Mathe verstehen und üben / Vierfeldertafeln und bedingte Wahrscheinlichkeit

Mathe · Klasse 8–10 · Grundlagen und Wiederholung

Vierfeldertafeln und bedingte Wahrscheinlichkeit: verstehen und üben

Ordne Daten in einer Vierfeldertafel und berechne Wahrscheinlichkeiten sicher. Erkenne, welche Bezugsgruppe zählt, und unterscheide gemeinsame und bedingte Wahrscheinlichkeiten.

Die Bezugsgruppe macht den Unterschied

20 von 100 insgesamt
20 von 30 aus der Musik-AG

Derselbe Zähler kann zu verschiedenen Wahrscheinlichkeiten führen. Entscheidend ist die Frage.

Lernschritt 1

Eine Vierfeldertafel lesen

Ausgangstafel: 100 Personen, zwei AGs
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20 30 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30 70 100

Die vier weißen Innenfelder zählen die Gruppen. Die hellblauen Randfelder zeigen die Summen. Jede Person steht in genau einem Innenfeld.

Eine Vierfeldertafel ordnet zwei Merkmale mit jeweils zwei Möglichkeiten. In unserem Beispiel steht A für „nimmt an der Sport-AG teil“ und B für „nimmt an der Musik-AG teil“. Wer beide AGs besucht, steht im Feld A und B.

Die vier inneren Felder enthalten 20, 30, 10 und 40 Personen. Sie überschneiden sich nicht und ergeben zusammen 100. Die Randzahlen sind die Zeilen- und Spaltensummen.

Für die Wahrscheinlichkeiten auf dieser Seite wählen wir eine Person aus diesen 100 gleichwahrscheinlich aus. Die Tabelle ist ein Übungsbeispiel und keine Aussage darüber, wie häufig bestimmte AGs allgemein besucht werden.

Lernschritt 2

Fehlende Felder mit den Randsummen ergänzen

Wenn einige Felder fehlen, helfen Addition und Subtraktion. Aus „50 Personen in der Sport-AG, davon 20 auch in der Musik-AG“ folgt: 50 − 20 = 30 nur in der Sport-AG.

  1. Beschrifte beide Ereignisse und ihre Gegenereignisse.
  2. Trage sichere Angaben in die richtigen Felder oder Ränder ein.
  3. Ergänze fehlende Werte durch Zeilen- und Spaltensummen.
  4. Prüfe, dass alle vier inneren Felder zusammen die Gesamtzahl ergeben.
  5. Prüfe auch beide Zeilensummen und beide Spaltensummen.

Im Beispiel sind insgesamt 30 Personen in der Musik-AG. Davon sind 20 auch in der Sport-AG, also bleiben 10 ohne Sport-AG. Das letzte Feld ist 100 − 20 − 30 − 10 = 40.

Zum Ergänzen: Welche beiden Zahlen fehlen?
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20 ? 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 ? 50
Summe 30 70 100

Nutze zuerst die beiden Zeilensummen. Kontrolliere anschließend die Spalte „Keine Musik-AG“.

Ausgefüllte Tafel und Rechenweg ansehen

Oben fehlt 50 − 20 = 30. Unten fehlt 50 − 10 = 40. Die Spaltenkontrolle ergibt 30 + 40 = 70.

Lösung: Die beiden fehlenden Werte sind 30 und 40
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20 30 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30 70 100

Lernschritt 3

Einfache und gemeinsame Wahrscheinlichkeiten

Ohne zusätzliche Bedingung bezieht sich die Frage auf alle 100 Personen. Eine Randzahl liefert die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Ereignisses:

P(A) = = 0,5 = 50 %

P(B) = = 0,3 = 30 %

A ∩ B bedeutet „A und B treten beide ein“. Dafür verwendest du das gemeinsame innere Feld:

A und B: beide AGs unter allen 100 Personen
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20Zähler 30 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30 70 100Nenner

Blau markiert: 20 Personen besuchen beide AGs. Der Nenner ist die Gesamtzahl 100. Rechnung: 20 von 100.

