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Wähle jeweils eine Antwort. Die Lösungen erklären dir, worauf es ankommt.
Ein Betrieb hat kaum noch Aufträge, entlässt Beschäftigte und spart bei neuen Maschinen. Die entlassenen Menschen kaufen weniger – und nun verlieren auch andere Betriebe Kundschaft. Ab 1929 verstärkten sich solche Entwicklungen zu einer weltweiten Wirtschaftskrise.
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In den USA waren Aktienkurse während der 1920er-Jahre stark gestiegen. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Viele Käufer hofften, ihre Anteile bald teurer verkaufen zu können. Manche finanzierten die Käufe mit geliehenem Geld. Damit hingen steigende Kurse und zunehmende Verschuldung zusammen.
Im Oktober 1929 brachen die Kurse an der New Yorker Börse ein. Besonders heftige Kursverluste gab es am 28. und 29. Oktober. Anleger verloren Vermögen, Vertrauen schwand und kreditfinanzierte Geschäfte wurden riskanter. Wer Geld geliehen hatte, musste es weiterhin zurückzahlen, obwohl die gekauften Aktien viel weniger wert waren.
Der Börsenkrach erklärt die jahrelange Krise jedoch nicht allein. Die US-Wirtschaft hatte bereits zuvor an Schwung verloren. Spätere Bankenkrisen, zurückgehende Kredite und wirtschaftspolitische Entscheidungen verschärften den Einbruch. Börse und Wirtschaft sind verbunden, aber nicht dasselbe: Aktienkurse messen keine gesamte Volkswirtschaft.
Erfundenes Rechenbeispiel, ohne Zinsen: Jemand kauft Aktien für 100 Geldeinheiten, davon 80 geliehen. Nach einem Kursverlust sind sie nur noch 50 wert. Werden sie jetzt verkauft, bleiben nach Verwendung des Erlöses noch 30 Schulden. Die Rückzahlungspflicht sinkt nicht automatisch mit dem Wert der Aktien. Das Modell erklärt ein Risiko, keine bestimmte historische Transaktion.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft in den „Goldenen Zwanzigern“ war auch durch ausländische Kredite finanziert worden. Ein Teil des Geldes stand nur kurzfristig zur Verfügung, wurde aber für länger laufende Vorhaben benötigt. Eine Bank konnte etwa Geld bald zurückzahlen müssen, während ein finanziertes Bauprojekt noch keine ausreichenden Einnahmen brachte.
In der Krise zogen ausländische Geldgeber Kapital ab oder verlängerten Kredite nicht. Gleichzeitig bestellten Kunden im Ausland weniger deutsche Waren. Deutschland war deshalb über Finanzierung und Handel mit der internationalen Krise verbunden. Zusätzliche Handelsbarrieren erschwerten den Austausch.
Bankenprobleme verschärften die Lage. Wenn Kunden aus Angst gleichzeitig Ersparnisse abheben, braucht eine Bank sofort verfügbares Geld. Sie kann aber nicht jeden langfristigen Kredit sofort zurückfordern. Einschränkungen der Kreditvergabe treffen dann auch Betriebe, die neue Aufträge vorfinanzieren möchten.

Eine Maschine hilft nur, wenn Rohstoffe, Finanzierung, Arbeitskräfte und Käufer zusammenkommen. Ein Betrieb kann technisch produzieren können, wirtschaftlich aber keine ausreichenden Absatzmöglichkeiten haben. Die Krise war deshalb nicht einfach ein Mangel an Werkzeugen oder Arbeitsbereitschaft.
Kunden kaufen weniger; ein Betrieb erzielt weniger Einnahmen.
Auch Unternehmen sind Kunden anderer Unternehmen. Wenn sie weniger Material bestellen, breitet sich der Rückgang aus.
Der Betrieb verringert Arbeitszeit, entlässt Beschäftigte oder schließt.
Geringere Einnahmen können die Finanzierung von Löhnen und laufenden Kosten erschweren.
Betroffene Haushalte verschieben Anschaffungen und beschränken Ausgaben.
