Lebensgemeinschaft
Alle Populationen verschiedener Arten, die in einem Lebensraum zusammenleben, bilden die Biozönose. Sukzession betrifft damit mehr als eine einzelne Art.
Biologie · Verstehen und üben
Entdecke, wie sich Lebensgemeinschaften verändern. Vergleiche zwei Ausgangslagen, erkunde mögliche Entwicklungswege und verstehe, weshalb Naturschutz unterschiedliche Ziele verfolgen kann.
Auf einer offenen Fläche wachsen zunächst wenige Pflanzen. Später kommen andere Arten hinzu, manche werden häufiger und andere seltener. Auch Tiere, Pilze und Mikroorganismen verändern sich mit den Lebensbedingungen. Eine solche längerfristige Veränderung der Lebensgemeinschaft an einem Standort heißt ökologische Sukzession.
Entscheidend ist die Veränderung der Gemeinschaft und ihrer Zusammensetzung. Dass ein einzelner Baum größer wird, reicht als Erklärung für Sukzession nicht aus.
Sukzession beschreibt, wie sich Lebensgemeinschaften im Lauf der Zeit verändern – unter dem Einfluss von Standort, Besiedlung, Wechselwirkungen und Störungen.
Alle Populationen verschiedener Arten, die in einem Lebensraum zusammenleben, bilden die Biozönose. Sukzession betrifft damit mehr als eine einzelne Art.
Licht, Wasser, Temperatur und Boden wirken auf Organismen. Organismen verändern diese Bedingungen wiederum, zum Beispiel durch Beschattung und Streubildung.
Sie beginnt auf neu verfügbarem Untergrund ohne entwickelten Boden, etwa auf erkalteter neuer Lava oder frisch freigelegtem Gestein. Verwitterung und biologische Prozesse tragen zur Bodenentwicklung bei. Lebewesen müssen den Standort zunächst besiedeln.
Sie beginnt nach einer Störung oder Nutzungsaufgabe, wenn Boden und häufig biologische Reste erhalten bleiben. Beispiele sind eine aufgegebene Ackerfläche oder eine Windwurffläche. Samenbank, Wurzeln und Bodenorganismen können den Neustart erleichtern.
Die Ausgangslage entscheidet, nicht allein der Name des Ereignisses. Nach einem Brand kann Sekundärsukzession stattfinden, wenn Boden erhalten bleibt. Eine sehr starke Störung kann die Voraussetzungen stärker verändern. Sekundärsukzession verläuft oft schneller als Primärsukzession, aber es gibt keine feste Zeitregel für alle Standorte.
Nach einem Windwurf bleiben Boden, Wurzeln und viele Samen erhalten. Welcher Begriff passt zum anschließenden Wandel der Gemeinschaft?
Wähle eine Antwort.
Wähle die Ausgangslage und anschließend ein Stadium. Die Bilder zeigen einen möglichen Verlauf an einem Standort, an dem Gehölze wachsen können. Sie sind keine allgemeingültige Reihenfolge für jede Landschaft. Die Abstände zwischen den Stadien stehen nicht für gleich lange Zeiträume.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
Boden: Frisch freigelegtes Gestein besitzt noch keinen entwickelten Boden. Wasser und Nährstoffe sind oft schwer verfügbar.
Gemeinschaft: Auf die Fläche können bereits Mikroorganismen, Sporen und Samen gelangen. „Ohne Boden“ bedeutet nicht automatisch „völlig ohne Leben“.
Prozess: Verwitterung verändert das Gestein. Welche Organismen sich halten können, hängt etwa von Feuchtigkeit, Temperatur und der Ankunft geeigneter Arten ab.
Samen, Sporen oder Tiere gelangen auf eine Fläche. Ankommen allein genügt nicht: Organismen müssen dort überleben und sich vermehren können. Entfernung zu Ausgangspopulationen und Ausbreitungswege spielen mit.
Vegetation kann Wind bremsen, Schatten werfen oder den Wasserhaushalt beeinflussen. Streu liefert Material für Zersetzer. Dadurch können manche Arten leichter wachsen; für andere verschlechtern sich die Bedingungen.
Arten konkurrieren etwa um Licht, Raum und Nährstoffe. Eine lichtbedürftige Art kann unter einem dichten Blätterdach seltener werden. Fraß, Krankheitserreger und Symbiosen beeinflussen den Verlauf ebenfalls.
