
Renaissance und Humanismus
Antike Vorbilder, neue Fragen und Veränderungen in Kunst und Bildung erkunden.
Arbeitsblatt ansehen →Geschichte · Frühe Neuzeit · Klasse 6–7
Antike Texte, genaue Beobachtung und neue Bildräume: Entdecke, wie Menschen überliefertes Wissen untersuchten und Kunst, Bildung und Architektur veränderten.

Das kannst du danach: Du unterscheidest Renaissance und Humanismus, vergleichst Textfassungen und erklärst das Grundprinzip der Zentralperspektive.
Lernschritt 1
Ein Maler betrachtet einen Krug, ein Gelehrter vergleicht zwei Textfassungen, eine Baumeisterin könnte Maße an einem Modell prüfen: In allen drei Fällen wird genau hingesehen. Die Renaissance verbindet die Beschäftigung mit älteren Vorbildern mit neuen Fragen und Gestaltungsversuchen. Es geht um Menschen, die etwas lernen, auswählen, verändern und weitergeben.
Renaissance bedeutet „Wiedergeburt“. Der Begriff bezeichnet Entwicklungen in Kunst und Kultur, die seit dem 14. Jahrhundert besonders in italienischen Städten hervortraten und sich in unterschiedlicher Form weiterverbreiteten. „Wiedergeburt“ meint vor allem eine neue Hinwendung zur griechisch-römischen Antike. Menschen bauten aber nicht einfach eine verschwundene Welt unverändert wieder auf.
Humanismus bezeichnet hier eine Bildungsbewegung. Ihre Vertreter beschäftigten sich intensiv mit Sprache, Literatur, Geschichte und Fragen menschlichen Handelns. Sie suchten ältere Texte, verglichen Überlieferungen und arbeiteten an sorgfältigen Ausgaben. Renaissance und Humanismus hängen zusammen, sind aber nicht zwei Wörter für exakt dasselbe.
Fachlicher Bezug: Humanismus als Bildungsbewegung.
Leitfrage: Wie konnten alte Texte und Bauwerke Menschen dazu anregen, selbst neue Fragen zu stellen und neue Formen zu entwickeln?
Lernschritt 2
Die Vorstellung „Im Mittelalter wusste niemand etwas, dann begann die Renaissance“ ist falsch. Bücher, Schulen, Universitäten, Werkstätten und Wissensaustausch gab es lange zuvor. Mittelalterliche Bibliotheken bewahrten auch Texte antiker Autoren. In Byzanz wurden griechische Werke abgeschrieben und kommentiert; Gelehrte brachten später Kenntnisse und Handschriften nach Italien.
Fachlicher Bezug: Ältere Buchkultur und die Weitergabe antiker Texte.
Die Neuerung bestand deshalb nicht darin, dass Menschen zum ersten Mal überhaupt lernten. Entscheidend waren neue Schwerpunkte, Methoden und Verbindungen. Stell dir eine Bibliothek vor, in der ein älteres Buch vorhanden ist: Es aufzubewahren ist eine wichtige Leistung. Es mit anderen Fassungen zu vergleichen, neu zu übersetzen und für eine aktuelle Frage zu verwenden, sind weitere Leistungen. Sie bauen aufeinander auf.
Auch Zeitgrenzen helfen nur, wenn wir sie richtig verwenden. Eine Epochengrenze ist eine Orientierung für historische Darstellungen. Sie bedeutet nicht, dass am Morgen eines bestimmten Jahres alle Menschen ihre Kleidung, Überzeugungen und Arbeitsweisen wechselten. Eine neue Bauweise konnte neben einer älteren bestehen; in verschiedenen Regionen verliefen Veränderungen unterschiedlich.
| Zu einfache Behauptung | Bessere Frage |
|---|---|
| Vor der Renaissance gab es kein Wissen. | Welche älteren Kenntnisse wurden bewahrt und wie wurden sie verändert? |
| Alle Menschen Europas wurden gleichzeitig Humanisten. | Welche Gruppen und Orte beteiligten sich an welcher Entwicklung? |
| Antike Vorbilder wurden nur kopiert. | Welche Elemente wurden ausgewählt, kombiniert oder neu verwendet? |
| Eine Epoche beginnt überall an einem einzigen Tag. | Welche Entwicklungen überlappten sich und welche Datierung hilft bei meiner Frage? |
Neu kann eine Kombination sein, nicht nur ein völlig unbekannter Einzelbestandteil. Ein Baumeister kann bekannte Säulenformen mit einem neuen Grundriss verbinden. Ein Gelehrter kann einen alten Text mit einer neu gefundenen Abschrift vergleichen. Erkläre in deinem eigenen Beispiel genau, welcher Bestandteil älter und welcher Arbeitsschritt neu ist. So vermeidest du die Behauptung, alles sei entweder reine Erfindung oder bloße Wiederholung.
