Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Damit gelangte ein entschiedener Gegner der Demokratie an die Spitze der Regierung. Wie kam es dazu – und warum konnten drei Nationalsozialisten in einem Kabinett aus elf Männern so gefährlich werden?
Hinter verschlossenen Türen wurden politische Absprachen getroffen. Die dargestellten Personen und Räume sind erfunden; sie zeigen keine dokumentierte Sitzung. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.
Das kannst du danach: Du erklärst den Weg zur Ernennung, unterscheidest Wahl und Ernennung, untersuchst die Verantwortung der Beteiligten und beurteilst die Vorstellung, Hitler kontrollieren zu können.
Was geschah am 30. Januar?
Hindenburg ernannte Hitler; die Bevölkerung wählte ihn nicht direkt zum Reichskanzler. Bei Reichstagswahlen wurden Abgeordnete gewählt. Die Ernennung des Regierungschefs war dagegen nach Artikel 53 der Weimarer Verfassung Aufgabe des Reichspräsidenten. Das Amt des Reichskanzlers ist mit der Leitung der Regierung vergleichbar; der Reichspräsident war das Staatsoberhaupt.
Die NSDAP war Ende 1932 zwar die stärkste Partei im Reichstag, hatte aber keine absolute Mehrheit. Bei der Wahl vom 6. November hatte sie rund ein Drittel der Stimmen erhalten. Ihre Stärke machte sie zu einem wichtigen politischen Faktor. Daraus folgte jedoch kein verfassungsrechtlicher Anspruch Hitlers auf das Kanzleramt.
Auch am 30. Januar bestand zunächst eine Koalitionsregierung mit nationalkonservativen Politikern. Die spätere unbeschränkte Diktatur war noch nicht vollständig errichtet. Doch die Ernennung verschaffte Hitler Zugang zu staatlichen Ämtern, Behörden und Entscheidungen. Die NS-Führung nutzte diesen Zugang in den folgenden Wochen gezielt, um politische Gegner auszuschalten.
Merksatz: Wahlerfolg erklärt politische Stärke. Eine Ernennung erklärt den Zugang zu einem Amt. Der Aufbau einer Diktatur erklärt, wie demokratische Kontrolle anschließend beseitigt wird. Diese drei Vorgänge gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Warum war die Lage so angespannt?
Seit 1929 hatte die Weltwirtschaftskrise Millionen Menschen in Existenznot gebracht. Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst schwächten das Vertrauen in die Republik. Die NSDAP versprach einfache Lösungen, verbreitete Feindbilder und bekämpfte die Demokratie. Ihre SA setzte politische Gegner unter Druck. Trotzdem unterstützten längst nicht alle Menschen die Nationalsozialisten.
Seit 1930 regierten Präsidialkabinette zunehmend mithilfe Hindenburgs und seiner Notverordnungen. Die Zusammenarbeit mit einer tragfähigen Mehrheit im Reichstag trat in den Hintergrund. Damit gewann der kleine Kreis um den Reichspräsidenten großen Einfluss auf die Regierungsbildung. Wer Zugang zu Hindenburg hatte, konnte politische Entscheidungen wesentlich mitbestimmen.
Ende 1932 war die Lage dennoch offen. Die NSDAP hatte bei der Novemberwahl Stimmen verloren. Hindenburg hatte Hitler zuvor die Kanzlerschaft verweigert. Die Krise allein machte die Ernennung also nicht unausweichlich: Es brauchte zusätzliche Entscheidungen konkreter Personen. Eine historische Erklärung verbindet deshalb Rahmenbedingungen, Interessen und Handlungen.
6. November 1932
Die NSDAP verliert Stimmen, bleibt jedoch stärkste Reichstagspartei.
3. Dezember 1932
Kurt von Schleicher wird Reichskanzler. Er versucht, seiner Regierung eine breitere Unterstützung zu verschaffen.
Januar 1933
Franz von Papen verhandelt mit Hitler über eine neue Regierung. Schleicher kann seine Stellung nicht sichern.
28. Januar 1933
Schleicher tritt zurück, nachdem er die nötige Unterstützung Hindenburgs nicht erhalten hat.
30. Januar 1933
Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler. Papen wird Vizekanzler.
Denkaufgabe: Warum widerlegt ein Stimmenverlust noch nicht die Gefahr einer Partei?
Eine Partei kann trotz Verlusten viele Anhänger und Abgeordnete haben. Außerdem entstehen Regierungsämter nicht allein aus Wahlergebnissen. Im Januar 1933 waren Hindenburgs Entscheidung und Papens Verhandlungen entscheidend. Umgekehrt belegt der Stimmenverlust, dass Hitlers weiterer Aufstieg keineswegs einfach eine stetig wachsende Zustimmung aller Wähler widerspiegelte.
Wer entschied – und mit welchem Ziel?
Eine erfundene Gesprächssituation veranschaulicht Verhandlungen einflussreicher Politiker. Sie ist kein Bild eines bestimmten Treffens. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.
