Prüfe, ob zwei Ereignisse sich im Wahrscheinlichkeitsmodell beeinflussen. Vergleiche gemeinsame Chance und Produkt, unterscheide Unabhängigkeit vom gegenseitigen Ausschluss und untersuche Ziehungen mit und ohne Zurücklegen.
PUnsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
Hilfreiches Vorwissen: Bedingte Wahrscheinlichkeit, Vierfeldertafeln und Pfadregeln.
Finde heraus, was du schon kannst
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Wahrscheinlichkeiten als Bruch mit / oder Dezimalzahl mit Komma oder Punkt eingeben. Mehrere Werte mit Semikolon trennen. Ohne Rundungsauftrag exakt rechnen.
Verstehen
Was bedeutet stochastisch unabhängig?
Ändert die Information die Wahrscheinlichkeit?
P(A | B) = P(A)
Wenn B eine positive Wahrscheinlichkeit hat, bedeutet Unabhängigkeit: Die Information über B verändert die Wahrscheinlichkeit von A nicht.
Zwei Ereignisse A und B heißen stochastisch unabhängig, wenn ihre gemeinsame Wahrscheinlichkeit dem Produkt ihrer Einzelwahrscheinlichkeiten entspricht:
P(A ∩ B) = P(A) · P(B)
Diese Gleichung ist die allgemeine Definition. Sie setzt keine zeitliche Reihenfolge voraus. Die Ereignisse können bei zwei Ziehungen auftreten oder zwei Eigenschaften desselben Ergebnisses beschreiben.
Wenn P(B) > 0 ist, kannst du gleichwertig prüfen, ob P(A | B) = P(A) gilt. Bei P(A) > 0 gilt entsprechend P(B | A) = P(B). Unabhängigkeit ist also eine symmetrische Beziehung.
„Die Ereignisse wirken auf den ersten Blick unverbunden“ ist keine rechnerische Begründung. Prüfe das Wahrscheinlichkeitsmodell oder die Angaben. Stochastische Abhängigkeit allein beweist außerdem keinen ursächlichen Zusammenhang.
Übungsaufgabe
Es gilt P(A) = 0,3, P(B) = 0,4 und P(A und B) = 0,12. Sind A und B unabhängig?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Von 100 gleichwahrscheinlichen Karten tragen 30 einen Stern und 40 einen blauen Hintergrund.
P(A ∩ B) = 12100 = 0,12
2 Gemeinsame Wahrscheinlichkeit bestimmen
Zwölf Karten sind blau und tragen einen Stern.
P(A) · P(B) = 0,3 · 0,4 = 0,12
3 Einzelwahrscheinlichkeiten multiplizieren
Berechne das Produkt unabhängig von der bereits abgelesenen gemeinsamen Wahrscheinlichkeit.
P(A ∩ B) = P(A) · P(B)
4 Vergleich auswerten
Die Werte stimmen exakt überein. A und B sind für dieses Kartenmodell unabhängig.
Beispiel – Schritt für Schritt
Den Sternanteil in beiden Gruppen vergleichen
100 gleichwahrscheinliche Karten A: 30 Sternkarten · B: 40 blaue Karten Beides: 12 Karten Nicht blau: 60 Karten, davon 18 mit Stern
RechnungErklärung zum Schritt
P(A | B) = 1240 = 0,3 = P(A)
1 Auf blaue Karten beschränken
Unter den 40 blauen Karten tragen zwölf einen Stern. P(B) ist positiv, daher ist diese bedingte Wahrscheinlichkeit definiert.
P(A | nicht B) = 1860 = 0,3 = 30 %
2 Auch das Gegenereignis betrachten
Unter den 60 nicht blauen Karten tragen 18 einen Stern. Der Sternanteil beträgt in beiden Gruppen 30 Prozent, genauso wie unter allen Karten.
