Wie lassen sich Ionen und Isotope anhand ihrer Flugbahn unterscheiden? Verstehe das magnetische Massenspektrometer Schritt für Schritt – von der Geschwindigkeitsauswahl bis zur Auswertung am Detektor.
Die Bahn verrät das Verhältnis von Masse zu Ladung
m|q| = B₂ · rv
Bei bekannter Geschwindigkeit und bekanntem Ablenkfeld liefert der Radius zunächst Masse pro Ladungsbetrag. Für die Masse allein muss der Ladungszustand bekannt sein.
Lernschritt 1
Was misst ein Massenspektrometer?
Ein Massenspektrometer untersucht geladene Teilchen anhand ihres Verhaltens in elektrischen oder magnetischen Feldern. Es kann beispielsweise helfen, Isotope oder Bestandteile einer Probe zu unterscheiden.
Es gibt verschiedene Bauarten. Hier betrachten wir das magnetische Schulmodell mit vorgeschaltetem Wien-Filter. Es besteht aus einer Ionenquelle, einer Strahlführung mit Blenden, einem Geschwindigkeitsfilter, einem magnetischen Analysator und einem Detektor.
Die Messung liefert zunächst Informationen über das Verhältnis von Masse zu Ladungsbetrag. In Spektren steht auf der waagerechten Achse häufig m/z, wobei z die Ladungszahl ist. Diese gebräuchliche Angabe ist nicht wortwörtlich dieselbe Einheit wie m geteilt durch |q| in Kilogramm pro Coulomb.
Für positive Ionen gilt q = z · e. Kennen wir z und die passende Kalibrierung, können wir daraus eine Masse bestimmen. Ohne bekannten Ladungszustand kann eine Bahn mehrdeutig sein.
Lernschritt 2
Die Stationen des Schulmodells
Ionenquelle: Die Probe wird ionisiert. Es entstehen geladene Atome oder Moleküle, die sich mit Feldern beeinflussen lassen.
Beschleunigung und Blenden: Ein elektrisches Feld bringt die Ionen in Bewegung; Blenden formen einen schmalen Strahl.
Wien-Filter: Gekreuzte Felder E und B₁ lassen Teilchen mit v = E geteilt durch B₁ geradlinig passieren.
Analysator: Im anschließenden Bereich wirkt ein reines Magnetfeld B₂. Die Ionen treten senkrecht ein und werden auf Kreisbahnen abgelenkt.
Detektor: Die Position oder ein entsprechend eingestelltes Messsignal wird registriert und ausgewertet.
Der Aufbau befindet sich im Vakuum, damit die Ionen möglichst selten mit Gasteilchen zusammenstoßen. Ein neutral gebliebenes Teilchen wird im magnetischen Analysator nicht auf dieselbe Kreisbahn gezwungen.
Die Quelle kann eine Geschwindigkeitsverteilung erzeugen. Der Filter sorgt in unserem Modell dafür, dass wir für die anschließend ausgewählten Ionen ein gemeinsames v verwenden dürfen. Diese Bedingung darf nicht durch „alle wurden an derselben Spannung beschleunigt“ ersetzt werden: Gleiche Beschleunigungsspannung bedeutet bei gleicher Ladung gleiche Energie, nicht bei verschiedenen Massen gleiche Geschwindigkeit.
Lernschritt 3
Ausprobieren: Masse und Ladung getrennt verändern
Ideales Halbkreismodell mit positiven Ionen, gleicher Eintrittsgeschwindigkeit und senkrechtem Eintritt in B₂. Die senkrechte Linie markiert den Detektor. Die Strecke vom Eintritt bis zum Treffer entspricht jeweils dem Durchmesser 2r.
Ideales Halbkreismodell mit positiven Ionen, gleicher Eintrittsgeschwindigkeit und senkrechtem Eintritt in B₂. Die senkrechte Linie markiert den Detektor. Die Strecke vom Eintritt bis zum Treffer entspricht jeweils dem Durchmesser 2r.
Die Ionen treten im Bild nach rechts ein. Das Magnetfeld B₂ zeigt in die Bildebene hinein. Für positive Ionen zeigt die Kraft beim Eintritt nach oben; die Bahnen krümmen sich entsprechend nach oben.
Im ersten Zustand besitzen die beiden Teilchensorten dieselbe positive Ladung und dieselbe Geschwindigkeit. Die grüne Sorte ist 1,5-mal so schwer. Daher hat sie einen 1,5-mal so großen Radius und trifft weiter vom Eintrittspunkt entfernt auf die Detektorlinie.
