Mythos
Eine überlieferte Erzählung über Gottheiten, Helden oder Ursprünge. Von derselben Geschichte konnten verschiedene Fassungen bestehen.
Geschichte · Römische Antike · Klasse 5–6
Welche Rolle spielten Gottheiten, Rituale und Heiligtümer? Erkunde Religion im Haus und in der Öffentlichkeit, deute Weihgaben und untersuche ein Gebet aus Catos Werk.

Das kannst du danach: Du unterscheidest Mythos, Kult und Ritual, erklärst Verbindungen von Religion und Alltag und deutest Quellen ohne vorschnelle Schlüsse.
Lernschritt 1
Ein Gebet vor einer Reise, eine Gabe am Hausheiligtum, ein Fest für eine Gottheit oder ein öffentliches Opfer: Religion gehörte in der römischen Welt zu vielen Lebensbereichen. Sie war nicht nur eine private Überzeugung und nicht auf den Besuch großer Tempel beschränkt.
Viele Menschen verehrten mehrere Gottheiten. Dafür verwenden wir den Begriff Polytheismus. Sie konnten sich je nach Anlass an unterschiedliche Gottheiten wenden. Eine Person musste dafür nicht unbedingt eine andere Verehrung aufgeben.
Diese Seite betrachtet vor allem römische Kulte in der späten Republik und frühen Kaiserzeit. Beispiele aus Italien und Britannien zeigen, dass es örtliche Unterschiede gab. Über viele Jahrhunderte blieb Religion außerdem nicht unverändert. Das spätere Wachstum des Christentums ist ein eigenes Thema.
Historisch fragen: Wir untersuchen, was Menschen glaubten, taten und überlieferten. Eine antike Erzählung über das Handeln einer Gottheit ist dabei eine Quelle für Vorstellungen, kein historischer Beweis für ein übernatürliches Ereignis.
Lernschritt 2
Eine überlieferte Erzählung über Gottheiten, Helden oder Ursprünge. Von derselben Geschichte konnten verschiedene Fassungen bestehen.
Die Verehrung einer Gottheit mit zugehörigen Handlungen, Orten, Gegenständen und Regeln. Das Wort ist hier ein historischer Fachbegriff.
Eine Handlung mit einem wiedererkennbaren oder vorgeschriebenen Ablauf, zum Beispiel ein Gebet mit einer Opfergabe.
Ein Mythos konnte erklären, weshalb ein Ort oder Fest eine besondere Bedeutung hatte. Ein Ritual bestand dagegen aus Handlungen: sprechen, eine Gabe darbringen, einen Umzug durchführen oder bestimmte Zeichen beachten. Erzählungen und Handlungen konnten zusammenhängen, waren aber nicht identisch.
Es gab keine einzige verbindliche Sammlung, aus der alle Menschen im Reich dieselben Glaubenssätze lernten. Lokale Überlieferungen, familiäre Gewohnheiten, staatliche Vorgaben und persönliche Entscheidungen wirkten zusammen. Auch Zweifel und unterschiedliche philosophische Deutungen hatten in der antiken Welt ihren Platz.
Eine Geschichte erzählt, wie eine Gottheit einen Ort schützt. Menschen bringen dort an einem Festtag Gaben dar. Was ist Mythos, was Ritual?
Lösung: Die Erzählung gehört zum Mythos; die wiederkehrende Handlung mit den Gaben ist ein Ritual. Zusammen mit Ort und Verehrung gehört sie zum Kult.
Lernschritt 3
Die folgende Übersicht bietet eine erste Orientierung. Die Aufgaben waren nicht so scharf getrennt wie Zuständigkeiten in einem heutigen Stundenplan. Gottheiten konnten an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Beinamen und Erwartungen verehrt werden.
| Gottheit | Häufige Verbindungen | Bekanntes Bildzeichen |
|---|---|---|
| Jupiter | Himmel, höchste göttliche Macht, Schutz der staatlichen Ordnung | Blitz oder Adler |
| Juno | Frauen, Ehe und Schutz der Gemeinschaft | Häufig eine königliche Erscheinung; auch der Pfau |
| Minerva | Wissen, Handwerk und weitere Schutzaufgaben | Helm, Schild oder Eule |
| Mars | Krieg und Schutz; auch Bezüge zur Landwirtschaft | Waffen und Rüstung |
| Venus | Liebe, Schönheit und in bestimmten Zusammenhängen Abstammung | Verschiedene Darstellungen, oft als junge Frau |
| Neptun | Gewässer und Meer | Dreizack |
Römische Gottheiten wurden vielfach mit griechischen verbunden, zum Beispiel Jupiter mit Zeus und Minerva mit Athena. Daraus folgt nicht, dass die Römer einfach eine vollständig fertige Religion kopierten und nur Namen austauschten. Römische Traditionen, weitere Einflüsse und örtliche Formen blieben bedeutsam.
