Ligandenzahl
Wie viele Liganden sind gebunden? In [Ag(NH₃)₂]⁺ sind es zwei NH₃-Moleküle.
Chemie · Klasse 11–13 · Bindungen & Gleichgewichte
Was bedeutet die eckige Klammer in [Ag(NH₃)₂]⁺? Erkenne Zentralteilchen und Liganden, bestimme Ladung und Koordinationszahl und erkläre Ligandenaustausch chemisch.
Elektronenpaare · Ladung · Koordination
Ein Komplex besteht aus einem Zentralatom oder Zentral-Ion und daran gebundenen Liganden. Liganden sind Moleküle oder Ionen mit mindestens einem geeigneten freien Elektronenpaar.
Im Diamminsilber(I)-Ion [Ag(NH₃)₂]⁺ ist Ag⁺ das Zentral-Ion. Zwei ungeladene Ammoniakmoleküle sind über ihre N-Atome daran gebunden. Die eckige Klammer umfasst die gesamte Koordinationseinheit; das Plus außen gibt ihre Gesamtladung an.
Die Gleichung fasst die Komplexbildung zusammen; die Wasserliganden des gelösten Silber-Ions werden dabei nicht ausdrücklich dargestellt.
Das Donoratom ist das Atom des Liganden, das direkt an das Zentralteilchen bindet. Bei NH₃ ist es N; bei H₂O ist es O. Ein Ligand wirkt als Lewis-Base, das Zentralteilchen als Lewis-Säure.
Bei der koordinativen Bindung stammt das bindende Elektronenpaar formal zunächst vom Liganden. Der Pfeil zeigt diese Herkunft; im fertigen Komplex kann die Bindung als normaler Bindungsstrich gezeichnet werden. Es wird nicht einfach ein einzelnes Elektron wie bei einer Redoxreaktion übertragen.
Die Skizze zeigt nur die Elektronenpaarspende eines NH₃. Ammoniak ist tatsächlich trigonal-pyramidal; die Zeichnung ist keine Winkelabbildung.
Wie viele Liganden sind gebunden? In [Ag(NH₃)₂]⁺ sind es zwei NH₃-Moleküle.
Wie viele Donoratome sind direkt an das Zentrum gebunden? Hier zwei N-Atome, also Koordinationszahl 2.
Ein einzähniger Ligand bindet über ein Donoratom. Ein mehrzähniger Ligand kann über mehrere Donoratome an dasselbe Zentrum binden. Deshalb müssen Ligandenzahl und Koordinationszahl nicht gleich sein.
Ethylendiamin kann mit beiden N-Atomen binden. Dabei entsteht mit dem Metallzentrum ein Ring: ein Chelatkomplex. In [Co(en)₃]³⁺ liefern drei zweizähnige Liganden sechs Donoratome: Ligandenzahl 3, Koordinationszahl 6.
H₂O, NH₃ und en sind ungeladen. Chlorido Cl⁻ und Cyanido CN⁻ tragen jeweils −1. Die Zahl der Liganden liest du am Index außerhalb ihrer Klammer ab.
Das Eisen hat die Oxidationszahl +II; das gesamte Komplex-Ion trägt die Ladung 4−. Die Koordinationszahl ist 6, weil sechs einzähnige Cyanidliganden gebunden sind.
Vier K⁺ gleichen die Ladung des Komplexanions aus. Sie sind Gegenionen und werden nicht zur Koordinationszahl des Eisen-Zentrums gezählt. Die Gleichung beschreibt das vereinfachte Lösen des Salzes.
Wähle einen Komplex. Bestimme vor dem Öffnen der Lösung Metall-Oxidationszahl, Liganden und Koordinationszahl.
Die Sechser-Anordnung ist eine vereinfachte Projektion eines Oktaeders: vier Liganden um die Mitte, einer darüber, einer darunter. Gestrichelte Bindungen weisen nach hinten. Längen und Winkel sind nicht maßstäblich; beim Cyanid bindet hier jeweils das C-Atom.
In Wasser sind viele Metall-Ionen bereits von Wasserliganden umgeben. Andere Liganden können diese ersetzen. Ein bekanntes Beispiel ist die Bildung eines intensiv blauen Kupfer(II)-Ammin-Komplexes bei Ammoniaküberschuss:
Vier NH₃ ersetzen vier H₂O; zwei Wasserliganden bleiben im vereinfachten Strukturmodell gebunden. Die Gesamtladung bleibt 2+, da beide Liganden ungeladen sind. Kupfer bleibt in der Oxidationsstufe +II: Ligandenaustausch ist hier keine Redoxreaktion.
Liganden beeinflussen die Energien der d-Orbitale des Metallzentrums. Dadurch kann sich ändern, welche Lichtanteile absorbiert werden. Das erklärt viele Farbwechsel – aber nicht jeder Komplex ist farbig und eine Farbe allein beweist keine bestimmte Zusammensetzung.
β₂ ist die Gesamtbildungskonstante. Ein großer Wert zeigt, dass die Komplexbildung unter passenden Bedingungen stark begünstigt ist. Für die tatsächlich gebildete Menge zählen zusätzlich die Konzentrationen. Streng thermodynamisch wird auch diese Konstante mit Aktivitäten formuliert.
Ein Ligandenüberschuss kann die Komplexbildung fördern. Eine hohe thermodynamische Stabilität bedeutet jedoch nicht automatisch einen langsamen Ligandenaustausch: Gleichgewicht und Geschwindigkeit sind verschiedene Fragen.
NH₃ bindet freie Ag⁺-Ionen im Komplex. Dadurch sinkt deren freie Konzentration und weiteres AgCl kann sich lösen. Das Löslichkeitsprodukt bleibt unverändert; die Gesamtmenge gelösten Silbers kann dennoch steigen, weil ein Teil komplex gebunden ist.
Hier greifen zwei Gleichgewichte ineinander. Die Gesamtgleichung ist ein chemisches Erklärmodell; wie weit der Feststoff gelöst wird, hängt unter anderem von Ligandenmenge und Gleichgewichtskonstanten ab.
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30–45 Minuten: Zentralteilchen, Liganden, Komplexladung und Gegenionen in Formeln farblich markieren. Im Komplex-Labor Ladungsrechnungen und Koordinationszahlen prüfen.
Transfer: Ein- und zweizähnige Liganden mit Modellen vergleichen. Anschließend die beiden Gleichgewichte zur Auflösung von AgCl addieren und erklären, warum freies und insgesamt gelöstes Silber unterschieden werden müssen.
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