Radioaktive Kerne können sich spontan in andere Kernzustände oder Kerne umwandeln. Dabei wird Energie frei und es können Teilchen oder elektromagnetische Strahlung ausgesendet werden. Den genauen Zerfallszeitpunkt eines einzelnen Kerns kann man nicht vorhersagen.
Bei vielen gleichartigen Kernen lassen sich dagegen statistische Aussagen treffen. Wie der Bestand mit der Zeit abnimmt, beschreibt das Zerfallsgesetz. Hier konzentrieren wir uns zunächst auf die ausgesendeten Strahlungsarten und die Veränderung des Kerns.
Alpha-, Beta- und Gammastrahlung können Materie ionisieren, also Elektronen aus Atomen oder Molekülen lösen. Radioaktivität ist eine Eigenschaft instabiler Kerne; ionisierende Strahlung kann auch auf andere Weise entstehen, zum Beispiel in einer Röntgenröhre.
Lernschritt 2
Alphastrahlung: Ein Heliumkern wird abgegeben
Ein Alphateilchen besteht aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Es ist ein Helium-4-Kern ohne Elektronenhülle und trägt die Ladung +2e. Der Tochterkern hat vier Nukleonen und zwei Protonen weniger.
AZX → A−4Z−2Y + 42He
Beispiel: Uran-238 wird durch Alphazerfall zu Thorium-234. Links und rechts bleibt die Summe der Massenzahlen gleich, ebenso die Summe der Kernladungszahlen. Die frei werdende Energie verteilt sich auf Alphateilchen und Rückstoß des Tochterkerns; zusätzliche Gammaemission ist bei angeregten Tochterzuständen möglich.
Lernschritt 3
Betastrahlung: Eine Umwandlung im Kern
Beta-minus: Ein Neutron wandelt sich in ein Proton um. Dabei entstehen ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino. Das ausgesandte Elektron stammt nicht aus der vorher vorhandenen Elektronenhülle.
n → p + e− + ν̄e
Die Massenzahl bleibt gleich; die Protonenzahl wächst um eins. Beispiel: Kohlenstoff-14 wird zu Stickstoff-14.
Beta-plus: Ein Proton wird im energetisch möglichen Kernprozess in ein Neutron umgewandelt. Dabei entstehen ein Positron und ein Elektron-Neutrino. Die Protonenzahl sinkt um eins; die Massenzahl bleibt gleich.
p → n + e+ + νe
Diese Kurzform beschreibt die Umwandlung innerhalb eines geeigneten Kerns, keinen spontanen Zerfall eines freien Protons. Beta-plus-Zerfall benötigt eine ausreichende Energiedifferenz zwischen Anfangs- und Endsystem.
Elektron beziehungsweise Positron und (Anti-)Neutrino teilen die verfügbare Energie mit dem Rückstoß. Deshalb zeigt Betastrahlung ein kontinuierliches Energiespektrum. Eine feste Zerfallsenergie bedeutet nicht, dass jedes Betaelektron dieselbe Bewegungsenergie erhält.
Lernschritt 4
Gammastrahlung: Energie statt Nukleonen abgeben
Ein angeregter Kern kann in einen energieärmeren Zustand übergehen und dabei ein Photon aussenden. Dieses Photon ist Gammastrahlung: elektrisch neutral, ohne Ruhemasse und im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs.
AZX* → AZX + γ
Das Sternchen kennzeichnet den angeregten Kern. A und Z bleiben unverändert. Gammaemission kann nach einem Alpha- oder Betazerfall folgen, wenn der Tochterkern angeregt zurückbleibt.
Gamma- und Röntgenstrahlung unterscheiden sich nach ihrer Entstehung. Ihre Energiebereiche können überlappen; eine starre Energiegrenze trennt beide nicht.
Gleicher Kernbestand, weniger Energie
Die beiden Linien stehen für Energiezustände desselben Nuklids. Beim Übergang wird ein Gamma-Photon ausgesendet. A und Z ändern sich nicht.
Die Linien sind keine Orte und keine Umlaufbahnen. Die frei werdende Energie geht in das Photon und den Rückstoß des Kerns; die Photonenenergie ist deshalb näherungsweise die Energiedifferenz.
