1 · Auffällige Familien suchen
Gibt es Kinder mit Merkmal, obwohl beide Eltern es nicht zeigen? Oder Kinder ohne Merkmal bei zwei Eltern mit Merkmal?
Biologie · Verstehen und üben
Lies genetische Stammbäume, prüfe Erbgänge mit nachvollziehbaren Begründungen und leite sichere oder mögliche Genotypen ab.
Ein genetischer Stammbaum zeigt, bei welchen verwandten Personen ein bestimmtes Merkmal vorkommt. Du prüfst, welcher Erbgang die Beobachtungen erklären kann, und leitest mögliche Genotypen ab. Ein kleines Muster allein beweist einen Erbgang oft nicht.
Für die folgenden Schulmodelle nehmen wir an: ein betrachtetes Gen, vollständige Ausprägung des Merkmals bei entsprechendem Genotyp, keine Neumutationen und zutreffende Verwandtschaftsangaben. Erst unter diesen Annahmen sind bestimmte Ausschlüsse möglich.
Die Symbole entsprechen der üblichen vereinfachten Schulnotation. Eine waagerechte Verbindung kennzeichnet ein Elternpaar. Von ihr führt eine Linie zur Geschwisterlinie; daran hängen die Kinder. Generationen werden mit römischen Ziffern, Personen innerhalb einer Generation mit Zahlen bezeichnet.
Wichtig: Ein leeres Symbol sagt nur, dass das untersuchte Merkmal nicht ausgeprägt ist. Es bedeutet weder „ohne das Allel“ noch allgemein „gesund“. Überträger können in erweiterten Darstellungen gesondert markiert sein; beachte immer die Legende.
Gibt es Kinder mit Merkmal, obwohl beide Eltern es nicht zeigen? Oder Kinder ohne Merkmal bei zwei Eltern mit Merkmal?
Überlege, welche Genotypen die Beobachtung ermöglichen. Suche Widersprüche, statt nur Generationen abzuzählen.
Beachte, von welchem Elternteil Söhne und Töchter ihr X-Chromosom erhalten. Eine ähnliche Häufigkeit bei Männern und Frauen allein beweist nichts.
Bei autosomal-rezessiv sind Personen mit Merkmal aa. Bei autosomal-dominant sind Personen ohne Merkmal aa. Ergänze andere Genotypen über Verwandte.
Kann eine Person AA oder Aa sein, schreibe beide Möglichkeiten. Leite Wahrscheinlichkeiten erst ab, wenn die nötigen Annahmen feststehen.
Wähle einen Fall. Beschreibe zuerst die Eltern-Kind-Konstellation und prüfe die möglichen Erbgänge. Blende anschließend die begründete Lösung und die Genotypen ein.
Quadrat: Mann · Kreis: Frau · Blau ausgefüllt: Merkmal vorhanden. II-1 und II-2 sind Töchter, II-3 ist ein Sohn.
Welche Beobachtung schließt unter den Modellannahmen einen Erbgang aus?
| Modell | Genotyp mit Merkmal | Besonders hilfreicher Hinweis |
|---|---|---|
| Autosomal-rezessiv | aa | Zwei Eltern ohne Merkmal können als Aa × Aa ein Kind mit Merkmal haben. |
| Autosomal-dominant | AA oder Aa | Zwei Eltern mit Merkmal können als Aa × Aa ein Kind ohne Merkmal haben. |
Bei einem rezessiven Erbgang können Allele über Personen ohne sichtbares Merkmal weitergegeben werden. Bei einem dominanten Erbgang findet man das Merkmal unter den Modellannahmen oft in aufeinanderfolgenden Generationen. „Überspringt eine Generation“ ist aber nur ein Hinweis und keine allein ausreichende Begründung.
Durchgerechneter Fall 1: II-1 zeigt das rezessive Merkmal und ist aa. Sie muss von beiden Eltern a erhalten haben. Da beide Eltern das Merkmal nicht zeigen, sind sie zwingend Aa. Für jedes weitere Kind gilt daher P(aa) = ¼.
Im vereinfachten XX/XY-Modell erhalten Söhne ihr X von der Mutter und ihr Y vom Vater. Töchter erhalten ein X von jedem Elternteil. Für die hier betrachteten X-gebundenen Gene außerhalb der pseudoautosomalen Regionen gibt es deshalb keine direkte Vater-Sohn-Weitergabe.
XᵃY zeigt das Merkmal; XᴬXᵃ ist im einfachen Modell eine Überträgerin ohne Merkmal; XᵃXᵃ zeigt es. Eine betroffene Tochter braucht ein betroffenes X ihres Vaters, der dann ebenfalls das Merkmal zeigt.
Ein betroffenes X genügt. Ein betroffener Vater gibt dieses X an alle Töchter und sein Y an alle Söhne weiter. Eine nicht betroffene Tochter eines betroffenen Vaters widerspricht diesem einfachen Modell.
Vorsicht: Vater und Sohn können beide dasselbe Merkmal zeigen, ohne dass das betreffende X-Allel vom Vater zum Sohn gelangt ist – der Sohn könnte es von der Mutter haben. Nicht jede solche Konstellation schließt X-Vererbung aus.
Aa × Aa, autosomal-rezessiv: ¼ AA, ½ Aa, ¼ aa. Ein Kind zeigt mit 25 % Wahrscheinlichkeit das Merkmal.
Wenn bereits bekannt ist, dass das Kind das Merkmal nicht zeigt: aa fällt weg. Unter den verbleibenden Kombinationen AA, Aa und aA sind zwei heterozygot. Die Überträger-Wahrscheinlichkeit beträgt dann ⅔, nicht ½.
XᴬXᵃ × XᴬY, X-rezessiv: Von den Söhnen zeigen im Modell 50 % das Merkmal. Bezogen auf alle Kinder sind es 25 %, wenn Söhne und Töchter jeweils mit Wahrscheinlichkeit ½ auftreten. „50 % der Söhne“ ist also nicht „50 % aller Kinder“.
Echte Merkmale können durch mehrere Gene, Umwelt, altersabhängige Ausprägung oder unvollständige Penetranz beeinflusst sein. Auch Neumutationen sind möglich. Kleine Familien liefern nur wenige Beobachtungen. Daher darf man reale Familien nicht allein anhand eines solchen Schulmodells genetisch beurteilen.
Gute Aufgabenantwort: „Autosomal-rezessiv ist unter den genannten Annahmen mit dem Stammbaum vereinbar; I-1 und I-2 müssen Aa sein.“ Das ist genauer als „Das ist rezessiv, weil es selten vorkommt“.
Löse zunächst ohne Hilfe. Die Tipps führen zum Ansatz; die Lösungen zeigen, welche Fachbegriffe und Begründungen dazugehören.
Welche Formulierung ist fachlich am besten?
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Einstieg: Symbole und Personenkennzeichnungen sichern.
Gruppenarbeit: Je einen Erbgang prüfen lassen. Jede Gruppe nennt eine konkrete Eltern-Kind-Beziehung als Begründung.
Vertiefung: Fall 3 zeigt bewusst, dass ein Muster mehrdeutig sein kann. Die Rechnung ⅔ eignet sich, um bedingte Wahrscheinlichkeiten mit Genetik zu verbinden.
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