Geschichte · Grundlagen · Klasse 5–6

Geschichte verstehen: Quellen und Zeit

Wie können wir die Vergangenheit erforschen? Lerne, Quellen zu prüfen, Bilder richtig einzuordnen und dich in der Zeit zurechtzufinden.

Illustration einer sorgfältig dokumentierten archäologischen Ausgrabung.
KI-generierte Illustration: Aus Spuren werden historische Fragen.

Das kannst du danach: Quellen und Darstellungen unterscheiden, Jahre einordnen und Aussagen mit Belegen begründen.

Lernschritt 1

Woher wissen wir, was früher war?

Warum sieht deine Stadt so aus? Wie lebten Menschen ohne Schrift? Geschichte beginnt mit einer Frage an die Vergangenheit. Wir können frühere Ereignisse nicht einfach noch einmal beobachten. Wir untersuchen Spuren und Zeugnisse, vergleichen sie und begründen daraus Aussagen.

Vergangenheit bezeichnet das, was bereits geschehen ist. Geschichte bezeichnet auch die Erzählungen und Erklärungen, die Menschen darüber erarbeiten. Deshalb können neue Funde unser Bild von früher verändern.

Quellen: Zeugnisse untersuchen

Ein alter Brief, ein Werkzeug oder eine Aufnahme kann eine Quelle sein. Entscheidend ist, welche Frage du daran stellst.

Darstellungen: Erklärungen prüfen

Ein heutiger Schulbuchtext erklärt die Vergangenheit auf Grundlage von Quellen und Forschung. Auch ein Rekonstruktionsbild ist eine Darstellung.

Merke: Eine Quelle ist ein Beleg, den du prüfen musst. Sie ist nicht automatisch vollständig, neutral oder wahr.

Denkfrage: Kann ein Schulbuch selbst eine Quelle sein?

Ja. Für die Frage „Wie lebten Menschen in der Steinzeit?“ ist ein heutiges Schulbuch eine Darstellung. Für die Frage „Wie wurde Geschichte im Jahr 2026 vermittelt?“ kann dasselbe Buch eine Quelle sein. Die Fragestellung entscheidet.

Lernschritt 2

Vier Quellenarten erkennen

Sachquellen

Werkzeuge, Münzen, Kleidungsreste und Gebäude. Sie zeigen zum Beispiel Materialien und Herstellungstechniken; die Gedanken ihrer Nutzer verraten sie meist nicht direkt.

Schriftquellen

Briefe, Tagebücher, Urkunden oder Rechnungen. Achte darauf, wer sie wann für wen verfasst hat und mit welchem Zweck.

Bildquellen

Gemälde, Zeichnungen, Plakate oder historische Fotos. Ausschnitt, Inszenierung und Absicht beeinflussen das Bild.

Mündliche Quellen

Erzählungen und Zeitzeugeninterviews. Erinnerungen sind wertvoll, können sich aber verändern oder lückenhaft sein.

Die Gruppen können sich überschneiden: Eine beschriftete Münze ist zugleich ein Gegenstand mit Bild und Text. Ein später aufgenommenes Interview kann eine Quelle über frühere Erlebnisse sein – auch der Abstand zum Erlebnis muss geprüft werden.

Überrest oder absichtliche Überlieferung? Eine weggeworfene Scherbe blieb eher unbeabsichtigt zurück. Eine Chronik sollte bewusst etwas überliefern. Beide können wichtig sein; keine Form ist von sich aus zuverlässiger.

Lernschritt 3

Vom Fund zur begründeten Erklärung

Archäologin legt Keramik frei, ein Kollege dokumentiert den Fundort.
KI-generierte Illustration einer Ausgrabung. Kein Foto einer tatsächlichen Fundstelle.

Die Archäologie untersucht materielle Hinterlassenschaften. Wichtig ist nicht nur der Gegenstand: Seine Lage, die Bodenschicht und benachbarte Funde helfen, ihn einzuordnen. Ein Fund ohne Zusammenhang lässt sich schwerer deuten.

  1. Dokumentieren: Wo liegt der Fund? Wie ist er erhalten?
  2. Untersuchen: Welches Material, welche Bearbeitung und welche Gebrauchsspuren sind erkennbar?
  3. Vergleichen und datieren: Welche ähnlichen Funde und Datierungsmethoden helfen?
  4. Erklären: Welche Schlussfolgerung ist belegt, welche nur möglich?

In ungestörten Ablagerungen liegen ältere Schichten häufig unter jüngeren. Gruben, Wurzeln und spätere Eingriffe können die Reihenfolge verändern. Auch naturwissenschaftliche Datierungen liefern häufig Zeitspannen statt eines exakten Jahres.

Ein echter Fund zum Weiterdenken

Das Museum.BL stellt ein Geröllgerät vor. Betrachte dort das Foto des Originalfundes. Trenne: Was erkennst du am Gegenstand? Was erklärt der Museumstext? Welche Aussage könntest du allein aus dem Foto nicht sicher ableiten?

Beispiel: Verkohlte Getreidekörner zeigen, dass Getreide vorhanden war. Zusammen mit Mahlsteinen und weiteren Befunden stützen sie die Annahme einer Getreideverarbeitung. Den Namen einer Person oder ein genaues Rezept verraten sie nicht.

Lernschritt 4

Jahre, Jahrhunderte und Epochen

Eine Zeitleiste ordnet Ereignisse. In der hier verwendeten Zeitrechnung steht „v. Chr.“ für „vor Christus“ und „n. Chr.“ für „nach Christus“. Du findest auch „vor unserer Zeitrechnung“ und „unserer Zeitrechnung“. Andere Kulturen und Religionen verwenden zusätzlich andere Kalender.

