Bindungen in der Kette
Kovalente Bindungen halten die Atome des Makromoleküls zusammen. Eine Verzweigung ist ein Seitenast; sie ist noch keine Querverbindung zu einer anderen Kette.
Chemie · Klasse 10–13 · Grundlagen & Vertiefung
Warum lässt sich ein Kunststoff schmelzen, ein anderer dehnen und ein dritter nicht neu formen? Verknüpfe Monomere zu Polymerketten und leite die Eigenschaften aus Struktur, Wechselwirkungen und Vernetzung ab.
Thermoplast · Elastomer · Duroplast
Monomere sind reaktionsfähige Ausgangsmoleküle, aus denen Polymere aufgebaut werden. Ein Polymer besteht aus Makromolekülen mit vielen wiederkehrenden Baueinheiten. Kunststoffe enthalten solche Polymere und häufig Zusatzstoffe, etwa Farbstoffe, Stabilisatoren oder Weichmacher.
Aus Ethen entsteht Polyethylen (PE). Die Klammer zeigt eine Wiederholungseinheit; n gibt ihre Anzahl in der idealisierten Kette an. Die Bindungen an den Klammerseiten setzen die Kette fort. Endgruppen sind hier weggelassen.
Die Zeichnung zeigt die Wiederholungseinheit von Polypropylen (PP). Die beiden C-Atome der ursprünglichen Doppelbindung bilden die Hauptkette. Die CH₃-Gruppe bleibt als Seitenrest erhalten.
Kovalente Bindungen halten die Atome des Makromoleküls zusammen. Eine Verzweigung ist ein Seitenast; sie ist noch keine Querverbindung zu einer anderen Kette.
London-Kräfte, bei passenden Gruppen auch Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken, beeinflussen Zusammenhalt und Beweglichkeit. Chemische Vernetzungen sind dagegen kovalente Querverbindungen.
Die beiden C-Atome der C=C-Bindung werden in die Hauptkette eingebaut.
Die π-Bindung wird umgesetzt, die C–C-Einfachbindung bleibt bestehen. Neue C–C-Bindungen verknüpfen die Bausteine. Kein Wasser wird abgespalten.
Jedes C-Atom besitzt weiterhin vier Bindungen. Die CH₃-Gruppe hängt seitlich an der Kette; sie wird nicht zu einem dritten Hauptkettenatom der Einheit.
Das Monomer hat eine Doppelbindung, die dargestellte Wiederholungseinheit nicht. Die Atome bleiben bei dieser Polymerisation erhalten, ihre Verknüpfung ändert sich.
Wähle ein Monomer. Zeichne die Wiederholungseinheit, bevor du die Lösung aufklappst.
Die Werkstatt zeigt Strukturbeziehungen bei geeigneten Reaktionsbedingungen. Endgruppen, Kettenlängenverteilung und räumliche Anordnung der Seitenreste sind nicht dargestellt.
Viele Monomere werden über ihre Doppelbindungen verknüpft. Beispiel: Ethen → PE. Dabei entsteht kein kleines Abspaltungsprodukt.
Mindestens bifunktionelle Bausteine reagieren schrittweise. Neue Ester- oder Amidgruppen verbinden sie; kleine Moleküle werden abgespalten.
Die Gleichung zeigt eine einzelne Esterverknüpfung. Für lange Polyesterketten müssen beide Bausteine mindestens zwei passende Gruppen tragen. Bei Polyamiden entstehen entsprechend Amidgruppen –C(=O)–NH–.
Funktionelle Gruppen reagieren ohne Abspaltung kleiner Moleküle. Aus Diisocyanaten und Diolen können Polyurethane entstehen; die neue Verknüpfung ist eine Urethangruppe. Die Gleichung zeigt eine einzelne Verknüpfung.
Ein Radikal besitzt ein ungepaartes Elektron, dargestellt durch •. I steht hier für einen Initiatorrest, P für eine gewachsene Kette.
Ein geeigneter Initiator wird homolytisch gespalten. Ein Radikal addiert an Ethen; am neuen Kettenende bleibt ein ungepaartes Elektron.
Weitere Monomere werden addiert. Das radikalische Zentrum liegt jeweils am neuen Ende.
Zwei Radikale bilden eine Elektronenpaarbindung; das aktive Ende verschwindet. Nicht jede Polymerisation läuft radikalisch ab.
Vergleiche die Strukturen und leite ihr Verhalten beim Erwärmen oder Dehnen ab.
Legende: Blau = Polymerketten · Grün = dauerhafte chemische Querverbindungen.
Vereinfachtes Strukturmodell. Zusammensetzung und Temperatur beeinflussen die Eigenschaften ebenfalls. Bei Elastomeren sind hier klassisch chemisch vernetzte Materialien gemeint.
Lineare oder verzweigte Ketten werden bei ausreichendem Erwärmen gegeneinander beweglich. Der Kunststoff lässt sich neu formen. Beim üblichen Schmelzen werden die Hauptketten nicht gezielt gespalten. Beispiele: PE, PP, PET.
Bewegliche Kettenabschnitte richten sich beim Dehnen aus. Nach Entlastung federt das Netzwerk im elastischen Bereich zurück. Die Querverbindungen verhindern dauerhaftes Fließen. Beispiel: vulkanisierter Gummi.
Viele kovalente Querverbindungen bilden ein starres Netzwerk. Ausgehärtete Duroplaste lassen sich nicht wie Thermoplaste einschmelzen und zersetzen sich bei hoher Temperatur. Beispiel: ausgehärtetes Epoxidharz.
Auch ohne Vernetzung können Kunststoffe steif sein. Unverzweigte PE-Ketten packen dichter als stark verzweigte; polare Amidgruppen können zwischen Ketten Wasserstoffbrücken bilden. Deshalb reicht die Zahl der Querverbindungen allein nicht für jede Eigenschaftsvorhersage.
Eine PE-Kette habe ungefähr 28 000 g/mol. Für die Einheit C₂H₄ gilt M ≈ 28 g/mol. Damit ergibt sich n ≈ 1 000. Endgruppen werden hier vernachlässigt; bei realen Proben werden passende Mittelwerte verwendet.
Geeignete Thermoplaste können sortiert, aufbereitet und erneut aufgeschmolzen werden: werkstoffliches Recycling. Verschmutzung, gemischte Sorten und Alterung begrenzen die Qualität. Vernetzte Kunststoffe lassen sich nicht auf demselben Weg einschmelzen.
Chemische Verfahren können Polymerketten in kleinere Rohstoffmoleküle umwandeln; ihre Eignung hängt vom Material und Aufwand ab. Bei thermischer Verwertung wird Energie genutzt, das Material aber verbrannt. Biobasiert beschreibt die Rohstoffherkunft und bedeutet nicht automatisch biologisch abbaubar.
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30–45 Minuten: Monomer auswählen, Wiederholungseinheit zeichnen und in der Polymer-Werkstatt prüfen. Seitenreste und Bindigkeiten gezielt besprechen.
Transfer: Im Ketten-Labor Materialeigenschaften vorhersagen und durch Bindungen beziehungsweise Wechselwirkungen begründen.
Vertiefung: Bildungsreaktionen vergleichen, den radikalischen Mechanismus formulieren oder Recyclingmöglichkeiten aus der Struktur ableiten.
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