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Alpha-, Beta- und Gammastrahlung

Welche Strahlung verlässt einen instabilen Kern? Vergleiche Teilchen, Ladungen und Kernumwandlungen und lerne, Zerfallsgleichungen zu prüfen.

Unsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck

Finde heraus, was du schon kannst

Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

Nur die Zahl in Massenzahl eingeben.

Nur die Zahl in Ordnungszahl eingeben.

Nur die Zahl in Ordnungszahl eingeben.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 234 – Aneu = 238 − 4 = 234.
  2. 7 – Zneu = 6 + 1 = 7. A bleibt 14.
  3. 92 – Z bleibt 92; auch A bleibt 238.

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Lernschritt 1

Was bedeutet Radioaktivität?

Radioaktive Kerne können sich spontan in andere Kernzustände oder Kerne umwandeln. Dabei wird Energie frei und es können Teilchen oder elektromagnetische Strahlung ausgesendet werden. Den genauen Zerfallszeitpunkt eines einzelnen Kerns kann man nicht vorhersagen.

Bei vielen gleichartigen Kernen lassen sich dagegen statistische Aussagen treffen. Wie der Bestand mit der Zeit abnimmt, beschreibt das Zerfallsgesetz. Hier konzentrieren wir uns zunächst auf die ausgesendeten Strahlungsarten und die Veränderung des Kerns.

Alpha-, Beta- und Gammastrahlung können Materie ionisieren, also Elektronen aus Atomen oder Molekülen lösen. Radioaktivität ist eine Eigenschaft instabiler Kerne; ionisierende Strahlung kann auch auf andere Weise entstehen, zum Beispiel in einer Röntgenröhre.

Lernschritt 2

Alphastrahlung: Ein Heliumkern wird abgegeben

Ein Alphateilchen besteht aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Es ist ein Helium-4-Kern ohne Elektronenhülle und trägt die Ladung +2e. Der Tochterkern hat vier Nukleonen und zwei Protonen weniger.

AZX → A−4Z−2Y + 42He

Beispiel: Uran-238 wird durch Alphazerfall zu Thorium-234. Links und rechts bleibt die Summe der Massenzahlen gleich, ebenso die Summe der Kernladungszahlen. Die frei werdende Energie verteilt sich auf Alphateilchen und Rückstoß des Tochterkerns; zusätzliche Gammaemission ist bei angeregten Tochterzuständen möglich.

Lernschritt 3

Betastrahlung: Eine Umwandlung im Kern

Beta-minus: Ein Neutron wandelt sich in ein Proton um. Dabei entstehen ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino. Das ausgesandte Elektron stammt nicht aus der vorher vorhandenen Elektronenhülle.

n → p + e− + ν̄e

Die Massenzahl bleibt gleich; die Protonenzahl wächst um eins. Beispiel: Kohlenstoff-14 wird zu Stickstoff-14.

Beta-plus: Ein Proton wird im energetisch möglichen Kernprozess in ein Neutron umgewandelt. Dabei entstehen ein Positron und ein Elektron-Neutrino. Die Protonenzahl sinkt um eins; die Massenzahl bleibt gleich.

p → n + e+ + νe

Diese Kurzform beschreibt die Umwandlung innerhalb eines geeigneten Kerns, keinen spontanen Zerfall eines freien Protons. Beta-plus-Zerfall benötigt eine ausreichende Energiedifferenz zwischen Anfangs- und Endsystem.

Elektron beziehungsweise Positron und (Anti-)Neutrino teilen die verfügbare Energie mit dem Rückstoß. Deshalb zeigt Betastrahlung ein kontinuierliches Energiespektrum. Eine feste Zerfallsenergie bedeutet nicht, dass jedes Betaelektron dieselbe Bewegungsenergie erhält.

Lernschritt 4

Gammastrahlung: Energie statt Nukleonen abgeben

Ein angeregter Kern kann in einen energieärmeren Zustand übergehen und dabei ein Photon aussenden. Dieses Photon ist Gammastrahlung: elektrisch neutral, ohne Ruhemasse und im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs.