Ein einzelnes Bildzeichen ist zudem nicht immer eindeutig. Erst das Zusammenspiel von Fundort, Inschrift, Gestaltung und Vergleichsstücken erlaubt eine begründete Zuordnung. Eine beschädigte Figur ohne erkennbare Merkmale lässt sich möglicherweise nicht sicher benennen.
Lernschritt 4
Ein Tempel konnte das Bild einer Gottheit und weitere heilige Gegenstände beherbergen. Zum Heiligtum gehörten häufig auch Außenbereiche. Viele Opferhandlungen fanden an einem Altar vor dem Tempel statt. Die Anlage war deshalb nicht einfach ein großer Versammlungsraum nach dem Vorbild einer heutigen Kirche.
Menschen brachten unterschiedliche Gaben dar. Dazu konnten Wein, Weihrauch, Früchte oder Speisen gehören; es gab auch Tieropfer. Art und Ablauf hingen von Anlass, Gottheit und örtlicher Tradition ab. Nicht jedes Ritual sah gleich aus.
Das Einstiegsbild zeigt eine mögliche Libation, also das Ausgießen einer Flüssigkeit als Opfergabe. Die über den Kopf gezogene Toga ist bei bestimmten römischen Ritualen belegt. Sie war aber keine allgemeine Kleidungsvorschrift für jede religiöse Handlung im gesamten Reich.
Bei der Untersuchung eines Tempels fragen wir nach mehr als seiner Größe: Wer durfte bestimmte Handlungen ausführen? Wer finanzierte Bau und Ausstattung? Wo standen Altar und Weihgaben? Was lässt sich aus Spuren am Ort tatsächlich erkennen?
Das Einstiegsbild verstehen: Wähle einen Hinweis.
Wähle einen Hinweis.
Der Altar im Freien: Die Opferhandlung findet vor dem Tempel statt. Das Gebäude und der Außenbereich haben unterschiedliche Funktionen.
Die Schale: Das Ausgießen einer Flüssigkeit kann eine Opferhandlung sein. Nicht jedes Opfer bestand aus dem Töten eines Tieres.
Die anwesenden Menschen: Ein Ritual konnte gemeinsam erlebt werden. Welche Ämter und Rechte die Beteiligten hatten, lässt sich aus dem erzeugten Bild nicht sicher ableiten.
Lernschritt 5

In Wohnhäusern konnten kleine Heiligtümer stehen. Ein solcher Bereich wird häufig Lararium genannt. Er konnte als Nische, Malerei oder kleine bauliche Anlage gestaltet sein. Nicht jeder Haushalt besaß einen gleich großen oder gleich ausgestatteten Ort.
Mit dem Haushalt wurden unter anderem Laren und Penaten verbunden. Vereinfacht gesagt gehörten dazu Schutzvorstellungen für den häuslichen Bereich und seine Versorgung. Daneben konnten weitere Gottheiten in einem Haus verehrt werden. Ein paar kleine Figuren zeigen daher nicht automatisch ein überall identisches Götterpaar.
Religiöse Handlungen konnten den Tages- und Jahresablauf begleiten. Eine Bitte, ein Dank oder eine Gabe verband persönliche Anliegen mit überlieferten Gewohnheiten. Die Beteiligung bedeutete aber nicht, dass alle Menschen im Haushalt dieselben Rechte besaßen.
Der ältere Cato verband in seinem Werk über Landwirtschaft Anweisungen zur Haushaltsführung mit religiösen Aufgaben. Er erwartete etwa Handlungen an bestimmten Festtagen. Zugleich ordnete er Verantwortlichkeiten nach der Hierarchie des Haushalts. Auch daran wird sichtbar: Alltag, Religion und Macht waren miteinander verflochten.
Beweist das Bild, dass jede römische Familie genau so betete?
Nein. Es veranschaulicht eine mögliche Situation. Größe und Zusammensetzung des Haushalts, Ausstattung, Anlass und Gewohnheiten konnten unterschiedlich sein.
Lernschritt 6

Menschen konnten eine Gottheit um Hilfe bitten oder für etwas danken, das sie als Hilfe deuteten. Ein Gelübde war ein religiöses Versprechen, zum Beispiel eine Gabe für den erhofften guten Ausgang einer Reise darzubringen. Eine Weihgabe war ein Gegenstand, den jemand einer Gottheit übergab.
