Physik verstehen und üben · Atom- und Quantenphysik

Physik · Oberstufe

Heisenbergsche Unschärferelation: verstehen und üben

Wie eng können Ort und Impuls gleichzeitig verteilt sein? Untersuche die Untergrenze, rechne mit Einheiten und unterscheide Quantenstreuung von Messfehlern.

Enger im Ort, höhere Mindeststreuung im Impuls

Ein Quantenzustand kann in derselben Raumrichtung nicht beliebig scharfe Orts- und Impulsverteilungen besitzen.

Was bedeutet „Unschärfe“?

Stell dir viele gleich vorbereitete Elektronen vor. An einer Gruppe misst du die x-Position, an einer anderen den x-Impuls. Die Ergebnisse bilden jeweils eine Verteilung. Ihre Standardabweichungen heißen Δx und Δpx. Sie beschreiben die Streuung der möglichen Messwerte für denselben vorbereiteten Zustand.

Diese Streuung ist nicht einfach eine schlechte Skala am Messgerät. Auch ideal genaue Geräte beseitigen die quantenmechanische Untergrenze nicht. Ein realer Messfehler kann zusätzlich auftreten, ist aber eine andere Frage.

„Unschärfe“ meint hier auch nicht die Veränderung zwischen zwei Zeitpunkten. Δpx ist keine auf das Elektron übertragene Stoßmenge und Δx keine zurückgelegte Strecke.

Die Beziehung richtig lesen

Δx · Δpx2 = h

h ≈ 6,626 · 10−34 J·s ist die Planck-Konstante. ℏ = h geteilt durch 2π heißt reduzierte Planck-Konstante. Die Untergrenze beträgt ungefähr 5,273 · 10−35 J·s.

Das x am Impuls ist wichtig: Ort und Impuls gehören zur gleichen Raumrichtung. Die Formel setzt endliche Standardabweichungen voraus. Sie ist eine Ungleichung; viele Zustände liegen deutlich über der Untergrenze.

Δpx2 · Δx

Halbierst du die vorgegebene Ortsstreuung, verdoppelt sich die kleinste erlaubte Impulsstreuung. Daraus folgt nicht, dass bei einer größeren Ortsstreuung die tatsächliche Impulsstreuung zwingend kleiner sein muss. Die Grenze lässt auch große Werte beider Streuungen zu.

Warum hilft die Vorstellung eines Wellenpakets?

Eine einzelne ideale Welle mit genau einer Wellenzahl ist räumlich nicht auf einen kleinen Bereich begrenzt. Um ein lokalisiertes Paket aufzubauen, überlagert man passende Wellenanteile mit verschiedenen Wellenzahlen.

Über p = ℏk gehören dazu verschiedene Impulsanteile. Stärkere räumliche Bündelung braucht eine ausreichende Breite im Impuls. Das ist eine mathematische Eigenschaft der Orts- und Impulsbeschreibung eines Zustands.

Die folgende Grafik zeigt keine schwingende Flugbahn. Sie stellt direkt erlaubte Kombinationen der beiden Standardabweichungen dar.

Wie verschiebt sich die Untergrenze?

Stelle Δx zuerst auf 0,10 nm, danach auf 0,20 nm. Sage voraus, wie sich die kleinste erlaubte Impulsstreuung verändert.

Δx = 0,10 nm: Δpₓ ≥ 5,273 · 10⁻²⁵ kg·m·s⁻¹.
Δpₓ in 10⁻²⁵ kg·m·s⁻¹02468100,050,250,50,751Oberhalb der Kurve: erlaubtUnterhalb: nicht erlaubtOrtsstreuung Δx in nm
Feste Achsen: Die blaue Kurve zeigt die Untergrenze, der grüne Punkt die ausgewählte Kombination auf dieser Grenze. Erlaubte Zustände können auch darüber liegen.

Der Regler markiert stets den kleinstmöglichen Wert. Ein geeignetes Gaußpaket ohne Orts-Impuls-Korrelation kann diese Grenze erreichen. Es wird keine zeitliche Entwicklung eines Elektrons simuliert.