Vier Beteiligte, unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten
Paul von Hindenburg
Als Reichspräsident hatte er die Befugnis, den Kanzler zu ernennen.
Zusammenhang erklären
Hindenburg traf die entscheidende Personalentscheidung. Dass Berater auf ihn einwirkten, nimmt ihm diese Verantwortung nicht ab. Er war rechtlich nicht gezwungen, den Vorsitzenden der stärksten Partei zu ernennen.
Franz von Papen
Der frühere Kanzler vermittelte zwischen Hitler und Hindenburg.
Zusammenhang erklären
Papen wollte wieder Einfluss gewinnen. Er setzte auf eine Regierung mit Hitler an der Spitze, in der konservative Minister die Mehrheit bildeten. Als Vizekanzler glaubte er, Hitler einbinden und begrenzen zu können.
Adolf Hitler und die NSDAP
Hitler bestand auf der Kanzlerschaft und wollte die Demokratie beseitigen.
Zusammenhang erklären
Die NSDAP brachte eine große Anhängerschaft, ihre Parteiorganisation und gewaltbereite Verbände ein. Die Übernahme des Regierungsamts eröffnete ihr zusätzliche staatliche Machtmittel.
Kurt von Schleicher
Der amtierende Kanzler versuchte vergeblich, eine breitere Machtbasis aufzubauen.
Zusammenhang erklären
Schleicher wollte unter anderem Gewerkschafter und Teile der NSDAP für sein Regierungskonzept gewinnen. Es gelang ihm nicht, daraus die benötigte Unterstützung zu bilden. Ende Januar fehlte ihm auch der Rückhalt des Reichspräsidenten.
Die Beteiligten hatten unterschiedliche Ämter und Ziele. Ihre Verantwortung lässt sich deshalb nicht mit dem pauschalen Satz „Die Krise brachte Hitler an die Macht“ erfassen.
Zur Regierung gehörten auch der DNVP-Vorsitzende Alfred Hugenberg und weitere nationalkonservative Männer. Sie wollten eine autoritäre Politik und unterschätzten Hitlers Fähigkeit, die Regierung für seine eigenen Ziele zu nutzen. Keine NSDAP-Mitgliedschaft bedeutete daher keineswegs automatisch Verteidigung der parlamentarischen Demokratie.
Die konservativen Unterstützer waren auch nicht bloß unbeteiligte Zuschauer einer geschickten Täuschung. Sie halfen aktiv dabei, Hitler das Amt zu verschaffen. Ihre Absicht, selbst Einfluss auszuüben, erklärt ihr Handeln, entschuldigt aber dessen Folgen nicht.
Warum reichten drei Nationalsozialisten?
Im Kabinett vom 30. Januar 1933 saßen drei NSDAP-Mitglieder und acht weitere Männer. Zu den Nationalsozialisten gehörten Hitler, Wilhelm Frick und Hermann Göring. Papen und andere glaubten, diese zahlenmäßige Minderheit beherrschen zu können. Doch eine reine Zählung übersieht, welche Macht an bestimmten Ämtern hing.
Ämter zählen – Befugnisse verstehen
Hitler: Reichskanzler
Leitung der Regierung und Bestimmung ihrer politischen Richtlinien.
Zusammenhang erklären
Der Regierungschef war nicht einfach irgendein Mitglied einer Gruppe. Sein Amt gab Hitler die Möglichkeit, politische Vorhaben voranzutreiben und mit der Autorität des Staates aufzutreten.
Frick: Reichsinnenminister
Einfluss auf zentrale Fragen der Innenpolitik und Verwaltung.
Zusammenhang erklären
Die Arbeit eines Ministeriums umfasste Gesetze, Personal und Anweisungen. Politische Ziele konnten dadurch in staatliche Maßnahmen übersetzt werden.
Göring: Reichsminister und Macht in Preußen
Im Reich zunächst Minister ohne Geschäftsbereich; zugleich Kontrolle über das preußische Innenressort.
Zusammenhang erklären
Gerade seine Stellung in Preußen war entscheidend: Sie eröffnete Göring Zugriff auf die Polizei des größten deutschen Landes. Er wechselte Führungspersonal aus und setzte nationalsozialistische Gewaltverbände als Hilfspolizei ein.
Die acht anderen Kabinettsmitglieder
Zahlenmäßige Mehrheit, aber keine gemeinsame demokratische Gegenmacht.
Zusammenhang erklären
Mehrheit im Kabinett, parlamentarische Mehrheit und Kontrolle über Polizei sind verschiedene Dinge. Mehrere konservative Minister unterstützten Maßnahmen gegen die Opposition. Ihre Zahl allein garantierte keine Begrenzung der NSDAP.
Die Rechnung 3 zu 8 ist richtig. Der Schluss „Also war Hitler machtlos“ ist falsch.
Staatliche Macht wirkt durch Personal, Befehle und Behörden. Die Szene veranschaulicht diesen Zusammenhang; sie dokumentiert keinen bestimmten Befehl. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.Anwenden: Nenne zwei Informationen, die zusätzlich zur Ministerzahl nötig sind.
