Geschichte · Weimarer Republik · Klasse 8–9

Weimar: Demokratie in Gefahr

Eine Verfassung verspricht freie Wahlen und Grundrechte. Doch was geschieht, wenn bewaffnete Gegner die Regierung stürzen wollen – und wichtige Teile des Militärs die gewählte Führung nicht schützen? Im März 1920 stand die junge Weimarer Republik vor genau dieser Herausforderung.

An Putschversuchen, politischer Hetze und den Morden an Matthias Erzberger und Walther Rathenau erkennst du ihre Gefährdung. Zugleich zeigt die Gegenwehr von Beschäftigten, Gewerkschaften und demokratischen Kräften: Die Republik hatte viele Menschen auf ihrer Seite.

Erfundene Besprechung von Beschäftigten neben stillstehenden Straßenbahnen während des Generalstreiks 1920.
Gemeinsame Arbeitsverweigerung konnte den Putschisten die Mittel zum Regieren entziehen. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.

Das kannst du danach: Du erklärst den Kapp-Lüttwitz-Putsch und seine Niederlage, unterscheidest Opposition und Demokratiefeindschaft und beurteilst die Bedeutung von Staatsapparat, politischer Gewalt und gesellschaftlicher Gegenwehr.

1. Streit gehört zur Demokratie – Gewalt gegen sie nicht

1919 hatte Deutschland eine demokratische Verfassung erhalten. Die Bevölkerung konnte Vertreter wählen; die Regierung musste sich politischen Mehrheiten stellen. Freiheitliche Regeln beseitigten jedoch weder die Folgen des Weltkriegs noch die Feindschaft gegen die neue Ordnung.

Die Republik wurde besonders von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der katholisch geprägten Zentrumspartei und der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) getragen. Andere politische Kräfte wollten sie durch eine autoritäre oder revolutionäre Ordnung ersetzen. Die extreme Rechte bekämpfte sie mit Nationalismus und antisemitischen Feindbildern. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) strebte eine kommunistische Ordnung nach sowjetischem Vorbild an. Ziele, Mittel und Einfluss dieser Gegner waren unterschiedlich und müssen jeweils konkret untersucht werden.

Unzufriedenheit war deshalb nicht automatisch Demokratiefeindschaft. Wer höhere Löhne, andere Steuern oder eine neue Regierung verlangte, konnte sich innerhalb der Demokratie bewegen. Entscheidend ist, ob freie Konkurrenz, gleiche Rechte und friedliche Machtwechsel anerkannt werden.

2. März 1920: der Angriff auf die Regierung

Nach dem Versailler Vertrag musste das deutsche Heer stark verkleinert werden. Auch Freikorps sollten aufgelöst werden. Für deren Angehörige bedeutete das den Verlust von Stellung und Einfluss. Die geplante Auflösung der Marinebrigade Ehrhardt wurde zum unmittelbaren Anlass eines Umsturzversuchs.

Am 13. März 1920 besetzten Truppen unter der Führung General Walther von Lüttwitz’ das Berliner Regierungsviertel. Wolfgang Kapp beanspruchte die politische Führung. Ihr Ziel war eine autoritäre Herrschaft anstelle der parlamentarischen Republik.

Die rechtmäßige Regierung und Reichspräsident Friedrich Ebert mussten Berlin verlassen. Führende Militärs verweigerten den bewaffneten Einsatz gegen die Putschisten. Das war gefährlich: Eine demokratisch legitimierte Regierung hatte zwar die formale Zuständigkeit, konnte sich aber nicht zuverlässig auf ihre Streitkräfte stützen.

Anlass und Ziel: Die Auflösung von Truppen war ein unmittelbarer Anlass. Das politische Ziel der Putschisten ging darüber hinaus: Sie wollten die demokratische Staatsführung beseitigen.

Warum genügt es nicht, Regierungsgebäude zu besetzen?

Politische Macht braucht funktionierende Abläufe: Anweisungen müssen übermittelt, Zahlungen organisiert und Entscheidungen ausgeführt werden. Wer nur ein Gebäude kontrolliert, regiert damit noch kein ganzes Land. Genau an dieser Abhängigkeit konnte Gegenwehr ansetzen.