Was für einen einzelnen Haushalt notwendiges Sparen ist, bedeutet für Geschäfte und andere Betriebe weniger Umsatz.
Auch andere Betriebe verkaufen weniger. Der Vorgang beginnt erneut.
Eine Rückkopplung entsteht: Die Folge eines Problems verstärkt dessen Ausgangsbedingungen.
Vereinfachtes Erklärungsmodell: Nicht jeder Betrieb und jede Familie war gleich betroffen. Kredite, Preise, staatliche Entscheidungen und Außenhandel beeinflussten den Verlauf zusätzlich.
Nicht mit 1923 verwechseln: In der Hyperinflation stiegen die Preise extrem. In der Weltwirtschaftskrise waren vielerorts fallende Preise, Absatzprobleme und Erwerbslosigkeit kennzeichnend. Beide Krisen konnten Not erzeugen, hatten aber unterschiedliche Abläufe.
Bei unverändertem Einkommen kann man sich mehr leisten. Fallen aber zugleich Löhne und Beschäftigung weg, hilft ein niedrigerer Preis vielen Menschen wenig. Bleibt eine Schuld in Geld gleich hoch, muss sie aus einem kleineren Einkommen bezahlt werden. Deshalb kann Deflation die Belastung von Schuldnern erhöhen.
Anfang 1933 waren in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen arbeitslos. Diese Größenordnung erfasst nicht alle Folgen: Angehörige verloren ebenfalls Versorgungssicherheit; Kurzarbeit und Lohnkürzungen trafen zusätzlich Menschen mit einer Stelle. Auch die Angst vor dem nächsten Arbeitsplatzverlust beeinflusste das Leben.
Junge Menschen fanden häufig keinen Einstieg in den Beruf. Langzeitarbeitslose verloren nicht nur Einkommen, sondern oft auch Tagesstruktur und soziale Kontakte. Familien versuchten mit Gelegenheitsarbeiten, gegenseitiger Hilfe und strengem Sparen zurechtzukommen. Erwerbslosigkeit bedeutete nicht mangelnde Arbeitsbereitschaft.
Die soziale Sicherung geriet unter Druck. Wenn weniger Beschäftigte Beiträge zahlten, während mehr Menschen Unterstützung benötigten, wurde ihre Finanzierung schwieriger. Gemeinden standen vor zusätzlichen Fürsorgeaufgaben. Die Krise verteilte sich ungleich: Manche Haushalte verfügten über Rücklagen oder ein relativ sicheres Einkommen, andere verloren fast ihre gesamte wirtschaftliche Grundlage.

Die Illustration kann eine mögliche Alltagssituation veranschaulichen. Aus ihr erfährst du nicht, wie hoch das Einkommen war, ob die Familie Unterstützung erhielt oder wie sie politisch dachte. Für diese Fragen bräuchtest du zeitgenössische Haushaltsbücher, Verwaltungsunterlagen oder Selbstzeugnisse. Das Bild ist selbst keine Quelle aus dem Jahr 1932.

Podcast · Menschen erzählen Geschichte · Folge 15
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KI-vertontes, fiktives Interview auf historischer Grundlage. Keine echte Zeitzeugenaufnahme.
Zwischen welchen Ausgaben muss Paul entscheiden? Nenne zwei weitere Folgen seiner Arbeitslosigkeit.
Paul wägt Kohlen zum Heizen gegen die Fahrt zu einer möglichen Arbeitsstelle ab. Hinzu kommen Unsicherheit, Scham, Verlust der Tagesstruktur und Sorgen um die Familie. Das geliehene Fahrgeld ermöglicht die Bewerbung, garantiert aber keine Stelle.
Erkläre mit Pauls Einkaufsentscheidungen, warum Entlassungen weitere Entlassungen auslösen können. Warum helfen günstigere Preise nicht unbedingt?
Weniger Einkommen führt zu weniger Käufen. Dadurch verlieren andere Betriebe Umsatz und können weitere Stellen abbauen. Sinkende Preise gleichen einen starken Einkommensverlust nicht unbedingt aus. Pauls notwendiges Sparen ist keine persönliche Schuld.
