Du rechnest mit Wachstums- und Zerfallsfaktoren, bestimmst Bestände und Modelle und prüfst Zeiteinheiten sowie Modellgrenzen.
Voraussetzungen ansehen
Prozentrechnung, Potenzen und Wurzeln.
01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten
Was kannst du schon?
3 kurze Aufgaben
Bestimme einen Wachstumsfaktor, einen Modellwert und einen Faktor über mehrere Zeitschritte.
Gib den Wert als Zahl mit Komma oder Punkt ein, ohne Einheit bzw. Prozentzeichen. Brüche wie 1/2 sind möglich. Beachte eine verlangte Rundung. Entscheidungen: ja oder nein.
02 · Verstehen
Was bedeutet exponentielles Wachstum?
Immer derselbe Faktor
100 → 120 → 144 → 172,8
Jeder Schritt bedeutet mal 1,2, also 20 % mehr als im vorherigen Schritt. Der Zuwachs in Zahlen wird dabei größer.
Bei exponentiellem Wachstum wird eine Größe in gleich langen Zeitabschnitten immer mit demselben Faktor multipliziert. Der prozentuale Zuwachs bleibt gleich, der absolute Zuwachs verändert sich.
Beispiel: Eine Modellpopulation wächst pro Tag um 20 %. Aus 100 werden 120, danach 144 und danach 172,8. Die Zuwächse sind 20, 24 und 28,8. Dezimalwerte können in einem Modell auftreten, auch wenn man einzelne Lebewesen nur ganzzahlig zählen kann.
Ein exponentielles Modell beschreibt eine angenommene Entwicklung. In der Realität können begrenzte Ressourcen oder veränderte Bedingungen dazu führen, dass ein konstanter Wachstumsfaktor nur zeitweise passt.
Die Funktionsgleichung verstehen
Die Regel
N(t) = N₀ · qt
N₀ ist der Anfangswert bei t = 0. q ist der Faktor pro Zeiteinheit. t zählt die verstrichenen Zeiteinheiten. Für Bestandsmodelle verwenden wir N₀ > 0 und q > 0.
Faktor
Entwicklung
Beispiel
q > 1
Wachstum
q = 1,2: 20 % Zunahme pro Schritt
0 < q < 1
Abnahme oder Zerfall
q = 0,8: 20 % Abnahme pro Schritt
q = 1
Konstanter Bestand
Der Anfangswert bleibt erhalten
Bei einer Exponentialfunktion steht die Variable im Exponenten, etwa f(x) = 2ˣ. Das unterscheidet sie von der Potenzfunktion f(x) = x². Im mathematischen Grundmodell N₀ · qᵗ ist der Definitionsbereich für q > 0 ganz ℝ; bei einer Zeitaufgabe betrachten wir meist t ≥ 0 oder nur ganze Zeitschritte.
Eine Exponentialfunktion mit q ≠ 1 und positivem Anfangswert bleibt positiv. Sie schneidet die waagerechte Achse nicht. Ihr Schnittpunkt mit der senkrechten Achse liegt bei (0 | N₀).
Prozentsatz in Wachstumsfaktor umrechnen
Bei einer Zunahme um p % bleiben die bisherigen 100 % erhalten und p % kommen hinzu. Bei einer Abnahme um p % bleiben 100 % − p % übrig.
Die Regel
Zunahme: q = 1 + p100
Die Regel
Abnahme: q = 1 − p100
Änderung pro Zeiteinheit
Faktor
+5 %
1,05
+30 %
1,30
−5 %
0,95
−30 %
0,70
Umgekehrt bedeutet q = 1,08 eine Zunahme um 8 %. q = 0,92 bedeutet eine Abnahme um 8 %. Für das positive Zerfallsmodell liegt die prozentuale Abnahme zwischen 0 % und 100 %.
20 % Zunahme bedeutet mal 1,2, nicht mal 0,2. Der Faktor 0,2 würde nur 20 % des vorherigen Bestands übrig lassen.
Einen Bestand nach mehreren Schritten berechnen
Beispiel · Schritt für Schritt
Berechne den Bestand nach drei Wochen
Anfangswert: 250 +8 % pro Woche; 3 Wochen
Wachstum: Eine Größe startet bei 250 und nimmt pro Woche um 8 % zu. Gesucht ist der Wert nach drei Wochen.
RechnungErklärung zum Schritt
N₀ = 250
1 Anfangswert notieren
Notiere den Anfangswert.
q = 1 + 0,08 = 1,08
2 Wochenfaktor bestimmen
8 % Zunahme pro Woche bedeutet den Wochenfaktor 1,08.
t = 3
3 Zeit passend einsetzen
Die Zeit wird in Wochen eingesetzt, passend zum Faktor.
