Unpolarer Rest · lipophil
Der Rest wechselwirkt über London-Kräfte mit unpolaren Bereichen von Fettmolekülen. Er ist lipophil (fettfreundlich) und hydrophob (wassermeidend).
Chemie · Klasse 10–13 · Grundlagen & Anwendung
Warum entfernt Seife Fett – und warum stören hartes Wasser und Säuren? Erkenne den Aufbau amphiphiler Teilchen, erkläre die Waschwirkung und stelle die Reaktionen der Seifen-Ionen auf.
Verseifung · Mizellen · Kalkseife
Seifen sind die Natrium- oder Kaliumsalze langkettiger Fettsäuren. In Wasser liefern sie positiv geladene Gegenionen und negativ geladene Carboxylat-Ionen. Diese Seifen-Ionen besitzen einen langen unpolaren Rest und eine geladene Kopfgruppe.
R steht für den Kohlenwasserstoffrest; (aq) kennzeichnet gelöste, von Wasser umgebene Teilchen. Das Na⁺ gehört nicht zur unpolaren Kette.
Das Beispiel zeigt ein Stearat-Ion. Braun markiert den Kohlenwasserstoffrest, Blau die Carboxylatgruppe. Die gezeichnete Formel ist eine Grenzstruktur: Die negative Ladung ist über beide O-Atome verteilt.
Der Rest wechselwirkt über London-Kräfte mit unpolaren Bereichen von Fettmolekülen. Er ist lipophil (fettfreundlich) und hydrophob (wassermeidend).
Wasser richtet seine positiv polarisierten H-Seiten zum negativen Kopf aus. Ion-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken ermöglichen die Hydratation. Der Kopf ist hydrophil (wasserfreundlich).
Ein Teilchen mit beiden Bereichen heißt amphiphil. Seifen gehören zu den Tensiden: Stoffen, die sich an Grenzflächen anordnen und deren Eigenschaften verändern.
Ein Fettmolekül ist ein Triester aus Glycerin und drei Fettsäuren. Jede Estergruppe kann durch basische Hydrolyse gespalten werden.
Es entstehen ein Carboxylat-Ion und ein Alkohol. Hydroxid wird verbraucht; es wirkt hier nicht nur als Katalysator.
Die drei Estergruppen benötigen insgesamt drei Hydroxid-Ionen. Mit Natronlauge entstehen Natriumseifen, mit Kalilauge Kaliumseifen. Die drei Fettsäurereste können verschieden sein.
Für 0,020 mol Fett: n(NaOH) = 0,060 mol. Mit M(NaOH) = 40,0 g/mol ergibt sich m(NaOH) = 2,40 g. Das ist der theoretische Bedarf bei vollständiger Verseifung.
Wähle eine Phase. Erkläre jeweils die Orientierung von Kopf und Rest.
Legende: Hellblau = Wasser · Ocker = Fett · Blau = hydrophiler Kopf · Braun = unpolarer Rest.
Schematisches Modell eines Fetttröpfchens. Es zeigt Orientierung und Ablösung, keine maßstabsgetreue Mizelle und keine reale Zeitkurve.
Tenside senken die Oberflächenspannung und erleichtern das Benetzen. An einer Wasser-Fett-Grenzfläche liegen die unpolaren Reste im Fett, die hydrophilen Köpfe zum Wasser. Bewegung hilft, Fett abzulösen und in Tröpfchen zu verteilen. Die Tensidhülle erschwert das erneute Zusammenfließen; das Spülwasser transportiert den Schmutz ab.
Oberhalb der kritischen Mizellbildungskonzentration können sich Tenside zu Mizellen zusammenlagern: In Wasser zeigen die Reste überwiegend nach innen, die Köpfe nach außen. Der Innenbereich kann unpolare Stoffe aufnehmen. Solche kleinen Aggregate sind von größeren tensidstabilisierten Fetttröpfchen zu unterscheiden.
Calcium- und Magnesium-Ionen bilden schwer lösliche Fettsäuresalze. Dadurch fehlen gelöste Seifen-Ionen für die Reinigung. Zwei einfach negative Ionen gleichen ein zweifach positives Ion aus.
Der Kopf wird protoniert. Die ungeladene langkettige Fettsäure ist schlecht wasserlöslich. Es entsteht keine Kalkseife, sondern die freie Säure.
Seifenlösungen reagieren häufig alkalisch, weil Carboxylat-Ionen als schwache Basen mit Wasser reagieren:
Wähle eine Zugabe zur Seifenlösung. Formuliere zuerst selbst die Ionengleichung.
Seifen sind anionische Tenside: Ihr wirksames Teilchen trägt eine negative Ladung. Auch Alkylsulfonate R–SO₃⁻ gehören dazu, besitzen aber eine andere Kopfgruppe. Viele Sulfonat-Tenside sind gegenüber Härtebildnern und Säure weniger empfindlich als Seifen.
Kationische Tenside tragen einen positiven Kopf, nichtionische Tenside ungeladene polare Gruppen. Entscheidend ist immer die Kombination mit einem ausreichend großen unpolaren Bereich.
Waschmittel können zusätzlich Enthärter, fleckenspezifische Enzyme und Bleichmittel enthalten. Für die Bewertung zählen Reinigungsleistung, Dosierung, Abbaubarkeit und Gewässerwirkung – nicht allein die Schaummenge.
Wähle eine Antwort.
25–40 Minuten: Stearat-Ion beschriften, Orientierung am Fetttröpfchen begründen und die Waschphasen erklären lassen.
Partnerauftrag: Calcium, Magnesium oder Säure wählen. Die andere Person formuliert die Ionengleichung und kontrolliert Atom- und Ladungsbilanz im Reaktions-Labor.
Vertiefung: Stoffmengenverhältnis der Verseifung berechnen und Seifen mit anderen Tensiden vergleichen.
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