Geschichte · Neuzeit & Revolutionen · Klasse 7–8

Republik und Terrorherrschaft

1792 wurde Frankreich eine Republik. Doch die Abschaffung des Königtums brachte weder Frieden noch eine dauerhaft gesicherte Freiheit. Krieg, Aufstände und Machtkämpfe führten zu einer Regierung im Ausnahmezustand. Wie konnte der Anspruch, Freiheit zu verteidigen, mit politischer Verfolgung verbunden werden?

Abgeordnete diskutieren in einer Versammlung während der Französischen Revolution.
Im Nationalkonvent wurde um die Ordnung der Republik gestritten. Die Illustration zeigt keinen belegten Sitzungsmoment. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.

Das kannst du danach: Du erklärst den Übergang zur Republik, unterscheidest Verfassungsanspruch und Regierungspraxis und beurteilst die Terrorherrschaft anhand konkreter Eingriffe in Rechte.

Vom Ende der Monarchie zur Republik

Die konstitutionelle Monarchie von 1791 beruhte auf einer schwierigen Zusammenarbeit zwischen König und gewählten Vertretern. Der Fluchtversuch Ludwigs XVI., politische Blockaden und der Krieg verschärften das Misstrauen. Am 10. August 1792 wurde die königliche Residenz in Paris angegriffen. Der König wurde suspendiert; die bisherige Ordnung war damit entscheidend erschüttert.

Ein neu gewählter Nationalkonvent trat im September zusammen. Am 21. September 1792 schaffte er das Königtum ab. Frankreich wurde eine Republik. Das bedeutete zunächst, dass kein erblicher König mehr an der Spitze des Staates stand. Es sagte noch nicht, wie frei die politische Auseinandersetzung sein oder wie zuverlässig einzelne Menschen vor staatlicher Gewalt geschützt würden.

Der frühere König wurde vor dem Konvent angeklagt, verurteilt und am 21. Januar 1793 hingerichtet. Die Entscheidung war umstritten. Sie vertiefte Konflikte innerhalb Frankreichs und mit anderen europäischen Mächten. Der revolutionäre Bruch mit der Monarchie war dadurch besonders deutlich, doch die Probleme der jungen Republik waren keineswegs gelöst.

Eine Republik ist nicht automatisch eine freiheitliche Demokratie. Prüfe zusätzlich: Wer kann mitbestimmen? Welche Rechte gelten? Wie wird staatliche Macht kontrolliert?

Mehrere Krisen verstärkten sich gegenseitig

Frankreich befand sich im Krieg gegen andere europäische Mächte. Soldaten, Waffen, Kleidung und Lebensmittel mussten bereitgestellt werden. Militärische Niederlagen ließen die Angst wachsen, die Revolution könne von außen besiegt werden. Gleichzeitig beanspruchten die Armeen Mittel, die auch im Alltag dringend gebraucht wurden.

Im Inneren kam es zu Aufständen. In der Vendée verbanden sich unter anderem Widerstand gegen die Einziehung von Soldaten, religiöse Konflikte und monarchistische Ziele. In anderen Regionen richtete sich Widerstand gegen die politische Dominanz von Paris. Nicht alle Gegner der Regierung wollten dasselbe. Wer jeden Protest pauschal als einheitliche Verschwörung bezeichnet, übernimmt bereits die vereinfachende Sicht bestimmter Zeitgenossen.

Teuerung und Versorgungsprobleme trafen besonders Menschen mit wenig Geld. Teile der städtischen Bevölkerung verlangten bezahlbare Lebensmittel und schärferes Vorgehen gegen vermeintliche Spekulanten. Zu den politisch aktiven Gruppen gehörten die Sansculotten, unter ihnen Handwerker, Ladenbesitzer und Lohnarbeiter. Sie waren keine einheitliche soziale Schicht und keine Partei im heutigen Sinn.

Die Krisen beeinflussten einander. Schlechte Versorgung konnte Proteste auslösen; Proteste wurden als Gefahr für den Kriegserfolg gedeutet; die Angst vor Niederlagen wiederum konnte härtere Maßnahmen begünstigen. Trotzdem führte nicht jede Krise zwangsläufig zum Terror. Konkrete Entscheidungen, Machtinteressen und Feindbilder bestimmten, welche Antworten gewählt wurden.

Frauen und Männer warten vor einer Bäckerei mit wenigen Broten.
Versorgung und Preise waren politische Fragen, weil sie den Alltag unmittelbar betrafen. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.

Wer regierte die Republik?

