Kurzfristig anpassen
Aufmerksamkeit und Energiebereitstellung können die Bewältigung einer Anforderung unterstützen. Die Reaktion ist zunächst Teil normaler Regulation.
Biologie · Verstehen und üben
Wie Nervensignale, Adrenalin und Cortisol zusammenwirken – und warum der Körper seine Reaktion durch Rückkopplung reguliert.
Vor einem Referat schlägt dein Herz schneller; beim plötzlichen Fahrradklingeln wirst du aufmerksam. Eine Stressreaktion passt Körper und Verhalten an eine als bedeutsam oder herausfordernd bewertete Situation an. Der auslösende Einfluss heißt Stressor. Er kann körperlich sein, etwa Kälte, oder psychisch beziehungsweise sozial, etwa Zeitdruck.
Die gleiche Aufgabe löst nicht bei allen Menschen die gleiche Reaktion aus. Erfahrung, Erwartungen, Kontrollmöglichkeiten und verfügbare Unterstützung beeinflussen die Bewertung. Deshalb sind Stressor, subjektives Erleben und messbare Körperreaktion verschiedene Größen.
Aufmerksamkeit und Energiebereitstellung können die Bewältigung einer Anforderung unterstützen. Die Reaktion ist zunächst Teil normaler Regulation.
Wenn Anforderungen lange bestehen oder häufig wiederkehren und Erholung fehlt, können Regulationssysteme stärker beansprucht werden. Aus einem einzelnen aufregenden Moment folgt das noch nicht.
Bei einer Stressreaktion arbeiten Nervensystem und Hormonsystem zusammen. Für den Unterricht lassen sich ein schnell wirksamer sympathischer Weg und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse unterscheiden. Die englische Abkürzung dieser Achse ist HPA. Beide Wege können bei derselben akuten Belastung aktiviert werden; Cortisol gehört nicht ausschließlich zu lang andauerndem Stress.
Sympathische Nerven beeinflussen Organe direkt und aktivieren zusätzlich das Nebennierenmark. Dieses gibt vor allem Adrenalin sowie Noradrenalin ins Blut ab.
Präganglionäre sympathische Nervenfasern setzen am Nebennierenmark Acetylcholin frei. Die dortigen chromaffinen Zellen geben daraufhin Catecholamine in das Blut ab. Adrenalin kann beispielsweise Herzaktivität und die Bereitstellung von Energieträgern fördern. Welche Wirkung in einem Gewebe entsteht, hängt von dessen Rezeptoren ab. Parallel wirken sympathische Nerven unmittelbar an vielen Organen.
CRH ist ein Freisetzungshormon. Es erreicht über ein besonderes Blutgefäßsystem den Hypophysenvorderlappen.
ACTH gelangt mit dem Blut zur Nebennierenrinde und regt dort die Cortisolbildung und -abgabe an.
Cortisol erreicht verschiedene Gewebe. Es unterstützt unter anderem die Bereitstellung von Energieträgern und beeinflusst Immun- und Entzündungsreaktionen.
Auf schmalen Bildschirmen kannst du diese Tabelle seitlich verschieben.
| Merkmal | Adrenalin | Cortisol |
|---|---|---|
| Bildungsort | Nebennierenmark | Nebennierenrinde |
| Stoffklasse | Catecholamin | Steroidhormon |
| Typischer Anstoß | Sympathische Nervensignale | ACTH aus dem Hypophysenvorderlappen |
| Wirkprinzip | Bindung an Rezeptoren der Zellmembran; nachgeschaltete Signalwege | Bindung an intrazelluläre Rezeptoren; unter anderem veränderte Genaktivität |
| Zeitlicher Schwerpunkt | Viele Wirkungen setzen sehr rasch ein. | Viele Wirkungen entwickeln sich langsamer und können länger anhalten. |
Das ist ein Vergleich typischer Mechanismen, keine starre Stoppuhr. Cortisol kann auch rasche Effekte haben. Die Hormone ersetzen einander nicht und schalten sich nicht nach einem festen Zeitplan gegenseitig ab. Eine Messkurve hängt unter anderem von Belastungsart, Zeitpunkt und Person ab.
