Abtragen
Im Eis mitgeführte Steine schleifen am Fels. Eis kann Gesteinsstücke lösen und mitnehmen. Diese Vorgänge heißen glaziale Erosion.
Geografie · Landschaften verstehen · Klasse 5–9
Wie wird aus Schnee ein fließender Eisstrom? Entdecke Gletscheraufbau, eiszeitliche Spuren und das Leben im Gebirge.

Das kannst du danach: den Aufbau eines Gletschers erklären, Landschaftsformen erkennen, eine Massenbilanz berechnen und Nutzung sowie Schutz im Gebirge beurteilen.
Ein Gletscher ist eine große, über längere Zeit bestehende Eismasse auf dem Land, die sich unter ihrem eigenen Gewicht bewegt. Er ist weder einfach ein zugefrorener See noch ein Schneefeld. Gletscher kommen in Hochgebirgen und in kalten Polarregionen vor. Die großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis bedecken ganze Landschaften.
Merke: Auch ein schrumpfender Gletscher kann talwärts fließen. Beim „Rückzug“ wandert sein Ende bergwärts, weil dort mehr Eis verloren geht, als nachgeliefert wird. Das Eis fließt deshalb nicht rückwärts.
Suche das helle Schneegebiet, die freiliegende Eisfläche, Schuttbänder und den Schmelzwasserbach. Beschreibe zuerst, was du siehst.
Erklärung: Diese Merkmale passen zu Nähr- und Zehrgebiet, Moränen und Abfluss. Ob der ganze Gletscher in einem bestimmten Jahr Masse gewonnen hat, lässt sich aus einem einzelnen Bild nicht sicher bestimmen. Dafür braucht man Messungen oder vergleichbare Aufnahmen über längere Zeit.
Akkumulation ist Massenzuwachs, vor allem durch Schnee. Ablation ist Massenverlust, etwa durch Schmelzen; auch der direkte Übergang von Eis in Wasserdampf (Sublimation) und das Abbrechen von Eis können dazugehören. Die Massenbilanz ist Zuwachs minus Verlust über einen festgelegten Zeitraum.
Jahresbilanz-Modell: Die Werte gelten als Mittel über die Gletscherfläche. „Meter Wasseräquivalent“ bedeutet die entsprechende Wasserhöhe nach dem Schmelzen; so lassen sich Schnee und Eis mit unterschiedlicher Dichte vergleichen.
2,0 − 2,5 = −0,5 m Wasseräquivalent: Im Modell geht Masse verloren.
Didaktisches Rechenmodell, keine Vorhersage für einen bestimmten Gletscher.

Im Eis mitgeführte Steine schleifen am Fels. Eis kann Gesteinsstücke lösen und mitnehmen. Diese Vorgänge heißen glaziale Erosion.
Der Gletscher bewegt Schutt unterschiedlicher Größe: feines Material, Kies und große Blöcke. Ein weit verfrachteter großer Block wird Findling genannt.
Beim Abschmelzen bleibt Material zurück. Eisablagerungen sind oft unsortiert; Schmelzwasser kann Material dagegen sortieren und schichten.
| Form | So entsteht sie | Daran erkennst du sie |
|---|---|---|
| Trogtal / U-Tal | Ein Gletscher vertieft und verbreitert ein vorhandenes Tal. | Breiter Talboden und steile Flanken; der Querschnitt ähnelt einem U. Flusstäler sind häufig stärker V-förmig. |
| Kar und Karsee | Erosion im Ursprungsgebiet eines Gebirgsgletschers formt eine kesselartige Vertiefung. | Steile Rückwand und rundliche Mulde; nach dem Abschmelzen kann sich Wasser sammeln. |
| Hängetal | Ein kleiner Seitengletscher schürft sein Tal oft weniger tief aus als der Hauptgletscher. | Das Seitental mündet hoch über dem Haupttal, häufig mit einem Wasserfall. |
| Moränen | Gesteinsmaterial wird vom Eis bewegt und abgelagert. | Grundmoräne unter dem Eis; Seiten- und Mittelmoränen am beziehungsweise im Gletscher; Endmoränenwälle an früheren Eisrändern. |
| Zungenbecken und See | Eis kann im Untergrund ein Becken ausschürfen; Schwellen oder Ablagerungen können Wasser aufstauen. | Manche Seen im Alpenvorland liegen in ehemals vergletscherten Becken. |
| Fjord | Ein tief ausgeschürftes Gletschertal wird vom Meer überflutet. | Langgestreckter, oft tiefer Meeresarm mit steilen Hängen, zum Beispiel in Norwegen. |
Nicht verwechseln: Gletscher formen Gebirge um. Die Alpen entstanden wesentlich durch Plattenbewegungen, Zusammenstoß, Verformung und Hebung – nicht durch das Eis allein. Mehr zur Gebirgsbildung →
Während kalter Abschnitte der jüngeren Erdgeschichte breiteten sich Eismassen weit über heutige Gletschergebiete aus. Skandinavisches Inlandeis erreichte Teile Norddeutschlands; Alpengletscher reichten in das Alpenvorland. Dazwischen gab es große eisfreie Räume mit kaltem Klima. Deutschland war nicht vollständig von Eis bedeckt.