Der Nationalkonvent war die gewählte Versammlung. Innerhalb des Konvents konkurrierten politische Gruppierungen, besonders Girondisten und die sogenannte Bergpartei. Viele Angehörige der Bergpartei waren zugleich mit dem Jakobinerklub verbunden. „Jakobiner“, „Bergpartei“ und „Sansculotten“ bezeichnen deshalb nicht einfach dieselbe Gruppe.

Im Frühjahr 1793 wurde der Wohlfahrtsausschuss eingerichtet. Trotz seines heute fürsorglich klingenden Namens war er ein zentrales Organ der Kriegsführung und Regierungskoordination. Er gewann im Ausnahmezustand erheblichen Einfluss. Daneben bestanden weitere Machtzentren, etwa der Sicherheitsausschuss, lokale Überwachungsorgane und in die Provinzen entsandte Vertreter des Konvents.

Ende Mai und Anfang Juni 1793 wurden führende Girondisten unter dem Druck bewaffneter Kräfte aus dem Konvent ausgeschaltet. Die Bergpartei gewann die Oberhand. Das zeigt, dass Entscheidungen der Versammlung nicht unabhängig von außerparlamentarischer Macht zustande kamen.

Maximilien Robespierre wurde ein einflussreiches Mitglied des Wohlfahrtsausschusses. Er unterstützte politische Verfolgung und begründete sie als Verteidigung der Republik. Dennoch regierte er Frankreich nicht allein. Wer alles auf eine Person reduziert, übersieht die Mitwirkung anderer Ausschüsse, Abgeordneter, lokaler Funktionsträger und gesellschaftlicher Gruppen.

Die Verfassung von 1793 blieb ein Versprechen

1793 wurde eine neue republikanische Verfassung angenommen. Sie sah eine breitere politische Beteiligung erwachsener Männer vor als die Verfassung von 1791. Die wirtschaftlichen Zugangshürden des früheren Zensuswahlrechts sollten entfallen. Frauen blieben jedoch von gleichberechtigter politischer Wahlbeteiligung ausgeschlossen.

Die Verfassung wurde nicht als reguläre Regierungsordnung umgesetzt. Stattdessen beriefen sich die Verantwortlichen auf eine revolutionäre Regierung bis zum Frieden. Sie erklärten, die Republik sei zu stark bedroht, um bereits nach den normalen Verfassungsregeln regiert werden zu können.

Darin lag ein grundlegendes Problem: Gerade die Rechte, die eine neue Ordnung versprechen sollte, wurden auf eine spätere sichere Zeit verschoben. Wer bestimmen durfte, wann die Gefahr vorüber war, besaß damit große Macht. Der Hinweis auf eine Notlage ersetzte zunehmend die verlässliche Begrenzung staatlichen Handelns.

Vom Krisenargument zur Verfolgung

Bedrohungen benennen

Krieg, Aufstände und Versorgungsprobleme gefährden die Republik.

Zusammenhang erklären

Reale Gefahren sind ein wichtiger Teil der Erklärung. Sie beweisen aber nicht, dass jede behauptete Verschwörung tatsächlich existierte.

Ausnahmebefugnisse ausweiten

Ausschüsse und Beauftragte erhalten weitreichende Handlungsmöglichkeiten.

Zusammenhang erklären

Schnelle Entscheidungen werden möglich. Zugleich schwächt die Konzentration der Macht unabhängige Kontrolle.

Verdacht ausdehnen

Politische Gegner und unliebsame Äußerungen geraten unter den Verdacht der Gegenrevolution.

Zusammenhang erklären

Je unklarer die Merkmale eines Feindes werden, desto leichter lassen sie sich gegen Menschen mit anderen Ansichten verwenden.

Rechtsschutz einschränken

Angeklagte können sich immer schlechter gegen Vorwürfe verteidigen.

Zusammenhang erklären

Verfahren schützen dann nicht mehr zuverlässig vor Fehlurteilen. Die behauptete Verteidigung der Freiheit untergräbt konkrete Freiheitsrechte.

Das Schaubild erklärt einen Zusammenhang, keine zwangsläufige Entwicklung. Menschen und Institutionen entschieden über diese Maßnahmen.

Was Terrorherrschaft praktisch bedeutete

Das Gesetz über Verdächtige vom September 1793 erlaubte die Festnahme weit gefasster Personengruppen. Nicht nur eine nachgewiesene Gewalttat konnte gefährlich werden. Auch Verhalten, Beziehungen oder Äußerungen konnten als Hinweis auf Feindschaft gegen die Revolution ausgelegt werden. Denunziationen, also belastende Anzeigen gegen andere Menschen, gewannen dadurch besonderes Gewicht.

