Biologie · Verstehen und üben

Ökologische Sukzession

Entdecke, wie sich Lebensgemeinschaften verändern. Vergleiche zwei Ausgangslagen, erkunde mögliche Entwicklungswege und verstehe, weshalb Naturschutz unterschiedliche Ziele verfolgen kann.

Das kannst du danach

Primär- und Sekundärsukzession unterscheidenVeränderungen von Gemeinschaften erklärenModelle und Naturschutzziele kritisch beurteilen

1 · Was bedeutet ökologische Sukzession?

Auf einer offenen Fläche wachsen zunächst wenige Pflanzen. Später kommen andere Arten hinzu, manche werden häufiger und andere seltener. Auch Tiere, Pilze und Mikroorganismen verändern sich mit den Lebensbedingungen. Eine solche längerfristige Veränderung der Lebensgemeinschaft an einem Standort heißt ökologische Sukzession.
Entscheidend ist die Veränderung der Gemeinschaft und ihrer Zusammensetzung. Dass ein einzelner Baum größer wird, reicht als Erklärung für Sukzession nicht aus.

Merksatz

Sukzession beschreibt, wie sich Lebensgemeinschaften im Lauf der Zeit verändern – unter dem Einfluss von Standort, Besiedlung, Wechselwirkungen und Störungen.

Lebensgemeinschaft

Alle Populationen verschiedener Arten, die in einem Lebensraum zusammenleben, bilden die Biozönose. Sukzession betrifft damit mehr als eine einzelne Art.

Standortbedingungen

Licht, Wasser, Temperatur und Boden wirken auf Organismen. Organismen verändern diese Bedingungen wiederum, zum Beispiel durch Beschattung und Streubildung.

2 · Primär- und Sekundärsukzession unterscheiden

Primärsukzession: Boden entwickelt sich erst

Sie beginnt auf neu verfügbarem Untergrund ohne entwickelten Boden, etwa auf erkalteter neuer Lava oder frisch freigelegtem Gestein. Verwitterung und biologische Prozesse tragen zur Bodenentwicklung bei. Lebewesen müssen den Standort zunächst besiedeln.

Sekundärsukzession: Boden ist schon vorhanden

Sie beginnt nach einer Störung oder Nutzungsaufgabe, wenn Boden und häufig biologische Reste erhalten bleiben. Beispiele sind eine aufgegebene Ackerfläche oder eine Windwurffläche. Samenbank, Wurzeln und Bodenorganismen können den Neustart erleichtern.

Die Ausgangslage entscheidet, nicht allein der Name des Ereignisses. Nach einem Brand kann Sekundärsukzession stattfinden, wenn Boden erhalten bleibt. Eine sehr starke Störung kann die Voraussetzungen stärker verändern. Sekundärsukzession verläuft oft schneller als Primärsukzession, aber es gibt keine feste Zeitregel für alle Standorte.

Kurzer Begriffscheck

Nach einem Windwurf bleiben Boden, Wurzeln und viele Samen erhalten. Welcher Begriff passt zum anschließenden Wandel der Gemeinschaft?

Wähle eine Antwort.

3 · Sukzessions-Labor: zwei Ausgangslagen, vier Beispielstadien

Wähle die Ausgangslage und anschließend ein Stadium. Die Bilder zeigen einen möglichen Verlauf an einem Standort, an dem Gehölze wachsen können. Sie sind keine allgemeingültige Reihenfolge für jede Landschaft. Die Abstände zwischen den Stadien stehen nicht für gleich lange Zeiträume.

Ausgangslage wählen

Beispielstadium ansehen

↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.

Offene Ausgangsfläche
Schematisches Beispiel. Auch Tiere, Pilze und Mikroorganismen gehören zur Gemeinschaft; nicht alle sind eingezeichnet.

Neuer Untergrund ohne entwickelten Boden

Boden: Frisch freigelegtes Gestein besitzt noch keinen entwickelten Boden. Wasser und Nährstoffe sind oft schwer verfügbar.

Gemeinschaft: Auf die Fläche können bereits Mikroorganismen, Sporen und Samen gelangen. „Ohne Boden“ bedeutet nicht automatisch „völlig ohne Leben“.

Prozess: Verwitterung verändert das Gestein. Welche Organismen sich halten können, hängt etwa von Feuchtigkeit, Temperatur und der Ankunft geeigneter Arten ab.

4 · Warum verändert sich eine Lebensgemeinschaft?

1. Ankommen und sich etablieren

Samen, Sporen oder Tiere gelangen auf eine Fläche. Ankommen allein genügt nicht: Organismen müssen dort überleben und sich vermehren können. Entfernung zu Ausgangspopulationen und Ausbreitungswege spielen mit.

2. Bedingungen verändern

Vegetation kann Wind bremsen, Schatten werfen oder den Wasserhaushalt beeinflussen. Streu liefert Material für Zersetzer. Dadurch können manche Arten leichter wachsen; für andere verschlechtern sich die Bedingungen.

