Chemie · Klasse 11–13 · Organische Reaktionen

Eliminierung und Alkenbildung

Wie entsteht aus einem Halogenalkan eine Doppelbindung? Erkenne α- und β-Positionen, verfolge den E2-Mechanismus und leite mögliche Alkene ab.

C–C → C=C

β-H entfernen · Abgangsgruppe lösen · π-Bindung bilden

Eliminierung: Aus benachbarten Bindungen entsteht eine Doppelbindung

CCHHHBrHHβ-Cα-C

Strukturzeichnung bei Bedarf seitlich verschieben.

CH₃–CH₂Br + OH⁻ → CH₂=CH₂ + H₂O + Br⁻

Bei einer Eliminierung werden Gruppen von einem Molekül abgespalten. Bei der hier betrachteten β-Eliminierung verliert ein C-Atom eine Abgangsgruppe, das benachbarte C-Atom ein H-Atom. Zwischen diesen beiden C-Atomen entsteht eine Doppelbindung.

Das C-Atom mit der Abgangsgruppe heißt α-C-Atom, seine direkt benachbarten C-Atome heißen β-C-Atome. Im Beispiel wird Bromethan zu Ethen.

Vorwissen: Alkene und Basen als Protonenakzeptoren. Die gezeichneten H- und Br-Positionen erklären die Verknüpfung; sie ersetzen noch keine räumliche Konformationszeichnung.

E2: Drei Elektronenpaarbewegungen in einem Schritt

B⁻HBrB⁻ = Baseübrige Gruppen weggelassen

Strukturzeichnung bei Bedarf seitlich verschieben.

1 · Die Base bindet das β-H

Ein freies Elektronenpaar der Base bildet eine Bindung zum H-Atom am β-C. Die Base nimmt damit ein Proton auf.

2 · Die C–H-Elektronen bilden die π-Bindung

Das Elektronenpaar der gelösten C–H-Bindung bildet die zusätzliche Bindung zwischen α- und β-C. Aus C–C wird C=C.

3 · Die Abgangsgruppe nimmt ihr Bindungspaar mit

Die C–Br-Bindung wird heterolytisch gespalten. Br geht mit beiden Bindungselektronen als Br⁻ ab.

Alles geschieht gleichzeitig. Die drei Punkte erklären den Elektronenfluss, sind aber keine drei zeitlich getrennten Reaktionsschritte. Bei E2 entsteht kein freies Carbokation.

Bei einer anionischen Base B⁻ lautet die allgemeine Bilanz:

R–CH₂–CHBr–R′ + B⁻ → R–CH=CH–R′ + HB + Br⁻

Für E2 müssen H und Abgangsgruppe räumlich passen

Anti-periplanare Anordnung

Die C–H- und C–Br-Bindung liegen bevorzugt in einer Ebene und zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Der Diederwinkel H–C–C–Br beträgt dann 180°.

Warum diese Lage wichtig ist

Die beteiligten Orbitale können so günstig überlappen. Bei beweglichen offenen Ketten ist die Lage oft durch Drehung erreichbar; in starren Ringen kann sie den Reaktionsweg begrenzen.

Eine passende Summenformel genügt nicht: Am benachbarten C muss ein H vorhanden sein, und bei E2 muss die räumliche Anordnung den Elektronenfluss ermöglichen.

2-Brombutan kann zwei verschiedene Alkene bilden

CH₃–CHBr–CH₂–CH₃

H von C1 entfernen

Die Doppelbindung entsteht zwischen C1 und C2: CH₂=CH–CH₂–CH₃. Das Produkt heißt But-1-en.

H von C3 entfernen

Die Doppelbindung entsteht zwischen C2 und C3: CH₃–CH=CH–CH₃. Das Produkt heißt But-2-en; E- und Z-Form sind möglich.