Zu den erhaltenen Weihgaben gehören auch Nachbildungen von Körperteilen. Ein Fuß aus Ton kann in einem Heiligtum auf Anliegen rund um Gesundheit und körperliche Beschwerden hinweisen. Die genaue Bedeutung muss aber aus dem Fundzusammenhang erschlossen werden. Ohne weitere Angaben kennen wir weder die Lebensgeschichte noch die Erkrankung einer bestimmten Person.
Eine Gabe konnte eine Bitte, Dank oder die Erfüllung eines Versprechens ausdrücken. Ein erhaltenes Objekt beweist nicht, dass eine erhoffte Wirkung tatsächlich eingetreten ist. Auch sollten wir antike Religion nicht auf einen einfachen Handel nach dem Motto „bezahlen und garantiert bekommen“ reduzieren.
Religiöse Praktiken und andere Versuche, Probleme zu lösen, konnten nebeneinander bestehen. Menschen konnten etwa medizinische Hilfe suchen und zugleich beten. Welche Handlung ein einzelner Mensch bevorzugte oder wie er ihre Wirkung erklärte, ist oft nicht mehr feststellbar.
Bei einem Heiligtum wird ein tönerner Fuß gefunden. Welche Aussage ist vorsichtiger: „Hier wurde sicher ein gebrochener Fuß geheilt“ oder „Die Gabe kann auf ein Anliegen rund um körperliches Wohlergehen hinweisen“?
Lösung: Die zweite Aussage ist begründeter. Für eine genaue Diagnose oder eine tatsächliche Heilung liefert das Objekt allein keinen Beweis.
Lernschritt 7
Religiöse Feste gliederten das Jahr. Öffentliche Rituale, Umzüge und Spiele konnten Gemeinschaft sichtbar machen. Gleichzeitig zeigten sich Unterschiede: Wer eine Feier leitete, einen Bau bezahlte oder einen besonders angesehenen Platz einnahm, konnte seinen Rang vorführen.
Priesterämter gehörten zur öffentlichen Ordnung. Bestimmte politische Amtsträger übernahmen auch religiöse Aufgaben. Religion und Politik waren deshalb nicht als zwei vollständig getrennte Bereiche organisiert. Der Begriff Pontifex maximus bezeichnete ein besonders bedeutendes Priesteramt.
Auch Frauen konnten wichtige religiöse Funktionen ausüben. Ein bekanntes Beispiel sind die Vestalinnen, Priesterinnen der Vesta in Rom. Solche besonderen Aufgaben bedeuteten jedoch nicht, dass Frauen allgemein dieselben politischen Rechte wie Männer besaßen.
Zur Kaiserzeit verbanden sich religiöse Ehrungen außerdem mit der Stellung des Herrschers. Beim Kaiserkult wurden etwa verstorbene, vergöttlichte Kaiser oder die mit dem lebenden Herrscher verbundene göttliche Schutzkraft verehrt. Die Formen unterschieden sich nach Region und Zeit. „Jeder Kaiser wurde überall auf dieselbe Weise als Gott verehrt“ wäre eine zu einfache Aussage.
Teilnahme konnte Zugehörigkeit und Loyalität ausdrücken. Daraus folgt nicht, dass jeder Beteiligte innerlich dasselbe glaubte. Eine Handlung im öffentlichen Raum kann verschiedene persönliche Motive haben, die uns nicht alle überliefert sind.
Lernschritt 8
Durch Reisen, Handel, Heeresdienst und politische Herrschaft begegneten sich religiöse Vorstellungen. Manche Gottheiten wurden in neuen Regionen verehrt; andere wurden mit örtlichen Gottheiten verbunden. Veränderungen verliefen nicht überall gleich und waren nicht immer widerspruchsfrei.
In Pompeji gab es einen Tempel der Isis, einer Gottheit ägyptischen Ursprungs. Das Heiligtum zeigt, dass religiöse Verbindungen über große Entfernungen reichten. Seine Anlage umfasste unter anderem Tempel, Altar und Räume für die Kultgemeinschaft. Das macht nicht jede Verehrung der Isis an jedem Ort identisch.
Im heutigen Bath in Britannien wurde Sulis Minerva verehrt. Hier verbanden sich eine örtliche Gottheit und die römische Minerva. Ein erhaltener vergoldeter Bronzekopf wird der Kultstatue zugeschrieben. Der Fund belegt eine konkrete religiöse Bildwelt, nicht die vollständige Aufgabe aller älteren Vorstellungen.
