Wie stark ziehen sich elektrische Ladungen an oder stoßen sich ab? Berechne die Coulombkraft, untersuche den Abstand und addiere Kräfte mit der richtigen Richtung. Mit Vorzeichenmodell, Diagramm und gelösten Aufgaben.
FCUnsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
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Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.
Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.
Lösungen mit Erklärungen
1,8 – F = 9,0 · 10⁹ · 1 · 10⁻⁹ · 2 · 10⁻⁹/0,1² N = 1,8 µN.
Das Coulombgesetz beschreibt die elektrische Kraft zwischen zwei ruhenden Punktladungen. Mit Punktladung meinen wir ein Modell, bei dem die räumliche Ausdehnung der geladenen Körper gegenüber ihrem Abstand vernachlässigbar ist.
F = 14π ε₀ · |q₁ · q₂|r²
q₁ und q₂ sind die Ladungen in Coulomb, r > 0 ihr Abstand in Metern. F ist der positive Kraftbetrag in Newton. Im Vakuum fassen wir den Vorfaktor als k zusammen:
k ≈ 8,99 · 109N · m²C²
Für viele Schulaufgaben in Luft ist diese Konstante eine gute Näherung. In einem geeigneten homogenen linearen Dielektrikum muss dessen Permittivität berücksichtigt werden. Hier rechnen wir durchgehend im Vakuum beziehungsweise mit der Luftnäherung.
Die Kraft wirkt entlang der Verbindungslinie zwischen den Ladungen. Der Abstand bezieht sich auf ihre modellierten Orte; bei weit voneinander entfernten kleinen Kugeln meist auf deren Mittelpunkte, nicht auf den Spalt zwischen den Oberflächen.
Lernschritt 2
Ausprobieren: Anziehung und Abstoßung
Gleichnamig: Abstoßung
Beide Kraftbeträge sind gleich groß. Die Kräfte zeigen in entgegengesetzte Richtungen und greifen an verschiedenen Ladungen an.
r ist der Abstand zwischen den Ladungsorten. Umschalten ändert nur das rechte Vorzeichen, nicht Ladungsbeträge oder Abstand.
Ungleichnamig: Anziehung
Beide Kraftbeträge sind gleich groß. Die Kräfte zeigen in entgegengesetzte Richtungen und greifen an verschiedenen Ladungen an.
r ist der Abstand zwischen den Ladungsorten. Umschalten ändert nur das rechte Vorzeichen, nicht Ladungsbeträge oder Abstand.
Zwei positive oder zwei negative Ladungen stoßen sich ab. Eine positive und eine negative Ladung ziehen sich an. Im Modell ändern wir nur das Vorzeichen der rechten Ladung, nicht ihren Betrag und nicht den Abstand.
Deshalb bleiben die Kraftbeträge beim Umschalten gleich. Beide Kraftpfeile kehren ihre Richtung um. Auf jede Ladung wirkt dabei eine Kraft mit demselben Betrag, auch wenn |q₁| und |q₂| verschieden groß sind.
Die beiden Kräfte greifen an verschiedenen Körpern an. Sie sind ein Wechselwirkungspaar und dürfen nicht als Kräftegleichgewicht an einem einzigen Körper verrechnet werden.
Im Betragsgesetz steht |q₁ · q₂|. Wenn eine Aufgabe eine gerichtete Kraftkomponente verlangt, legst du zusätzlich eine positive Achsenrichtung fest. Ein negatives Ergebnis bedeutet dann „entgegen dieser Achse“ und nicht automatisch „Anziehung“.
Lernschritt 3
Eine Coulombkraft Schritt für Schritt berechnen
Betrag und Richtung werden getrennt bestimmt. Die beiden Kräfte greifen an verschiedenen Ladungen an.
Beispiel · Schritt für Schritt
Eine Coulombkraft berechnen
Gesucht sind Kraftbetrag und Anziehung oder Abstoßung.
Der Abstand ist der Abstand der modellierten Ladungsorte.
r² = (0,040 m)² = 0,0016 m²
2Abstand quadrieren
Erst Zentimeter in Meter umrechnen, dann quadrieren.
F = k · |q₁q₂| / r²
3Betragsformel verwenden
k ≈ 8,99 · 10⁹ N·m²/C². Das Ladungsprodukt hat den Betrag 6,0 · 10⁻¹⁸ C².