Übungsaufgabe
Die vier Innenfelder lauten: A und B = 12; A und nicht B = 18; nicht A und B = 28; weder A noch B = 42. Ein Fall wird gleichwahrscheinlich ausgewählt. Sind A und B unabhängig?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
50, 30 und 20 Karten von jeweils 100 entsprechen diesen Anteilen.
P(A) · P(B) = 0,5 · 0,3 = 0,15
2 Produkt berechnen
Dies wäre bei Unabhängigkeit die gemeinsame Wahrscheinlichkeit.
0,2 ≠ 0,15
3 Abhängigkeit feststellen
Die tatsächliche gemeinsame Wahrscheinlichkeit stimmt nicht mit dem Produkt überein.
P(A | B) = 2030 = 23 ≈ 66,67 % P(A) = 50 %
4 Bedingten Anteil vergleichen
Unter den blauen Karten ist der Sternanteil größer als unter allen Karten. Die Information über B verändert die Wahrscheinlichkeit von A.
Bereits eine verletzte Gleichheit genügt, um Unabhängigkeit auszuschließen. Achte bei Dezimalzahlen aber auf Rundungen: Vergleiche nach Möglichkeit exakte Brüche oder ungerundete Angaben.
Unabhängig ist nicht dasselbe wie unvereinbar
Unvereinbare Ereignisse können nicht gleichzeitig eintreten. Dann ist A ∩ B leer und P(A ∩ B) = 0. Wenn beide Ereignisse eine positive Wahrscheinlichkeit haben, sind sie gerade nicht unabhängig.
Beispiel: Bei einem fairen Würfel sei A = „gerade Zahl“ und B = „ungerade Zahl“. Beide haben Wahrscheinlichkeit 12, aber gemeinsam können sie nicht eintreten.
Beispiel – Schritt für Schritt
Unvereinbare Ereignisse auf Unabhängigkeit prüfen
Ein fairer Würfelwurf A: gerade Zahl · B: ungerade Zahl
RechnungErklärung zum Schritt
A ∩ B = ∅ P(A ∩ B) = 0
1 Unvereinbarkeit erkennen
Eine Augenzahl kann nicht gleichzeitig gerade und ungerade sein.
P(A) · P(B) = 12 · 12 = 14
2 Produkt berechnen
Beide Einzelereignisse haben eine positive Wahrscheinlichkeit von 1/2.
0 ≠ 14
3 Abhängigkeit feststellen
Gemeinsame Wahrscheinlichkeit und Produkt unterscheiden sich. Die Ereignisse sind unvereinbar und abhängig.
P(B | A) = 0 ≠ 12 = P(B)
4 Information einordnen
Wenn das Ergebnis gerade ist, ist die Wahrscheinlichkeit für ungerade null. Die zusätzliche Information verändert sie deutlich.
Die Aussage gilt hier für zwei Ereignisse mit positiver Wahrscheinlichkeit. Ein Ereignis mit Wahrscheinlichkeit 0 ist nach der Produktdefinition unabhängig von jedem Ereignis; die bedingte Formel mit diesem Ereignis im Nenner ist dagegen nicht definiert.
Übungsaufgabe
Beim einmaligen Würfeln bedeutet A „eine 1“, B bedeutet „eine 2“. Sind A und B unabhängig, weil sie nicht gleichzeitig eintreten können?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
P(A und B) = 0, aber P(A) · P(B) = 1/6 · 1/6 = 1/36.
Die beiden Werte sind verschieden.
Nein. Die Ereignisse schließen sich aus und sind abhängig.
Wenn A eintritt, kann B sicher nicht eintreten. Gegenseitiger Ausschluss ist keine Unabhängigkeit.
Unabhängige Ereignisse bei einem einzigen Würfelwurf
Auch im selben Zufallsexperiment können zwei Ereignisse unabhängig sein. Bei einem fairen Würfel sei A = {2; 4; 6} und B = {3; 6}.