P(A ∩ B) = = 0,2 = 20 %

„Nur A“ bedeutet A und nicht B. Dafür gilt hier P(A ∩ nicht B) = = 30 %. Das ist etwas anderes als P(A), denn zu A gehören auch die Personen aus beiden AGs.

Lernschritt 4

Mindestens eines: A oder B

„A oder B“ bedeutet in der Wahrscheinlichkeitsrechnung normalerweise: mindestens eines der beiden Ereignisse, also auch beide zusammen. Das Zeichen dafür ist A ∪ B.

In der Tabelle zählen die Felder 20, 30 und 10 dazu. Zusammen sind das 60 Personen. Alternativ addierst du die beiden Randsummen und ziehst die doppelt gezählte Schnittmenge einmal ab:

A oder B: mindestens eine AG
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20mitzählen 30mitzählen 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10mitzählen 40 50
Summe 30 70 100Nenner

Die drei blauen Felder zählen: 20 + 30 + 10 = 60. Das Feld „beide AGs“ wird nur einmal gezählt. Bezugsgruppe: alle 100 Personen.

P(A ∪ B) = P(A) + P(B) − P(A ∩ B)

P(A ∪ B) = 0,5 + 0,3 − 0,2 = 0,6

„Weder A noch B“ trifft auf die übrigen 40 Personen zu. „Genau eine AG“ wäre dagegen nur Sport oder nur Musik: 30 + 10 = 40 Personen. Lies Wörter wie „mindestens“, „genau“ und „beide“ sorgfältig.

Lernschritt 5

Bedingte Wahrscheinlichkeit: eine kleinere Bezugsgruppe

Nun wissen wir bereits, dass die ausgewählte Person in der Musik-AG ist. Gefragt ist: Wie wahrscheinlich ist es unter dieser Bedingung, dass sie auch in der Sport-AG ist?

Betrachte nur die Spalte B: Von den 30 Personen in der Musik-AG sind 20 auch in der Sport-AG. Die übrigen 70 Personen gehören jetzt nicht zur Bezugsgruppe.

P(A | B): Sport innerhalb der Musik-AG
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20Zähler 30 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30Nenner 70 100

Die Bedingung B begrenzt die Rechnung auf die Musik-Spalte. Zähler: 20 mit Sport. Nenner: alle 30 aus dieser Spalte. Die 70 Personen ohne Musik-AG zählen hier nicht mit.

P(A | B) = = ≈ 66,67 %

Der senkrechte Strich wird als „unter der Bedingung“ gelesen. Rechts davon steht die bekannte Bedingung. Manche Schulbücher schreiben dafür PB(A).

P(A | B) =

Diese Formel setzt P(B) > 0 voraus. Mit Häufigkeiten kannst du direkt „passendes gemeinsames Feld geteilt durch Summe der Bedingungsgruppe“ rechnen. Mit Wahrscheinlichkeiten ergibt sich hier und damit derselbe Wert.

Lernschritt 6

Die Bedingung nicht vertauschen

P(A | B) fragt nach Sport unter den Musik-Teilnehmenden. P(B | A) fragt nach Musik unter den Sport-Teilnehmenden. Die zweite Bezugsgruppe enthält 50 Personen:

P(B | A): Musik innerhalb der Sport-AG
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20Zähler 30 50Nenner
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30 70 100

Jetzt begrenzt die Bedingung A die Rechnung auf die Sport-Zeile. Zähler: wieder 20 mit Musik. Nenner: diesmal alle 50 aus dieser Zeile.

P(B | A) = = 40 %

Frage Rechnung Ergebnis
Sport und Musik unter allen Personen 20 %
Sport unter den Musik-Teilnehmenden etwa 66,67 %
Musik unter den Sport-Teilnehmenden 40 %

Der gemeinsame Zähler ist gleich, die Nenner sind verschieden. Deshalb darfst du P(A | B) und P(B | A) nicht einfach austauschen.

Probier es selbst: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für Sport, wenn die Person nicht in der Musik-AG ist?

Lösung ansehen

P(A | nicht B) = = ≈ 42,86 %.