F ≈ 3,37 · 10−5 N ≈ 34 µN
4Einsetzen und Einheit angeben
Im Taschenrechner den gesamten Nenner in Klammern setzen.
+ und − → Anziehung
5Kraftrichtungen ergänzen
Jede Kraft zeigt zur anderen Ladung. Die beiden Beträge sind gleich groß.
Ergebnis: Die Ladungen ziehen sich mit jeweils etwa 34 µN an.
Lernschritt 4
Das Abstandsquadratgesetz verstehen
2r₀ → ¼F₀ · 3r₀ → ⅑F₀
Die Kurve zeigt den relativen Kraftbetrag bei unveränderten Ladungen. Beide Achsen sind durch Bezugsgrößen geteilt und deshalb dimensionslos.
Doppelter Abstand bedeutet ein Viertel der Kraft. Die Kurve zeigt den Bereich von r₀ bis 3r₀.
Bleiben die Ladungen unverändert, gilt F proportional zu 1 geteilt durch r². Darum lässt sich eine Änderung oft ohne vollständige Neuberechnung bestimmen:
Abstand verdoppelt: Kraft wird ein Viertel.
Abstand verdreifacht: Kraft wird ein Neuntel.
Abstand halbiert: Kraft wird viermal so groß.
F₂F₁ = (r₁r₂)²
Wirkt anfangs eine Kraft von 8,0 mN, bleiben beim doppelten Abstand 2,0 mN. Soll die Kraft auf die Hälfte sinken, reicht ein Abstandsfaktor 2 nicht: Der Abstand muss mit √2, also ungefähr 1,41, multipliziert werden.
Die Kurve nähert sich für große Abstände null, ohne bei einem endlichen Abstand genau null zu werden. Bei sehr kleinen Abständen realer Körper kann dagegen schon das Punktladungsmodell unpassend sein.
Lernschritt 5
Ladungen und Abstand gleichzeitig verändern
Bei gleichem Abstand ist F proportional zu jedem einzelnen Ladungsbetrag. Verdoppelt sich nur |q₁|, verdoppelt sich F. Verdoppeln sich beide Ladungsbeträge, vervierfacht sich F.
Ändern sich mehrere Größen, kombiniere ihre Faktoren. Werden beide Ladungsbeträge verdoppelt und zugleich der Abstand verdoppelt, ergibt sich:
Kraftfaktor = 2 · 22² = 1
Der Kraftbetrag bleibt gleich. Ändert zusätzlich nur eine Ladung ihr Vorzeichen, wechselt Anziehung zu Abstoßung oder umgekehrt. Der Betrag bleibt auch dabei unverändert.
Diese Faktorüberlegung ist besonders nützlich, wenn keine konkreten Ladungen gegeben sind. Schreibe zuerst auf, was konstant bleibt; sonst wird eine richtige Proportionalität auf den falschen Vergleich angewendet.
Beispiel · Schritt für Schritt
Mehrere Änderungen als Faktoren rechnen
Beide Ladungsbeträge und der Abstand werden verdoppelt.
Alle übrigen Modellbedingungen bleiben gleich.
Rechenweg: Mehrere Änderungen als Faktoren rechnen
Rechnung
Erklärung zum Schritt
Ladungsfaktor: 2 · 2 = 4
1Zähler betrachten
Jeder Ladungsbetrag geht linear in die Kraft ein.
Abstandsfaktor: 2² = 4
2Nenner betrachten
Der Abstand geht quadratisch ein.
F₂ / F₁ = 4 / 4 = 1
3Faktoren kombinieren
Die Änderungen gleichen sich im Kraftbetrag aus.
Ergebnis: Der Kraftbetrag bleibt gleich. Ein zusätzliches Vorzeichenwechseln einer Ladung würde die Richtung ändern.
Lernschritt 6
Mehrere Ladungen: Kräfte auf einen Körper addieren
Bei mehreren Ladungen werden die einzelnen Kräfte auf denselben Körper als Vektoren addiert.
Beispiel · Schritt für Schritt
Kräfte auf eine ausgewählte Ladung addieren
Eine positive Ladung bei x = 0 wird von zwei positiven Quellladungen abgestoßen.
q = +1,0 nC; links QL = +2,0 nC bei −0,10 m; rechts QR = +1,0 nC bei +0,10 m.
Rechenweg: Kräfte auf eine ausgewählte Ladung addieren
Rechnung
Erklärung zum Schritt
Positive Richtung: rechts
1Eine Achse festlegen
Betrachte ausschließlich die Kräfte auf q bei x = 0.