3. Wie Streik und verweigerte Mitarbeit wirkten

Gewerkschaften und weitere Organisationen mobilisierten gegen den Umsturz. Millionen Beschäftigte beteiligten sich am Generalstreik. Verkehr und viele Betriebe standen still. Zugleich verweigerten Teile der Verwaltung den Putschisten die Zusammenarbeit. Kapps Anweisungen ließen sich deshalb vielfach nicht umsetzen.

Am 17. März brach der Putsch zusammen. Die Beteiligten an der Gegenwehr waren sich über die weitere Zukunft keineswegs einig. Manche wollten vor allem die parlamentarische Republik retten, andere weitergehende soziale und politische Veränderungen. Ein gemeinsamer Gegner bedeutete noch kein gemeinsames Regierungsprogramm.

Erfundene Szene in einer Behörde: Beschäftigte besprechen eine Anweisung und verweigern die Zusammenarbeit mit den Putschisten.
Verwaltung, Verkehr und Versorgung waren für die Handlungsfähigkeit einer Regierung entscheidend. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.

Vom Arbeitsstillstand zur politischen Wirkung

Zusammenarbeit entziehen

Beschäftigte und Amtsträger führen wichtige Tätigkeiten für die Putschregierung nicht aus.

Zusammenhang erklären

Macht beruht auch auf vielen alltäglichen Handlungen. Werden diese verweigert, können Befehle wirkungslos bleiben.

Handlungsfähigkeit begrenzen

Die Putschisten können weder verlässlich kommunizieren noch Versorgung und Verwaltung kontrollieren.

Zusammenhang erklären

Der Umsturz verliert an Durchsetzungskraft. Das Zusammenspiel von Streik, mangelnder Unterstützung und eigenen Organisationsproblemen trägt zu seinem Scheitern bei.

Das Modell erklärt einen Zusammenhang. Es bedeutet nicht, dass jeder Streik unter allen Umständen einen Putsch stoppen kann.

Erkläre: Warum war die Gegenwehr mehr als ein bloßes Zeichen?

Ein Protestzeichen drückt eine Haltung aus. Die Arbeitsverweigerung griff zusätzlich in praktische Abläufe ein: Ohne Verkehr, Versorgung und Verwaltung konnten die Putschisten ihre Herrschaft nicht festigen. Symbolische Ablehnung und praktische Wirkung kamen zusammen.

4. Warum der Konflikt nach dem Putsch weiterging

Vor allem im Ruhrgebiet entwickelten sich aus der Gegenwehr bewaffnete Arbeiterverbände. Teile dieser Bewegung wollten über die Wiederherstellung der bisherigen Regierung hinausgehen und eine revolutionäre Neuordnung erreichen. Die sogenannte Rote Ruhrarmee hatte jedoch weder eine völlig einheitliche Führung noch ein gemeinsames Programm.

Regierungstruppen und Freikorps schlugen den Aufstand Anfang April 1920 gewaltsam nieder. Dabei kam es zu schweren Gewalttaten. Auch Kräfte aus dem republikfeindlichen militärischen Umfeld wurden nun wieder zur Stütze der Regierung. Das vertiefte das Misstrauen vieler Arbeiter gegenüber der Staatsführung.

Der Vergleich macht ein strukturelles Problem sichtbar: Ein Staatsapparat, der einen Angriff von rechts nur unzureichend bekämpft, gegen Aufständische von links aber mit großer Härte vorgeht, gefährdet das Vertrauen in gleiche Maßstäbe. Auch in Teilen der Justiz gab es erhebliche Nachsicht gegenüber rechten Gewalttätern. Das heißt nicht, dass jeder Beamte, Richter oder Soldat dieselbe Haltung hatte.

Wie lässt sich die Rolle der Justiz konkret untersuchen?

Ein späteres Beispiel ist der Prozess nach dem Hitler-Putsch 1923: Das Gericht verurteilte Hitler 1924 zu fünf Jahren Festungshaft und eröffnete früh eine Aussicht auf Bewährung. Prüfe am verlinkten historischen Urteil, welche Strafe ausgesprochen wurde und wie sie begründet wurde. Für die Behauptung einer allgemeinen Ungleichbehandlung reicht ein einzelner Prozess aber nicht: Dafür müssen vergleichbare Fälle und ihre Bedingungen untersucht werden.