A bedeutet „gerade“, B bedeutet „durch 3 teilbar“. Gemeinsam tritt nur die 6 auf:
Beispiel – Schritt für Schritt
Unabhängigkeit bei demselben Würfelwurf nachweisen
Ein fairer Würfelwurf A: gerade Zahl · B: durch 3 teilbar
RechnungErklärung zum Schritt
P(A) = 36 = 12 P(B) = 26 = 13
1 Einzelwahrscheinlichkeiten bestimmen
Der faire Würfel hat sechs gleichwahrscheinliche Ergebnisse. Drei sind gerade, zwei sind durch 3 teilbar.
A ∩ B = {6} P(A ∩ B) = 16
2 Gemeinsames Ergebnis auswählen
Nur die 6 erfüllt beide Bedingungen.
P(A) · P(B) = 12 · 13 = 16 = P(A ∩ B)
3 Unabhängigkeit prüfen
Die Produktdefinition ist erfüllt, obwohl beide Ereignisse denselben Wurf betreffen.
P(A | B) = 12 = P(A)
4 Bedingte Sicht überprüfen
Bei bekanntem B bleiben die gleichwahrscheinlichen Ergebnisse 3 und 6. Genau eines davon ist gerade.
Ziehen mit und ohne Zurücklegen vergleichen
Eine Urne enthält drei rote und zwei blaue Kugeln. Es wird zweimal zufällig gezogen. A heißt „erste Kugel rot“, B heißt „zweite Kugel rot“.
Mit Zurücklegen und erneutem Durchmischen: Vor der zweiten Ziehung ist die ursprüngliche Zusammensetzung wiederhergestellt. Im üblichen Modell unabhängiger Zufallsziehungen gilt:
Beispiel – Schritt für Schritt
Die Wahrscheinlichkeit für zweimal Rot berechnen
3 rote und 2 blaue Kugeln A: erster Zug rot · B: zweiter Zug rot Mit Zurücklegen und erneutem Durchmischen
RechnungErklärung zum Schritt
P(A) = 35 P(B | A) = P(B) = 35
1 Zusammensetzung beachten
Nach Zurücklegen und erneutem Durchmischen sind wieder drei von fünf Kugeln rot. Im genannten Modell beeinflusst die erste Ziehung die zweite nicht.
P(A ∩ B) = 35 · 35 = 925
2 Pfadwahrscheinlichkeit berechnen
Für zweimal Rot multiplizierst du die beiden Wahrscheinlichkeiten.
Ohne Zurücklegen: Nach einer roten Kugel bleiben zwei rote unter vier Kugeln.
Beispiel – Schritt für Schritt
Die veränderte Wahrscheinlichkeit im zweiten Zug erkennen
3 rote und 2 blaue Kugeln A: erster Zug rot · B: zweiter Zug rot Ohne Zurücklegen
RechnungErklärung zum Schritt
P(B | A) = 24 = 12
1 Bedingte Wahrscheinlichkeit bestimmen
Wenn die erste Kugel rot war, sind noch zwei rote und zwei blaue Kugeln vorhanden.
P(B | nicht A) = 34
2 Andere erste Farbe berücksichtigen
War die erste Kugel blau, bleiben drei rote unter vier Kugeln.
P(B) = 35 · 24 + 25 · 34 = 310 + 310 = 35
3 Unbedingte Wahrscheinlichkeit berechnen
Addiere die Pfade Rot–Rot und Blau–Rot. Ohne Wissen über die erste Farbe beträgt die Wahrscheinlichkeit für Rot beim zweiten Zug weiterhin 3/5.
P(B | A) = 12 ≠ 35 = P(B)
4 Abhängigkeit erkennen
Die Information über A ändert die Wahrscheinlichkeit von B.
P(A ∩ B) = 35 · 24 = 310
5 Gemeinsame Wahrscheinlichkeit berechnen
Die Pfadregel verwendet beim zweiten Zug die bedingte Wahrscheinlichkeit 2/4.