Unterrichtsimpuls mit Auflösung

Liegt ein Zustand mit Δx = 0,20 nm und Δpₓ = 5,0 · 10⁻²⁵ kg·m·s⁻¹ im erlaubten Bereich? Ja. Sein Produkt liegt über der Grenze. Die tatsächliche Impulsstreuung muss beim Vergrößern von Δx nicht auf den neuen Mindestwert sinken.

Ein Elektron auf atomarer Längenskala

Gegeben: Δx = 0,10 nm. Gesucht ist eine Untergrenze für Δpx.

1. Umrechnen: 0,10 nm = 1,0 · 10−10 m.

Δpx1,0546 · 10−34 J·s2 · 1,0 · 10−10 m ≈ 5,27 · 10−25 kg·m·s−1

2. Einheit prüfen: Joule ist kg·m²·s−2. Multipliziert mit Sekunden und geteilt durch Meter ergibt sich kg·m·s−1, die Impulseinheit.

3. Geschwindigkeit einordnen: Für ein nichtrelativistisches Elektron gilt px = mevx und damit Δvx = Δpx geteilt durch me. Mit me ≈ 9,109 · 10−31 kg folgt:

Δvx5,27 · 10−25 kg·m·s−19,109 · 10−31 kg ≈ 5,79 · 105 m·s−1

Das ist eine Geschwindigkeitsstreuung, nicht die sichere oder mittlere Geschwindigkeit des Elektrons. Die Umrechnung setzt einen insgesamt nichtrelativistischen Zustand voraus.

Was hat ein enger Spalt damit zu tun?

Ein engerer Spalt begrenzt die Querposition stärker und führt im passenden Beugungsversuch zu einer breiteren Verteilung der Querimpulse. Das ist eine anschauliche Verbindung zur Wellenbeschreibung.

Aber die Spaltbreite b ist nicht automatisch die Standardabweichung Δx. Ebenso ist der Winkel bis zum ersten Minimum nicht direkt Δpx. Für die exakte Ungleichung braucht man die tatsächlichen Verteilungen und ihre Standardabweichungen. Aus groben Breitenabschätzungen erhält man nur Größenordnungen.

Diese Unterschiede sind entscheidend

Gleichheitszeichen immer verwenden: Die Rechnung liefert eine Untergrenze. Nur geeignete Zustände erreichen sie.

Δp mit p verwechseln: Die Streuung kann groß sein, obwohl der mittlere Impuls null ist.

Unschärfe als Störung durch den Beobachter erklären: Die hier verwendete Beziehung betrifft den vorbereiteten Zustand. Messrückwirkung ist eine zusätzliche Fragestellung.

Meter und Nanometer vermischen: Vor dem Einsetzen mit SI-Einheiten rechnen.

Beliebige Raumrichtungen kombinieren: Hier gehören x und px zusammen.

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Erst vorhersagen oder selbst rechnen, dann die Lösung öffnen.

1 · Was bezeichnet Δx in dieser Beziehung?

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Die Standardabweichung der Ortsverteilung für den betrachteten Quantenzustand.

2 · Δx wird halbiert. Was geschieht mit der Untergrenze für Δpₓ?

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Sie verdoppelt sich. Die Aussage betrifft die Untergrenze, nicht automatisch den tatsächlichen Wert.

3 · Δx = 0,20 nm: Wie groß ist Δpₓ mindestens?

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Etwa 2,64 · 10⁻²⁵ kg·m·s⁻¹.

4 · Ist ein Produkt von 8,0 · 10⁻³⁵ J·s erlaubt?

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Die Unschärferelation verbietet es nicht: Es liegt über 5,273 · 10⁻³⁵ J·s.

5 · Ist Δvₓ die mittlere Geschwindigkeit?

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Nein. Es ist die Standardabweichung der x-Geschwindigkeit.

6 · Kann ein besseres Messgerät die Untergrenze aufheben?

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Nein. Instrumentelle Messfehler können kleiner werden; die quantenmechanische Beziehung bleibt.

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