Unsere Geschichte ist verzweigt: Entdecke gemeinsame Vorfahren, vergleiche frühe Menschenformen und prüfe, was Fossilien, Werkzeuge und alte DNA tatsächlich belegen.
Das kannst du danach
Menschen im Stammbaum einordnenZeitspannen und Merkmalsveränderungen verstehenBefunde von unbelegten Schlussfolgerungen unterscheiden
1 · Der Mensch gehört zu den Menschenaffen
Menschen sind Primaten und gehören biologisch zu den großen Menschenaffen. Unsere nächsten heute lebenden Verwandten sind Schimpansen und Bonobos. Wir stammen nicht von den heutigen Schimpansen ab: Unsere Linien gehen auf gemeinsame Vorfahren zurück und haben sich seit der Trennung jeweils weiterentwickelt.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
Vereinfachter Stammbaum ausgewählter heutiger Gruppen. Entscheidend ist die Reihenfolge der Verzweigungen. Astlängen und die Anordnung von oben nach unten stellen weder Zeitdauer noch eine Rangordnung dar.
Ein Stammbaum lässt sich an Verzweigungen drehen, ohne die Verwandtschaft zu ändern. Schimpansen und Bonobos bleiben deshalb auch dann Schwesterarten, wenn ihre Namen vertauscht oben und unten stehen. Homininen bezeichnet hier Menschen und die ausgestorbenen Formen auf unserer Linie nach der Trennung von der gemeinsamen Linie mit Schimpansen und Bonobos.
Eine verzweigte Geschichte
Die Evolution des Menschen ist keine Leiter vom „niedrigen“ zum „höheren“ Lebewesen. Verschiedene Linien entstanden, existierten teilweise gleichzeitig und starben zum Teil wieder aus. Für viele Fossilien ist die genaue Position im Stammbaum weiterhin Gegenstand der Forschung.
2 · Merkmale entstanden zu unterschiedlichen Zeiten
Typische Merkmale des heutigen Menschen entstanden nicht als fertiges Paket. Regelmäßiges zweibeiniges Gehen ist bei frühen Homininen belegt, die noch deutlich kleinere Gehirne als heutige Menschen hatten. Spätere Veränderungen betrafen unter anderem Körperproportionen, Gehirn, Ernährung und Verhalten. Fachleute sprechen von einer mosaikartigen Evolution.
Fortbewegung
Becken, Beine, Füße und die Verbindung von Schädel und Wirbelsäule geben Hinweise auf Körperhaltung und Bewegung. Fußspuren ergänzen die Knochenfunde. Frühe Formen konnten Merkmale für zweibeiniges Gehen und für Klettern gleichzeitig besitzen.
Gehirn und Entwicklung
In mehreren Linien veränderten sich Größe und Organisation des Gehirns. Das geschah weder überall gleich noch stetig in dieselbe Richtung. Gehirnvolumen allein ist kein Maß für Intelligenz und verrät keine konkrete Sprache.
Hände, Nahrung und Werkzeuge
Greifen, Werkzeugnutzung und Nahrungsgewinnung beeinflussen einander. Steinwerkzeuge sind älter als die bislang bekannten frühesten Fossilien der Gattung Homo. Werkzeuggebrauch ist zudem nicht auf Menschen beschränkt.
Lernen und Kultur
Wissen kann durch Beobachtung, Übung und Weitergabe zwischen Individuen verbreitet werden. Kulturelle Veränderungen können viel schneller ablaufen als genetische. Eine erlernte Fertigkeit wird nicht automatisch als fertige Information in die DNA der Nachkommen geschrieben.
Die Aussage „Menschen wollten aufrecht gehen und entwickelten deshalb passende Knochen“ verwechselt einen Zweck mit einer Erklärung. Erbliche Variation, Selektion, Zufall und unterschiedliche Lebensbedingungen wirken über Generationen. Welche Faktoren einzelne Veränderungen begünstigten, muss anhand von Befunden geprüft werden.
3 · Zeitreise-Labor: Wer lebte wann?
Stelle einen Zeitpunkt ein und prüfe, welche der fünf ausgewählten Zeitspannen ihn einschließen. Wechsle zur vergrößerten Ansicht, um die letzten 500.000 Jahre besser zu erkennen. Die Zeitachse verläuft von älter links zu jünger rechts; die Zahlen geben das Alter vor heute an.