Vielfalt bedeutete allerdings keine allgemeine Religionsfreiheit im heutigen Sinn. Staatliche Autoritäten konnten Kulte regulieren oder gegen Gruppen vorgehen. Menschen, die bestimmte öffentlich erwartete Handlungen ablehnten, konnten in Konflikte geraten. Das spielte später auch bei Auseinandersetzungen um das Christentum eine Rolle.
Beides gehört zusammen: Die Aufnahme neuer Gottheiten und religiöse Konflikte konnten in derselben Gesellschaft vorkommen. Aus einem einzelnen Heiligtum lässt sich kein Urteil über die Freiheit aller Menschen im gesamten Reich ableiten.
Lernschritt 9
Cato der Ältere lebte im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Sein Werk über Landwirtschaft enthält praktische Anweisungen und religiöse Formeln. Das folgende Beispiel stammt also aus einer früheren Zeit als die dargestellten Bildszenen der Kaiserzeit.
Cato gibt sinngemäß die Anweisung, Mars um Schutz für den Hof und den Haushalt zu bitten. Krankheiten und Schaden sollen fernbleiben; Getreide, Wein und Pflanzungen sollen gedeihen. Auch Hirten, Herden und die Menschen des Haushalts werden in die Bitte einbezogen.
Eigene vereinfachte Wiedergabe ausgewählter Aussagen nach Cato, Über die Landwirtschaft 141. Kein wörtliches Zitat; der vollständige Text beschreibt auch die zugehörigen Opferhandlungen.
Das Beispiel zeigt, warum die Kurzformel „Mars war nur für Krieg zuständig“ nicht ausreicht. Es verbindet Religion mit den Sorgen eines landwirtschaftlichen Betriebs. Zugleich ist es eine Anweisung aus der Perspektive eines Besitzers: Wir erfahren, wie gehandelt werden sollte, nicht ob jeder Hof diesen Ablauf tatsächlich befolgte.
Was lehrt uns die Quelle über Religion und Alltag?
Lösung: Gesundheit, Ernährung und wirtschaftlicher Erfolg konnten religiöse Anliegen sein. Das Werk verbindet praktische Aufgaben mit Gebeten. Die Anweisung beweist aber weder die Durchführung auf jedem Hof noch das Eintreten der erbetenen Wirkung.
Ordne jede Aussage zu. Prüfe danach die Begründungen.
Hier geht es um eine überlieferte Erzählung, also einen Mythos.
Hier steht eine religiöse Handlung mit einem bestimmten Ablauf im Mittelpunkt.
Hier untersuchen wir einen einer Gottheit übergebenen Gegenstand.
Hier unterscheiden wir den Anspruch einer Quelle von der tatsächlichen Praxis.
Wähle je Frage eine Antwort. Prüfe anschließend deine Begründung. Du kannst beliebig oft neu starten.
Dieses kostenlose Arbeitsblatt behandelt die griechische Götterwelt. Nutze es ausdrücklich zum Vergleich mit römischen Namen und Vorstellungen; es ersetzt kein eigenes Arbeitsblatt zu allen römischen Kulten.
Vertiefe das Thema mit den passenden kostenlosen Arbeitsblättern für Klasse 5–6. Die PDFs enthalten Lösungen.

Zum Vergleich: griechische Gottheiten und Mythen kennenlernen und Gemeinsamkeiten vorsichtig einordnen.
Arbeitsblatt ansehen →Eine kleine Schale wird an einem Heiligtum gefunden. Welche Informationen fehlen, bevor du sie sicher als Weihgabe deutest? Denke an Fundlage, Vergleichsstücke und mögliche Inschriften.
Lösungshinweis: Ein Gefäß konnte verschiedene Funktionen haben. Erst der Zusammenhang macht eine bestimmte Erklärung wahrscheinlicher.
Vergleiche Ort, mögliche Beteiligte, Ausstattung und Anlass. Nenne eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied. Formuliere vorsichtig: Die Bilder zeigen erfundene Beispiele, keine vollständigen Regeln für alle Orte.
Dein Merksatz: Römische Religion verband Erzählungen und Handlungen mit Alltag, Gemeinschaft und Herrschaft. Ihre Formen waren vielfältig und veränderten sich.
Lehrplanbezug: historisches Einordnen, Quellen und Darstellungen unterscheiden, Lebensweisen vergleichen und Urteile begründen. Die Klassenangabe 5–6 ist eine Orientierung; die Einordnung variiert nach Schulform und Bundesland.
Die erzählenden Bilder sind KI-generierte Illustrationen bzw. Rekonstruktionen von Lernmarktplatz. Sie veranschaulichen mögliche Situationen und zeigen keine konkreten historischen Ereignisse. Kleidung, Gesichter und die dargestellte Aufgabenverteilung sind nicht im Einzelnen belegt.