AZX* → AZX + γ

Das Sternchen kennzeichnet den angeregten Kern. A und Z bleiben unverändert. Gammaemission kann nach einem Alpha- oder Betazerfall folgen, wenn der Tochterkern angeregt zurückbleibt.

Gamma- und Röntgenstrahlung unterscheiden sich nach ihrer Entstehung. Ihre Energiebereiche können überlappen; eine starre Energiegrenze trennt beide nicht.

Eγ-PhotonAngeregter KernEnergieärmerer Kern

Gleicher Kernbestand, weniger Energie

Die beiden Linien stehen für Energiezustände desselben Nuklids. Beim Übergang wird ein Gamma-Photon ausgesendet. A und Z ändern sich nicht.

Die Linien sind keine Orte und keine Umlaufbahnen. Die frei werdende Energie geht in das Photon und den Rückstoß des Kerns; die Photonenenergie ist deshalb näherungsweise die Energiedifferenz.

Lernschritt 5

Welche Zahlen ändern sich?

Wähle eine Strahlungsart. Sage zuerst voraus, ob das Element wechselt und ob die Neutronenzahl steigt oder sinkt.

Alpha: A sinkt um 4, Z sinkt um 2. Ein neues Element entsteht.
Kernumwandlung · Teilchenzahlen vor und nach dem ZerfallUran-238Z = 92 ProtonenN = 146 NeutronenThorium-234Z = 90 ProtonenN = 144 NeutronenAbgegeben: Helium-4-Kern (2 p + 2 n)Massenzahl: −4 · Protonenzahl: −2
Die Kästen vergleichen Kernzusammensetzungen. Sie zeigen keine zeitliche Flugbahn. Bei Gamma bleibt die Zusammensetzung gleich, während die Kernenergie sinkt.
Unterrichtsimpuls mit Erklärung

Warum bleibt A bei Beta-minus konstant? Ein Neutron wird zu einem Proton. Es geht dabei kein Nukleon verloren. Elektron und Antineutrino zählen nicht als Nukleonen.

Lernschritt 6

Die Änderungen auf einen Blick

Strahlung Abgegeben A im Tochterkern Z im Tochterkern
Alpha Helium-4-Kern A − 4 Z − 2
Beta-minus Elektron + Antineutrino A Z + 1
Beta-plus Positron + Neutrino A Z − 1
Gamma Photon A Z

Die Regeln helfen beim Zuordnen des Tochterkerns. Sie allein beweisen noch nicht, dass ein bestimmter Zerfall energetisch möglich ist oder tatsächlich auftritt.

So gehst du vor

  1. Zerfallsart festlegen

    Alpha gibt 2 Protonen und 2 Neutronen ab. Beta wandelt ein Nukleon um. Gamma senkt die Kernenergie.

  2. A und Z ändern

    Alpha: A − 4, Z − 2. Beta-minus: A gleich, Z + 1. Beta-plus: A gleich, Z − 1. Gamma: beide gleich.

  3. Tochterkern bestimmen

    Suche das zu Z passende Elementsymbol. Berechne N = A − Z bei Bedarf neu.

  4. Bilanz kontrollieren

    Massenzahlen und Ladungszahlen müssen links und rechts übereinstimmen. Bei Beta gehören Elektron beziehungsweise Positron und (Anti-)Neutrino dazu.

Lernschritt 7

Zerfallsgleichungen prüfen

Beispiel · Schritt für Schritt

1. Alphazerfall von Uran-238

Bestimme den Tochterkern und prüfe die Bilanz.

Uran: A = 238; Z = 92.

Rechenweg: 1. Alphazerfall von Uran-238
Rechnung Erklärung zum Schritt
A′ = 238 − 4 = 234
1Vier Nukleonen abziehen

Das Alphateilchen trägt zwei Protonen und zwei Neutronen fort.