Welche Arten zuerst ankommen und welche Störungen auftreten, kann den späteren Verlauf mitbestimmen. Zwei anfangs ähnliche Flächen müssen deshalb nicht dieselbe Entwicklung nehmen.
Nein. Ein Wald kann nur entstehen, wenn die Bedingungen und die verfügbare Artenausstattung dies zulassen. Kälte, Trockenheit, Überflutung, Fraß und wiederkehrende Störungen können andere Gemeinschaften begünstigen. Auch innerhalb eines Waldes gibt es Flächen verschiedener Entwicklungsstadien.
Im klassischen Modell bezeichnet die Klimaxgesellschaft eine relativ dauerhafte späte Gemeinschaft unter bestimmten Bedingungen. Das ist eine hilfreiche Vereinfachung, aber kein Beweis für ein einziges unveränderliches Endstadium. Klima und Nutzung ändern sich, Störungen treten auf, und mehrere Entwicklungswege sind möglich.
Eine offene, artenreiche Wiese kann für bestimmte Arten besonders wertvoll sein. Ein Gehölzbestand erfüllt andere Funktionen. Naturschutz bewertet Flächen anhand konkreter Schutzziele und ihrer Lebensgemeinschaften, nicht allein nach dem Alter des Stadiums.
↔ Schaubild bei Bedarf seitlich verschieben.
Soll eine artenreiche, durch Nutzung entstandene Wiese erhalten bleiben, kann eine geeignete Mahd oder Beweidung nötig sein. Ohne passende Offenhaltung können Gehölze aufwachsen und lichtbedürftige Wiesenarten zurückgehen. Das ist kein Widerspruch zum Naturschutz: Hier soll ein bestimmter Lebensraum mit seinen Arten erhalten werden.
Ein anderes Ziel ist Prozessschutz. Dabei sollen natürliche Entwicklungen möglichst frei ablaufen, zum Beispiel mit alternden Bäumen, Totholz und neuen Waldlücken. Welche Strategie passt, hängt von Lebensraum, Arten, Umgebung und Schutzziel ab. Mehr dazu findest du bei Biodiversität und Naturschutz.
Markiere für eine Untersuchung eine feste Beobachtungsfläche und dokumentiere sie über längere Zeit. Notiere Arten, geschätzte Häufigkeiten oder Bedeckung, Vegetationshöhe und erkennbare Störungen. Fotos vom gleichen Standort helfen beim Vergleich. Untersuche möglichst zur gleichen Jahreszeit und mit derselben Methode.
Beobachtung: „Auf der Fläche stehen jetzt mehr junge Sträucher als vor drei Jahren.“ Deutung: „Das könnte ein Übergang zu einer stärker gehölzgeprägten Gemeinschaft sein.“ Eine Deutung wird überzeugender, wenn weitere Messungen und Informationen zu den Bedingungen hinzukommen.
Frühlingsblüte und herbstlicher Blattfall sind zunächst jahreszeitliche Veränderungen, kein ausreichender Beleg für Sukzession. Vergleicht man verschiedene Flächen unterschiedlichen Alters, können Unterschiede auch am Boden oder an der Vorgeschichte liegen. Eine solche Raum-für-Zeit-Betrachtung ersetzt nicht vollständig die Beobachtung derselben Fläche.
Löse zuerst selbst. Ein Tipp hilft beim Einstieg; die Lösung zeigt die fachliche Begründung.
Einstieg: Zeige eine Windwurffläche und eine kahle Gesteinsfläche. Lass die Lernenden Vermutungen zum Boden und zur Wiederbesiedlung formulieren.
Erarbeitung: Zwei Gruppen untersuchen je eine Ausgangslage im Labor. Zu jedem Stadium notieren sie eine Beobachtung, einen Prozess und eine Grenze des Modells.
Transfer: Diskutiert, weshalb Naturschutz auf einer Wiese Pflege vorsehen kann, während in einem anderen Gebiet freie Entwicklung erwünscht ist. Begründet jeweils mit dem Schutzziel.
Differenzierung: Grundniveau: Formen und Beispiele. Vertiefung: alternative Entwicklungswege, Klimaxmodell und Grenzen von Raum-für-Zeit-Vergleichen.
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Arbeitsblatt ansehen →Fachliche Vertiefung: OpenStax · Community Ecology. Eigene Erklärungen und Schaubilder. Zahlenbeispiele sind frei gewählte Unterrichtsdaten; Landschaftsbilder zeigen vereinfachte mögliche Situationen. Klassenstufen und Vertiefung unterscheiden sich nach Bundesland und Schulart.