Lernschritt 3

Ein Text kann über viele Abschriften weitergegeben werden. Dabei können Unterschiede entstehen: Ein Wort fehlt, eine Randbemerkung wird eingefügt, eine schwer lesbare Stelle wird unterschiedlich verstanden. Wer einen alten Text möglichst zuverlässig lesen möchte, muss deshalb seine Überlieferung untersuchen. Einfach das älteste erreichbare Buch aufzuschlagen beantwortet noch nicht jede Frage.
Das folgende Beispiel ist ausdrücklich erfunden. In Fassung A steht: „Der Rat soll nach sorgfältiger Beratung entscheiden.“ Fassung B lautet: „Der Rat soll entscheiden.“ Beide Sätze ähneln sich, aber die Aussage über die Beratung fehlt in B. Du darfst nicht sofort behaupten, A sei richtig, nur weil A länger ist. Vielleicht wurde etwas ausgelassen; vielleicht wurde in A etwas ergänzt.
Auftrag: Markiere die Abweichung. Formuliere zwei mögliche Erklärungen. Nenne anschließend eine zusätzliche Information, die du zur Entscheidung brauchst. Verwende dabei keine erfundenen Entstehungsdaten als Belege.
Didaktisches Beispiel, kein Zitat eines antiken oder humanistischen Autors.
Die Wörter „nach sorgfältiger Beratung“ stehen nur in A. Möglichkeit eins: Eine abschreibende Person ließ sie in B aus. Möglichkeit zwei: Eine andere Person ergänzte sie in A. Hilfreich wären Datierung, Herkunft und weitere unabhängige Fassungen. Auch der Zusammenhang des gesamten Textes kann Hinweise geben. Ohne weitere Belege bleibt die Entscheidung offen.
Die wichtige Leistung ist nicht, möglichst schnell eine Fassung zum Sieger zu erklären. Sie besteht darin, Beobachtung und Erklärung zu trennen. Du kannst eine Abweichung sicher feststellen und ihre Entstehung trotzdem noch nicht sicher erklären. Genau diese Unterscheidung macht sorgfältiges Arbeiten aus.
Eine Textprüfung planen: Wähle einen Schritt.
Wähle einen Hinweis.
Wortlaut vergleichen: Schreibe zunächst nur auf, welche Wörter oder Zeichen abweichen. Eine genaue Beobachtung ist die Grundlage jeder weiteren Erklärung.
Überlieferung prüfen: Frage nach Alter, Herkunft und möglichen Abhängigkeiten. Zwei Abschriften, die beide dieselbe Vorlage nutzen, sind nicht unbedingt zwei voneinander unabhängige Bestätigungen.
Urteil begrenzen: Formuliere etwa: „Die Fassungen unterscheiden sich; ohne weitere Zeugnisse kann ich nicht sicher entscheiden, wie die Abweichung entstand.“ Eine begründete Grenze ist ein Ergebnis, kein Versagen.
Lernschritt 4
Francesco Petrarca, der von 1304 bis 1374 lebte, richtete einen autobiographischen Brief an spätere Leser. Darin beschrieb er seine Herkunft, Eigenschaften und Beziehungen. Er stellte auch Bezüge zu antiken Persönlichkeiten her.
Sinngemäße Zusammenfassung des Briefanfangs „To Posterity“ in englischer Übersetzung; kein wörtliches Zitat.
Fachlicher Bezug: Petrarcas Brief an die Nachwelt.
Hier begegnet dir eine Selbstdarstellung. Der Autor entscheidet, was spätere Menschen über ihn erfahren sollen. Das ist interessant, gerade weil der Text eine Perspektive besitzt. Wir erfahren, wie jemand gesehen werden möchte. Ob jede Einzelheit unabhängig bestätigt werden kann, ist eine zweite Frage.
Vergleiche den Aufbau mit einer heutigen Vorstellung für eine Schulhomepage. Du würdest vermutlich bestimmte Interessen nennen und anderes weglassen. Das macht eine Vorstellung nicht automatisch unwahr. Trotzdem ist sie kein vollständiges Bild deines Lebens. Dieser Vergleich hilft, die Quellenart zu verstehen; Petrarcas Lebenswelt und Absichten müssen weiterhin historisch untersucht werden.
Besonders passend ist: „Welche Eigenschaften möchte der Autor hervorheben und an wen richtet er sich?“ Weniger geeignet ist die Erwartung, der Text müsse alle Sichtweisen seiner Zeitgenossen enthalten. Eine gute Antwort unterscheidet mindestens zwei Ebenen: die Angaben des Autors und die Art, wie er sich mit diesen Angaben präsentiert. Suche außerdem nach Vergleichen und Wertungen, nicht nur nach Jahreszahlen.