Z′ = 92 − 2 = 90
2Element bestimmen

Die Ordnungszahl 90 gehört zu Thorium (Th).

N′ = 234 − 90 = 144
3Neutronen im Tochterkern zählen

Gegenüber den ursprünglichen 146 Neutronen sind es zwei weniger.

238 = 234 + 4
92 = 90 + 2
4Massenzahl und Ladungszahl prüfen

Die abgegebenen Teilchen müssen auf der rechten Seite mitgezählt werden.

Ergebnis: 23892U → 23490Th + 42He

Beispiel · Schritt für Schritt

2. Beta-minus-Zerfall von Kohlenstoff-14

Welcher Kern entsteht, wenn sich ein Neutron in ein Proton umwandelt?

Kohlenstoff: A = 14; Z = 6.

Rechenweg: 2. Beta-minus-Zerfall von Kohlenstoff-14
Rechnung Erklärung zum Schritt
A′ = 14
1Nukleonenzahl beibehalten

Ein Neutron wird zum Proton; es geht kein Nukleon verloren.

Z′ = 6 + 1 = 7
2Protonenzahl erhöhen

Z = 7 gehört zu Stickstoff (N). Die Neutronenzahl sinkt von 8 auf 7.

14 = 14 + 0
6 = 7 − 1
3Elektron in der Bilanz berücksichtigen

Das ausgesandte Elektron hat Ladungszahl −1 und Nukleonenzahl 0. Es besitzt trotzdem eine Ruhemasse.

Ergebnis: 146C → 147N + e⁻ + ν̄e. Das Elektron entsteht beim Kernprozess und wird nicht aus der Hülle herausgelöst.
Vertiefung: Beta-plus in die andere Richtung

Beispiel · Schritt für Schritt

3. Beta-plus-Zerfall von Fluor-18

Bestimme die Kernzusammensetzung nach dem Zerfall.

Fluor: A = 18; Z = 9. Dieser Zerfall ist energetisch möglich.

Rechenweg: 3. Beta-plus-Zerfall von Fluor-18
Rechnung Erklärung zum Schritt
A′ = 18; Z′ = 9 − 1 = 8
1Proton in Neutron umwandeln

Die Nukleonenzahl bleibt konstant, die Protonenzahl sinkt.

Z′ = 8 → O; N′ = 18 − 8 = 10
2Tochterkern zuordnen

Es entsteht Sauerstoff-18 mit zehn Neutronen.

18 = 18 + 0
9 = 8 + 1
3Positron mitrechnen

Das Positron trägt die positive Ladung fort. Zusätzlich wird ein Elektron-Neutrino ausgesendet.

Ergebnis: 189F → 188O + e⁺ + νe. Die Gleichung beschreibt eine Umwandlung im geeigneten Kern, keinen freien Protonenzerfall.

Lernschritt 8

Wie werden die Strahlungsarten abgelenkt?

+ + + + + + + + +− − − − − − − − −Quelleβ⁻γα, β⁺

Die Ladung entscheidet über die Richtung

Beta-minus-Teilchen werden zur positiven Platte abgelenkt. Positive Alphateilchen und Positronen werden zur negativen Platte abgelenkt. Gamma-Photonen erfahren diese elektrische Ablenkung nicht.

Die Kurven sind schematisch. Die gemeinsame Linie für α und β⁺ bedeutet keine gleiche Ablenkungsstärke: Diese hängt zusätzlich von Masse, Impuls und Feld ab.

Lernschritt 9

Durchdringung sinnvoll einordnen

Alphateilchen verlieren ihre Energie auf kurzen Wegen und werden häufig bereits durch Papier oder die äußere Hautschicht gestoppt. Das macht alphastrahlende Stoffe im Körper nicht harmlos. Betastrahlung dringt bei typischen Energien weiter ein; geeignete Kunststoffschichten können sie abschwächen oder stoppen.