N(3) = 250 · 1,08³
4 Modell aufstellen
Setze Anfangswert, Faktor und Zeit in das Modell ein.
N(3) = 314,928
5 Wert berechnen
Berechne zuerst die Potenz, dann das Produkt.
N(3) ≈ 314,93
6 Am Ende runden
Der Wert beträgt nach drei Wochen ungefähr 314,93. Runde passend zur Aufgabenstellung erst am Ende.
Beispiel · Schritt für Schritt
Berechne die verbleibende Menge
Anfangsmenge: 500 g −10 % pro Stunde; 4 Stunden
Abnahme: Eine Modellmenge von 500 g nimmt pro Stunde um 10 % ab. Nach vier Stunden bleibt:
RechnungErklärung zum Schritt
q = 1 − 0,10 = 0,9
1 Abnahmefaktor bestimmen
Bei 10 % Abnahme bleiben in jeder Stunde 90 % der vorherigen Menge.
N(4) = 500 g · 0,9⁴
2 Werte in das Modell einsetzen
Setze den Anfangswert 500 g und vier Stunden ein. Der Faktor gilt pro Stunde.
N(4) = 328,05 g
3 Restmenge berechnen
Nach vier Stunden bleibt diese Modellmenge. Rechne bis zum Ergebnis ohne Zwischenrundung.
Es werden in jeder Stunde 10 % der jeweils noch vorhandenen Menge abgezogen. Deshalb darfst du nicht viermal 50 g vom Anfangswert abziehen.
Lineares und exponentielles Wachstum vergleichen
Zeit t
Linear: jeweils +50
Exponentiell: jeweils ·1,5
0
100
100
1
150
150
2
200
225
3
250
337,5
4
300
506,25
5
350
759,375
Blau: 100 · 1,5ᵗ. Grün: 100 + 50 · t. Beide starten bei 100 und erreichen nach einem Schritt 150. Danach unterscheiden sie sich deutlich.
Beim linearen Modell ist die Differenz aufeinanderfolgender Werte gleich. Beim exponentiellen Modell ist ihr Quotient gleich. Die Zeitabstände müssen für diesen Vergleich jeweils gleich groß sein.
Zwei Messwerte allein reichen nicht aus, um sicher zwischen beiden Modellen zu entscheiden. Im Beispiel stimmen sogar die ersten beiden Werte überein. Weitere Werte und Wissen über den Vorgang helfen bei der Modellwahl.
Ein Modell aus gegebenen Werten bestimmen
Sind Anfangswert und Wert nach einem Schritt bekannt, erhältst du den Faktor durch Division:
Die Regel
q = N(1)N₀
Beispiel · Schritt für Schritt
Bestimme den täglichen Faktor und das Modell
Zu Beginn: 80 Nach 1 Tag: 100
RechnungErklärung zum Schritt
N₀ = 80, N(1) = 100
1 Gegebene Werte zuordnen
Beispiel: Aus 80 werden nach einem Tag 100.
q = 100 : 80 = 1,25
2 Tagesfaktor berechnen
Teile den Wert nach einem Tag durch den Anfangswert.
N(t) = 80 · 1,25t
3 Modell angeben
Dieses Modell gilt unter der Annahme, dass derselbe Faktor täglich gilt. Setze t in Tagen ein.
Beispiel · Schritt für Schritt
Bestimme den konstanten Jahresfaktor
Zu Beginn: 200 Nach 2 Jahren: 242
Liegen mehrere Schritte dazwischen, ist der Quotient zunächst der Gesamtfaktor. Beispiel: Aus 200 werden in zwei Jahren 242.
RechnungErklärung zum Schritt
q² = 242 : 200
1 Gesamtfaktor ansetzen
Der Quotient ist der Gesamtfaktor über zwei Jahre. Bei konstantem Jahresfaktor entspricht er q².
q² = 1,21
2 Quotienten berechnen
Berechne den Gesamtfaktor.
q = √1,21 = 1,1
3 Jahresfaktor bestimmen
Ziehe die positive Quadratwurzel, denn im Bestandsmodell gilt q > 0. Pro Jahr wird mit 1,1 multipliziert.
Bei konstantem jährlichem Faktor bedeutet das 10 % Zunahme pro Jahr. Ein Gesamtzuwachs von 21 % über zwei Jahre entspricht hier also nicht 10,5 % pro Jahr.
Verdopplungszeit und Halbwertszeit
Die Verdopplungszeit ist die Zeit, in der sich ein exponentiell wachsender Bestand verdoppelt. Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der ein exponentiell abnehmender Bestand auf die Hälfte sinkt.
