Geografie · Wetter & Klima · Klasse 6–8

Klimadiagramme lesen und auswerten

Eine Linie und zwölf Säulen erzählen viel über einen Ort. Lerne, die Werte zu lesen, Klimatypen zu vergleichen und selbst ein Diagramm zu zeichnen.

Sommer und Winter im Mittelmeerraum: Wie passt die Landschaft zum Jahresgang?
Sommer und Winter im Mittelmeerraum: Wie passt die Landschaft zum Jahresgang? KI-generierte Anschauung.

Das kannst du danach: Klimadiagramme beschreiben, Kenngrößen berechnen, Klima-Muster vergleichen und ein eigenes Diagramm zeichnen.

Zwölf Monate auf einen Blick

Ein Klimadiagramm zeigt den typischen Jahresverlauf von Temperatur und Niederschlag eines Ortes. Die Monatswerte werden über viele Jahre gemittelt. Es zeigt weder das Wetter eines einzelnen Tages noch eine Vorhersage.

Rote Linie: Temperatur

Jeder Punkt steht für die mittlere Temperatur eines Monats. Lies die linke Achse in °C. Verbinde die Monatswerte zu einer Linie.

Blaue Säulen: Niederschlag

Jede Säule zeigt die durchschnittliche Niederschlagssumme eines Monats. Lies die rechte Achse in mm. 1 mm Niederschlag entspricht 1 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Immer zuerst prüfen: Stationsname, Lage, Höhenangabe, Bezugszeitraum, Einheiten und Skalierung. Diese Angaben helfen dir, ein echtes Stationsdiagramm einzuordnen. Farben und Darstellungsformen können je nach Quelle abweichen.

Vergleiche drei Klima-Muster

Übungsdaten, keine realen Stationsmessungen: Die folgenden erfundenen Modellorte auf der Nordhalbkugel machen typische Muster gut erkennbar. Deshalb haben sie keine Stationshöhe und keine reale Messperiode. Echte Klimadiagramme sollten diese Angaben enthalten.

A · Atlantikküste · didaktische ModelldatenTemperatur (°C)Niederschlag (mm)-1000102020403060408050100JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Übungswerte: langjährige Monatsmittel (erfundene Modellorte)
Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur °C 6 6 8 10 13 16 18 18 16 13 9 7
Niederschlag mm 90 70 65 55 60 50 45 55 70 95 100 95
Jahresmittel (vereinfacht): 11.7 °C · Jahresniederschlag: 850 mm · Temperaturamplitude: 12 °C

Maritimer Einfluss: milde Winter, mäßig warme Sommer, ganzjähriger Niederschlag.

B · Binnenland · didaktische ModelldatenTemperatur (°C)Niederschlag (mm)-1000102020403060408050100JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Übungswerte: langjährige Monatsmittel (erfundene Modellorte)
Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur °C -7 -5 1 9 16 20 22 20 14 7 1 -4
Niederschlag mm 30 25 30 40 55 70 80 60 45 40 35 30
Jahresmittel (vereinfacht): 7.8 °C · Jahresniederschlag: 540 mm · Temperaturamplitude: 29 °C

Kontinentaler Einfluss: kalte Winter, warme Sommer, größere Temperaturamplitude, hier ein Niederschlagsmaximum im Sommer.

C · Mittelmeerraum · didaktische ModelldatenTemperatur (°C)Niederschlag (mm)-1000102020403060408050100JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Übungswerte: langjährige Monatsmittel (erfundene Modellorte)
Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur °C 10 11 13 16 20 24 27 27 24 20 15 11
Niederschlag mm 80 65 55 40 25 10 5 10 40 75 95 90
Jahresmittel (vereinfacht): 18.2 °C · Jahresniederschlag: 590 mm · Temperaturamplitude: 17 °C

Mediterranes Muster: warme bis heiße, trockene Sommer und mildere, niederschlagsreichere Winter.

Entdeckerauftrag: Welcher Ort hat die größte Temperaturamplitude? Welcher hat den trockensten Sommer? Belege beide Antworten mit Werten.

Vergleich auflösen

B hat die größte Amplitude: 22 − (−7) = 29 °C. C hat den trockensten Sommer: Juni 10, Juli 5 und August 10 mm. A hat nur 12 °C Amplitude und ganzjährig mindestens 45 mm pro Monat.

