Elektronen werden an einem Detektor als einzelne Treffer registriert. Unter geeigneten Bedingungen entsteht aus vielen Treffern ein Beugungs- oder Interferenzmuster. Eine Beschreibung allein durch klassische Teilchenbahnen erklärt dieses Verhalten nicht.
Louis de Broglie verknüpfte den Impuls eines Quantenobjekts mit einer Wellenlänge. Diese Beziehung gilt auch für andere Materieteilchen. Die Welle ist keine mechanische Schlangenlinie, auf der das Elektron durch den Raum fliegt.
In der Quantenphysik beschreibt eine Wellenfunktion den Zustand. Ihr Betragsquadrat liefert eine Wahrscheinlichkeitsdichte für Ortsmessungen. Die folgende Rechnung betrachtet Teilchen mit gut bestimmtem Impuls; ein räumlich begrenztes Wellenpaket enthält im Allgemeinen mehrere Impulsanteile.
Lernschritt 2
Die de-Broglie-Beziehung anwenden
λ = hp
λ ist die de-Broglie-Wellenlänge, p der Betrag des Impulses und h ≈ 6,626 · 10−34 J·s die Planck-Konstante. Der Impuls wird in kg·m·s−1 angegeben; die berechnete Wellenlänge hat die Einheit Meter.
Bei Geschwindigkeiten weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit gilt näherungsweise p = m·v. Dann folgt:
λ = hm · v
Bei gleicher Masse halbiert doppelte Geschwindigkeit die Wellenlänge. Bei gleicher Geschwindigkeit hat das schwerere Teilchen die kürzere Wellenlänge. Bei gleichem Impuls haben hingegen alle Teilchen dieselbe de-Broglie-Wellenlänge.
Nahe der Lichtgeschwindigkeit muss der relativistische Impuls verwendet werden. Die Grundbeziehung λ = h/p bleibt bestehen.
Lernschritt 3
Elektronen durch eine Spannung beschleunigen
Ein Elektron startet näherungsweise aus Ruhe und durchläuft eine beschleunigende Potentialdifferenz mit dem Betrag U. Ohne Energieverluste nimmt seine kinetische Energie um eU zu. e ist der positive Betrag der Elementarladung.
Ekin = e · U = p²2me
p = √(2meeU); λ = h√(2meeU)
Verwendet werden me ≈ 9,109 · 10−31 kg und e ≈ 1,602 · 10−19 C. Für die praktische Kurzform gilt:
λ ≈ 1,226 nm√(UV)
U/V meint den Zahlenwert der Spannung in Volt. Vierfache Spannung liefert doppelte Geschwindigkeit und damit die halbe Wellenlänge. Die Aussage gilt in dieser nichtrelativistischen Näherung.
Die passende de-Broglie-Formel auswählen
Gegebene Größen sortieren
Impuls p bekannt: λ = h/p. Masse und langsame Geschwindigkeit bekannt: λ ≈ h/(m·v).
Bei Elektronen aus Ruhe Energie nutzen
Eine Beschleunigungsspannung liefert Ekin = eU. Daraus folgt nichtrelativistisch p = √(2mₑeU).
Einheiten und Näherung prüfen
In der SI-Formel kg, m/s, C und V einsetzen. In der Kurzform 1,226 nm/√(U/V) ist U/V der Zahlenwert in Volt.
Größenordnung kontrollieren
Mehr Impuls bedeutet kürzere Wellenlänge. Vierfache Spannung halbiert λ. Nahe c brauchst du relativistische Größen.
Doppelt so viele Perioden auf derselben Strecke
Beide Skizzen benutzen denselben waagerechten Ortsmaßstab. Bei 400 V ist die Wellenlänge halb so groß wie bei 100 V. Die Klammern markieren jeweils eine volle Periode.
Die Kurven veranschaulichen nur die räumliche Phase einer idealisierten Materiewelle, nicht die Bahn des Elektrons. Ihre Höhe ist willkürlich gewählt. Sie ist weder eine gemessene Auslenkung noch die Wahrscheinlichkeitsdichte.
Lernschritt 4
Spannung und Wellenlänge vergleichen
Beginne bei 100 V. Sage die Wellenlänge bei 400 V voraus und überprüfe deine Vermutung mit dem Regler.
