Mathe verstehen und üben / Partielle Integration

Mathe · Klasse 11–13 · Grundlagen und Wiederholung

Partielle Integration: verstehen und üben

Integriere passende Produkte mit der Produktregel rückwärts. Lerne, die Faktoren geschickt zu wählen, Minuszeichen sicher zu behandeln und auch wiederholte partielle Integration zu lösen.

Ein Produkt geschickt umformen

∫ x · eˣ dx = x · eˣ − eˣ + C

Der Faktor x wird beim Ableiten einfacher. eˣ lässt sich leicht integrieren. Diese Kombination macht die partielle Integration hier nützlich.

Lernschritt 1

Warum funktioniert partielle Integration?

Die Produktregel der Ableitung lautet (u · v)′ = u′ · v + u · v′. Wenn du sie integrierst und umstellst, erhältst du die partielle Integration:

∫ u · v′ dx = u · v − ∫ u′ · v dx

Du ersetzt ein Integral durch einen Produktterm und ein neues Integral. Das lohnt sich, wenn das neue Integral einfacher ist oder nach einigen Schritten zur ursprünglichen Aufgabe zurückführt.

Die Formel gilt auf passenden Intervallen für hinreichend glatte Funktionen, hier insbesondere die stetig differenzierbaren Beispiele auf dieser Seite. Beim unbestimmten Endergebnis kommt eine additive Konstante C dazu.

Lernschritt 2

Welchen Faktor solltest du ableiten?

Wähle u möglichst so, dass u′ einfacher wird. Den anderen Faktor nennst du v′; er muss sich gut zu v integrieren lassen.

u wählen

x wird durch Ableiten zu 1. Ein Polynom verliert beim Ableiten an Grad.

v′ wählen

eˣ, sin(x) oder cos(x) lassen sich leicht integrieren.

Ergebnis prüfen

Sieh dir u′ · v an: Ist das verbleibende Integral einfacher?

Bei einem Logarithmus ist Ableiten häufig hilfreich, weil aus ln(x) der Bruch wird. Das ist eine Orientierung, keine Garantie: Entscheidend ist immer das entstehende Restintegral.

Lernschritt 3

Das Grundbeispiel x · eˣ

Setze u = x und v′ = eˣ. Dann gilt u′ = 1 und v = eˣ. Einsetzen in die Formel ergibt:

∫ x · eˣ dx = x · eˣ − ∫ 1 · eˣ dx

= x · eˣ − eˣ + C

= eˣ(x − 1) + C

Kontrolle durch Ableiten: (x · eˣ − eˣ)′ = eˣ + x · eˣ − eˣ = x · eˣ. Beide zusätzlichen eˣ-Terme heben sich auf.

Das Minus vor dem Restintegral gehört zur Formel. Es darf nicht verschwinden. Ebenso wichtig: v ist eine Stammfunktion von v′, keine weitere Ableitung.

Lernschritt 4

Einen einzelnen Logarithmus als Produkt sehen

Auch ∫ ln(x) dx für x > 0 kannst du partiell integrieren. Schreibe dafür ln(x) · 1. Wähle u = ln(x) und v′ = 1.

u′ = ; v = x

∫ ln(x) dx = x · ln(x) − ∫ · x dx

= x · ln(x) − x + C

Im Restintegral kürzt sich das Produkt zu 1. Die Bedingung x > 0 bleibt bestehen, weil der ursprüngliche Logarithmus sonst nicht reell definiert ist.

Lernschritt 5

Bei trigonometrischen Funktionen auf das Vorzeichen achten

Für ∫ x · sin(x) dx wähle u = x und v′ = sin(x). Eine Stammfunktion von sin(x) ist −cos(x). Damit:

∫ x · sin(x) dx = −x · cos(x) − ∫ (−cos(x)) dx

= −x · cos(x) + sin(x) + C

Das Minus aus v trifft auf das Minus aus der Formel. So entsteht das Plus vor dem verbleibenden Integral. Die üblichen trigonometrischen Ableitungen und Stammfunktionen gelten für Argumente im Bogenmaß.

Lernschritt 6

Partielle Integration mehrfach anwenden

Bei ∫ x² · eˣ dx wird x² nach einmaligem Ableiten zu 2x. Das Restintegral ist also einfacher, aber noch ein Produkt:

∫ x² · eˣ dx = x² · eˣ − 2 ∫ x · eˣ dx

Setze das Ergebnis des Grundbeispiels ein und beachte die gesamte Klammer:

= x² · eˣ − 2(x · eˣ − eˣ) + C

= eˣ(x² − 2x + 2) + C

Bei Produkten aus Polynomen und eˣ kannst du so weiterarbeiten, bis die Polynomableitung konstant geworden ist. Fasse die Integrationskonstanten am Ende zu einem C zusammen.