Warum darf der Generalstreik nicht einfach mit dem Ruhr-Aufstand gleichgesetzt werden?

Der Streik war eine breite Gegenbewegung zum Putsch. Die bewaffneten Kämpfe im Ruhrgebiet entwickelten eine eigene Dynamik und dauerten nach seinem Scheitern an. Beteiligte, Ziele und Mittel überschnitten sich teilweise, waren aber nicht identisch.

5. Die Dolchstoßlegende: eine falsche Erklärung mit Wirkung

Rechte Gegner behaupteten, das deutsche Heer sei 1918 militärisch nicht besiegt worden, sondern durch angeblichen Verrat in der Heimat zusammengebrochen. Diese Dolchstoßlegende widersprach der Lage an der Front: Die militärische Führung selbst hatte angesichts der drohenden Niederlage Waffenstillstandsverhandlungen verlangt.

Die Legende entlastete die bisherigen militärischen Führer und belastete jene Politiker, die den Waffenstillstand und die neue Ordnung gestalten mussten. Demokratiefeinde konnten Niederlage und Friedensbedingungen so als angeblichen Verrat darstellen. Antisemitische Varianten machten Jüdinnen und Juden zu Sündenböcken.

Eine solche Erzählung erklärt keine komplizierte Entwicklung. Sie weist einer ausgewählten Gruppe die Schuld zu und soll Feindschaft erzeugen. Bei ihrer Untersuchung fragst du deshalb nach Behauptung, historischem Gegenbeleg und politischer Absicht.

Propaganda prüfen: „Die neue Republik hat Deutschland die Niederlage eingebrockt.“

Dieser ausdrücklich erfundene Übungssatz verdreht die Reihenfolge. Die militärische Niederlage zeichnete sich bereits vor der Gründung der Republik ab. Die Aussage verschiebt die Verantwortung von der Kriegsführung auf die neue Ordnung. Sie ist daher kein sachlicher Beleg gegen Demokratie.

6. Politische Morde und die Verteidiger der Republik

Am 26. August 1921 wurde der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger ermordet. Er hatte 1918 den Waffenstillstand mitunterzeichnet und später als Finanzminister Reformen umgesetzt. Rechtsextreme Hetze stellte ihn als Verräter dar. Seine Ermordung richtete sich zugleich gegen die politische Ordnung, für die er stand.

Am 24. Juni 1922 ermordeten Angehörige der rechtsextremen Organisation Consul den Außenminister Walther Rathenau. Er wurde als Vertreter der Republik und als jüdischer Politiker angefeindet. Antisemitismus war damit ein wesentlicher Bestandteil der Bedrohung und darf in einer Erklärung nicht hinter dem allgemeinen Wort „Streit“ verschwinden.

Viele Menschen reagierten mit Trauer, Empörung und großen Demonstrationen für die Republik. Der Staat verschärfte mit dem Republikschutzgesetz 1922 sein Vorgehen gegen republikfeindliche Aktivitäten. Ob solche Regeln wirkten, hing jedoch auch davon ab, ob Behörden und Gerichte sie konsequent anwandten.

Erfundene friedliche Trauerversammlung mit schwarz-rot-goldenen Fahnen in einer deutschen Stadt 1922.
Öffentliche Trauer und Protest konnten die Ablehnung politischer Gewalt und Unterstützung der Republik ausdrücken. KI-generierte Veranschaulichung, keine historische Bildquelle.
Bildkritik: Was kann diese Illustration zeigen – und was nicht?

Sie veranschaulicht eine mögliche Form öffentlicher Gegenwehr. Sie belegt weder die Zusammensetzung einer bestimmten Versammlung noch die Einstellungen aller dargestellten Personen. Dafür wären zeitgenössische Berichte, Fotografien und weitere Quellen erforderlich.

7. Gefährdet, aber nicht ohne Unterstützung

1919

Demokratische Verfassung und politische Feindschaften bestehen nebeneinander.

13.–17. März 1920

Kapp-Lüttwitz-Putsch; breite Arbeitsverweigerung und fehlende Zusammenarbeit tragen zu seinem Scheitern bei.

