Was macht einen Stoff zur Säure oder Base? Verfolge die Übertragung eines Protons und erkenne, weshalb Wasser je nach Reaktionspartner beide Rollen übernehmen kann.
H₃O⁺Unsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
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Säuren geben Protonen ab, Basen nehmen Protonen auf
Zitronensaft enthält Säuren, eine Seifenlösung reagiert meist basisch. Solche Alltagsbeispiele helfen beim Einstieg. Die chemische Erklärung fragt aber genauer: Welche Teilchen reagieren miteinander, und was wird übertragen? Chemikalien werden niemals durch Schmecken geprüft.
Säure: Protonendonator
H+ abgeben
Donator bedeutet Geber. Beispiel: HCl gibt H+ an Wasser ab und wird zu Cl−.
Base: Protonenakzeptor
H+ aufnehmen
Akzeptor bedeutet Empfänger. Beispiel: H2O nimmt dieses H+ auf und wird zu H3O+.
Diese Definition stammt von Brønsted. Eine Protonenübertragung heißt Protolyse. Säure und Base reagieren dabei miteinander.
H⁺ ist das Wasserstoffion. Beim häufigsten Wasserstoffisotop besteht es aus einem Proton. Es wird kein neutrales Wasserstoffatom mit seinem Elektron übertragen. In einer wässrigen Lösung liegt H⁺ nicht als frei herumliegendes, ungebundenes Proton vor; wir schreiben für das hydratisierte Proton vereinfachend H₃O⁺, das Oxoniumion.
Protonenübertragung erkunden: Säure, Base und zugehörige Paare erkennen
Beginne bei „HCl und Wasser“. Verfolge das übertragene H+ und vergleiche die Formeln vorher und nachher. Wechsle dann zu „Ammoniak und Wasser“: Übernimmt Wasser dieselbe Rolle?
HCl gibt ein Proton ab; Wasser nimmt es auf. Die Säure-Base-Paare sind HCl/Cl⁻ und H₃O⁺/H₂O. In verdünnter wässriger Lösung liegt das Gleichgewicht sehr weit auf der Produktseite.
Vorhersagen und überprüfen: Ist Wasser bei HCl und bei Ammoniak jeweils die Base?
Erklärung nach dem Ausprobieren öffnen
Nein. Gegenüber HCl nimmt Wasser ein Proton auf und ist die Base. Gegenüber NH₃ gibt Wasser ein Proton ab und ist die Säure. Wasser kann beide Rollen übernehmen und heißt deshalb Ampholyt.
HCl in Wasser: Protonenübertragung und Ladungsbilanz Schritt für Schritt
HCl + H2O → Cl⁻ + H3O⁺
1. Vorher und nachher vergleichen: Aus HCl wird Cl⁻. Das Teilchen hat ein H⁺ abgegeben. HCl ist deshalb in dieser Reaktion die Säure.
2. Den Empfänger suchen: Aus H₂O wird H₃O⁺. Wasser hat ein H⁺ aufgenommen und ist hier die Base. Es entstehen Oxoniumionen, die das saure Verhalten der Lösung erklären.
3. Die Bilanz prüfen: Auf beiden Seiten stehen insgesamt drei Wasserstoffatome, ein Sauerstoffatom und ein Chloratom. Links ist die Gesamtladung null; rechts heben sich +1 und −1 auf.
Chlorwasserstoff HCl ist ein Stoff; seine wässrige Lösung heißt Salzsäure. Der Pfeil nach rechts beschreibt die in verdünntem Wasser praktisch vollständige Protonenübertragung. Eine saure Lösung ist nicht einfach eine Ansammlung unveränderter HCl-Moleküle.
Konjugierte Säure-Base-Paare: Genau ein H⁺ Unterschied
Wenn eine Säure H⁺ abgibt, bleibt ihre zugehörige oder konjugierte Base zurück. Diese kann das Proton wieder aufnehmen. Umgekehrt entsteht aus einer Base durch Protonenaufnahme ihre zugehörige Säure.
Ein Säure-Base-Paar unterscheidet sich genau um ein H⁺. Beispiele sind HCl/Cl⁻, H₃O⁺/H₂O und NH₄⁺/NH₃. Die Säure steht in dieser Schreibweise jeweils zuerst. Bei der Protonenabgabe wird die Ladung um eins negativer: Aus NH₄⁺ wird das neutrale NH₃.