100 V: λ ≈ 0,1226 nm; Ekin = 100 eV.
Feste Achsen: Die Kurve ordnet jeder Beschleunigungsspannung eine Wellenlänge zu. Der Punkt markiert die Auswahl. Die Kurve ist keine Flugbahn und keine räumliche Form einer Materiewelle.
Modell: Elektronen aus Ruhe, keine Verluste, nichtrelativistische Rechnung. Der Bereich 10 bis 1000 V hält die relativistische Korrektur der Wellenlänge unter ungefähr 0,05 %.
Unterrichtsimpuls mit Auflösung
Bei 400 V sind es etwa 0,0613 nm. Eine Halbierung der Wellenlänge braucht die vierfache Spannung, nicht die doppelte. Bei 200 V sinkt sie nur auf etwa 0,0867 nm.
Lernschritt 5
Ein Elektron bei 100 V
Beispiel · Schritt für Schritt
1. Ein Elektron nach 100 V Beschleunigung
Ein Elektron startet näherungsweise aus Ruhe. Berechne Energie, Geschwindigkeit und de-Broglie-Wellenlänge.
Gegeben: U = 100 V; mₑ ≈ 9,109 · 10⁻³¹ kg; e ≈ 1,602 · 10⁻¹⁹ C.
Rechenweg: 1. Ein Elektron nach 100 V Beschleunigung
Rechnung
Erklärung zum Schritt
Ekin = eU ≈ 1,602 · 10−17 J = 100 eV
1Elektrische Energie übernehmen
C·V = J. Die Energieverluste und die Anfangsbewegung werden vernachlässigt.
v = √(2Ekin/mₑ) ≈ 5,93 · 106 m/s
2Geschwindigkeit berechnen
Die Formel folgt aus Ekin = ½mv². Nutze hier die Energie in Joule.
v/c ≈ 0,0198
3Näherung prüfen
Knapp 2 % der Lichtgeschwindigkeit: Die nichtrelativistische Rechnung ist hier gut geeignet.
λ ≈ 1,226 nm√100 = 0,1226 nm
4Wellenlänge berechnen
√100 = 10. In dieser Kurzform setzt du den Zahlenwert der Spannung in Volt ein.
Ergebnis: Das Elektron besitzt etwa 0,1226 nm = 1,226 · 10−10 m Wellenlänge. Das liegt in der Größenordnung atomarer Abstände.
Beispiel · Schritt für Schritt
2. Welche Spannung halbiert die Wellenlänge?
Die Wellenlänge soll von 0,1226 nm auf 0,0613 nm sinken. Wie musst du die Spannung ändern?
Ausgangspunkt: U₁ = 100 V; λ₂ = λ₁/2.
Rechenweg: 2. Welche Spannung halbiert die Wellenlänge?
Rechnung
Erklärung zum Schritt
λ₂/λ₁ = √(U₁/U₂)
1Verhältnis bilden
Die Wellenlänge ist umgekehrt proportional zur Quadratwurzel der Spannung.
U₂/U₁ = (λ₁/λ₂)² = 2² = 4
2Nach dem Spannungsverhältnis auflösen
Erst das Wellenlängenverhältnis umkehren, dann quadrieren.
1 nm = 10⁻⁹ m. Die Elektronen-Kurzform mit der Spannung gilt nicht für Neutronen.
Ergebnis: Das Neutron hat etwa 0,198 nm Wellenlänge. Auch ungeladene Teilchen zeigen unter geeigneten Bedingungen Beugung.
Lernschritt 6
Was beobachtet man bei Elektronenbeugung?
Ein Elektronenstrahl trifft auf eine dünne Kristallprobe. Die regelmäßige Struktur beeinflusst die Wahrscheinlichkeitsamplituden. Hinter der Probe können charakteristische Intensitätsmaxima auftreten. Bei vielen unterschiedlich orientierten kleinen Kristallen entstehen unter passenden Bedingungen Beugungsringe.
Erhöht man die Beschleunigungsspannung, wird die Wellenlänge kürzer. Bei unveränderter Probe und Geometrie werden die Winkel derselben Beugungsordnung kleiner. Die Ringradien auf einem festen Schirm nehmen entsprechend ab.