März/April 1920

Revolutionäre Kämpfe und gewaltsame Niederschlagung im Ruhrgebiet vertiefen politische Spaltungen.

August 1921 / Juni 1922

Erzberger und Rathenau werden ermordet. Proteste und Maßnahmen zum Schutz der Republik folgen.

Die Demokratie brauchte mehr als einen Verfassungstext: Sie war auf verfassungstreue Institutionen, gesellschaftliche Unterstützung und die Bereitschaft angewiesen, politische Gegner als rechtmäßige Konkurrenten anzuerkennen. Gewalt und Menschenfeindlichkeit zerstörten diese Voraussetzungen.

Trotzdem wäre „Niemand wollte die Republik“ ein falsches Urteil. Millionen Menschen handelten gegen ihre Feinde. Ebenso falsch wäre: „Der Putsch scheiterte, also war die Demokratie sicher.“ Ein begründetes Urteil verbindet den Erfolg der Gegenwehr mit den fortbestehenden Problemen.

Urteilsaufgabe: War 1920 ein Zeichen der Stärke oder der Schwäche?

Beides lässt sich mit unterschiedlichen Maßstäben begründen: Die unzuverlässige militärische Unterstützung zeigt institutionelle Schwäche. Die breite Gegenwehr und das Scheitern des Umsturzes zeigen gesellschaftliche Stärke. Entscheidend ist, beide Belege zu nennen und den jeweiligen Maßstab deutlich zu machen.

Teste dein Wissen

Wähle pro Frage eine Antwort. Nach dem Prüfen erhältst du zu jeder Frage eine Erklärung.

1. Wodurch unterscheidet sich demokratische Opposition von einem Putsch?
Lösung und Begründung

Demokratische Opposition kritisiert die Regierung und strebt Änderungen mit demokratischen Mitteln an. Putschisten setzen die geltenden Verfahren außer Kraft, häufig mithilfe bewaffneter Gruppen.

2. Warum scheiterte der Kapp-Lüttwitz-Putsch?
Lösung und Begründung

Die Putschisten besetzten das Regierungsviertel, konnten aber keine verlässliche Zusammenarbeit von Bevölkerung und Verwaltung erreichen. Der Generalstreik war ein entscheidender Teil dieser Gegenwehr.

3. Welche Aussage über die Dolchstoßlegende trifft zu?
Lösung und Begründung

Die Legende widersprach der militärischen Lage von 1918. Sie diente dazu, demokratische Politiker und weitere als Feinde markierte Gruppen zu diskreditieren.

4. Warum muss beim Mord an Rathenau Antisemitismus benannt werden?
Lösung und Begründung

Der Mord verband rechtsextreme Republikfeindschaft mit Antisemitismus. Die großen Proteste gegen das Attentat zeigen zugleich, dass die Täter nicht für die gesamte Bevölkerung standen.

5. Welches Urteil über die frühen Weimarer Jahre ist am besten begründet?
Lösung und Begründung

Putsch, Mord und mangelnde Loyalität belasteten die Republik. Streik, öffentliche Proteste und demokratisches Engagement belegen ihre Unterstützung. Beides gehört zur historischen Bilanz.

Begriffe anwenden

Begriffe sicher zuordnen

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Ein Putsch ist ein unrechtmäßiger Versuch der Machtübernahme. Kritik an einer Regierung allein ist noch kein Putsch.

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Ein Generalstreik geht über einen einzelnen Betrieb hinaus. 1920 richtete er sich gegen den Umsturzversuch.

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Verfassungstreue gilt der demokratischen Ordnung. Sie verlangt keine persönliche Zustimmung zu jeder Regierungsentscheidung.

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Antisemitismus ist Judenfeindschaft. In der frühen Republik verband er sich unter anderem mit Verschwörungserzählungen und politischer Gewalt.

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Diese Lernseite verbindet historisches Einordnen, Quellenkritik und begründetes Urteilen. Die drei Illustrationen wurden mit KI erstellt. Sie zeigen mögliche Situationen, keine dokumentierten Einzelereignisse. Vereinfachte Schaubilder und ausdrücklich erfundene Übungstexte sind didaktische Modelle.

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