Im zweiten Zustand vergleichen wir gleiche Massen bei gleicher Geschwindigkeit, aber die grüne Sorte trägt den doppelten Ladungsbetrag. Ihr Radius ist dann nur halb so groß wie der blaue. Die Auswertung nur nach „schwerer oder leichter“ würde hier in die Irre führen.
Das Schaubild zeigt die idealisierte Halbkreisgeometrie des Analysators. Quelle, Filter und Strahlblenden liegen davor und sind nicht eingezeichnet. Nicht jedes reale Gerät besitzt diese Anordnung.
Lernschritt 4
Vom Kräftegleichgewicht zur Messgleichung
Die magnetische Kraft steht senkrecht zur Geschwindigkeit und liefert die für eine Kreisbahn nötige Zentripetalkraft. Im klassischen Modell gilt:
|q| · v · B₂ = m · v²r
r = m · v|q| · B₂
Umgestellt erhalten wir:
m|q| = B₂ · rv
Mit der Durchlassgeschwindigkeit des vorgeschalteten Wien-Filters folgt:
m|q| = B₂ · r · B₁E
Die Größen B₁ und B₂ gehören zu verschiedenen Bereichen. B₁ bestimmt zusammen mit E die Geschwindigkeit. B₂ bestimmt anschließend bei dieser Geschwindigkeit die Krümmung der Bahn.
Für ein einfach geladenes Ion setzen wir |q| = e. Bei zweifacher Ladung ist |q| = 2e. Die Masse berechnen wir dann mit m = |q| · B₂ · r geteilt durch v.
Lernschritt 5
Eine Ionenmasse vollständig berechnen
Der Wien-Filter liefert bei E = 10 000 Volt pro Meter und B₁ = 0,10 T die Geschwindigkeit v = 1,0 · 105 Meter pro Sekunde. Im Analysator gilt B₂ = 0,20 T. Ein einfach positiv geladenes Ion beschreibt eine Kreisbahn mit r = 0,10 m.
1. Verhältnis bestimmen:
m|q| = 0,20 T · 0,10 m1,0 · 105 Meter pro Sekunde = 2,0 · 10−7kgC
2. Ladungszustand einsetzen: Mit |q| = e ≈ 1,602 · 10−19 C folgt:
m ≈ 3,20 · 10−26 kg
3. In atomare Masseneinheiten umrechnen: Mit 1 u ≈ 1,661 · 10−27 kg ergibt sich m ≈ 19,3 u.
Das ist ein gerundetes Rechenbeispiel, noch keine eindeutige Identifikation einer bestimmten Teilchensorte. Isotopenmassen sind nicht exakt gleich ihrer ganzzahligen Massenzahl. Bei hoher Genauigkeit spielen außerdem Elektronenmassen und Bindungsenergien eine Rolle.
Wäre das Ion bei identischer Bahn doppelt geladen, müsste seine Masse doppelt so groß sein: etwa 38,6 u. Das Gerät hat in beiden Fällen dasselbe Verhältnis m geteilt durch |q| erfasst.
Lernschritt 6
Radius und Abstand am Detektor nicht verwechseln
Im gezeigten Halbkreismodell liegt der Detektor auf der Eintrittsseite. Der Abstand D zwischen Eintrittspunkt und Auftreffpunkt ist deshalb der Durchmesser:
D = 2r → r = D2
Misst du D = 20 cm, ist der einzusetzende Radius 10 cm = 0,10 m. Wer D direkt als r einsetzt, erhält hier eine doppelt so große Masse.
Bei anderer Detektorgeometrie kann eine andere Beziehung gelten. Lies deshalb zuerst die Skizze und untersuche, welche Strecke tatsächlich gemessen wird.
Isotopenabstand: Bei gleichem v und gleicher Ladung ist r proportional zu m. Für zwei positive, gleich geladene Ionensorten im Halbkreismodell folgt:
ΔD = 2 · Δr = 2v · |Δm||q| · B₂
Für v = 1,0 · 105 Meter pro Sekunde, B₂ = 0,20 T und einfach geladene Ionen mit einer Massendifferenz von näherungsweise 2 u ergeben sich etwa 10,4 mm Radiusunterschied und damit etwa 20,7 mm Trefferabstand. Die Näherung 2 u dient hier nur der Übungsrechnung.
Lernschritt 7
Was bedeuten Peaks in einem Massenspektrum?
Ein Spektrum stellt registrierte Signale gegen eine Größe wie m/z dar. Ein Peak kennzeichnet Ionen, die einer bestimmten Zuordnung auf dieser Achse entsprechen. Unterschiedliche Isotope können bei gleichem Ladungszustand getrennte Peaks erzeugen.