Mit kleinen starken Basen wird häufig das stärker substituierte Alken bevorzugt: hier But-2-en. Das beschreibt die Saytzeff-Regel. Sie ist eine Orientierungshilfe, keine ausnahmslose Produktgarantie.

Sperrige Basen können das weniger substituierte Alken begünstigen. Räumliche Voraussetzungen, Substrat und Bedingungen zählen mit. Die E-Form von But-2-en ist stabiler als die Z-Form; konkrete Mengenverhältnisse folgen daraus allein noch nicht.

Eliminierungs-Labor: Wo entsteht die Doppelbindung?

Ausgangsstoff ist 2-Brombutan. Wähle, an welchem benachbarten C-Atom das H entfernt wird. Das Labor zeigt mögliche Produkte, keine Ausbeuten.

But-1-en · Doppelbindung C1=C2

CH₂C1CHC2CH₂C3CH₃C4

Strukturzeichnung bei Bedarf seitlich verschieben.

H von C1 und Br von C2 werden entfernt. Zwischen C1 und C2 bildet sich die π-Bindung.

Br⁻ und die protonierte Base entstehen zusätzlich. Die Zeichnung von But-2-en legt keine E/Z-Konfiguration fest.

Eliminierung, Substitution und Addition vergleichen

Substitution

CH₃CH₂Br + OH⁻ → CH₃CH₂OH + Br⁻. OH ersetzt Br am C-Atom; es entsteht Ethanol.

Eliminierung

CH₃CH₂Br + OH⁻ → CH₂=CH₂ + H₂O + Br⁻. OH⁻ nimmt ein β-H auf; es entsteht Ethen.

Dasselbe Teilchen kann als Nucleophil oder als Base wirken. Angriff am C führt zur Substitution, Aufnahme eines β-H zur Eliminierung. Welche Reaktion überwiegt, hängt unter anderem von Substrat, Base, Lösungsmittel und Temperatur ab.

Addition: C=C → C–C   |   Eliminierung: C–C → C=C

Die Veränderungen am Kohlenstoffgerüst sind gegenläufig. Die Mechanismen müssen deshalb aber nicht einfach rückwärts identisch ablaufen.

E1 und Wasserabspaltung aus Alkoholen

E1 · erst Abgang, dann Protonenabgabe

(CH₃)₃C–Br → (CH₃)₃C⁺ + Br⁻

Nach dem Abgang nimmt eine Base ein β-Proton auf. Aus dem Carbokation entsteht 2-Methylpropen. Bei E1 ist die Carbokationbildung der langsame Schritt; Umlagerungen sind möglich.

Dehydratisierung · ein Alkohol verliert Wasser

CH₃–CH₂–OH → CH₂=CH₂ + H₂O

Unter geeigneten säurekatalysierten Bedingungen und Erwärmen kann ein Alkohol Wasser abspalten. Durch Protonierung wird aus OH die bessere Abgangsgruppe H₂O. Der genaue Mechanismus hängt vom Alkohol ab; ein freies primäres Ethyl-Carbokation ist keine geeignete allgemeine Erklärung für Ethanol.

Konzentrations-Labor: Was ändert die Geschwindigkeit?

E2: v = k · c(Substrat) · c(Base)

Die Reaktionsordnung beschreibt hier die Abhängigkeit von Substrat und Base, nicht die Zahl der Reaktionsschritte.

E2: 1-fache Geschwindigkeit

Relative Anfangsgeschwindigkeiten bei gleicher Temperatur und unverändertem k. Das Modell sagt keine Produktanteile voraus.

Acht Aufgaben: erst selbst lösen, dann vergleichen

1 · Markiere α- und β-C in CH₃–CH₂Br.

Tipp anzeigen
Beginne beim C-Atom mit Br.
Lösung anzeigen
CH₂Br ist das α-C-Atom. Das benachbarte CH₃ ist das β-C-Atom und trägt die H-Atome, von denen eines entfernt werden kann.