Achtung: HCl und H₂O sind im ersten Beispiel die miteinander reagierenden Partner, aber kein konjugiertes Paar. HCl/Cl⁻ ist ein Paar; H₃O⁺/H₂O ist das andere. Suche zum Zuordnen immer dasselbe Teilchengerüst mit genau einem H⁺ Unterschied.
Protonenabgabe: Ein H weniger und die Ladung um eins negativer
Säure
Zugehörige Base
HCl
Cl−
H3O+
H2O
NH4+
NH3
Wasser als Ampholyt: Protonen aufnehmen oder abgeben
NH3 + H2O ⇌ NH4⁺ + OH⁻
Ammoniak NH₃ nimmt von einem Wassermolekül ein Proton auf. Es wird zum Ammoniumion NH₄⁺. Das Wasser gibt dieses Proton ab und wird zum Hydroxidion OH⁻. Hier ist also NH₃ die Base und H₂O die Säure.
Der Gleichgewichtspfeil bedeutet, dass Hin- und Rückreaktion möglich sind. Ammoniak reagiert mit Wasser nur teilweise. Die gebildeten Hydroxidionen machen die Lösung basisch. Eine Base muss daher nicht bereits OH⁻ in ihrer Formel enthalten.
Wasser kann Protonen aufnehmen oder abgeben. Ein solches Teilchen nennt man Ampholyt. Seine Rolle ergibt sich aus der betrachteten Reaktion. „Wasser ist immer nur neutral und reagiert nicht“ wäre deshalb falsch: Neutral beschreibt eine Eigenschaft einer Lösung, nicht das Fehlen aller Säure-Base-Reaktionen.
Base, Lauge und Säurestärke: Die Begriffe unterscheiden
Eine Lauge ist eine basische wässrige Lösung. Löst sich Natriumhydroxid in Wasser, liegen Na⁺ und OH⁻ vor. Das Hydroxidion ist eine Brønsted-Base, weil es H⁺ aufnehmen kann. Natronlauge enthält also Teilchen, die als Protonenempfänger reagieren können.
Stark oder schwach beschreibt, wie weit eine Säure oder Base mit Wasser reagiert. Salzsäure gehört zu den starken Säuren in Wasser, Essigsäure zu den schwachen. Konzentriert oder verdünnt beschreibt dagegen die vorhandene Stoffmenge pro Lösungsvolumen. Eine starke Säure kann stark verdünnt sein.
Welches H wird bei Essigsäure abgegeben?
Essigsäure: O–H-Proton abgeben
Die Carboxylgruppe –C(=O)–OH enthält das bei der üblichen Protolyse abgebbare Proton. Dieses H ist orange markiert.
Acetat: Zugehörige Base
Nach der Abgabe bleibt CH3COO− zurück. Die drei H-Atome der CH3-Gruppe bleiben erhalten.
Gekürzte Strukturformeln: C–H-Bindungen und freie Elektronenpaare sind nicht einzeln dargestellt. Beim Acetat ist eine Grenzstruktur gezeigt; die negative Ladung ist über beide O-Atome verteilt.
Übertragung an Wasser: CH3COOH + H2O ⇌ CH3COO− + H3O+. Man entfernt also nicht beliebig ein H aus der Summenformel.
Neutralisation: Oxonium und Hydroxid reagieren zu Wasser
H3O⁺ + OH⁻ → 2 H2O
Oxonium überträgt ein Proton auf Hydroxid. Es entstehen zwei Wassermoleküle. Bei Salzsäure und Natronlauge bleiben die Natrium- und Chloridionen dabei in Lösung; sie sind an dieser zentralen Protonenübertragung nicht beteiligt.
Ob eine Mischung anschließend sauer, neutral oder basisch ist, hängt von den eingesetzten Stoffmengen und den Stoffarten ab. Gleiche Volumina allein garantieren keine Neutralität. Das berechnen wir auf der eigenen Seite zur Neutralisation genauer.