Was fordert das Dresdner Plakat von 1930? Prüfe die Grenzen des Vorschlags und der Quelle.
Es fordert, sogenannte Doppelverdiener zugunsten Arbeitsloser zu entlassen. Eine Umverteilung vorhandener Stellen schafft allein keine neuen Aufträge und kann andere Familien belasten. Das Plakat belegt eine Forderung dieser Verbandsortsgruppe, nicht deren Wirksamkeit oder die Meinung aller Arbeitslosen. Pauls Gespräch ist eine erfundene Veranschaulichung.
Otto: Willkommen bei Lernmarktplatz – Menschen erzählen Geschichte. Ich bin Otto. Heute: Wenn die Arbeit wegbricht. Wir versetzen uns nach Berlin, in den Dezember neunzehnhundertdreißig. Mein Gast ist Paul Neumann, ein entlassener kaufmännischer Angestellter. Paul und seine Erlebnisse sind erfunden, die historischen Hintergründe recherchiert. Beide Stimmen entstehen mit KI. Paul, auf Ihrem Küchentisch liegen Rechnungen und eine Stellenanzeige. Was beschäftigt Sie?
Paul: Ob ich morgen hinfahre. Die Firma sucht jemanden für die Buchhaltung, draußen am anderen Ende der Stadt. Ich könnte die Arbeit. Aber die Fahrt kostet Geld, und wir brauchen Kohlen. Meine Frau sagt: Geh hin, sonst ärgerst du dich. Ich denke: Und wenn dort schon fünfzig andere warten? Dann komme ich mit leeren Händen zurück.
Otto: Sie müssen also selbst für die Suche nach Arbeit Geld einsetzen. Wie haben Sie Ihre Stelle verloren?
Paul: Ich habe Rechnungen geschrieben und Bestellungen bearbeitet, in einem Betrieb für Maschinenzubehör. Erst kamen weniger Aufträge. Dann blieben Rechnungen unserer Kunden unbezahlt. Eines Tages hieß es, die Verwaltung müsse kleiner werden. Mein Chef gab mir ein ordentliches Zeugnis. Das steckt jetzt in meiner Mappe. Nur bezahlen kann ich damit nichts.
Otto: Ein gutes Zeugnis schafft noch keine freie Stelle. Hinter solchen Entlassungen stand eine internationale Krise. Im Oktober neunzehnhundertneunundzwanzig brachen in New York die Aktienkurse ein. Das war ein wichtiger Auslöser und ein sichtbares Zeichen der Krise, aber nicht ihre einzige Ursache. Die deutsche Wirtschaft war besonders verletzlich, weil ihr Aufschwung auch von ausländischen Krediten abhing. Als Geldgeber Kredite zurückzogen und weniger neues Geld verliehen, gerieten Unternehmen unter Druck. Paul, hatten Sie selbst Aktien?
Paul: Nein. Darum habe ich zuerst gedacht: Das betrifft die Leute mit ihren Wertpapieren, nicht mich. Ich wusste zwar, dass unser Betrieb Geld von der Bank brauchte. Aber zwischen einer Nachricht aus Amerika und meinem Schreibtisch habe ich keinen Zusammenhang gesehen. Bis die Bestellungen ausblieben. Da wurde aus der Zeitungsnachricht plötzlich mein eigenes Problem.
Otto: Zur Kreditknappheit kam, dass im In- und Ausland weniger Waren gekauft wurden. Betriebe verkauften weniger, drosselten ihre Produktion und entließen Beschäftigte. Was haben Sie seit Ihrer Entlassung im Alltag verändert?
Paul: Ins Kino gehen wir nicht mehr. Den Mantel lasse ich noch einmal ausbessern. Beim Bäcker kaufe ich weniger, und meine Frau schreibt jeden Pfennig auf. Manchmal denke ich an den Mann im Bekleidungsgeschäft. Wenn alle so sparen wie wir, verkauft der doch auch nichts mehr. Aber ich kann kein Geld ausgeben, das ich nicht habe.