FL = +1,798 µN
2Linken Beitrag bestimmen
Die positive linke Quellladung stößt q nach rechts. Betrag mit dem Coulombgesetz berechnen.
FR = −0,899 µN
3Rechten Beitrag bestimmen
Die positive rechte Quellladung stößt q nach links.
Fges,x = +0,899 µN
4Komponenten addieren
+1,798 µN − 0,899 µN ergibt eine positive Restkraft.
Ergebnis: Die resultierende elektrische Kraft zeigt nach rechts.
Andere Anordnungen
Wäre die rechte Quellladung negativ, zöge sie q ebenfalls nach rechts: insgesamt 2,697 µN. Liegen die Kräfte nicht auf einer Linie, benötigst du eine Vektorzeichnung oder Komponentenrechnung.
Lernschritt 7
Gesuchten Abstand bestimmen
Das Coulombgesetz lässt sich auch rückwärts verwenden. Achte besonders auf Quadrat und Wurzel.
Beispiel · Schritt für Schritt
Den Abstand aus der Kraft bestimmen
Bei welchem Abstand beträgt die Kraft 1,0 · 10⁻⁵ N?
Nanocoulomb vor der Multiplikation in Coulomb umrechnen.
r = √(0,005394 m²) ≈ 0,073 m
3Wurzel ziehen
Die Wurzel umfasst den gesamten Quotienten. Ein Abstand ist positiv.
r ≈ 7,3 cm > 4,0 cm
4Mit dem ersten Beispiel vergleichen
Die verlangte Kraft ist kleiner. Dazu passt ein größerer Abstand.
Ergebnis: Der gesuchte Abstand beträgt etwa 7,3 cm.
Lernschritt 8
Coulombkraft und elektrisches Feld verbinden
Eine Quellladung Q erzeugt im Abstand r das Feld E = k · |Q| geteilt durch r². Eine kleine Ladung q erfährt darin den Kraftbetrag F = |q| · E. Zusammengesetzt ergibt das genau das Coulombgesetz.
Vertiefung und Modellgrenzen
Feld und Kraft bleiben verschiedene Größen: E beschreibt die Wirkung pro positiver Probeladung am Ort; F hängt zusätzlich von der eingesetzten Ladung ab. Verdoppeln von |q| verdoppelt F, aber im Probeladungsmodell nicht das äußere Feld.
Die Aufgaben behandeln idealisierte ruhende Punktladungen. Reale ausgedehnte leitende Körper können ihre Ladung umverteilen; dann ist eine Rechnung mit zwei festen Punktladungen nicht immer ausreichend.
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Lösungen mit Erklärungen
9 – F = 9,0 · 10⁹ · 5 · 10⁻⁹ · 2 · 10⁻⁹/0,1² N = 9 µN.
20 – Fneu = 180/3² = 20 µN.
25 – Fres = 45 − 20 = 25 µN nach rechts.
Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.
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Physikhelfer
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Berechne den Kraftbetrag zwischen zwei Punktladungen im Vakuum oder näherungsweise in Luft. Das Vorzeichen der Ladungen bestimmt Anziehung oder Abstoßung. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.
5 · q₁ = q₂ = +1,0 nC, r = 0,10 m. Berechne den Kraftbetrag.
Lösung und Rechenweg ansehen
Das Ladungsprodukt hat den Betrag 10−18 C², das Abstandsquadrat beträgt 0,010 m². Einsetzen liefert F = 8,99 · 10−7 N = 0,899 µN. Die Kraft ist abstoßend.
Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
Häufige Fragen
Kann der Kraftbetrag negativ sein?
Ein Betrag ist nicht negativ. Ein negatives Vorzeichen kann eine gerichtete Kraftkomponente kennzeichnen; dazu muss die positive Richtung festgelegt sein.
Welchen Abstand setze ich bei zwei Kugeln ein?
In einer passenden Punktladungsnäherung den Abstand der modellierten Ladungsorte, gewöhnlich der Kugelmittelpunkte. Bei nahen leitenden Kugeln kann Ladungsumverteilung die Näherung unbrauchbar machen.
Gilt das Coulombgesetz auch für mehrere Ladungen?
Die Einzelkräfte werden paarweise berechnet und anschließend auf der betrachteten Ladung vektoriell addiert. Man setzt nicht einfach die Summe aller Ladungen in ein Zweikörpergesetz ein.