Übungsaufgabe
Ein Beutel enthält 2 rote und 3 blaue Kugeln. A bedeutet „erster Zug rot“, B bedeutet „zweiter Zug rot“. Vergleiche P(B | A) mit P(B) bei zwei Ziehungen ohne Zurücklegen.
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades zu multiplizieren ist nicht nur bei Unabhängigkeit erlaubt. Die allgemeine Regel lautet, sofern P(A) > 0:
P(A ∩ B) = P(A) · P(B | A)
Die zweite Wahrscheinlichkeit bezieht sich auf den bereits eingeschlagenen ersten Zweig. Nur wenn Unabhängigkeit vorliegt, darfst du P(B | A) durch die unbedingte Wahrscheinlichkeit P(B) ersetzen.
Im Urnenbeispiel ohne Zurücklegen musst du am zweiten roten Ast daher 24 verwenden. Einfach zweimal 35 zu multiplizieren würde ein anderes Modell berechnen.
Übungsaufgabe
Darfst du entlang eines Baumdiagrammpfades multiplizieren, wenn die Züge abhängig sind?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Ja: P(A und B) = P(A) · P(B | A), sofern P(A) > 0.
Die zweite Wahrscheinlichkeit muss zum bereits eingetretenen ersten Ereignis passen.
Nur bei Unabhängigkeit darfst du P(B | A) durch P(B) ersetzen.
Die Pfadregel gilt auch ohne Unabhängigkeit; die bedingte Wahrscheinlichkeit macht den Unterschied.
Unabhängigkeit systematisch untersuchen
Definiere die Ereignisse eindeutig.
Bestimme P(A), P(B) und P(A ∩ B) aus den Angaben.
Berechne P(A) · P(B).
Vergleiche mit P(A ∩ B).
Formuliere das Ergebnis für das betrachtete Modell.
Alternativ vergleichst du eine bedingte mit der passenden unbedingten Wahrscheinlichkeit, sofern die Bedingung positive Wahrscheinlichkeit hat.
Wenn A und B unabhängig sind, gilt dies auch für A und nicht B, nicht A und B sowie beide Gegenereignisse. In real erhobenen Stichprobendaten beweist eine zufällige Übereinstimmung von Anteilen jedoch nicht automatisch Unabhängigkeit in der gesamten Population. Hier prüfen wir exakt vorgegebene Modelle.
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Gib eine vollständige Vierfeldertafel ein und vergleiche die exakten Anteile. Oder untersuche zwei Kugelziehungen mit und ohne Zurücklegen. Die Prüfung gilt für das eingegebene Modell; eine beobachtete Stichprobe beweist damit keine Unabhängigkeit in der gesamten Bevölkerung.
Ergänzendes kostenloses Arbeitsblatt mit Lösungen für die Tabellenrechnung. Die Unabhängigkeit prüfst du mit den Beispielen und Selbstchecks auf dieser Seite.
Weitere Materialien und LernbücherGemeinsam lernen: Tipps für Eltern und Lehrkräfte
Für Eltern: in zehn Minuten gemeinsam wiederholen
Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Häufige Fragen
Ist Unabhängigkeit eine zeitliche Aussage?
Nein. Sie beschreibt eine Beziehung zwischen Ereigniswahrscheinlichkeiten. Auch zwei Eigenschaften eines einzigen Ergebnisses können unabhängig sein.
Darf ich bei abhängigen Ereignissen multiplizieren?
Ja, mit der allgemeinen Pfadregel: P(A ∩ B) = P(A) · P(B | A), sofern P(A) > 0. Die zweite Wahrscheinlichkeit muss die Bedingung berücksichtigen.
Sind Gegenereignisse unabhängig?
Ein Ereignis und sein eigenes Gegenereignis sind bei Wahrscheinlichkeiten zwischen 0 und 1 abhängig. Wenn dagegen A und B unabhängig sind, bleiben sie beim Ersetzen eines oder beider Ereignisse durch das jeweilige Gegenereignis unabhängig.
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