3. Zusammenleben und Konkurrenz

Arten konkurrieren etwa um Licht, Raum und Nährstoffe. Eine lichtbedürftige Art kann unter einem dichten Blätterdach seltener werden. Fraß, Krankheitserreger und Symbiosen beeinflussen den Verlauf ebenfalls.

4. Geschichte und Zufall

Welche Arten zuerst ankommen und welche Störungen auftreten, kann den späteren Verlauf mitbestimmen. Zwei anfangs ähnliche Flächen müssen deshalb nicht dieselbe Entwicklung nehmen.

5 · Führt Sukzession immer zu Wald?

Nein. Ein Wald kann nur entstehen, wenn die Bedingungen und die verfügbare Artenausstattung dies zulassen. Kälte, Trockenheit, Überflutung, Fraß und wiederkehrende Störungen können andere Gemeinschaften begünstigen. Auch innerhalb eines Waldes gibt es Flächen verschiedener Entwicklungsstadien.
Im klassischen Modell bezeichnet die Klimaxgesellschaft eine relativ dauerhafte späte Gemeinschaft unter bestimmten Bedingungen. Das ist eine hilfreiche Vereinfachung, aber kein Beweis für ein einziges unveränderliches Endstadium. Klima und Nutzung ändern sich, Störungen treten auf, und mehrere Entwicklungswege sind möglich.

Später bedeutet nicht automatisch „besser“

Eine offene, artenreiche Wiese kann für bestimmte Arten besonders wertvoll sein. Ein Gehölzbestand erfüllt andere Funktionen. Naturschutz bewertet Flächen anhand konkreter Schutzziele und ihrer Lebensgemeinschaften, nicht allein nach dem Alter des Stadiums.

↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.

Offene Flächemit vorhandenem Bodenohne PflegeGehölze könnenaufwachsenmit PflegeOffenland kannbestehen bleibenBeides hängt vom Standort undvom konkreten Schutzziel ab.
Zwei vereinfachte Wege an einem Standort, an dem Gehölze wachsen können. Pflegeform, Häufigkeit und Zeitpunkt müssen zum jeweiligen Lebensraum passen.

6 · Was bedeutet das für den Naturschutz?

Soll eine artenreiche, durch Nutzung entstandene Wiese erhalten bleiben, kann eine geeignete Mahd oder Beweidung nötig sein. Ohne passende Offenhaltung können Gehölze aufwachsen und lichtbedürftige Wiesenarten zurückgehen. Das ist kein Widerspruch zum Naturschutz: Hier soll ein bestimmter Lebensraum mit seinen Arten erhalten werden.
Ein anderes Ziel ist Prozessschutz. Dabei sollen natürliche Entwicklungen möglichst frei ablaufen, zum Beispiel mit alternden Bäumen, Totholz und neuen Waldlücken. Welche Strategie passt, hängt von Lebensraum, Arten, Umgebung und Schutzziel ab. Mehr dazu findest du bei Biodiversität und Naturschutz.

7 · Sukzession untersuchen: Beobachtung und Deutung trennen

Markiere für eine Untersuchung eine feste Beobachtungsfläche und dokumentiere sie über längere Zeit. Notiere Arten, geschätzte Häufigkeiten oder Bedeckung, Vegetationshöhe und erkennbare Störungen. Fotos vom gleichen Standort helfen beim Vergleich. Untersuche möglichst zur gleichen Jahreszeit und mit derselben Methode.
Beobachtung: „Auf der Fläche stehen jetzt mehr junge Sträucher als vor drei Jahren.“ Deutung: „Das könnte ein Übergang zu einer stärker gehölzgeprägten Gemeinschaft sein.“ Eine Deutung wird überzeugender, wenn weitere Messungen und Informationen zu den Bedingungen hinzukommen.

Zwei wichtige Grenzen

Frühlingsblüte und herbstlicher Blattfall sind zunächst jahreszeitliche Veränderungen, kein ausreichender Beleg für Sukzession. Vergleicht man verschiedene Flächen unterschiedlichen Alters, können Unterschiede auch am Boden oder an der Vorgeschichte liegen. Eine solche Raum-für-Zeit-Betrachtung ersetzt nicht vollständig die Beobachtung derselben Fläche.

12 Aufgaben: verstehen, anwenden und begründen

Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.

1 · Definiere Sukzession in einem Satz.

Tipp anzeigen
Achte auf Gemeinschaft, Standort und Zeit.
Lösung anzeigen
Ökologische Sukzession ist die längerfristige Veränderung der Artenzusammensetzung und Struktur einer Lebensgemeinschaft an einem Standort.

2 · Ein Baum wächst von zwei auf vier Meter. Ist damit Sukzession nachgewiesen?

Tipp anzeigen
Betrachte die Ebene der Beobachtung.
Lösung anzeigen
Nein. Das beschreibt zunächst das Wachstum eines Individuums. Für Sukzession braucht man Hinweise auf Veränderungen der Lebensgemeinschaft, etwa bei Artenzusammensetzung oder relativen Häufigkeiten.

3 · Neue Lava erkaltet. Es gibt noch keinen entwickelten Boden. Welche Form kann beginnen?