Revolutionstribunale verhandelten gegen Beschuldigte. Im Juni 1794 verschärfte das Gesetz vom 22. Prairial die Verfahren des Pariser Revolutionstribunals. Es erweiterte die Definition von Feinden des Volkes und beschnitt die Verteidigungsmöglichkeiten. Bei einer Verurteilung war die Todesstrafe vorgesehen. Damit wurde der Schutz einer angeklagten Person massiv geschwächt.

Die Verfolgung traf nicht nur Adlige oder Anhänger des Königs. Auch Menschen aus anderen sozialen Gruppen und Revolutionäre selbst wurden Opfer. Im Frühjahr 1794 wurden etwa rivalisierende revolutionäre Gruppen um Hébert und um Danton ausgeschaltet. Wer gestern als Verbündeter galt, konnte morgen als gefährlicher Gegner behandelt werden.

Außerhalb von Paris nahm die Gewalt ebenfalls schwere Formen an, etwa bei der Niederschlagung von Aufständen. Terror lässt sich deshalb nicht auf die Guillotine in der Hauptstadt reduzieren. Gefängnisse, lokale Verfolgung und Massengewalt gehören ebenso zum Gesamtbild. Zahlen hängen davon ab, welche Opfergruppen mitgezählt werden; hier ist die genaue Unterscheidung wichtiger als eine scheinbar eindeutige Gesamtsumme.

Eine angeklagte Person steht vor einem Gericht während der Revolutionszeit.
Ein Gerichtssaal allein garantiert noch kein faires Verfahren. Entscheidend sind Beweise, Verteidigung und unabhängige Prüfung. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.

Der Sturz Robespierres und seine Folgen

Im Sommer 1794 hatten französische Armeen Erfolge erzielt, während die politische Verfolgung weiterging und sich in Paris noch verschärfte. Die Gewalt lässt sich daher nicht allein als unmittelbare Reaktion auf die schlimmsten militärischen Niederlagen erklären. Machtkämpfe und die Angst vor weiteren Säuberungen spielten eine eigene Rolle.

Am 27. Juli 1794, dem 9. Thermidor des Revolutionskalenders, wandten sich Abgeordnete gegen Robespierre und seine Verbündeten. Sie wurden festgenommen und am folgenden Tag hingerichtet. Unter seinen Gegnern waren Menschen, die selbst an der Terrorpolitik beteiligt gewesen waren. Sein Sturz war deshalb nicht einfach ein Sieg durchgehend unbeteiligter Freiheitsfreunde.

In den folgenden Monaten wurden zentrale Maßnahmen der Terrorherrschaft zurückgenommen. Das bedeutete aber weder sofortige Gewaltfreiheit noch allgemeine Demokratie. Es kam auch zu Vergeltung gegen frühere Jakobiner. Die Verfassung von 1795 schuf das Direktorium und begrenzte die politische Beteiligung erneut durch wirtschaftliche Voraussetzungen.

Die Revolution endete also nicht in einer geraden Bewegung zu immer mehr Freiheit. Unterschiedliche Gruppen gewannen und verloren Einfluss. Ihre Entscheidungen veränderten jeweils, wer Rechte praktisch nutzen konnte. Die nächste Seite zeigt, wie Napoleon diese instabile Lage für seinen Aufstieg nutzte.

September 1792

Der Nationalkonvent schafft das Königtum ab; Frankreich wird Republik.

1793

Krieg, Aufstände und Machtkämpfe verschärfen sich. Die neue Verfassung wird nicht als normale Regierungsordnung umgesetzt.

1793–1794

Ausnahmebefugnisse und politische Verfolgung prägen die Terrorherrschaft.

27./28. Juli 1794

Robespierre wird gestürzt und hingerichtet. Der Abbau der Terrorpolitik erfolgt schrittweise.

1795

Eine neue Verfassung führt zur Regierung des Direktoriums.

Quellenwerkstatt: Wer gilt als Feind?

Grundlage: Gesetz vom 22. Prairial, 10. Juni 1794. Die folgende Passage ist eine eigene, vereinfachte Zusammenfassung, kein wörtliches Zitat.

Das Gesetz fasst den Kreis der „Feinde des Volkes“ sehr weit. Neben militärischem Verrat nennt es unter anderem das Verbreiten falscher Nachrichten und Handlungen, die die öffentliche Meinung oder revolutionäre Grundsätze beeinträchtigen sollen. Zugleich werden Möglichkeiten der Verteidigung eingeschränkt.