500 v. Chr. → 100 v. Chr. → 1 v. Chr.

Vor unserer Zeitrechnung werden die Jahreszahlen auf dem Weg zur Gegenwart kleiner.

1 v. Chr. → 1 n. Chr.

In der historischen Zeitrechnung gibt es kein Jahr 0.

1 n. Chr. → 100 n. Chr. → 2026 n. Chr.

Danach werden die Jahreszahlen größer. Die Abstände dieser Liste sind nicht maßstäblich.

Ein Jahrhundert umfasst 100 Jahre: 1–100 sind das 1. Jahrhundert n. Chr., 1901–2000 das 20. Jahrhundert. Das Jahr 1900 gehört also noch ins 19. Jahrhundert. Vor Christus liegt etwa 500 v. Chr. im 5. Jahrhundert v. Chr. (500–401 v. Chr.).

Jahrhundert-Finder

Probiere 1900 und 1901 aus. Wechsle dann zu „v. Chr.“.

1900 n. Chr. liegt im 19. Jahrhundert. Dieses Jahrhundert reicht von 1801 bis 1900 n. Chr.

Epochen sind große Zeitabschnitte, die Historikerinnen und Historiker zur Orientierung bilden. Für europäische Geschichte werden häufig Antike, Mittelalter und Neuzeit verwendet. Die Grenzen sind Hilfsmittel: Nicht überall änderte sich das Leben zur selben Zeit.

„Um“ und „etwa“ sind wichtig: „Um 5500 v. Chr.“ bezeichnet einen ungefähren Zeitraum. Das ist etwas anderes als ein genau überliefertes Datum.

Lernschritt 5

Ein eindrucksvolles Bild ist noch kein Beweis

Rekonstruierte jungsteinzeitliche Dorfszene mit Ernte, Häusern, Tieren und Keramikherstellung.
KI-generierte Rekonstruktion eines möglichen Dorflebens in Mitteleuropa um 5200 v. Chr.; kein zeitgenössisches Bild.

Das Bild macht eine mögliche Lebenswelt anschaulich. Häuser, Getreide und Werkzeuge orientieren sich an bekanntem Wissen. Die konkrete Szene wurde jedoch neu gestaltet. Wir wissen nicht, dass diese Personen so zusammenarbeiteten oder so aussahen.

Untersuche historische Bilder in drei Schritten: Beschreiben (Was sehe ich?), Einordnen (Wann und wozu entstand das Bild?) und Prüfen (Was kann es belegen?).

Übung: Was wäre ein unzulässiger Schluss?

„Genau diese Familie lebte 5200 v. Chr. in diesem Haus“ ist nicht belegt. Auch „Frauen töpferten immer, Männer mahlten immer Getreide“ lässt sich aus der Illustration nicht ableiten. Zulässig ist: „Die Rekonstruktion veranschaulicht verschiedene Tätigkeiten, die in bäuerlichen Gemeinschaften vorkamen.“

Teste dein Wissen

Wähle je Frage eine Antwort. Prüfe anschließend deine Begründung. Du kannst beliebig oft neu starten.

1. Was ist für die Erforschung der Steinzeit eine Darstellung?
Lösung und Begründung

Das heutige KI-Bild ist eine Darstellung der Steinzeit. Es ist kein Zeugnis aus dieser Zeit.

2. Welches Jahr liegt früher?
Lösung und Begründung

500 v. Chr. liegt früher als 100 v. Chr. Vor Christus sind größere Jahreszahlen weiter von der Gegenwart entfernt.

3. Zu welchem Jahrhundert gehört 1900?
Lösung und Begründung

Das 19. Jahrhundert reicht von 1801 bis 1900. Erst 1901 beginnt das 20. Jahrhundert.

4. Was ist eine sorgfältig formulierte Aussage?
Lösung und Begründung

Historische Aussagen werden durch das Vergleichen und Prüfen mehrerer Hinweise belastbarer. Unsicherheiten bleiben benennbar.

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Vorschau: Historische Quellen untersuchen
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Für Unterricht und Wiederholung

Unterrichtsidee: Bild und Beleg trennen (10–15 Minuten)

Zeige zuerst die Dorfszene. Die Klasse formuliert drei Beobachtungen und zwei Vermutungen. Anschließend wird die Bildunterschrift gelesen. Besprecht, welche Aussagen echte Quellen benötigen. Zum Abschluss ordnen die Lernenden vier eigene Beispiele als Quelle oder Darstellung ein und begründen ihre Wahl.

Dein Merksatz: Geschichte erklärt die Vergangenheit mithilfe geprüfter Quellen. Eine Darstellung kann Wissen anschaulich machen, ersetzt aber keinen Beleg.

Fachliche Orientierung und Bildhinweise

Lehrplanbezug: historisches Einordnen, Quellen und Darstellungen unterscheiden, Lebensweisen vergleichen und Urteile begründen. Die Klassenangabe 5–6 ist eine Orientierung; die Einordnung variiert nach Schulform und Bundesland.

Die erzählenden Bilder sind KI-generierte Illustrationen bzw. Rekonstruktionen von Lernmarktplatz. Sie veranschaulichen mögliche Situationen und zeigen keine konkreten historischen Ereignisse. Kleidung, Gesichter und die dargestellte Aufgabenverteilung sind nicht im Einzelnen belegt.

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