermehrungsfähige Erreger, ausgewählte Bestandteile oder entgiftete bakterielle Giftstoffe. Bei Toxoidimpfstoffen richtet sich der Schutz gegen das entsprechende Toxin.
Bei mRNA-Impfstoffen nutzen Zellen eine vorübergehende Bauanleitung zur Bildung eines Antigens. Die mRNA wird wieder abgebaut. Ein vollständiger vermehrungsfähiger Erreger ist dafür nicht erforderlich.
Die Grundimmunisierung baut den Schutz auf und kann je nach Impfstoff mehrere Dosen umfassen. Eine Auffrischung verstärkt eine bestehende Antwort, wenn dies für den Schutz erforderlich ist. Schutzdauer und nötige Abstände unterscheiden sich; es gibt keinen einzigen Zeitplan für alle Impfungen.
Sinkende Antikörperwerte bedeuten nicht automatisch, dass das gesamte Immungedächtnis verschwunden ist. Umgekehrt garantiert vorhandenes Gedächtnis nicht in jeder Situation, dass eine Infektion verhindert wird: Die Geschwindigkeit der Erregervermehrung und der Abwehrreaktion spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine Impfung kann das Risiko einer Erkrankung und ihrer schweren Folgen senken, auch wenn eine Infektion weiterhin möglich ist. Deshalb widerlegt eine einzelne Erkrankung nach einer Impfung nicht deren Wirksamkeit. Für die Bewertung braucht man geeignete Vergleichsdaten.
Wenn eine Impfung auch Infektionen oder die Weitergabe eines von Mensch zu Mensch übertragbaren Erregers ausreichend reduziert, entstehen weniger Übertragungsketten. Davon können Menschen profitieren, die selbst keinen ausreichenden Schutz aufbauen können. Dieser Gemeinschaftsschutz hängt unter anderem von Ansteckungsfähigkeit, Wirksamkeit, Schutzdauer und Kontaktmustern ab.
Er gilt nicht pauschal für jede Impfung: Tetanus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Hier schützt die Impfung die geimpfte Person; ein unterbrochener Übertragungsweg zwischen Menschen erklärt diesen Schutz nicht.
Was beschreibt passive Immunisierung richtig?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
Erkanntes Merkmal und bindendes Protein.
Ein Antigen ist eine Struktur, die spezifisch erkannt werden kann. Ein Antikörper ist ein Abwehrprotein, das an eine passende Struktur bindet. Beide Begriffe bezeichnen also unterschiedliche Rollen.
Gesucht ist eine spezialisierte Form der B-Zelle.
Plasmazellen. Gedächtnis-B-Zellen bleiben bereit und können bei erneuter Aktivierung unter anderem zu neuen Plasmazellen führen.
Aktivierung, Vermehrung und Differenzierung brauchen Zeit.
Passende naive Lymphozyten müssen aktiviert werden und sich vermehren. Aus B-Zellen entstehen antikörperbildende Plasmazellen. Die Verzögerung bedeutet nicht, dass in dieser Zeit gar keine Abwehr stattfindet.
Welche Zellpopulation ist bereits vorhanden?
Passende Gedächtniszellen ermöglichen eine beschleunigte Reaktion. Zusätzlich können noch vorhandene Antikörper unmittelbar beitragen.
Wird die eigene Antikörperbildung gezielt durch ein Antigen angeregt?
Das ist passive Immunisierung. Die schützenden Proteine werden bereitgestellt, nicht erst durch eine aktive Impfung im Körper erzeugt.
Proteine bleiben nicht unbegrenzt erhalten.
Die Antikörper werden mit der Zeit abgebaut. Die reine Gabe erzeugt keine Gedächtnispopulation, die dauerhaft passende Antikörper nachliefern könnte.
Entscheidend ist der Inhalt, nicht das Werkzeug.
Nein. Eine Spritze kann beispielsweise fertige Antikörper zur passiven Immunisierung enthalten. Aktiv ist die gezielte Anregung einer eigenen Immunantwort durch ein Antigen oder dessen Bauanleitung.
Denke an Bestandteile und Bauanleitungen.
Nein. Es gibt unter anderem Impfstoffe mit inaktivierten Erregern, ausgewählten Antigenen, Toxoiden oder einer genetischen Anleitung für ein Antigen.
Spezifität bedeutet passende Erkennung.
Die Gedächtniszellen müssen Antigenstrukturen erkennen. Bei einem deutlich anderen Antigen ohne relevante Kreuzerkennung ist eine neue spezifische Antwort nötig.
Antikörper sind keine Gedächtniszellen.
Nein. Die Menge im Blut ist nur ein Teilaspekt. Gedächtnis-B- und -T-Zellen können weiterhin vorhanden sein. Daraus allein lässt sich aber auch kein sicherer vollständiger Schutz ableiten.
Unterscheide Risiko, Infektion und Krankheitsverlauf.
Nein. Schutz ist nicht absolut. Eine Impfung kann beispielsweise schwere Verläufe seltener machen, obwohl einzelne Infektionen auftreten. Man benötigt Vergleichsdaten geeigneter Gruppen und muss den betrachteten Endpunkt benennen.
Wie gelangt der Erreger zur nächsten Person?
Tetanus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die Impfung schützt vor der Wirkung des Toxins; durch viele Geimpfte wird hier keine Übertragungskette zwischen Menschen unterbrochen.

Übe die Zusammenhänge mit Aufgaben und Lösungen.
Arbeitsblatt ansehen →Eigene Erklärungen und Lernmodelle. Die schematischen Grafiken zeigen ausgewählte Zusammenhänge; sie ersetzen keine vollständige anatomische oder immunologische Darstellung.