1 · Signale aus der Umgebung
Benachbarte Zellen, lösliche Signalstoffe und die Gewebestruktur beeinflussen das Verhalten einer Stammzelle. Diese lokale Umgebung wird Stammzellnische genannt.
Biologie · Verstehen und üben
Wie bleiben Gewebe erneuerungsfähig, während Zellen sich spezialisieren? Unterscheide Stammzelltypen, Entwicklungspotenziale und die Rolle der Genregulation.
Stammzellen verbinden zwei Eigenschaften: Selbsterneuerung und die Fähigkeit, differenzierte Nachkommen hervorzubringen. Selbsterneuerung erhält Zellen mit Stammzelleigenschaften. Differenzierung führt zu Zellen mit spezialisierten Aufgaben, etwa in Blut, Haut oder Nervengewebe.
Eine teilungsfähige Zelle ist deshalb nicht automatisch eine Stammzelle. Auch Vorläuferzellen können sich vermehren, besitzen aber häufig ein begrenzteres Entwicklungspotenzial und eine begrenztere Selbsterneuerung.
| Begriff | Entwicklungspotenzial | Einordnung |
|---|---|---|
| Totipotent | Embryonale und nötige extraembryonale Gewebe; unter geeigneten Bedingungen ein ganzer Organismus | Zygote und bestimmte sehr frühe Entwicklungsstadien |
| Pluripotent | Zelltypen aller drei Keimblätter des Körpers | Embryonale Stammzellen und induzierte pluripotente Stammzellen |
| Multipotent | Mehrere Zelltypen innerhalb eines begrenzten Entwicklungsbereichs | Zum Beispiel blutbildende Stammzellen |
| Unipotent | Ein spezialisierter Zelltyp bei erhaltener Selbsterneuerung | Bestimmte gewebespezifische Stammzellpopulationen |
„Adult“ beschreibt die Herkunft beziehungsweise das Vorkommen, „multipotent“ das Potenzial. Beide Begriffe sind keine exakten Synonyme. Adulte, auch somatische Stammzellen genannt, kommen nicht erst bei Erwachsenen vor.
Benachbarte Zellen, lösliche Signalstoffe und die Gewebestruktur beeinflussen das Verhalten einer Stammzelle. Diese lokale Umgebung wird Stammzellnische genannt.
Signalwege beeinflussen Transkriptionsfaktoren und Chromatinzustände. Dadurch werden bestimmte Entwicklungsprogramme gefördert und andere zurückgedrängt.
Nachkommen bilden ein zur Aufgabe passendes Proteinmuster und Zellmerkmale aus. Differenzierung erfolgt oft über mehrere Vorläuferstadien; nicht jeder Stammzelltyp kann jeden Zelltyp bilden.
Ordne die vier Situationen ein. Das Modell beschreibt Möglichkeiten und Grenzen qualitativ; es sagt keine individuellen Behandlungserfolge voraus.
Sie können aus der inneren Zellmasse einer frühen Blastozyste gewonnen werden und sind pluripotent. Ihre Gewinnung berührt ethische Fragen zum Umgang mit frühen Embryonen.
Sie erhalten und erneuern bestimmte Gewebe. Ihr Differenzierungspotenzial ist meist stärker eingeschränkt als das pluripotenter Zellen.
iPS-Zellen entstehen durch experimentelle Reprogrammierung differenzierter Körperzellen. Sie ermöglichen unter anderem die Untersuchung von Entwicklung und Krankheitsmodellen.
Eine Zellkultur muss den gewünschten Zelltyp zuverlässig bilden. Unkontrolliertes Wachstum, unerwünschte Zelltypen, Immunreaktionen und fehlende Einbindung ins Gewebe sind wichtige Herausforderungen.
Ein aus Stammzellen erzeugtes Organoid bildet ausgewählte Eigenschaften eines Organs nach. Es ist kein vollständig funktionsfähiger Ersatz für ein ganzes Organ. Bei der Bewertung einer Anwendung helfen getrennte Fragen: Was wurde nachgewiesen? Welche Risiken bestehen? Welche ethischen Interessen sind betroffen?
Welche Eigenschaftskombination kennzeichnet Stammzellen?
Wähle eine Antwort und begründe sie zunächst selbst.
Versuche jede Aufgabe zuerst selbst. Nutze bei Bedarf den Tipp und vergleiche erst danach mit der Lösung.
Bestand und Nachkommen betrachten.
Selbsterneuerung und die Fähigkeit, differenzierte Nachkommen hervorzubringen.
Denke an Vorläuferzellen.
Nein. Teilungsfähigkeit allein belegt weder langfristige Selbsterneuerung noch ein bestimmtes Differenzierungspotenzial.
Die Körperzelltypen stehen im Mittelpunkt.
Pluripotente Zellen können Zelltypen aller drei Keimblätter bilden. Daraus folgt keine Totipotenz.
Extraembryonale Gewebe berücksichtigen.
Totipotenz umfasst zusätzlich das Potenzial für die zur vollständigen Entwicklung nötigen extraembryonalen Gewebe. Pluripotenz allein genügt nicht zur Bildung eines vollständigen Organismus.
Welche Nachkommen gehören zu ihrer Linie?
Sie können verschiedene Blutzelltypen hervorbringen, besitzen aber kein unbegrenztes Potenzial für alle Körperzelltypen.
Herkunft und Potenzial trennen.
Nein. Adult beziehungsweise somatisch bezeichnet das Vorkommen; multipotent beschreibt die Bandbreite möglicher Zelltypen.
Die Tochterzellen können verschiedene Wege einschlagen.
Eine Tochter behält Stammzelleigenschaften, die andere entwickelt sich etwa zu einer Vorläuferzelle.
Auch Populationen können einen Bestand ausgleichen.
Nein. Symmetrische Teilungen können zwei Stammzellen oder zwei weiter differenzierende Nachkommen hervorbringen. Entscheidend ist die Gesamtbalance.
Die Umgebung wirkt mit.
Eine lokale Gewebeumgebung mit Zellen, Signalstoffen und Strukturen, die Stammzellverhalten beeinflussen.
Sequenz und Genaktivität unterscheiden.
Nein. Meist verändert sich die Genaktivität und Zellorganisation, nicht durch pauschales Entfernen aller ungenutzten Gene die DNA-Ausstattung.
Die Ausgangszelle war bereits spezialisiert.
Experimentell reprogrammierte Körperzellen mit pluripotentem Zustand.
Die Funktion im Organismus ist ein eigener Nachweis.
Gewünschte Differenzierung, kontrolliertes Wachstum, Verträglichkeit und Integration müssen gesondert geprüft werden.

Dieses Grundlagenblatt wiederholt Mitose, Wachstum und Zellerneuerung. Es behandelt das neue Vertiefungsthema nicht vollständig.
Arbeitsblatt ansehen →NIH: Stem Cell Basics. Die Grafiken und interaktiven Beispiele sind eigens erstellte, vereinfachte Lernmodelle.