Cortisol wird auch ohne besondere Belastung ausgeschüttet. Seine Konzentration schwankt im Tagesverlauf und in kürzeren Pulsen; bei einem üblichen Schlaf-Wach-Rhythmus liegt sie häufig um das morgendliche Erwachen höher und später niedriger. „Cortisol vorhanden“ bedeutet daher nicht automatisch „Person ist krank oder stark gestresst“.
Cortisol wirkt auf vorgelagerte Stationen zurück und kann die weitere Freisetzung von CRH und ACTH hemmen. Das heißt negative Rückkopplung: Eine Zunahme der Ausgangsgröße wirkt ihrer weiteren Zunahme entgegen. „Negativ“ ist hier eine Richtung im Regelkreis, keine Bewertung.
Wähle eine Situation und verfolge, welche Signale zu- oder abnehmen. Die Felder zeigen qualitative Zusammenhänge, keine gemessenen Hormonkonzentrationen.
Prüfe jeweils, was die Beobachtung zeigt und welche Schlussfolgerung zu weit gehen würde.
Nach einer bewältigten Anforderung können aktivierende Signale zurückgehen. Parasympathische Einflüsse, hormonelle Rückkopplung und der Abbau ausgeschütteter Botenstoffe tragen auf unterschiedliche Weise zur Anpassung bei. „Erholung“ ist deshalb mehr als ein einzelnes Hormon oder ein Organ.
Bei wiederholter oder anhaltender Beanspruchung können sich etwa Schlaf, Aufmerksamkeit und die Regulation verschiedener Körpersysteme verändern. Dauerstress lässt sich jedoch nicht auf die Formel „Cortisol ist immer hoch“ reduzieren: Zeitliche Muster und Empfindlichkeiten können sich unterschiedlich verändern. Ebenso lässt sich aus gewöhnlicher Aufregung allein keine Erkrankung ableiten.
Eine Aktivierung kann bei einer Aufgabe hilfreich sein und bei einer anderen stören. Sehr starke Aufregung kann beispielsweise das geordnete Abrufen erschweren. Entscheidend sind unter anderem Aufgabe, Intensität und Zeitpunkt. Eine einzige „optimale Stresszahl“ für alle Menschen und Tätigkeiten wäre zu einfach.
Für den Schulalltag lassen sich Anforderungen überschaubar planen, Lernschritte vorbereiten und Pausen vorsehen. Bei dauernden Konflikten oder Überforderung gehört auch Unterstützung durch andere dazu. Das Ziel ist, Belastungen und Handlungsmöglichkeiten zu verstehen. Aus dem biologischen Modell folgt keine verlässliche Anleitung, mit einem einzelnen Trick bestimmte Hormonwerte einzustellen.
Eine Lerngruppe möchte wissen, ob ein Referat den Puls verändert. Sinnvoll wären vergleichbare Messbedingungen, ein ruhiger Ausgangswert, mehrere Zeitpunkte und eine Dokumentation von Bewegung. Ein Pulsanstieg ist zunächst eine Beobachtung: Bewegung, Aufregung und andere Einflüsse kommen als Erklärung infrage.
| Aussage | Was lässt sich folgern? |
|---|---|
| „Nach dem Treppensteigen ist der Puls höher.“ | Eine körperliche Aktivierung ist plausibel; die Beobachtung belegt keine bestimmte psychische Belastung. |
| „Eine Person hat morgens mehr Cortisol als abends.“ | Das kann zum Tagesrhythmus passen. Die Uhrzeit muss in der Deutung berücksichtigt werden. |
| „Nach einem Referat sind Gruppenmittelwerte unterschiedlich.“ | Gruppengröße, Streuung, Ausgangswerte und Messbedingungen werden für die Bewertung benötigt. |
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
Auslöser und Reaktion sind verschieden.