Lernschritt 5
Welche Zahlen ändern sich?
Wähle eine Strahlungsart. Sage zuerst voraus, ob das Element wechselt und ob die Neutronenzahl steigt oder sinkt.
Alpha: A sinkt um 4, Z sinkt um 2. Ein neues Element entsteht.
Die Kästen vergleichen Kernzusammensetzungen. Sie zeigen keine zeitliche Flugbahn. Bei Gamma bleibt die Zusammensetzung gleich, während die Kernenergie sinkt.
Unterrichtsimpuls mit Erklärung
Warum bleibt A bei Beta-minus konstant? Ein Neutron wird zu einem Proton. Es geht dabei kein Nukleon verloren. Elektron und Antineutrino zählen nicht als Nukleonen.
Lernschritt 6
Die Änderungen auf einen Blick
Strahlung
Abgegeben
A im Tochterkern
Z im Tochterkern
Alpha
Helium-4-Kern
A − 4
Z − 2
Beta-minus
Elektron + Antineutrino
A
Z + 1
Beta-plus
Positron + Neutrino
A
Z − 1
Gamma
Photon
A
Z
Die Regeln helfen beim Zuordnen des Tochterkerns. Sie allein beweisen noch nicht, dass ein bestimmter Zerfall energetisch möglich ist oder tatsächlich auftritt.
So gehst du vor
Zerfallsart festlegen
Alpha gibt 2 Protonen und 2 Neutronen ab. Beta wandelt ein Nukleon um. Gamma senkt die Kernenergie.
A und Z ändern
Alpha: A − 4, Z − 2. Beta-minus: A gleich, Z + 1. Beta-plus: A gleich, Z − 1. Gamma: beide gleich.
Tochterkern bestimmen
Suche das zu Z passende Elementsymbol. Berechne N = A − Z bei Bedarf neu.
Bilanz kontrollieren
Massenzahlen und Ladungszahlen müssen links und rechts übereinstimmen. Bei Beta gehören Elektron beziehungsweise Positron und (Anti-)Neutrino dazu.
Lernschritt 7
Zerfallsgleichungen prüfen
Beispiel · Schritt für Schritt
1. Alphazerfall von Uran-238
Bestimme den Tochterkern und prüfe die Bilanz.
Uran: A = 238; Z = 92.
Rechenweg: 1. Alphazerfall von Uran-238
Rechnung
Erklärung zum Schritt
A′ = 238 − 4 = 234
1Vier Nukleonen abziehen
Das Alphateilchen trägt zwei Protonen und zwei Neutronen fort.
Z′ = 92 − 2 = 90
2Element bestimmen
Die Ordnungszahl 90 gehört zu Thorium (Th).
N′ = 234 − 90 = 144
3Neutronen im Tochterkern zählen
Gegenüber den ursprünglichen 146 Neutronen sind es zwei weniger.
238 = 234 + 4 92 = 90 + 2
4Massenzahl und Ladungszahl prüfen
Die abgegebenen Teilchen müssen auf der rechten Seite mitgezählt werden.
Ergebnis:23892U → 23490Th + 42He
Beispiel · Schritt für Schritt
2. Beta-minus-Zerfall von Kohlenstoff-14
Welcher Kern entsteht, wenn sich ein Neutron in ein Proton umwandelt?
Kohlenstoff: A = 14; Z = 6.
Rechenweg: 2. Beta-minus-Zerfall von Kohlenstoff-14
Rechnung
Erklärung zum Schritt
A′ = 14
1Nukleonenzahl beibehalten
Ein Neutron wird zum Proton; es geht kein Nukleon verloren.
Z′ = 6 + 1 = 7
2Protonenzahl erhöhen
Z = 7 gehört zu Stickstoff (N). Die Neutronenzahl sinkt von 8 auf 7.
14 = 14 + 0 6 = 7 − 1
3Elektron in der Bilanz berücksichtigen
Das ausgesandte Elektron hat Ladungszahl −1 und Nukleonenzahl 0. Es besitzt trotzdem eine Ruhemasse.