Bei einer Verdopplung alle drei Stunden kannst du das Modell direkt schreiben als:
Beispiel · Schritt für Schritt
Vergleiche den Bestand nach drei und sechs Stunden
Verdopplung alle 3 Stunden
N(t) = N₀ · 2t3
RechnungErklärung zum Schritt
3 : 3 = 1
1 Verdopplungszeiten zählen
Dabei wird t in Stunden eingesetzt. Nach drei Stunden ist eine Verdopplungszeit vergangen.
N(3) = N₀ · 2¹ = 2N₀
2 Bestand nach drei Stunden
Nach drei Stunden hat sich der Anfangswert verdoppelt.
6 : 3 = 2
3 Zwei Zeitabschnitte zählen
Nach sechs Stunden sind zwei Verdopplungszeiten vergangen.
N(6) = N₀ · 2² = 4N₀
4 Bestand nach sechs Stunden
Zwei Verdopplungen ergeben den vierfachen Anfangswert.
Bei einer Halbierung alle vier Tage lautet das Modell:
Beispiel · Schritt für Schritt
Vergleiche den Bestand nach vier und acht Tagen
Halbierung alle 4 Tage
N(t) = N₀ · 0,5t4
RechnungErklärung zum Schritt
4 : 4 = 1
1 Halbwertszeiten zählen
Hier wird t in Tagen eingesetzt. Nach vier Tagen ist eine Halbwertszeit vergangen.
N(4) = N₀ · 0,5
2 Bestand nach vier Tagen
Nach vier Tagen bleibt die Hälfte.
8 : 4 = 2
3 Zwei Zeitabschnitte zählen
Nach acht Tagen sind zwei Halbwertszeiten vergangen.
N(8) = N₀ · 0,25
4 Bestand nach acht Tagen
Zweimal halbieren bedeutet mit 0,5² = 0,25 zu multiplizieren. Nach acht Tagen bleibt ein Viertel.
Bei einem beliebigen Faktor lässt sich die gesuchte Zeit später mithilfe von Logarithmen bestimmen.
Ein Modell prüfen und typische Fehler vermeiden
Zeit und Faktor passen nicht zusammen: Bei einem Monatsfaktor musst du t in Monaten einsetzen.
Prozentzahl statt Faktor verwendet: 5 % Wachstum wird zu q = 1,05.
Immer denselben Betrag addiert: Das wäre ein lineares Modell.
Zu früh gerundet: Besonders bei vielen Schritten kann sich der Fehler verstärken.
Modell grenzenlos fortgeschrieben: Prüfe, über welchen Zeitraum die Annahmen sinnvoll sind.
Setze t = 0 ein: Du musst den Anfangswert erhalten. Prüfe zusätzlich den Wert nach einem Schritt. Beim Zerfall bleibt der Bestand im Modell positiv und nähert sich mit zunehmender Zeit der 0 an.
03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten
Übe in deinem Tempo
18 Aufgaben · 3 Stufen
Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Ein exponentielles Modell setzt einen konstanten Faktor pro gleich langem Zeitschritt voraus. Dezimale Bestände sind Modellwerte. Runde erst am Ende und beachte die Zeiteinheit.
Freiwillig, ohne Anmeldung. Auf gemeinsam genutzten Geräten besser ausgeschaltet lassen. Deine Eingaben werden nicht gespeichert.
04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten
Wie sicher bist du jetzt?
5 gemischte Aufgaben
Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.
Lieber auf Papier? Weitere Aufgaben mit Rechenwegen
Dein Wissen anwenden
Sechs Aufgaben zum Selbstcheck
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
1 · Welcher Faktor gehört zu 12 % Wachstum pro Jahr?
Lösung und Rechenweg ansehen
Lösung · Schritt für Schritt
Bestimme den Wachstumsfaktor
+12 % pro Jahr
RechnungErklärung zum Schritt
100 % + 12 % = 112 %
1 Gesamtanteil bestimmen
Die bisherigen 100 % bleiben erhalten, 12 % Zuwachs kommen hinzu.
q = 112 : 100 = 1,12
2 In einen Faktor umwandeln
Wandle die Prozentzahl in den Faktor um. Der Faktor 1,12 gilt pro Jahr.
Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Faktor und Prozentsatz?
Der Faktor gibt an, womit du den bisherigen Wert multiplizierst. Ein Zuwachs um 20 % gehört zum Faktor 1,2.
Wird ein exponentiell abnehmender Bestand irgendwann genau 0?
Im Modell mit positivem Anfangswert und 0 < q < 1 wird er zu keinem endlichen Zeitpunkt genau 0. Er nähert sich der 0 an.
Kann ich aus zwei Werten exponentielles Wachstum beweisen?
Nein. Du kannst unter der Annahme eines exponentiellen Verlaufs ein Modell bestimmen. Ob es den Vorgang beschreibt, musst du mit weiteren Daten oder Sachwissen prüfen.
Notiere den Anfangswert.