Erstens: Welche Ämter und Befugnisse besitzen die einzelnen Mitglieder? Kanzleramt und Polizeikontrolle sind besonders wichtig. Zweitens: Welche Ziele verfolgen die übrigen Minister? Wer selbst eine autoritäre Regierung unterstützt, bildet keine zuverlässige demokratische Kontrolle. Zusätzlich wären Hindenburgs Haltung sowie die Macht der Partei und ihrer Gewaltverbände zu untersuchen.
Eine Verfassungsquelle untersuchen
Historische Quelle: Artikel 53 der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919. Der Wortlaut lautet:
„Der Reichskanzler und auf seinen Vorschlag die Reichsminister werden vom Reichspräsidenten ernannt und entlassen.“
Untersuche: Wer handelt? Welche beiden Befugnisse nennt die Quelle? Steht darin, dass der Chef der stärksten Partei Kanzler werden muss? Und was kann dieser kurze Artikel über die politischen Ziele der Beteiligten aussagen?
Musterlösung zur Quelle
Der Reichspräsident ernennt und entlässt den Reichskanzler. Bei den Reichsministern handelt er auf Vorschlag des Kanzlers. Einen automatischen Anspruch des Vorsitzenden der stärksten Partei enthält Artikel 53 nicht. Die Quelle erklärt Zuständigkeiten, aber weder Papens Motive noch Hitlers Ziele oder die tatsächlichen Verhandlungen. Dafür brauchen wir zusätzliche Quellen.
Artikel 54 ergänzte, dass Kanzler und Minister das Vertrauen des Reichstags benötigten und bei einem ausdrücklichen Misstrauensbeschluss zurücktreten mussten. Eine vorangehende Kanzlerwahl durch das Parlament schrieb die Verfassung jedoch nicht vor. Seit 1930 wurde parlamentarische Kontrolle durch Notverordnungen und wiederholte Reichstagsauflösungen zunehmend umgangen.
Formale Amtsübertragung und demokratische Politik sind zu unterscheiden. Die Ernennung erfolgte in der vorgesehenen Form. Das sagt nichts darüber aus, ob Hitler demokratische Ziele verfolgte. Ebenso wenig beweist es, dass die anschließende Verfolgung und Zerstörung der Demokratie rechtmäßig gewesen wäre.
„Machtergreifung“ oder Machtübertragung?
Das Wort „Machtergreifung“ klingt nach einer einzigen Aktion, in der Hitler die Macht allein an sich gerissen hätte. Die nationalsozialistische Selbstdarstellung betonte den eigenen Sieg. Für den 30. Januar ist Machtübertragung oder schlicht Ernennung genauer: Hindenburg übergab Hitler das Regierungsamt; Papen und weitere konservative Unterstützer bereiteten dies vor.
Das bedeutet nicht, dass Hitler passiv geblieben wäre. Er verfolgte bewusst das Ziel, Kanzler zu werden, und nutzte die neue Stellung sofort. Für die folgenden Monate ist der Begriff Errichtung der NS-Diktatur hilfreich. Er macht sichtbar, dass Verfolgung, Ausschaltung des Parlaments und Zerstörung unabhängiger Organisationen zusammenwirkten.
Urteilsaufgabe: Prüfe die Aussage: „Hindenburg hatte keine andere Wahl, und Papens Ministermehrheit hätte Hitler sicher kontrolliert.“ Begründe dein Urteil mit einem verfassungsrechtlichen und einem politischen Argument.
Mögliches begründetes Urteil
Die Aussage überzeugt nicht. Verfassungsrechtlich verpflichtete Artikel 53 Hindenburg nicht dazu, Hitler zu ernennen. Politisch machte die Krise die Regierungsbildung schwierig, doch Schwierigkeiten sind kein Zwang zu genau dieser Entscheidung. Papens Mehrheit war ebenfalls keine sichere Kontrolle: Hitler leitete die Regierung, Frick und Göring erhielten wichtige Machtmittel, und konservative Minister wirkten selbst an der Schwächung der Demokratie mit. Die Ernennung war deshalb eine von Menschen getroffene Entscheidung, für die sie Verantwortung trugen, kein Naturereignis.
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Hindenburg ernannte Hitler am 30. Januar 1933.
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Papen bereitete die Regierung mit Hitler vor und hoffte auf konservative Kontrolle.
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Göring erhielt neben seinem Reichsamt entscheidende Befugnisse im preußischen Innenressort.
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Schleicher trat am 28. Januar 1933 zurück.
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30. Januar 1933: Hitlers Ernennung
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Diese Lernseite verbindet historisches Einordnen, Quellenkritik und begründetes Urteilen. Die drei Illustrationen wurden mit KI erstellt. Sie zeigen mögliche Situationen, keine dokumentierten Einzelereignisse. Vereinfachte Schaubilder und ausdrücklich erfundene Übungstexte sind didaktische Modelle.