Im alltäglichen Sprachgebrauch meint „Eiszeit“ oft eine Kaltzeit. Genauer unterscheidet man innerhalb eines langen Eiszeitalters Kalt- und Warmzeiten. Wir leben in der Warmzeit des Holozäns, die vor rund 11.700 Jahren begann. Frühere Klimawechsel erklären die alten Landschaftsformen; daraus folgt nicht, dass der heutige, überwiegend menschengemachte Erwärmungstrend dieselbe Ursache hat.
Das ist ein Idealmodell: Mehrere Vorstöße und spätere Flüsse verändern und überlagern die Formen. Eine vollständige Serie liegt nicht überall nebeneinander. Die norddeutschen Urstromtäler lassen sich nicht einfach als identisches Muster auf jedes Alpental übertragen.
Suche die Alpen, das Alpenvorland, die Mecklenburgische Seenplatte und Norwegens Westküste. Ordne zu: Trogtal – Zungenbecken/See – Grund- und Endmoränenlandschaft – Fjord.
Muster: Trogtäler in den Alpen; glazial geprägte Becken und Seen im Alpenvorland; Moränenlandschaften mit Seen in Norddeutschland; Fjorde an Norwegens Westküste. Nicht jeder See ist eiszeitlich entstanden. Prüfe die Legende und die Zusatzinformationen der Karte.
Mit der Höhe wird es im Mittel kälter. Vegetation und Nutzung verändern sich: vom Tal mit Siedlungen und Landwirtschaft über Bergwald und alpine Matten bis zu vegetationsarmen Fels- und Schuttflächen sowie Schnee und Eis. Höhenstufen liegen nicht überall auf derselben Höhe: Breitenlage, Hangrichtung, Niederschlag und menschliche Nutzung wirken mit.
| Nutzung | Chance | Belastung oder Grenze |
|---|---|---|
| Landwirtschaft und Almwirtschaft | Wiesen, Weiden und regional erzeugte Lebensmittel; Pflege einer Kulturlandschaft. | Kurze Vegetationszeit, steile Hänge und Erosionsrisiko; intensive Nutzung kann empfindliche Lebensräume verändern. |
| Tourismus | Arbeitsplätze, Erholung und Einnahmen für Gemeinden. | Verkehr, Flächenverbrauch und Eingriffe durch Pisten oder Liftanlagen; veränderte Schneeverhältnisse erschweren manche Angebote. |
| Wasser und Energie | Schnee und Eis speichern Wasser zeitweise; Wasserkraft nutzt Gefälle. | Abfluss ist saisonal veränderlich. Stauseen und Wasserentnahme verändern Lebensräume und konkurrieren mit anderen Nutzungen. |
| Verkehr und Siedlungen | Täler und Pässe verbinden Regionen. | Wenig nutzbare Fläche und empfindliche Lebensräume; Risiken durch Naturgefahren und Nutzungskonflikte. |
Über längere Zeit negative Massenbilanzen lassen Gletscher dünner werden und meist zurückweichen. Wärmere Luft erhöht oft die Schmelze und kann den Anteil des als Schnee fallenden Niederschlags verringern. Ein einzelnes schneereiches Jahr widerlegt einen langjährigen Verlust nicht.
Anfangs kann stärkere Schmelze zusätzliches Wasser liefern. Wenn der Eisspeicher klein wird, kann später besonders im Sommer weniger Gletscherwasser zur Verfügung stehen.