Lernschritt 5
Auf einem Blatt ist jeder Punkt zunächst Teil einer flachen Fläche. Trotzdem kann eine Zeichnung einen Raum zeigen, in den du scheinbar hineinblickst. Die Zentralperspektive ordnet dafür bestimmte Linien auf einen gemeinsamen Fluchtpunkt hin. In der Renaissance wurde die mathematische Untersuchung solcher Bildräume besonders wichtig; Leon Battista Alberti erläuterte Perspektive in seiner Schrift über die Malerei.
Fachlicher Bezug: Alberti und die Beschäftigung mit Perspektive.
Im vereinfachten Schaubild siehst du eine gerade Straße mit parallelen Rändern. In der Wirklichkeit bleiben die Ränder gleich weit voneinander entfernt. Im Bild erscheinen sie nach hinten näher beieinander. Die verlängerten Linien treffen sich im Fluchtpunkt. Der Horizont kennzeichnet hier die Augenhöhe der betrachtenden Person. Das Diagramm erklärt einen geometrischen Sonderfall, nicht jedes mögliche Bildverfahren.
Auf kleinen Bildschirmen kannst du das Schaubild seitlich verschieben. Alle Erklärungen stehen auch im ausklappbaren Text.
Wähle einen Bestandteil und erkunde seine Bedeutung.
Horizont: Die waagerechte Linie markiert in diesem Modell die Augenhöhe. Wird der Standpunkt höher oder niedriger gewählt, verändert sich die Lage des Horizonts im Bild.
Fluchtlinien: Die Straßenränder verlaufen im dargestellten Raum parallel in die Tiefe. Im Bild laufen ihre Verlängerungen auf denselben Punkt zu.
Fluchtpunkt: Im Fluchtpunkt treffen sich die Bildlinien einer Richtung. Die wirkliche Straße wird dadurch nicht schmaler; verändert wird ihre Darstellung aus einem bestimmten Blickwinkel.
Zeichne eine waagerechte Horizontlinie und markiere darauf einen Punkt. Setze unten auf dem Blatt zwei weit auseinanderliegende Punkte und verbinde beide mit dem Fluchtpunkt. Damit erhältst du die Ränder eines vereinfachten Weges. Ergänze zwei gleich große gedachte Pfosten: Der näher dargestellte erscheint größer als der weiter entfernte.
Prüfe: Treffen die beiden Weglinien wirklich denselben Punkt? Liegt dieser auf dem Horizont? Erkläre anschließend mündlich, warum die Zeichnung keinen Beweis dafür liefert, dass die echte Straße nach hinten immer schmaler wird. Es geht um eine geregelte Darstellung des Sehens.
Lernschritt 6

Säulen, Rundbögen und klar aufeinander bezogene Maße konnten an antike Bauten erinnern. Architekten untersuchten erhaltene römische Bauwerke und Schriften wie die des Vitruv. Filippo Brunelleschi und Leon Battista Alberti stehen für wichtige Entwicklungen der Renaissancearchitektur. Solche Formen wurden auch für christliche Gebäude verwendet: Antikenbezug bedeutete nicht automatisch eine Abkehr von Religion.
Fachlicher Bezug: Antike Vorbilder und Renaissancearchitektur.
Das Bild macht außerdem Arbeitsteilung sichtbar. Ein Entwurf allein errichtet kein Gebäude. Material muss beschafft, bearbeitet, transportiert und zusammengesetzt werden. Ein Modell kann helfen, über Formen zu sprechen, bevor ein Bauteil fertig ist. Achte aber auf die Grenze des Bildes: Wir wissen nicht, wer in einem bestimmten historischen Projekt tatsächlich welche Entscheidung traf, nur weil die Illustration eine Person am Modell zeigt.
Untersuche an einem erfundenen Auftrag, wie Form und Zweck zusammenhängen: Eine Gemeinschaft braucht einen überdachten Durchgang. Ein Entwurf sieht regelmäßige Bögen vor. Eine schöne Zeichnung genügt für die Beurteilung nicht. Du musst auch fragen, wie breit der Durchgang sein soll, welches Material verfügbar ist und wer den Bau bezahlt. Kunstgeschichte kann deshalb mit Fragen nach Alltag, Technik und Macht verbunden werden.
Ordne drei Fragen zu: „Welche Wirkung sollen die Bögen haben?“ betrifft besonders den Entwurf. „Wie werden die Steine passend bearbeitet?“ betrifft die Ausführung. „Wer trägt die Kosten und bestimmt den Auftrag?“ betrifft Finanzierung und Entscheidungsmacht. Die Bereiche hängen zusammen. Eine Änderung des Materials kann den Entwurf beeinflussen; ein teurer Entwurf kann am verfügbaren Geld scheitern.