Die Signalstärke hängt mit der Zahl registrierter Ionen zusammen. Sie ist aber nicht automatisch der exakte Mengenanteil in der ursprünglichen Probe: Ionisierung, Transmission durch das Gerät und Detektorempfindlichkeit können das Signal beeinflussen.
Bei Molekülen können außerdem Fragmente auftreten. Ein weiterer Peak muss deshalb nicht zwangsläufig ein weiteres Isotop desselben Atoms sein. Für eine belastbare Interpretation braucht man den Messkontext.
Im einfachen Schulbeispiel werden häufig gleiche Nachweisbedingungen und bekannte Ladungszustände vorausgesetzt. Unter solchen angegebenen Annahmen können relative Intensitäten zur Abschätzung relativer Häufigkeiten verwendet werden.
Lernschritt 8
Ohne Geschwindigkeitsfilter: eine andere Formel
Manche Schulaufgaben verwenden keinen Wien-Filter. Stattdessen werden Ionen aus näherungsweiser Ruhe durch dieselbe Spannung UB beschleunigt und danach im Magnetfeld untersucht. Dann gilt ½ · m · v² = |q| · UB.
Zusammen mit der Kreisbahngleichung erhält man für diesen anderen Aufbau:
m|q| = B₂² · r²2UB
Bei festem UB, B₂ und gleichem Ladungsbetrag ist r hier proportional zur Quadratwurzel aus m. Beim vorgeschalteten Geschwindigkeitsfilter und festem v war r dagegen direkt proportional zu m.
Wähle die Formel nach dem Aufbau. „Gleiche Geschwindigkeit“ und „Beschleunigung aus der Ruhe durch dieselbe Spannung“ sind unterschiedliche Bedingungen und dürfen bei verschiedenen Massen nicht gleichgesetzt werden.
Lernschritt 9
So gehst du bei einer Aufgabe vor
Markiere Quelle, Filter, Analysator und Detektor in der Skizze.
Kläre, ob v vorgegeben, mit einem Wien-Filter ausgewählt oder über eine Beschleunigungsspannung bestimmt wird.
Bestimme aus der Messstrecke den richtigen Radius.
Berechne zunächst m geteilt durch |q|.
Nutze den angegebenen Ladungszustand, um m zu erhalten.
Rechne bei Bedarf Kilogramm in u um und prüfe die Größenordnung.
Für den Unterricht: Zuerst gleiche Masse mit unterschiedlicher Ladung vergleichen lassen. Danach gleiche Ladung mit unterschiedlicher Masse. Die zwei Fälle machen sichtbar, warum eine einzelne Bahn keine Masse ohne Zusatzinformation liefert.
Die Modellrechnungen setzen nichtrelativistische Geschwindigkeiten, homogene Felder, senkrechten Eintritt und vernachlässigbare Stöße voraus. Reale Geräte besitzen endliche Auflösung; nahe beieinanderliegende Signale sind nicht beliebig gut trennbar.
Dein Wissen anwenden
Sechs Aufgaben zum Selbstcheck
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
1 · Welche Größe liefert die magnetische Bahn bei bekanntem v und B₂ zunächst?
Lösung und Rechenweg ansehen
Das Verhältnis m geteilt durch |q| = B₂ · r geteilt durch v. Für die Masse allein muss der Ladungszustand bekannt sein.
6 · Ionen verschiedener Masse wurden bei gleicher Ladung aus Ruhe durch dieselbe Spannung beschleunigt. Haben sie dieselbe Geschwindigkeit?
Lösung und Rechenweg ansehen
Nein. Sie besitzen dieselbe kinetische Energie, aber die Geschwindigkeit aus der Energiegleichung hängt von der Masse ab. Für diesen Aufbau gilt die Formel mit B₂² · r² geteilt durch 2UB.
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Nein. Diese Seite behandelt den magnetischen Analysator als Schulmodell. Andere Bauarten verwenden andere Trenn- und Messverfahren.
Bedeutet ein größerer Radius immer eine größere Masse?
Nur bei passenden konstanten Größen, etwa gleicher Geschwindigkeit, gleichem Ladungsbetrag und gleichem B₂. Ein anderer Ladungszustand kann das Ergebnis verändern.
Kann man aus der Peakhöhe direkt die Probenmenge ablesen?
Nicht allgemein. Die Signalstärke hängt auch von Ionisierung, Übertragung durch das Gerät und Detektorantwort ab. In vereinfachten Aufgaben müssen gleiche Nachweisbedingungen ausdrücklich angenommen werden.