Lernschritt 7

Von der Vierfeldertafel zum Baumdiagramm

Du kannst dieselben Daten als zweistufigen Baum darstellen. Wenn du zuerst nach Sport-AG verzweigst, steht am ersten Ast P(A) = 0,5 und am anderen P(nicht A) = 0,5.

Erster Zweig Zweite Stufe: B Zweite Stufe: nicht B
A = 0,4 = 0,6
nicht A = 0,2 = 0,8

Auf einem Pfad multiplizierst du: P(A ∩ B) = P(A) · P(B | A) = 0,5 · 0,4 = 0,2. Für das Ereignis B addierst du beide passenden Pfade: 0,5 · 0,4 + 0,5 · 0,2 = 0,3.

Wird zuerst nach B verzweigt, ändern sich die Astwahrscheinlichkeiten. Die Wahrscheinlichkeiten der vier gemeinsamen Endereignisse bleiben gleich.

Lernschritt 8

Die Richtung mit der Bayes-Formel umkehren

Die gemeinsame Wahrscheinlichkeit lässt sich als P(A) · P(B | A) schreiben. Einsetzen in die bedingte Wahrscheinlichkeit ergibt:

Richtungswechsel: Der gemeinsame Zähler bleibt 20
Teilnahme Musik-AG
(B)
Keine Musik-AG
(nicht B)
Summe
Sport-AG (A) 20Zähler 30 50
Keine Sport-AG (nicht A) 10 40 50
Summe 30Nenner 70 100

P(B | A) nutzt 20 von 50. Für P(A | B) wird derselbe gemeinsame Anteil auf die 30 Musik-Teilnehmenden bezogen. Die Bayes-Formel rechnet genau diesen Wechsel.

P(A | B) =

Im Beispiel sind das = . Die Formel hilft, wenn Angaben für die eine Richtung bekannt sind, die Frage aber die andere Richtung verlangt. Eine Vierfeldertafel macht dieselbe Rechnung oft besonders übersichtlich.

Prüfe vor jeder Rechnung: Was ist gesucht? Was ist bereits bekannt? Welche Personen oder Ergebnisse bilden deshalb den Nenner? Eine Bedingung mit Wahrscheinlichkeit 0 erlaubt diese Quotientenformel nicht.

Dein Wissen anwenden

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · Wie viele Personen sind im Beispiel weder in Sport noch Musik?

Lösung und Rechenweg ansehen

40 Personen, im Feld nicht A und nicht B.

Erklärung wiederholen →

4 · Bestimme P(B | A).

Lösung und Rechenweg ansehen

Unter den 50 Sport-Teilnehmenden sind 20 in Musik: = 40 %.

Erklärung wiederholen →

5 · Bestimme P(A | B).

Lösung und Rechenweg ansehen

Unter den 30 Musik-Teilnehmenden sind 20 in Sport: = ≈ 66,67 %.

Erklärung wiederholen →

6 · Wie groß ist P(A ∪ B)?

Lösung und Rechenweg ansehen

= 60 %. Beide AGs werden nur einmal gezählt.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

Kostenlos weiterlernen

Passende Materialien zum Weiterlernen

Die kleinen Bilder zeigen eine Vorschau. Über Bild oder Link gelangst du zur Produktseite mit den Angaben zum Material und zum PDF-Bezug.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen A ∩ B und A | B?

A ∩ B bezeichnet das gemeinsame Eintreten beider Ereignisse. Bei P(A | B) wird innerhalb der Gruppe gerechnet, für die B bereits feststeht.

Kann ich direkt mit Anzahlen rechnen?

Ja, wenn die Ergebnisse gleichwahrscheinlich ausgewählt werden: passendes Feld geteilt durch die Anzahl in der Bezugsgruppe. Vermische dabei nicht Anzahlen und Prozentwerte.

Müssen in einer Vierfeldertafel immer 100 Personen stehen?

Nein. Die Gesamtzahl kann beliebig sein. Eine Wahrscheinlichkeitstafel hat stattdessen die Gesamtsumme 1 beziehungsweise 100 %.

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