So wertest du ein Klimadiagramm aus

  1. Einordnen: Wo liegt die Station? Welche Höhe und welcher Zeitraum sind angegeben?
  2. Temperatur beschreiben: Kältester und wärmster Monat, Jahresmittel, Temperaturamplitude und Jahresverlauf.
  3. Niederschlag beschreiben: Jahressumme, feuchtester und trockenster Monat, Verteilung über das Jahr.
  4. Zusammenführen: Gibt es warme trockene oder kalte feuchte Monate? Welche Jahreszeiten fallen auf?
  5. Erklären und vorsichtig zuordnen: Passt das Muster zu Breite, Höhenlage und Meeresnähe? Prüfe die Lage mit einer Karte.
Musterbeschreibung zu A

Modell A zeigt milde Winter mit 6 °C im Januar und Februar sowie mäßig warme Sommer mit 18 °C im Juli und August. Die Temperaturamplitude beträgt 12 °C. Der Jahresniederschlag beträgt 850 mm; Niederschlag fällt ganzjährig, mit dem höchsten Monatswert im November (100 mm). Dies passt zu maritimem Einfluss. Die Modelldaten erlauben keine sichere Zuordnung zu einer bestimmten Stadt.

Nord- oder Südhalbkugel? Liegen die wärmsten Monate um Juli/August, deutet das außerhalb der Tropen auf die Nordhalbkugel. Ein Maximum um Januar/Februar spricht eher für die Südhalbkugel. In Äquatornähe ist die Zuordnung anhand der Temperatur allein oft schwierig.

Drei Kenngrößen richtig berechnen

Temperaturamplitude

Wärmster Monatsmittelwert minus kältester Monatsmittelwert. Bei A: 18 − 6 = 12 °C. Gemeint ist hier der Unterschied der Monatsmittel, nicht die größte jemals gemessene Temperaturspanne.

Jahresniederschlag

Die zwölf mittleren monatlichen Niederschlagssummen addieren. Bei A ergeben sie 850 mm. Nicht durch zwölf teilen – sonst erhältst du einen mittleren Monatswert.

Jahresmitteltemperatur

Für Schulübungen: zwölf Monatsmittel addieren und durch zwölf teilen. Bei A: 140 : 12 ≈ 11,7 °C. Diese einfache Rechnung gewichtet Monate gleich; eine Berechnung aus Tageswerten berücksichtigt ihre unterschiedliche Länge.

Werte sauber angeben

Temperatur in °C, Niederschlag in mm. Temperaturunterschiede können auch in K angegeben werden; ein Unterschied von 12 °C entspricht 12 K. Runde erst das Endergebnis.

Rechne selbst: Modell B

Wärmster Monat: 22 °C. Kältester Monat: −7 °C. Wie groß ist die Temperaturamplitude?

Rechenweg

22 − (−7) = 22 + 7 = 29 °C. Ziehst du eine negative Zahl ab, addierst du ihren positiven Betrag.

Vertiefung: Wann ist ein Monat arid oder humid?

Bei der häufig verwendeten Walter-Lieth-Darstellung gilt im üblichen unteren Skalenbereich: 10 °C entsprechen derselben Diagrammhöhe wie 20 mm Niederschlag. Für Monate mit positiver Temperatur vergleicht man Niederschlag P (mm) mit dem doppelten Temperaturwert T (°C):

Arid: P < 2 · T

Der Monat gilt nach dieser vereinfachten Regel als trocken. Beispiel Modell C im Juli: 5 mm < 2 · 27 = 54 mm.

Humid: P > 2 · T

Der Monat gilt nach dieser Regel als feucht. Modell C im Januar: 80 mm > 2 · 10 = 20 mm. Bei Gleichheit liegt die Grenze.

Bei C sind Mai bis September arid. Die Regel ist eine klimatische Näherung für Trockenheit, keine genaue Messung der Bodenfeuchte oder der tatsächlichen Verdunstung. Bei Temperaturen unter 0 °C beschreibt sie die Wasserverfügbarkeit für Pflanzen nicht sinnvoll: Wasser kann als Eis gebunden sein.

Achtung bei der Grafik: Nur bei passender Skalenkopplung darfst du „Kurve über oder unter Niederschlag“ so deuten. Unsere Übungsdiagramme nutzen bis 100 mm die Zuordnung 1 °C zu 2 mm. Viele Walter-Lieth-Diagramme ändern oberhalb von 100 mm die Niederschlagsskala. Andere Diagramme nutzen völlig andere Achsen – lies deshalb immer die Zahlen!

Vom Diagramm zur Landschaft

Dasselbe Olivenland im trockenen Sommer links und im regenreichen Winter rechts.
Modell C als Anschauung: links Sommer, rechts Winter. Vergleiche Bodenbedeckung und Wasserführung. KI-generierte Anschauungsbilder.

Bildauftrag: Erkläre mit den Werten von Modell C, warum das Gras im Sommer eher trocken und im Winter grüner sein kann. Welche Folgen könnte das für Landwirtschaft und Wassernutzung haben?

Musterlösung und Grenze

Im Juli treffen 27 °C auf nur 5 mm Niederschlag; der Sommer ist trocken. Im Januar fallen 80 mm bei 10 °C. Im Sommer kann Bewässerung nötig sein, gleichzeitig steigt der Druck auf knappe Wasserreserven. Anbau, Bodeneigenschaften und Nutzung beeinflussen die Landschaft ebenfalls. Ein Bild beweist deshalb keine genauen Klimawerte.