Zeitraum wählen
Regler und Diagramm: links älter, rechts jünger. Die gestrichelte Linie markiert den gewählten Zeitpunkt.
↔ Zeitleiste bei Bedarf seitlich verschieben.
Kräftige Balken schließen den gewählten Zeitpunkt ein; blasse Balken liegen außerhalb. Die Balken zeigen gerundete bekannte Zeitspannen, keine lückenlose Fundserie und keine direkten Abstammungslinien. Im vergrößerten Ausschnitt können Balken links abgeschnitten sein und früher beginnen. 1.000 Tausend Jahre = 1 Million Jahre.
Vor 1.500.000 Jahren
In dieser Auswahl: Homo habilis und Homo erectus.
Zeitliche Überlappung bedeutet nicht automatisch denselben Aufenthaltsort.
Was die Grenzen bedeuten
Die Angaben sind aus Fossilien und ihrer Datierung abgeleitete, gerundete Orientierungswerte. Neue Funde oder andere Artabgrenzungen können sie verändern. Ein ältester bekannter Fund datiert nicht zwangsläufig die Entstehung einer Art; ein jüngster Fund nicht automatisch ihr genaues Aussterben. Die Auswahl enthält nur fünf Formen und ist kein vollständiger Stammbaum.
4 · Fünf ausgewählte Formen kennenlernen
Australopithecus afarensis
Etwa 3,85–2,95 Millionen Jahre vor heute · Ostafrika. Diese Form verband zweibeiniges Gehen mit Merkmalen, die auch zum Klettern passen. Das bekannte Teilskelett „Lucy“ ist ungefähr 3,2 Millionen Jahre alt. Ein im Vergleich zu heutigen Menschen kleines Gehirn schloss zweibeinige Fortbewegung nicht aus. Funde und Einordnung →
Homo habilis
Etwa 2,4–1,4 Millionen Jahre vor heute · Afrika. Eine frühe, in ihrer Abgrenzung diskutierte Form der Gattung Homo. Der Name bedeutet sinngemäß „geschickter Mensch“. Er ist kein Beweis dafür, dass diese Art die ersten Steinwerkzeuge herstellte oder jedes frühe Werkzeug ihr zuzuordnen ist. Funde und Einordnung →
Homo erectus
Etwa 1,89 Millionen bis 110.000 Jahre vor heute · Afrika und Asien. In weiter Fassung eine lange bestehende Gruppe mit vergleichsweise langen Beinen und kürzeren Armen. Einige Forschende unterscheiden afrikanische Funde als Homo ergaster. Solche Abgrenzungen beeinflussen auch die angegebenen Zeitspannen. Funde und Einordnung →
Neandertaler
Etwa 400.000–40.000 Jahre vor heute · Europa und Teile Asiens. Homo neanderthalensis besaß unter anderem einen robusten Körperbau. Neandertaler stellten Werkzeuge her und nutzten Feuer. Sie waren keine bloße unfertige Vorstufe heutiger Menschen; zeitweise lebten sie gleichzeitig mit Homo sapiens. Funde und Einordnung →
Homo sapiens
Seit ungefähr 300.000 Jahren · Ursprung in Afrika, heute weltweit. Zu dieser Art gehören alle heute lebenden Menschen. Ihre Entstehung lässt sich nicht auf eine einzige einfach erzählte Stufenfolge reduzieren. Populationen entwickelten sich in Afrika und breiteten sich später in verschiedene Weltregionen aus. Funde und Einordnung →
Die Reihenfolge dieser Steckbriefe richtet sich nach dem Beginn der angegebenen Zeitspannen. Sie behauptet nicht, dass jede genannte Form direkt aus der unmittelbar davor genannten hervorging.
5 · Ausbreitung und Begegnungen
Afrika spielt eine zentrale Rolle in der menschlichen Evolution. Schon frühe Vertreter der Gattung Homo breiteten sich nach Eurasien aus – lange vor Homo sapiens. Später verließen auch Populationen von Homo sapiens Afrika. Es gab mehrere Ausbreitungen, Kontakte und Rückwanderungen, keine einzige gleichmäßige Wanderung einer unveränderten Gruppe.
Alte DNA ergänzt die Fossilien
Unter günstigen Bedingungen können DNA-Bruchstücke aus alten Resten gewonnen werden. Vergleiche vieler Abschnitte helfen, Verwandtschaft und früheren genetischen Austausch zu rekonstruieren. Alte DNA ist nicht in jedem Fossil erhalten und muss sorgfältig von Verunreinigungen unterschieden werden.