Otto: Genau darin liegt ein sich verstärkender Kreislauf: Weniger Arbeit bedeutet weniger Einkommen. Haushalte kaufen weniger. Dadurch verlieren weitere Unternehmen Kundschaft und bauen womöglich Stellen ab. Für eine einzelne Familie kann Sparen notwendig sein; wenn sehr viele gleichzeitig sparen müssen, verschärft das den Absatzmangel. Sie sind daran nicht persönlich schuld. Bekommen Sie Unterstützung?
Paul: Ja, vorerst bekomme ich Arbeitslosenunterstützung. Zum Amt gehe ich trotzdem mit einem Knoten im Magen. Ich habe doch immer gearbeitet. Meine Frau verdient mit Näharbeiten etwas dazu, aber auch ihre Kundinnen überlegen jetzt zweimal. Abends rechnen wir gemeinsam. Ich möchte nur nicht, dass unser Sohn bei jedem Stück Brot merkt, wie knapp es geworden ist.
Otto: Seit neunzehnhundertsiebenundzwanzig gab es eine gesetzliche Arbeitslosenversicherung. Sie half, ersetzte aber nicht einfach das frühere Einkommen. Anspruch und Bezugsdauer waren begrenzt. Mit der Massenarbeitslosigkeit geriet ihre Finanzierung unter großen Druck. Viele Menschen mussten später andere Hilfen beantragen. Und während der Krise wurden Leistungen eingeschränkt. Paul, erinnert Sie das an die Inflation von neunzehnhundertdreiundzwanzig?
Paul: An die Angst, ja. Aber damals wurden die Preise dauernd höher. Jetzt sehe ich sogar günstigere Angebote. Das klingt erst einmal gut. Nur habe ich eben viel weniger Geld. Ein billigerer Mantel hilft mir nicht, wenn ich zwischen Kohlen und einer Fahrt zur Bewerbung wählen muss. Früher fehlte mir nach Feierabend Zeit. Jetzt fehlt mir die Arbeit.
Otto: Das ist ein wichtiger Unterschied. Bei der damaligen Hyperinflation verlor das Geld rasant an Kaufkraft. In der Weltwirtschaftskrise sanken dagegen viele Preise; ein allgemeiner Rückgang des Preisniveaus heißt Deflation. Trotzdem konnten Menschen verarmen, weil Einkommen und Arbeitsplätze wegfielen. Auch die Sparpolitik der Regierung Brüning ab neunzehnhundertdreißig verringerte die Nachfrage zusätzlich. Die Regierung wollte die Staatsfinanzen ordnen; Kürzungen und höhere Abgaben belasteten aber die Wirtschaft. Was macht die Lage mit Ihrem Selbstvertrauen?
Paul: Morgens ziehe ich mich noch genauso ordentlich an. Meine Frau fragt manchmal, warum ich die Schuhe putze, wenn ich nur zum Amt gehe. Weil ich nicht möchte, dass man mir gleich ansieht, wie es steht. Am schlimmsten ist die Frage: Noch immer nichts gefunden? Als hätte ich nicht gesucht. Dabei weiß ich, dass viele genauso dastehen.
Otto: Wir ergänzen Ihre erfundene Geschichte mit einer echten Quelle. Das Deutsche Historische Museum bewahrt ein Plakat aus Dresden vom zwölften Dezember neunzehnhundertdreißig. Es stammt von der dortigen Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbands. Darauf steht: Entlasst die Doppelverdiener! Stellt dafür Arbeitslose ein! Gemeint ist die Forderung, Beschäftigung umzuverteilen. Was denken Sie bei diesem Vorschlag?
Paul: Zuerst denke ich: Vielleicht wäre dann eine Stelle für mich frei. Aber dann sehe ich meine Frau vor mir. Sollen wir auf ihren Verdienst verzichten, sobald ich wieder etwas finde? Davon bezahlen wir doch auch unsere Rechnungen. Und wenn ein Betrieb gar keine Aufträge mehr hat, entsteht durch so eine Forderung auch keine zusätzliche Arbeit. So einfach ist es wohl nicht.