Lernschritt 7
Die Beschäftigung mit Menschen und ihren Fähigkeiten war ein wichtiger Teil humanistischer Bildung. Daraus darfst du aber nicht schließen, alle Menschen hätten damals gleichen Zugang zu Bildung und Macht gehabt. Eine Gelehrtengruppe, ein Hof oder eine Werkstatt ist immer nur ein Ausschnitt. Frage nach Zugang, Zeit, Geld, Sprachkenntnissen und Beziehungen, statt aus einem berühmten Beispiel eine ganze Gesellschaft abzuleiten.
Auch das Bild der drei Lesenden ist sorgfältig zu behandeln. Dass eine Frau dargestellt ist, macht die Szene vorstellbar; es beweist weder gleiche Bildungschancen noch die Zusammensetzung eines konkreten historischen Kreises. Um solche Fragen zu beantworten, brauchen wir etwa Briefe, Ausbildungswege, Aufträge und Lebenszeugnisse einzelner Menschen. Darstellung und Beleg erfüllen verschiedene Aufgaben.
Humanistische Gelehrte konnten zugleich christlich geprägt sein. Die Hinwendung zur Antike und religiöse Überzeugungen mussten sich nicht ausschließen. Der Weg der Bildungsbewegung führte auch über Höfe, kirchliche Zusammenhänge und Universitäten. In Wien wirkten humanistische Gelehrte beispielsweise im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Das zeigt Verbindungen über italienische Städte hinaus.
Fachlicher Bezug: Weiterverbreitung und institutionelle Zusammenhänge.
| Blick auf eine Neuerung | Zusätzliche Frage |
|---|---|
| Ein Text wird gründlicher verglichen. | Wer beherrscht die dafür nötigen Sprachen und hat Zugang zu Handschriften? |
| Ein Bild wirkt räumlicher. | Für wen wird es hergestellt, und welche Wirkung soll es erzielen? |
| Ein Bau erinnert an antike Formen. | Welche Aufgabe erfüllt er in seiner eigenen Gegenwart? |
| Ein Autor betont persönliche Fähigkeiten. | Welche Möglichkeiten besitzen Menschen außerhalb seiner Umgebung? |
Ein pauschales Besser-oder-schlechter-Urteil ist zu grob. Benenne zuerst einen Bereich: etwa die Möglichkeiten, einen Bildraum geometrisch zu konstruieren. Erkläre dann die beobachtete Veränderung. Frage zusätzlich, für wen sie Bedeutung hatte. So kannst du Leistungen würdigen, ohne die ältere Zeit abzuwerten oder bestehende Ungleichheiten zu übersehen.
Lernschritt 8
Ordne jede Aussage zu. Prüfe danach die Begründungen.
Humanismus bezeichnet hier eine historische Bildungsbewegung.
Renaissance bedeutet Wiedergeburt und bezeichnet vielfältige kulturelle Entwicklungen.
Der Fluchtpunkt gehört zu einem perspektivischen Darstellungsverfahren.
Eine Selbstdarstellung besitzt eine vom Verfasser gestaltete Perspektive.
Wähle je Frage eine Antwort. Prüfe anschließend deine Begründung. Du kannst beliebig oft neu starten.
Vertiefe das Thema mit den passenden kostenlosen Arbeitsblättern für Klasse 6–7. Die PDFs enthalten Lösungen.

Antike Vorbilder, neue Fragen und Veränderungen in Kunst und Bildung erkunden.
Arbeitsblatt ansehen →Wähle Text, Bild oder Bauwerk. Erkläre an einem Beispiel, wie die Beschäftigung mit älteren Vorbildern zu einer neuen Frage oder Gestaltung führen konnte. Verwende zwei Fachbegriffe und nenne eine Grenze deines Beispiels. Eine gelungene Erklärung verbindet Wissen und Prüfung: Sie zählt nicht nur Namen auf, sondern beschreibt, was Menschen taten und woran wir es erkennen können.
Lehrplanbezug: historisches Einordnen, Quellen und Darstellungen unterscheiden, Lebensweisen vergleichen und Urteile begründen. Die Klassenangabe 6–7 ist eine Orientierung; die Einordnung variiert nach Schulform und Bundesland.
Die erzählenden Bilder sind KI-generierte Illustrationen bzw. Rekonstruktionen von Lernmarktplatz. Sie veranschaulichen mögliche Situationen und zeigen keine konkreten historischen Ereignisse. Kleidung, Gesichter und die dargestellte Aufgabenverteilung sind nicht im Einzelnen belegt.