Gammastrahlung wird durch Materie schrittweise abgeschwächt. Dichte Materialien wie Blei oder dicke Betonschichten werden dafür genutzt. Eine Skizze mit einer Wand bedeutet keine vollständige Abschirmung für jede Energie.

Eine einzige feste Reichweite gibt es für keine Strahlungsart unabhängig von Energie, Material und Messsituation. Aktivität, Dosis und Strahlenschutz erhalten eine eigene Erklärung; aus der Strahlungsart allein lässt sich keine konkrete Gefährdung berechnen.

Lernschritt 10

Häufige Fehler vermeiden

Betateilchen für Hüllenelektronen halten: Beim Beta-minus-Prozess entsteht das Elektron in der Kernumwandlung.

Bei Gamma ein anderes Element eintragen: A und Z bleiben gleich.

Massenzahl 0 mit Masse 0 verwechseln: Elektronen und Positronen besitzen Ruhemasse, sind aber keine Nukleonen.

Nur Teilchenzahlen prüfen: Zusätzlich müssen Energie, Impuls und weitere Erhaltungsgrößen stimmen. Das (Anti-)Neutrino gehört deshalb zur vollständigen Beta-Reaktion.

Selbst ausprobieren

Üben & prüfen

Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.

Wähle deine Stufe. Du löst jeweils sechs Aufgaben mit direkter Rückmeldung, Tipps und Rechenwegen.

Wie sicher bist du jetzt?

Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

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Nur die Zahl in Ordnungszahl eingeben.

Nur die Zahl in Ordnungszahl eingeben.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 228 – Aneu = 232 − 4 = 228.
  2. 39 – Zneu = 38 + 1 = 39. A bleibt 90.
  3. 90 – Z bleibt 90; auch A bleibt 232.

Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.

Passende Grundlagen rechnenMit dem Physikhelfer

Physikhelfer

Passende Grundlagen rechnen

Nutze als Grundlage die Beziehung zwischen Massenzahl, Protonen und Neutronen oder berechne einen mittleren Zerfallsverlauf. Welche Tochterkerne bei Alpha- und Betazerfall entstehen und wie sich Strahlungsarten unterscheiden, übst du mit den Aufgaben auf dieser Seite. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.

Passende Aufgabe öffnen →

Kostenlos und ohne Anmeldung. Ein Rücklink führt dich wieder zu dieser Erklärung.

Lieber auf Papier? 6 Aufgaben mit aufklappbaren Lösungen

Auf Papier üben

Erst vorhersagen oder selbst rechnen, dann die Lösung öffnen.

1 · Ein Kern mit A = 210 und Z = 84 zerfällt unter Alphaemission. Welche Zahlen hat die Tochter?

Lösung ansehen

A = 206 und Z = 82; N = 124.

2 · Was passiert mit N bei Beta-minus?

Lösung ansehen

N sinkt um 1, während Z um 1 steigt. A bleibt gleich.

3 · Warum ist ein Betaelektron mit oberer Zahl 0 nicht masselos?

Lösung ansehen

Die obere Zahl zählt Nukleonen, nicht die Masse in Kilogramm.

4 · Welche Strahlungsart verändert nur die Kernenergie?

Lösung ansehen

Gammaemission; A und Z bleiben dabei unverändert.

5 · Wohin wird Beta-minus-Strahlung zwischen elektrischen Platten abgelenkt?

Lösung ansehen

Zur positiv geladenen Platte, weil Elektronen negativ geladen sind.

6 · Zweimal Alpha, danach einmal Beta-minus: Was folgt aus A = 238, Z = 92?

Lösung ansehen

A = 230 und Z = 89. Erst A um 8 und Z um 4 verringern, dann Z um 1 erhöhen.

Fachlicher Abgleich der Grundgleichung: OpenStax · University Physics 3. Texte, Zahlenbeispiele und Schaubilder sind eigenständig erstellt.

Dein nächster Lernschritt

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