Otto: Das Plakat zeigt eine politische Forderung, keinen Beweis dafür, dass sie die Krise gelöst hätte. Wir müssen fragen: Wer wirbt hier, für welches Ziel und auf wessen Kosten? Aus einem Plakat erfahren wir außerdem nicht, wie alle Arbeitslosen dachten. Dafür brauchen wir weitere Quellen. Auch Pauls Antworten sind unsere erfundene Veranschaulichung. Begegnen Ihnen politische Versprechen im Alltag?
Paul: Überall. Auf der Straße, auf Plakaten, in Gesprächen. Manche reden, als müsste man nur bestimmte Menschen loswerden, dann wäre alles wieder gut. Wenn man verzweifelt ist, möchte man glauben, dass jemand einen Ausweg kennt. Aber ich möchte Arbeit, nicht einen Nachbarn zum Feind erklärt bekommen. Gestern hat mir gerade ein Nachbar von dieser freien Stelle erzählt.
Otto: Die Krise schwächte das Vertrauen vieler Menschen in die Demokratie. Die Nationalsozialisten nutzten Not und Ängste für ihre Propaganda, mit falschen Schuldzuweisungen und antisemitischer Hetze. Doch Arbeitslosigkeit machte nicht jeden Menschen zum Nationalsozialisten. Politische Entscheidungen und Einstellungen unterschieden sich. Die spätere Diktatur war keine zwangsläufige Folge der Wirtschaftskrise. Paul, was wird nun aus Ihrer Fahrt morgen?
Paul: Ich fahre hin. Mein Nachbar hat mir das Geld für die Fahrkarte geliehen. Für die Kohlen reicht es dann auch erst einmal. Meine Frau hat die Mappe mit dem Zeugnis schon neben die Tür gelegt. Ob ich die Stelle bekomme, weiß ich nicht. Aber heute muss ich die Entscheidung wenigstens nicht allein tragen. Das hilft mehr, als ich gestern gedacht hätte.
Otto: Danke, Paul. Seine Geschichte endet mit einer Möglichkeit, nicht mit einer sicheren neuen Stelle. Historisch verschärfte sich die Krise noch: Anfang neunzehnhundertzweiunddreißig waren rund sechs Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Merkt euch drei Zusammenhänge: Internationale Geld- und Handelsbeziehungen können Krisen übertragen. Arbeitslosigkeit und sinkende Nachfrage können einander verstärken. Und politische Versprechen müssen wir prüfen, gerade wenn sie einfache Schuldige anbieten. Das war Menschen erzählen Geschichte von Lernmarktplatz. Hörfragen, Quellen und mehr zum Thema findet ihr auf lernmarktplatz.de. Bis zum nächsten Mal.
Paul und seine Erlebnisse sind erfunden. Das Plakat ist eine echte historische Quelle. Der Schluss blickt über Dezember 1930 hinaus.
Heinrich Brüning wurde Ende März 1930 Reichskanzler. Er wollte den Staatshaushalt stabilisieren und Vertrauen in Deutschlands Zahlungsfähigkeit schaffen. Seine Regierung kürzte öffentliche Ausgaben und Leistungen, erhöhte Abgaben und drängte auf sinkende Löhne und Preise. Damit sollten deutsche Waren auch im Ausland günstiger werden. Diese Politik heißt Deflationspolitik.
Die erhoffte Erholung blieb aus. Wenn der Staat Aufträge streicht und Haushalten weniger Geld bleibt, sinkt auch ihre Nachfrage. Unternehmen verlieren weitere Kundschaft. Eine Ausgabenkürzung kann deshalb den Haushalt nicht einfach im vorgesehenen Umfang entlasten: Bei weiter sinkender Wirtschaftsleistung gehen auch Steuereinnahmen zurück.
Brüning setzte wesentliche Maßnahmen mithilfe von Notverordnungen des Reichspräsidenten Hindenburg durch. Die wirtschaftliche Krisenpolitik war damit eng mit einer Machtverschiebung zulasten des Parlaments verbunden. Welche Rolle Notverordnungen spielten, erklärt der folgende Artikel über die Präsidialkabinette.