Zeichne selbst ein Klimadiagramm

  1. Nutze die Tabelle von A. Schreibe „Modell A – Übungsdaten“ als Titel.
  2. Trage Januar bis Dezember in gleichen Abständen auf der waagerechten Achse ein.
  3. Wähle links eine Temperaturskala und rechts eine Niederschlagsskala. Für die gekoppelte Darstellung liegen 10 °C und 20 mm auf gleicher Höhe; die Nulllinien stimmen überein.
  4. Zeichne die Niederschlagssäulen ab 0 mm. Markiere die Temperaturpunkte und verbinde sie.
  5. Ergänze Einheiten, Legende und berechnete Jahreswerte. Kontrolliere Januar, Juli und November anhand der Tabelle.

Zum Einstieg kannst du Temperatur und Niederschlag auch in zwei getrennten Diagrammfeldern zeichnen. Dann darfst du ihre Höhen nicht direkt mit der Trockenheitsregel vergleichen. Das passende Zeichen-Arbeitsblatt unten nutzt diese übersichtliche Form.

Teste dein Wissen

Wähle jeweils eine Antwort. Mit „Antworten prüfen“ erhältst du Rückmeldung. Die Erklärungen lassen sich auch einzeln öffnen.

1. Was zeigt die rote Linie in unseren Diagrammen?

Lösung mit Erklärung

Die Linie verbindet die langjährigen Monatsmittel der Temperatur.

2. Wie erhältst du den Jahresniederschlag?

Lösung mit Erklärung

Die monatlichen Niederschlagswerte werden zur Jahressumme addiert.

3. Wie groß ist die Temperaturamplitude von A?

Lösung mit Erklärung

18 °C minus 6 °C ergibt 12 °C.

4. Welche Aussage passt zu Modell B?

Lösung mit Erklärung

B besitzt kalte Winter und warme Sommer mit einer Amplitude von 29 °C.

5. Ein Monat hat 20 °C und 25 mm. Wie wird er nach P < 2T eingeordnet?

Lösung mit Erklärung

25 mm sind weniger als 2 · 20 = 40 mm. Nach der vereinfachten Regel ist der Monat arid.

6. Kann ein Klimadiagramm das Wetter am nächsten Dienstag vorhersagen?

Lösung mit Erklärung

Langjährige Monatswerte sind keine Vorhersage für einen einzelnen Tag.

Transfer: gleiche Jahressumme – gleiches Klima?

Zwei Orte haben jeweils 600 mm Jahresniederschlag. Am ersten fällt er gleichmäßig, am zweiten fast nur im Winter. Haben beide dieselben Bedingungen für Pflanzen?

Musterlösung: Nein. Entscheidend sind auch jahreszeitliche Verteilung und Temperatur. Ein heißer, trockener Sommer kann trotz gleicher Jahressumme Wasserstress verursachen.

Für den Unterricht

Klasse 6–8 · 1–2 Unterrichtsstunden. Grundlagen: A beschreiben und Kenngrößen berechnen. Aufbau: B und C vergleichen, Ursachen vermuten und mit Karten prüfen. Vertiefung: aride/humide Monate und Grenzen von Diagrammaussagen. Die Trockenheitsregel kann je nach Lehrplan später behandelt werden.

Sicherung: Eine eigene Diagrammbeschreibung mit mindestens drei Zahlenbelegen schreiben. Partnerprüfung: Sind Einheiten, Zeitraum, Niederschlagsverteilung und Begründung vorhanden?

Abdeckung, Datenhinweis und Quellen

Abgedeckt: Achsen, Monatswerte, Bezugszeitraum, Jahresmittel, Jahressumme, Amplitude, Jahresgang, Hemisphärenhinweis, Klima-Vergleich, Zeichenanleitung, Trockenheitsregel und Datenkritik. Alle drei Tabellen sind selbst erstellte Modelldaten. Sie dienen dem Methodenlernen; für eine reale Raumanalyse müssen Stationsdaten mit Lage, Höhe und Messperiode genutzt werden.

Lehrplanorientierung: Baden-Württemberg, Sekundarstufe I 5/6: Grundlagen von Wetter und Klima; Bayern, Gymnasium 7: Arbeitstechniken und Naturgeographie Europas. Klassenangaben sind Richtwerte; die Zuordnung unterscheidet sich nach Schulform und Bundesland.

Fachlicher Bezug: Weltorganisation für Meteorologie: Klima und Deutscher Wetterdienst: Klimaüberwachung.

Passendes Material zum Weiterlernen

Passend zum Lernziel: kostenlose PDFs mit Lösungen auf Lernmarktplatz.

Vorschau: Klimadiagramme zeichnen und vergleichen

Klimadiagramme zeichnen und vergleichen

Klimawerte in getrennte Diagrammfelder übertragen und vergleichen.

Arbeitsblatt ansehen →
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