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Alle 18 Aufgaben mit Lösungen zum Nachlesen
1 · Erkennen und zuordnen
1. Was ist eine Brønsted-Säure?
Immer ein neutrales Molekül ohne Wasserstoff
Ein Protonendonator
Ein Protonenakzeptor
Lösung und Erklärung
Ein Protonendonator
Eine Säure kann H⁺ abgeben. Donator bedeutet Geber.
2. Was ist eine Brønsted-Base?
Ein Protonenakzeptor
Ein Protonendonator
Immer ein Stoff mit OH in seiner Formel
Lösung und Erklärung
Ein Protonenakzeptor
Eine Base kann H⁺ aufnehmen. Dafür muss OH⁻ nicht schon in ihrer Formel stehen.
3. Wie heißt eine Protonenübertragung?
Verdampfung
Kristallisation
Protolyse
Lösung und Erklärung
Protolyse
Bei der Protolyse überträgt eine Säure ein Proton auf eine Base.
4. Welche Formel bezeichnet das Oxoniumion?
H₂
H₃O⁺
OH⁻
Lösung und Erklärung
H₃O⁺
H₃O⁺ ist die vereinfachte Schreibweise für das hydratisierte Proton in Wasser.
5. Was kennzeichnet ein konjugiertes Säure-Base-Paar?
Genau ein H⁺ Unterschied
Genau ein Elektron Unterschied
Identische Formeln und Ladungen
Lösung und Erklärung
Genau ein H⁺ Unterschied
Protonenaufnahme oder -abgabe verbindet die beiden Teilchen.
6. Was ist eine Lauge?
Jeder reine Feststoff mit Wasserstoff
Ein anderes Wort für jede Säure
Eine basische wässrige Lösung
Lösung und Erklärung
Eine basische wässrige Lösung
Lauge bezeichnet eine basische Lösung in Wasser.
2 · Anwenden und erklären
1. HCl + H₂O → Cl⁻ + H₃O⁺: Welche Rolle spielt HCl?
Unbeteiligtes Zuschauerion
Säure
Base
Lösung und Erklärung
Säure
HCl gibt H⁺ an Wasser ab und wird zu Cl⁻.
2. HCl + H₂O → Cl⁻ + H₃O⁺: Welche Rolle spielt Wasser?
Base
Säure
Es wird gar nicht verändert
Lösung und Erklärung
Base
Wasser nimmt H⁺ auf und wird zu H₃O⁺.
3. Welche Base gehört zu NH₄⁺?
NH₂⁻
H₃O⁺
NH₃
Lösung und Erklärung
NH₃
Nach Abgabe eines H⁺ bleiben drei H-Atome am Stickstoff; die Ladung sinkt von +1 auf 0.
4. NH₃ + H₂O ⇌ NH₄⁺ + OH⁻: Welche Rolle spielt NH₃?
Zuschauerion
Base
Säure
Lösung und Erklärung
Base
NH₃ nimmt ein Proton auf und wird zu NH₄⁺.
5. NH₃ + H₂O ⇌ NH₄⁺ + OH⁻: Welche Rolle spielt Wasser?
Säure
Base
Immer nur Lösungsmittel ohne Reaktion
Lösung und Erklärung
Säure
Wasser gibt hier H⁺ ab und wird zu OH⁻.
6. Welche konjugierte Base entsteht bei der üblichen Protolyse von Essigsäure CH₃COOH?
CH₂COOH⁻
CH₃COOH₂⁺
CH₃COO⁻
Lösung und Erklärung
CH₃COO⁻
Das Proton der Carboxylgruppe wird abgegeben. Die drei H der CH₃-Gruppe bleiben erhalten.
3 · Prüfen und übertragen
1. Warum sind HCl und H₂O in ihrer Reaktion kein konjugiertes Paar?
Weil konjugierte Paare nie zusammen vorkommen
Sie unterscheiden sich nicht nur um ein H⁺
Weil beide ungeladen sind
Lösung und Erklärung
Sie unterscheiden sich nicht nur um ein H⁺
HCl/Cl⁻ und H₃O⁺/H₂O sind die zugehörigen Paare. Reaktionspartner sind nicht automatisch ein Paar.
2. Was macht Wasser zum Ampholyten?
Es kann je nach Partner H⁺ aufnehmen oder abgeben
Es kann keine Säure-Base-Reaktion eingehen
Es enthält immer gleich viele Moleküle wie die Säure
Lösung und Erklärung
Es kann je nach Partner H⁺ aufnehmen oder abgeben
Seine Rolle ergibt sich aus der jeweiligen Protonenübertragung.