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Entscheidend ist der Untergrund.
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Primärsukzession. Der Untergrund wird besiedelt und Boden entwickelt sich erst. Bereits ankommende Mikroorganismen ändern diese Einordnung nicht.

4 · Ein Acker wird nicht mehr bewirtschaftet. Welche Ausgangsbedingungen sind typisch?

Tipp anzeigen
Was ist von Boden und früherem Leben noch da?
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Boden, Bodenorganismen und oft Samen oder Wurzelreste sind vorhanden. Die weitere Entwicklung wird deshalb als Sekundärsukzession eingeordnet.

5 · Warum kann Sekundärsukzession schneller verlaufen?

Tipp anzeigen
Überlege, was nicht erst neu entstehen muss.
Lösung anzeigen
Vorhandener Boden, Samenbanken, Wurzeln und überlebende Organismen können die Besiedlung erleichtern. Das ist eine mögliche Beschleunigung, keine universelle Zeitgarantie.

6 · Erkläre zwei Wege, wie Pflanzen ihren Standort verändern.

Tipp anzeigen
Denke an Licht und abgestorbenes Material.
Lösung anzeigen
Ein Blätterdach beschattet den Boden und verändert Licht- und Temperaturbedingungen. Abgestorbene Pflanzenteile liefern organisches Material, das Zersetzer abbauen und das zur Bodenentwicklung beitragen kann.

7 · Warum verschwinden nicht zwangsläufig alle Pionierarten?

Tipp anzeigen
Eine Fläche ist nicht überall gleich.
Lösung anzeigen
Einige frühe Arten können geeignete Nischen behalten, etwa an offenen Stellen. Neue Störungen können zudem wieder passende Bedingungen schaffen. Artenwechsel bedeutet nicht vollständigen Austausch aller Arten.

8 · Beurteile: „Jede Sukzession endet in einem unveränderlichen Wald.“

Tipp anzeigen
Prüfe Standort und Störungen.
Lösung anzeigen
Falsch. Manche Standorte erlauben keinen Wald, und selbst Wälder verändern sich. Klima, Wasser, Boden, Ausbreitung, Nutzung und Störungen beeinflussen den Verlauf; ein einziger starrer Endpunkt ist kein allgemeines Naturgesetz.

9 · Warum kann eine geschützte Wiese regelmäßig gepflegt werden?

Tipp anzeigen
Formuliere das Schutzziel.
Lösung anzeigen
Wenn lichtbedürftige Wiesenarten und ihr Lebensraum erhalten werden sollen, kann angepasste Mahd oder Beweidung Gehölzaufwuchs begrenzen. Naturschutz kann daher Pflege oder freie Entwicklung vorsehen, abhängig vom Ziel.

10 · Ist eine Frühlingswiese mit mehr Blüten als im Winter ein Beleg für Sukzession?

Tipp anzeigen
Vergleiche gleiche Jahreszeiten.
Lösung anzeigen
Nein. Der Unterschied kann zur wiederkehrenden jahreszeitlichen Entwicklung gehören. Für längerfristige Veränderungen sind wiederholte Beobachtungen unter vergleichbaren Bedingungen nötig.

11 · Zwei Flächen sind seit fünf und seit zwanzig Jahren ungenutzt. Beweist ihr Vergleich eine feste Abfolge?

Tipp anzeigen
Welche Faktoren außer dem Alter können verschieden sein?
Lösung anzeigen
Nein. Boden, Wasser, Samenquellen, frühere Nutzung und Störungen können sich unterscheiden. Der Vergleich liefert Hinweise, muss aber mit diesen Unterschieden und möglichst weiteren Beobachtungen bewertet werden.

12 · Plane eine einfache Langzeituntersuchung.

Tipp anzeigen
Wähle Fläche, Messgrößen und Vergleichsbedingungen.
Lösung anzeigen
Eine feste Fläche markieren, jährlich zur gleichen Jahreszeit Arten und Bedeckung mit gleicher Methode erfassen, Fotos vom selben Punkt aufnehmen und Störungen notieren. Eine zweite vergleichbare Fläche hilft, lokale Besonderheiten zu erkennen. Aus den Daten begründete, vorsichtige Aussagen über Veränderungen ableiten.

Für den Unterricht: vom Bild zur begründeten Erklärung

Einstieg: Zeige eine Windwurffläche und eine kahle Gesteinsfläche. Lass die Lernenden Vermutungen zum Boden und zur Wiederbesiedlung formulieren.
Erarbeitung: Zwei Gruppen untersuchen je eine Ausgangslage im Labor. Zu jedem Stadium notieren sie eine Beobachtung, einen Prozess und eine Grenze des Modells.
Transfer: Diskutiert, weshalb Naturschutz auf einer Wiese Pflege vorsehen kann, während in einem anderen Gebiet freie Entwicklung erwünscht ist. Begründet jeweils mit dem Schutzziel.
Differenzierung: Grundniveau: Formen und Beispiele. Vertiefung: alternative Entwicklungswege, Klimaxmodell und Grenzen von Raum-für-Zeit-Vergleichen.

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