Gletscherrückzug kann neue Seen freilegen. Instabile natürliche Dämme und auftauender Permafrost können lokale Gefahren verstärken. Permafrost ist dauerhaft gefrorener Untergrund, kein Gletscher.
Schmelzendes Landeis trägt zum Meeresspiegelanstieg bei. Neu eisfreie Flächen werden besiedelt, während kälteliebende Arten und bisherige Nutzungen unter Druck geraten.
| Naturgefahr | Grundprinzip | Mögliche Vorsorge |
|---|---|---|
| Lawine | Schneemassen bewegen sich hangabwärts; Auslösung und Reichweite hängen von vielen Faktoren ab. | Gefahrenkarten, Warnungen, angepasste Raumnutzung, Schutzwald und geeignete technische Maßnahmen. |
| Felssturz / Steinschlag | Gestein löst sich von einem Hang, etwa bei ungünstigen Kluft- und Wasserverhältnissen. | Beobachtung gefährdeter Hänge, Sperrungen und räumliche Vorsorge; Schutzbauten nur standortbezogen. |
| Mure / Gletscherseeausbruch | Wasser kann große Mengen lockeren Materials mitführen; ein natürlicher Seeverschluss kann versagen. | Überwachung, Frühwarnung und Freihalten gefährdeter Abflusswege. |
Beurteilen statt Patentlösung: Klimaschutz begrenzt langfristige Erwärmung. Anpassung hilft vor Ort, zum Beispiel mit diversifiziertem Tourismus, Wassermanagement und Raumplanung. Einzelne Eisflächen abzudecken ersetzt keinen Klimaschutz und schützt keinen ganzen Gebirgsraum.
Ein Tal möchte ein Skigebiet höher hinauf erweitern. Gleichzeitig werden Sommerwanderwege, öffentlicher Verkehr und eine sparsame Wassernutzung diskutiert. Vergleiche aus Sicht von Gemeinde, Beschäftigten, Naturschutz und Landwirtschaft.
Muster: Höhere Anlagen können kurzfristig Einnahmen versprechen, benötigen aber Investitionen, Fläche und eine realistische Klimabetrachtung. Breiter aufgestellter Tourismus kann Abhängigkeiten verringern, belastet jedoch ebenfalls Wege und Natur. Öffentlicher Verkehr kann den Autoverkehr reduzieren. Eine Entscheidung braucht Daten zu Schneesicherheit, Kosten, Wasser, Schutzgebieten und Beschäftigung. Schutz und wirtschaftliche Entwicklung müssen anhand konkreter Kriterien abgewogen werden.
Basis, etwa Klasse 5–7: Entstehung und Aufbau, Erosion–Transport–Ablagerung, Landschaftsformen und regionale Beispiele. Vertiefung, etwa Klasse 7–9: Massenbilanz, glaziale Serie, vernetzte Folgen und begründetes Bewerten.
Die Seite eignet sich für zwei bis drei Unterrichtsstunden oder einzelne Bausteine: Bildbeobachtung → beschriftete Skizze → Modellrechnung → Atlasauftrag → Urteil. Für die Oberstufe wären etwa quantitative Gletscherbilanzen, Datenauswertung und genauere Prozessmodelle zusätzlich nötig.
Abschlussauftrag: Zeichne einen Talgletscher mit sechs Begriffen. Erkläre anschließend ohne Zeichnung, wie aus einer vereisten Landschaft ein Trogtal mit Moränen und Seen werden kann.
Übe das Thema anschließend auf Papier. Diese passenden Materialien gibt es auf Lernmarktplatz:

Entstehung, Bewegung und Wirkung des Eises mit Lösungen üben.
Material ansehen →
Höhenstufen, Vegetation und Nutzung im Gebirge vergleichen.
Material ansehen →
Chancen, Belastungen und Anpassung des Alpentourismus beurteilen.
Material ansehen →Orientierung: LehrplanPLUS Bayern, Gymnasium 5: Alpen und Alpenvorland; Baden-Württemberg, Sek I 5/6: Naturräume und Nutzung. Klassenstufen sind Richtwerte. Die Seite bündelt zentrale schulische Inhalte; die genaue Zuordnung hängt von Schulform und Bundesland ab.
Fachliche Vertiefung: NSIDC: Science of Glaciers, Gletscher und Landschaften, LfU Bayern: Schotterplatten- und Altmoränenlandschaft.