Für deutliche Muster müssen unter anderem Strahlpräparation, Kohärenz, Probe und Detektor geeignet sein. Eine kurze Wellenlänge allein garantiert noch kein scharfes Mikroskopbild.
So wird Elektronenbeugung sichtbar
Eine Elektronenquelle erzeugt einen Strahl; eine Spannung beschleunigt die Elektronen. Hinter einer dünnen polykristallinen Probe kann auf einem Leuchtschirm ein Ringmuster erscheinen. Viele kleine, unterschiedlich orientierte Kristalle tragen dazu bei.
Die perspektivischen Ellipsen stehen für kreisförmige Ringe auf dem Schirm. Die grauen Linien markieren nur einen möglichen Streuwinkelbereich; sie sind keine beobachteten Elektronenbahnen. Einzelkristalle können stattdessen ein Muster aus Punkten liefern.
Die Zeichnung zeigt das Funktionsprinzip, kein maßstabsgerechtes Foto. Im realen Gerät befinden sich Quelle, Probe und Schirm in einer evakuierten Röhre.
Lernschritt 7
Warum sieht man bei einem Ball kein solches Muster?
Ein Ball mit 0,10 kg Masse und 10 m·s−1 Geschwindigkeit hat einen Impuls von 1,0 kg·m·s−1. Damit ergibt sich λ ≈ 6,63 · 10−34 m. Diese Wellenlänge ist für gewöhnliche Beugungsaufbauten unvorstellbar klein.
Zusätzlich machen Wechselwirkungen mit der Umgebung die für beobachtbare Interferenz nötige Kohärenz bei Alltagsobjekten äußerst schwer aufrechtzuerhalten. Quantenverhalten ist deshalb nicht auf Elektronen beschränkt, aber im Alltag meist nicht als Beugungsmuster sichtbar.
Lernschritt 8
Typische Fehler vermeiden
Für Elektronen λ = c/f verwenden: Diese Beziehung beschreibt Licht im Vakuum. Ein Elektron bewegt sich nicht mit Lichtgeschwindigkeit.
Ekin = hc/λ einsetzen: Die Photonengleichung darf nicht auf die kinetische Energie massiver Elektronen übertragen werden.
Doppelte Spannung mit halber Wellenlänge verbinden: Die Wellenlänge hängt von der Wurzel der Spannung ab.
Eine gezeichnete Welle als Teilchenbahn lesen: Interferenz betrifft Quantenzustände und Messwahrscheinlichkeiten.
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Berechne die Materiewellenlänge aus dem Impuls oder nichtrelativistisch aus Masse und Geschwindigkeit. Für die zweite Variante gilt hier v ≤ 0,1 c. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.
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Lieber auf Papier? 6 Aufgaben mit aufklappbaren Lösungen
Auf Papier üben
Erst vorhersagen oder selbst rechnen, dann die Lösung öffnen.
1 · Der Impuls verdreifacht sich. Was geschieht mit λ?
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Die Wellenlänge wird auf ein Drittel verkleinert.
2 · Zwei Teilchen besitzen denselben Impuls. Haben sie dieselbe Wellenlänge?
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Ja, nach λ = h/p unabhängig von ihrer Masse.
3 · Welche kinetische Energie erhält ein Elektron aus Ruhe bei 200 V?
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200 eV, ungefähr 3,20 · 10⁻¹⁷ J.
4 · Bei 100 V gilt λ ≈ 0,1226 nm. Was folgt bei 400 V?
Lösung ansehen
Etwa 0,0613 nm: vierfache Spannung, halbe Wellenlänge.
5 · Welche Spannung halbiert λ gegenüber 200 V?
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800 V in der nichtrelativistischen Näherung.
6 · Warum darf für Elektronen nicht Ekin = hc/λ eingesetzt werden?
Lösung ansehen
Diese Photonengleichung gilt nicht für die kinetische Energie massiver Teilchen. Für langsame Elektronen verwendet man Ekin = p²/(2m) zusammen mit λ = h/p.
Fachlicher Abgleich der Grundgleichung: OpenStax · University Physics 3. Texte, Zahlenbeispiele und Schaubilder sind eigenständig erstellt.