Getrennte Linien mit Genfluss
Genetische Befunde zeigen Fortpflanzung zwischen manchen Populationen von Homo sapiens und Neandertalern. Auch die Denisova-Menschen trugen zur Abstammung heutiger Populationen bei. Denisova-Menschen sind hier nicht als eigener Balken dargestellt: Die Zeitleiste ist eine begrenzte Auswahl.
Ein Bild mit ausschließlich getrennten Ästen vereinfacht diese Geschichte. Für einige Populationen müssen Verbindungen durch Genfluss ergänzt werden. Das bedeutet nicht, dass alle damaligen Gruppen überall miteinander in Kontakt standen. Mehr zu den Befunden: Smithsonian: alte DNA, Neandertaler und Denisova-Menschen.
6 · Befund-Labor: Was darf man daraus schließen?
Unterscheide zwischen einem beobachteten Befund und der Aussage, die er tatsächlich stützt. Eine Erklärung kann gut begründet sein, ohne dass dadurch jede Einzelheit der Vergangenheit feststeht.
Sechs Befunde prüfen
Eine alte Spur
Eine gut erhaltene Folge menschenähnlicher Fußabdrücke zeigt wiederholte Schritte auf zwei Füßen. Welche Aussage wird durch diesen Befund unmittelbar gestützt?
Wähle eine Antwort.
7 · Eine Art – vielfältige Menschen
Alle heute lebenden Menschen gehören zu Homo sapiens. Genetische Vielfalt und unterschiedliche Merkmale machen heutige Bevölkerungen nicht zu früheren oder späteren Evolutionsstufen. Alle haben eine ebenso lange Geschichte seit ihren gemeinsamen Vorfahren. Evolution beschreibt Veränderungen und Verwandtschaft, keine Rangordnung des Wertes von Menschen.
Auch beim heutigen Menschen endet Evolution nicht einfach. Genetische Veränderungen und kulturelle Entwicklungen beeinflussen sich, sind aber nicht dasselbe. Eine neue Sprache, ein gelerntes Handwerk oder eine Schulbildung sind keine neue biologische Art.
Kurzer Begriffscheck
Welche Aussage beschreibt die menschliche Evolution am besten?
Wähle eine Antwort.
12 Aufgaben: verstehen, anwenden und begründen
Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
1 · Korrigiere: „Menschen stammen von den heutigen Schimpansen ab.“
Tipp anzeigen
Denke an den gemeinsamen Verzweigungsknoten.
Lösung anzeigen
Menschen und die gemeinsame Linie von Schimpansen und Bonobos gehen auf gemeinsame Vorfahren zurück. Heutige Schimpansen sind Verwandte, keine unverändert erhaltenen menschlichen Vorfahren.
2 · Welche beiden Endgruppen sind im Schaubild am engsten miteinander verwandt?
Tipp anzeigen
Suche ihren jüngsten gemeinsamen Knoten.
Lösung anzeigen
Schimpansen und Bonobos. Sie teilen einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren miteinander als mit Menschen. Die Position oben oder unten ist dafür unerheblich.
3 · Was bedeutet mosaikartige Evolution?
Tipp anzeigen
Müssen alle Merkmale zugleich entstehen?
Lösung anzeigen
Unterschiedliche Merkmale verändern sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kombinationen. Frühe zweibeinig gehende Homininen hatten zum Beispiel noch vergleichsweise kleine Gehirne.
4 · Was kann eine Folge zweibeiniger Fußabdrücke belegen – und was nicht?
Tipp anzeigen
Trenne Bewegung von Sprache und genauer Artzuordnung.
Lösung anzeigen
Sie stützt zweibeinige Fortbewegung der Verursacher in dieser Situation. Allein daraus folgen weder eine bestimmte Sprache noch eine sichere Zuordnung zu Homo sapiens.
5 · Welche der fünf Formen passt in der Übersicht zu 3,2 Millionen Jahren vor heute?
Tipp anzeigen
Stelle den Regler auf 3.200 Tausend Jahre.
Lösung anzeigen
Australopithecus afarensis. Der Zeitpunkt liegt zwischen den hier verwendeten Grenzen von 3,85 und 2,95 Millionen Jahren. Die Auswahl ist nicht vollständig; daraus folgt nicht, dass damals nur diese eine Form existierte.