Auch andere Wege hatten Schwierigkeiten: Der Zugang zu Krediten war begrenzt, die Erinnerung an 1923 belastete das Vertrauen in eine stärkere Geldschöpfung, internationale Währungsregeln und Reparationsfragen schränkten den Spielraum ein. Über Umfang und Zeitpunkt möglicher Alternativen wird historisch diskutiert. Solche Grenzen erklären Entscheidungen; sie machen aber nicht jede gewählte Maßnahme zwangsläufig richtig.
Ziel: Durch Sparen den Haushalt stabilisieren und durch niedrigere Kosten den Absatz fördern. Wirkung in der Krise: Zusätzliche Einkommens- und Nachfrageverluste konnten den Rückgang verstärken. Ein historisches Urteil muss beides betrachten und darf aus einer beabsichtigten Wirkung nicht auf ihren tatsächlichen Eintritt schließen.
Nach den bei DHM/LeMO angegebenen Werten sank der deutsche Warenexport von 13,5 Milliarden Reichsmark 1929 auf 5,7 Milliarden Reichsmark 1932. Gemeint ist der Geldwert der ausgeführten Waren, nicht deren Stückzahl. Die Angaben sind gerundet.
| Jahr | Wert |
|---|---|
| 1929 | 13,5 |
| 1932 | 5,7 |
Quelle der Werte: DHM/LeMO: Weltwirtschaftskrise.
Absoluter Rückgang: 13,5 − 5,7 = 7,8 Milliarden Reichsmark. Prozentualer Rückgang gegenüber 1929: 7,8 ÷ 13,5 × 100 ≈ 57,8 Prozent. Der Exportwert von 1932 lag also bei ungefähr 42,2 Prozent des Wertes von 1929. Verbleibender Anteil und Rückgang sind unterschiedliche Angaben.
Sie belegen einen starken Einbruch des Exportwertes zwischen den beiden Jahren. Sie zeigen allein weder die einzelnen Schritte dazwischen noch die genaue Ursache. Weil Preise und Warenmengen den Geldwert beeinflussen, darfst du nicht behaupten, die ausgeführte Stückzahl sei ebenfalls um genau 57,8 Prozent gesunken. Zwei Jahreswerte erklären außerdem keine individuelle Wahlentscheidung.
Viele Menschen zweifelten daran, dass die bisherigen Parteien die Krise bewältigen könnten. Die NSDAP nutzte die Not für antidemokratische Propaganda; auch die KPD gewann Unterstützung. Gleichzeitig hielten andere Menschen an demokratischen Parteien und Regeln fest.
Eine Erklärung muss daher mehrere Ebenen verbinden: die wirtschaftliche Belastung, politische Deutungen der Krise und konkrete Entscheidungen von Regierungen, Parteien und Reichspräsident. Not erklärt Handlungsspielräume und Stimmungen; sie schreibt keine einzelne politische Entscheidung vor. Antisemitische Schuldzuweisungen waren keine Erklärung der Wirtschaftskrise, sondern menschenfeindliche Propaganda.
Börsenkrach in New York; die internationale Wirtschaftskrise verschärft sich.
Massenarbeitslosigkeit und Deflationspolitik belasten Deutschland; Präsidialkabinette verändern das Regieren.
Finanzielle Probleme, anhaltende Not und politische Radikalisierung verstärken die Krise.
Die wirtschaftliche Krise besteht fort. Die Ernennung Hitlers ist eine politische Entscheidung, keine automatische Wirtschaftsfolge.
Die Aussage verkürzt eine mehrjährige Entwicklung auf ein Ereignis. Der Krach verschärfte wirtschaftliche Unsicherheit, aber Kreditprobleme, Sparpolitik, antidemokratische Mobilisierung und Entscheidungen politischer Akteure müssen ebenfalls erklärt werden. Präziser: Die Wirtschaftskrise schwächte die Bedingungen demokratischer Stabilität; Menschen und Institutionen entschieden über den Umgang mit ihr.
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