Ergebnis:146C → 147N + e⁻ + ν̄e. Das Elektron entsteht beim Kernprozess und wird nicht aus der Hülle herausgelöst.
Vertiefung: Beta-plus in die andere Richtung
Beispiel · Schritt für Schritt
3. Beta-plus-Zerfall von Fluor-18
Bestimme die Kernzusammensetzung nach dem Zerfall.
Fluor: A = 18; Z = 9. Dieser Zerfall ist energetisch möglich.
Rechenweg: 3. Beta-plus-Zerfall von Fluor-18
Rechnung
Erklärung zum Schritt
A′ = 18; Z′ = 9 − 1 = 8
1Proton in Neutron umwandeln
Die Nukleonenzahl bleibt konstant, die Protonenzahl sinkt.
Z′ = 8 → O; N′ = 18 − 8 = 10
2Tochterkern zuordnen
Es entsteht Sauerstoff-18 mit zehn Neutronen.
18 = 18 + 0 9 = 8 + 1
3Positron mitrechnen
Das Positron trägt die positive Ladung fort. Zusätzlich wird ein Elektron-Neutrino ausgesendet.
Ergebnis:189F → 188O + e⁺ + νe. Die Gleichung beschreibt eine Umwandlung im geeigneten Kern, keinen freien Protonenzerfall.
Lernschritt 8
Wie werden die Strahlungsarten abgelenkt?
Die Ladung entscheidet über die Richtung
Beta-minus-Teilchen werden zur positiven Platte abgelenkt. Positive Alphateilchen und Positronen werden zur negativen Platte abgelenkt. Gamma-Photonen erfahren diese elektrische Ablenkung nicht.
Die Kurven sind schematisch. Die gemeinsame Linie für α und β⁺ bedeutet keine gleiche Ablenkungsstärke: Diese hängt zusätzlich von Masse, Impuls und Feld ab.
Lernschritt 9
Durchdringung sinnvoll einordnen
Alphateilchen verlieren ihre Energie auf kurzen Wegen und werden häufig bereits durch Papier oder die äußere Hautschicht gestoppt. Das macht alphastrahlende Stoffe im Körper nicht harmlos. Betastrahlung dringt bei typischen Energien weiter ein; geeignete Kunststoffschichten können sie abschwächen oder stoppen.
Gammastrahlung wird durch Materie schrittweise abgeschwächt. Dichte Materialien wie Blei oder dicke Betonschichten werden dafür genutzt. Eine Skizze mit einer Wand bedeutet keine vollständige Abschirmung für jede Energie.
Eine einzige feste Reichweite gibt es für keine Strahlungsart unabhängig von Energie, Material und Messsituation. Aktivität, Dosis und Strahlenschutz erhalten eine eigene Erklärung; aus der Strahlungsart allein lässt sich keine konkrete Gefährdung berechnen.
Lernschritt 10
Häufige Fehler vermeiden
Betateilchen für Hüllenelektronen halten: Beim Beta-minus-Prozess entsteht das Elektron in der Kernumwandlung.
Bei Gamma ein anderes Element eintragen: A und Z bleiben gleich.
Massenzahl 0 mit Masse 0 verwechseln: Elektronen und Positronen besitzen Ruhemasse, sind aber keine Nukleonen.
Nur Teilchenzahlen prüfen: Zusätzlich müssen Energie, Impuls und weitere Erhaltungsgrößen stimmen. Das (Anti-)Neutrino gehört deshalb zur vollständigen Beta-Reaktion.
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Lösungen mit Erklärungen
228 – Aneu = 232 − 4 = 228.
39 – Zneu = 38 + 1 = 39. A bleibt 90.
90 – Z bleibt 90; auch A bleibt 232.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
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Physikhelfer
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Nutze als Grundlage die Beziehung zwischen Massenzahl, Protonen und Neutronen oder berechne einen mittleren Zerfallsverlauf. Welche Tochterkerne bei Alpha- und Betazerfall entstehen und wie sich Strahlungsarten unterscheiden, übst du mit den Aufgaben auf dieser Seite. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.