Aufgabe: Erkläre, warum die Verbindung weiter Vorwürfe und schwachen Rechtsschutzes gefährlich ist. Welche Informationen wären nötig, um einen einzelnen Vorwurf fair zu prüfen?

Lösungsvorschlag

Weite Begriffe können sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Wenn Angeklagte sich kaum verteidigen können, lassen sich falsche Anschuldigungen schwer widerlegen. Erforderlich wären überprüfbare Belege, eine genaue Bestimmung der vorgeworfenen Handlung, die Möglichkeit zur Stellungnahme und eine unabhängige Bewertung. Die bloße Behauptung politischer Feindschaft ersetzt keinen Nachweis.

Ein Gesetz ist zunächst eine Quelle dafür, welche Regeln die Verantwortlichen schaffen wollten. Für die tatsächliche Praxis müsste man zusätzlich Prozessakten und Berichte untersuchen. Ein einzelnes Urteil wiederum steht nicht automatisch für alle Verfahren. Gute Quellenarbeit verbindet deshalb den allgemeinen Regeltext mit konkreten Fällen und achtet darauf, was jede Quelle leisten kann.

Quellenausgabe: Gesetz vom 22. Prairial

Erklären heißt nicht rechtfertigen

Aufgabe 1: Nenne zwei reale Krisen der Republik und erkläre, wie sie den Ruf nach entschlossenem Handeln verstärken konnten. Trenne diese Erklärung von der Frage, ob politische Verfolgung gerechtfertigt war.

Aufgabe 2: Korrigiere den Satz: „Die Verfassung von 1793 beweist, dass Frankreich damals vollständig demokratisch regiert wurde.“

Aufgabe 3: Beurteile die Behauptung: „Robespierre allein war für die Terrorherrschaft verantwortlich.“ Berücksichtige sowohl seine persönliche Rolle als auch andere Institutionen.

Aufgabe 4: Vergleiche den Schutz vor willkürlicher Verhaftung von 1789 mit der Verfolgung vermeintlicher Gegner 1793/94. Formuliere den Widerspruch in drei Sätzen.

Lösungshinweise

Krieg und Versorgungskrise erzeugten Druck, machten aber nicht jede Maßnahme notwendig oder gerecht. Die Verfassung von 1793 wurde als reguläre Ordnung nicht umgesetzt; Frauen blieben zudem politisch ausgeschlossen. Robespierre trug Verantwortung, doch Konvent, Ausschüsse und lokale Akteure wirkten ebenfalls mit. Der Anspruch auf Freiheit stand im Widerspruch zu weiten Verdachtsregeln und eingeschränkter Verteidigung.

Teste dein Wissen

Wähle pro Frage eine Antwort. Nach dem Prüfen erhältst du zu jeder Frage eine Erklärung.

1. Was änderte sich im September 1792?
Lösung und Begründung

Der Nationalkonvent beseitigte die Monarchie. Frieden und gesicherte Freiheitsrechte folgten daraus nicht automatisch.

2. Was trifft auf die Verfassung von 1793 zu?
Lösung und Begründung

Die revolutionäre Regierung berief sich auf einen Ausnahmezustand bis zum Frieden.

3. Worin bestand eine Gefahr der Terrorpolitik?
Lösung und Begründung

Vage Vorwürfe und schwache Verteidigungsmöglichkeiten begünstigten politische Verfolgung.

4. Welche Aussage zu Robespierre ist angemessen?
Lösung und Begründung

Auch Konvent, Ausschüsse und lokale Funktionsträger wirkten an der Verfolgung mit.

5. Was folgte auf den 9. Thermidor?
Lösung und Begründung

Die politischen Veränderungen dauerten an; Gewalt und Ausschlüsse verschwanden nicht sofort.

Begriffe anwenden

Begriffe sicher zuordnen

Ordne jeder Beschreibung den passenden Begriff zu.

Lösung ansehen

Der Nationalkonvent entscheidet über die republikanische Ordnung.

Lösung ansehen

Der Wohlfahrtsausschuss gewinnt 1793/94 weitreichenden Einfluss.

Lösung ansehen

Die Sansculotten sind keine moderne Partei und keine völlig einheitliche Schicht.

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Der 9. Thermidor entspricht dem 27. Juli 1794.

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Das passende kostenlose Arbeitsblatt für Klasse 7–8 enthält Aufgaben und Lösungen. Die Klassenstufe ist eine Orientierung und kann je nach Lehrplan abweichen.

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Republik und Terrorherrschaft

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