Das bevorstehende Referat beziehungsweise seine Bewertung kann ein Stressor sein. Erhöhte Aufmerksamkeit, subjektive Aufregung und veränderte Körperfunktionen gehören zur Reaktion.
Denke an Erfahrung und Handlungsmöglichkeiten.
Vorwissen, Erwartungen, Bewertung, Unterstützung und wahrgenommene Kontrolle können unterschiedlich sein. Der äußere Anlass bestimmt die Reaktion nicht allein.
Unterscheide die beiden Bereiche der Nebenniere.
Adrenalin entsteht im Nebennierenmark, Cortisol in der Nebennierenrinde. Die Nebenniere ist eine eigene Hormondrüse und nicht ein Teil des Harnbildungsapparats.
Verfolge die Achse von oben nach unten.
CRH: Hypothalamus. ACTH: Hypophysenvorderlappen. Cortisol: Nebennierenrinde. Die Hormone wirken auf die jeweils nächste Station beziehungsweise auf verschiedene Zielgewebe.
Nervensignal oder ACTH?
Präganglionäre sympathische Fasern setzen Acetylcholin frei. Dadurch wird die Hormonabgabe der chromaffinen Zellen angeregt. ACTH gehört zum hier betrachteten Weg der Nebennierenrinde.
Das Ergebnis wirkt auf seine Entstehung zurück.
Cortisol hemmt an vorgelagerten Stationen die weitere Freisetzung von CRH und ACTH. Dadurch wirkt eine Zunahme von Cortisol ihrer weiteren Zunahme entgegen.
Betrachte CRH und ACTH.
Die weitere stimulierende Freisetzung von CRH und ACTH wird stärker begrenzt. Damit nimmt der Antrieb zur zusätzlichen Cortisolbildung ab; die vorhandene Konzentration fällt nicht augenblicklich auf null.
Alltag und akute Belastung mitdenken.
Cortisol wird auch im normalen Tagesrhythmus ausgeschüttet. Die HPA-Achse kann bereits auf eine akute Belastung reagieren. Viele Wirkungen entwickeln sich langsamer als die rasche sympathische Reaktion.
Uhrzeit als Einflussgröße.
Cortisol hat einen Tagesrhythmus. Bei üblichem Schlaf-Wach-Rhythmus sind höhere Werte um das morgendliche Erwachen häufig. Vergleichbare Messzeitpunkte und weitere Informationen sind notwendig.
Ein Messmerkmal kann mehrere Ursachen haben.
Puls hängt unter anderem von Bewegung, vegetativen Signalen und weiteren Einflüssen ab. Er misst weder die Cortisolkonzentration noch eindeutig das subjektive Stresserleben.
Ort, Stoffklasse oder Rezeptor vergleichen.
Adrenalin ist ein Catecholamin aus dem Mark und wirkt über Membranrezeptoren. Cortisol ist ein Steroidhormon aus der Rinde und wirkt unter anderem über intrazelluläre Rezeptoren auf Genaktivität.
Störgrößen, Wiederholung und Grenzen.
Zum Beispiel gleiche Messmethode und Körperhaltung, dokumentierte Bewegung, Ruhe-Ausgangswert und mehrere Zeitpunkte. Die Beobachtung kann eine Veränderung beschreiben, beweist aber weder eine einzelne hormonelle Ursache noch eine Erkrankung.
Welche Aussage beschreibt die Cortisol-Achse korrekt?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.

Das vorhandene Arbeitsblatt übt Grundlagen zu Reizen und Nervensystem. Die spezielle Cortisol-Achse und ihre Rückkopplung übst du mit den Aufgaben auf dieser Seite.
Arbeitsblatt ansehen →Eigene Erklärungen und Aufgaben. Die beschrifteten Schemata sind vereinfachte Lernmodelle; die Illustrationen dienen der Veranschaulichung.