3. Welche Aussage unterscheidet „stark“ und „konzentriert“ richtig?
Beide Begriffe bedeuten dasselbe
Eine starke Säure kann niemals verdünnt sein
Stärke betrifft die Reaktion mit Wasser, Konzentration die Menge pro Volumen
Lösung und Erklärung
Stärke betrifft die Reaktion mit Wasser, Konzentration die Menge pro Volumen
Auch eine stark verdünnte Salzsäure enthält eine in Wasser starke Säure.
4. Warum kann Ammoniak eine Base sein, obwohl seine Formel kein OH⁻ enthält?
NH₃ enthält versteckte Sauerstoffatome
Es nimmt von Wasser H⁺ auf, wobei OH⁻ entsteht
Basen brauchen generell keine Teilchen
Lösung und Erklärung
Es nimmt von Wasser H⁺ auf, wobei OH⁻ entsteht
Die Brønsted-Definition verlangt Protonenaufnahme, nicht eine bestimmte OH-Schreibweise.
5. Welche Bilanz stimmt bei HCl + H₂O → Cl⁻ + H₃O⁺?
Atome und Gesamtladung bleiben erhalten
Rechts entsteht insgesamt die Ladung +2
Ein Chloratom wird zu Sauerstoff
Lösung und Erklärung
Atome und Gesamtladung bleiben erhalten
Links ist die Gesamtladung null, rechts −1 + 1 = 0. Auch jede Atomsorte stimmt überein.
6. Warum garantieren gleiche Volumina einer Säure und Lauge keine neutrale Mischung?
Weil Säuren nie mit Basen reagieren
Weil jede Lauge mehr wiegt als jede Säure
Konzentrationen, Stoffmengenverhältnisse und Stoffarten müssen passen
Lösung und Erklärung
Konzentrationen, Stoffmengenverhältnisse und Stoffarten müssen passen
Gleiches Flüssigkeitsvolumen bedeutet nicht automatisch passende reagierende Stoffmengen.
Wie sicher bist du jetzt?
Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.
Entscheide ohne Nachschlagen. Pro Aufgabe passt genau eine Antwort.
Lösungen mit Erklärungen
H₃O⁺/H₂O – H₃O⁺ gibt H⁺ ab und wird zu H₂O. Das Teilchengerüst bleibt erhalten.
NH₃ und H₂O – NH₄⁺ − H⁺ ergibt NH₃; OH⁻ + H⁺ ergibt H₂O. Die Gesamtladung bleibt null.
Es ist hydratisiert; häufig wird vereinfacht H₃O⁺ geschrieben – Wasser bindet das Proton. H₃O⁺ ist eine vereinfachte Darstellung der Hydratation.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
Weitere Aufgaben zum Selbstcheck
Sechs Aufgaben zum Selbstcheck
Erst selbst lösen, dann die Lösung öffnen.
1 · Was gibt eine Brønsted-Säure ab?
Lösung ansehen
Ein Proton H⁺.
2 · Welche Rolle hat Wasser bei HCl + H₂O → Cl⁻ + H₃O⁺?
Lösung ansehen
Es nimmt H⁺ auf und ist die Base.
3 · Was ist die zugehörige Base von NH₄⁺?
Lösung ansehen
NH₃. Es unterscheidet sich um ein H⁺; die Ladung sinkt von +1 auf 0.
4 · Warum ist NH₃ eine Base, obwohl kein OH in der Formel steht?
Lösung ansehen
Es nimmt ein Proton auf. Bei der Reaktion mit Wasser entstehen dabei OH⁻-Ionen.
5 · Sind eine starke Säure und eine konzentrierte Säure dasselbe?
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Nein. Stärke beschreibt das Reaktionsverhalten mit Wasser, Konzentration die Stoffmenge pro Lösungsvolumen.
6 · Welche Teilchen entstehen aus H₃O⁺ und OH⁻ bei der Neutralisation?
Lösung ansehen
Zwei Wassermoleküle: H₃O⁺ + OH⁻ → 2 H₂O. Atome und Gesamtladung bleiben erhalten.