2 · Ergänze: CH₃CH₂Br + OH⁻ → Ethen + …

Tipp anzeigen
Bilanz für H, O und Br sowie die Ladung prüfen.
Lösung anzeigen
CH₂=CH₂ + H₂O + Br⁻. OH⁻ nimmt ein Proton auf; Brom geht als Br⁻ ab. Die Gesamtladung bleibt −1.

3 · Woher stammt das Elektronenpaar der neuen π-Bindung bei E2?

Tipp anzeigen
Betrachte die gelöste C–H-Bindung.
Lösung anzeigen
Aus der C–H-Bindung am β-C. Gleichzeitig bildet die Base ihre Bindung zum H, und das Elektronenpaar der C–Br-Bindung geht zu Br.

4 · Was bedeutet anti-periplanar?

Tipp anzeigen
Beschreibe Ebene und Richtung.
Lösung anzeigen
C–H und C–Abgangsgruppe liegen in einer Ebene und sind entgegengesetzt ausgerichtet; der Diederwinkel H–C–C–Br beträgt 180°.

5 · Welche Positionsisomere können aus 2-Brombutan entstehen?

Tipp anzeigen
C1 und C3 liegen neben dem C2 mit Br.
Lösung anzeigen
H-Abgabe von C1: But-1-en. H-Abgabe von C3: But-2-en. Bei But-2-en sind zusätzlich E/Z-Isomere möglich.

6 · Warum entsteht aus CH₃Br kein Alken durch β-Eliminierung?

Tipp anzeigen
Gibt es ein benachbartes C-Atom?
Lösung anzeigen
Nein. Brommethan besitzt nur ein C-Atom und damit kein β-C mit β-H. Eine C=C-Bindung kann auf diesem Weg nicht entstehen.

7 · Substratkonzentration dreifach, Basenkonzentration doppelt: Wie ändert sich die E2-Geschwindigkeit?

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Nutze v = k · c(Substrat) · c(Base).
Lösung anzeigen
Bei gleichem k steigt die Geschwindigkeit auf das 3 · 2 = 6-Fache. Die Anzahl der Reaktionsschritte bleibt eins.

8 · Bei vollständiger Dehydratisierung von 4,61 g Ethanol: Wie viel Ethen entsteht theoretisch?

Tipp anzeigen
M(Ethanol) ≈ 46,1 g/mol; Verhältnis 1 : 1.
Lösung anzeigen
n(Ethanol) = 4,61/46,1 = 0,100 mol. Es entstehen 0,100 mol Ethen und 0,100 mol Wasser, sofern nur diese Reaktion abläuft.

Kurzer Begriffscheck

Was unterscheidet E2 von E1?

Wähle eine Antwort.

Für den Unterricht: Vom β-H zum Alken

Einstieg: Bei 2-Brombutan α-C und beide β-Positionen markieren.
Partnerarbeit: Vor dem Umschalten im Labor das Produkt selbst zeichnen und anschließend vergleichen.
Sicherung: Mit derselben Ausgangsstruktur Substitution und Eliminierung gegenüberstellen. Aufgabe 6 prüft, ob die notwendige β-Position verstanden wurde.

Kostenlose Materialien zum Weiterüben

Vorschau: Eliminierung und Alkenbildung – kostenloses Chemie-Arbeitsblatt mit Lösungen (PDF)

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Direkt zum Thema: Alkene herleiten und Eliminierung von Substitution unterscheiden.

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Vertiefung: Reaktionstypen und Elektronenpaarpfeile gemeinsam üben.

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Anschluss: Die gebildeten Alkene und ihre Additionsreaktionen verstehen.

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Grundlagen auffrischen: Alkoholstrukturen und Benennung; Schwerpunkt dieses Blatts ist zusätzlich die Oxidation.

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Fachlich weiterführend: OpenStax · E2-Mechanismus, OpenStax · Eliminierung und Saytzeff-Regel

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