6 · Welche Zeitspannen überlappen sich vor 1,5 Millionen Jahren?
Tipp anzeigen
Vergleiche Homo habilis und Homo erectus.
Lösung anzeigen
In dieser Auswahl Homo habilis und Homo erectus. Die Überlappung belegt für sich allein weder denselben Fundort noch eine bestimmte direkte Abstammung.
7 · Wer fällt in der Auswahl in die Zeit vor 200.000 Jahren?
Tipp anzeigen
Nutze die Ansicht der letzten 500.000 Jahre.
Lösung anzeigen
Homo erectus, Neandertaler und Homo sapiens. Die gerundeten Zeitspannen schließen diesen Zeitpunkt ein. Die Formen lebten deswegen nicht automatisch in derselben Region.
8 · Warum ist der älteste bekannte Fossilfund nicht automatisch der Beginn einer Art?
Tipp anzeigen
Welche Funde könnten noch fehlen?
Lösung anzeigen
Frühere Vertreter könnten nicht erhalten, noch unentdeckt oder anders eingeordnet worden sein. Ein ältester bekannter Fund ist ein Beleg für das damalige Vorkommen, nicht zwingend für den genauen Entstehungszeitpunkt.
9 · Warum lässt sich aus Gehirnvolumen keine einfache Intelligenzrangliste ableiten?
Tipp anzeigen
Welche Informationen fehlen dem einzelnen Messwert?
Lösung anzeigen
Unter anderem Gehirnorganisation, Körpergröße, Entwicklung, Verhalten und Umweltbedingungen. Das Volumen allein bestimmt weder geistige Fähigkeiten noch eine konkrete Sprache.
10 · Was zeigen Hinweise auf Neandertaler-DNA in heutigen menschlichen Genomen?
Tipp anzeigen
Denke an Fortpflanzung zwischen Populationen.
Lösung anzeigen
Sie stützen früheren Genfluss durch Fortpflanzung zwischen manchen Populationen. Daraus folgt nicht, dass heutige Menschen ausschließlich von Neandertalern abstammen.
11 · Wieso kann man ein altes Steinwerkzeug ohne weitere Funde nicht sicher Homo habilis zuordnen?
Tipp anzeigen
Ein Werkzeug ist noch kein Ausweis seines Herstellers.
Lösung anzeigen
Mehrere Formen kommen als Hersteller infrage; frühe Steinwerkzeuge sind außerdem älter als die bislang bekannten frühesten Homo-Fossilien. Es braucht zusätzliche räumliche, zeitliche und anatomische Hinweise.
12 · Unterscheide kulturelles Lernen von genetischer Vererbung.
Tipp anzeigen
Wie wird ein Handwerk weitergegeben?
Lösung anzeigen
Ein Handwerk kann durch Beobachtung, Unterricht und Übung gelernt werden. Genetische Vererbung überträgt DNA bei der Fortpflanzung. Das Gelernte wird nicht als fertige Fertigkeit automatisch in die DNA geschrieben.
Für den Unterricht: Mit Befunden argumentieren
Einstieg: Vergleicht eine vereinfachte „Entwicklungsleiter“ mit dem verzweigten Stammbaum. Formuliert, welche falschen Vorstellungen eine Leiter nahelegt. Erarbeitung: Sucht im Zeitreise-Labor Abschnitte mit einer, zwei und drei der ausgewählten Formen. Begründet jede Zuordnung mit den Zeitgrenzen. Transfer: Trennt im Befund-Labor Beobachtung, gestützte Erklärung und unbelegte Behauptung. Vertiefung: Verknüpft die Seite mit Fossilien und Datierung sowie Genfluss.
Passende Materialien zum Weiterlernen
Kostenlos · PDF mit Lösungen
Evolutionäre Stammbäume lesen
Wende die Begriffe und Zusammenhänge in passenden Aufgaben an.
Fachliche Vertiefung: Smithsonian · Introduction to Human Evolution · Smithsonian · Ancient DNA and Neanderthals. Weitere Quellen sind bei den jeweiligen Inhalten verlinkt. Eigene Erklärungen, Aufgaben und Schaubilder. Gezeichnete Schichtfälle sind Unterrichtsbeispiele; Fossilzeitspannen sind gerundete Orientierungswerte. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.