Lernschritt 7

Bestimmte Integrale partiell integrieren

Für feste Grenzen gilt dieselbe Idee. Der Produktterm wird an beiden Grenzen ausgewertet; auch das Restintegral behält die Grenzen:

u · v′ dx = u(b)v(b) − u(a)v(a) − u′ · v dx

Beispiel auf [0; 1]:

x · eˣ dx = (1 · e − 0 · 1) − (e − 1) = 1

Alternativ kannst du zuerst die Stammfunktion eˣ(x − 1) bilden. Ihre Werte an 1 und 0 sind 0 und −1; die Differenz ist ebenfalls 1. Eine Integrationskonstante hebt sich bei der Auswertung auf.

Lernschritt 8

Wenn das ursprüngliche Integral wieder auftaucht

Bei manchen Produkten führt zweimaliges partielles Integrieren zurück zum Ausgangsintegral. Das ist kein Fehler, wenn du anschließend nach ihm auflösen kannst. Betrachte I = ∫ eˣ · sin(x) dx.

Mit u = sin(x) und v′ = eˣ folgt:

I = eˣ sin(x) − ∫ eˣ cos(x) dx

Für das zweite Integral erhältst du durch erneutes partielles Integrieren eˣ cos(x) + I. Bis auf eine additive Konstante folgt somit:

I = eˣ sin(x) − eˣ cos(x) − I

Bringe das zweite I auf die linke Seite und teile durch 2. Die allgemeine Stammfunktion lautet:

∫ eˣ sin(x) dx = + C

In den Zwischenzeilen werden Integrationskonstanten zusammengefasst; im Endergebnis steht die beliebige Konstante ausdrücklich. Prüfe die Formel mit Produktregel und trigonometrischen Ableitungen.

Lernschritt 9

Partielle Integration oder Substitution?

Bei 2x · (x² + 1)³ passen innere Funktion und innere Ableitung zusammen: Substitution ist naheliegend. Bei x · eˣ wird dagegen ein Faktor durch Ableiten einfacher, während der andere leicht integrierbar bleibt: Partielle Integration ist naheliegend.

Ein Produkt allein entscheidet die Methode also nicht. Manchmal ist auch bloßes Vereinfachen am schnellsten, etwa x · x² = x³.

  1. Produkt und Definitionsintervall prüfen.
  2. u und v′ sinnvoll wählen.
  3. u′ und eine Stammfunktion v getrennt bestimmen.
  4. Die Formel mit Klammern und Minuszeichen einsetzen.
  5. Das Restintegral lösen, gegebenenfalls erneut partiell.
  6. Vereinfachen, Konstante ergänzen oder Grenzen auswerten.
  7. Durch Ableiten kontrollieren.

Dein Wissen anwenden

Sechs Aufgaben zum Selbstcheck

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · Welche Wahl passt zu ∫ x · eˣ dx?

Lösung und Rechenweg ansehen

u = x, v′ = eˣ; dann u′ = 1 und v = eˣ.

Erklärung wiederholen →

3 · Welche Stammfunktion hat ln(x) für x > 0?

Lösung und Rechenweg ansehen

x · ln(x) − x + C. Schreibe ln(x) als ln(x) · 1.

Erklärung wiederholen →

4 · Bestimme ∫ x · cos(x) dx.

Lösung und Rechenweg ansehen

x · sin(x) + cos(x) + C. Mit v = sin(x) bleibt −∫ sin(x) dx = +cos(x).

Erklärung wiederholen →

5 · Wie lautet ∫ x² · eˣ dx nach zweimaligem Vorgehen?

Lösung und Rechenweg ansehen

eˣ(x² − 2x + 2) + C.

Erklärung wiederholen →

6 · Berechne das Integral von x · eˣ über [0; 1].

Lösung und Rechenweg ansehen

Mit F(x) = eˣ(x − 1): F(1) − F(0) = 0 − (−1) = 1.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

Kostenlos weiterlernen

Passende Materialien zum Weiterlernen

Die kleinen Bilder zeigen eine Vorschau. Über Bild oder Link gelangst du zur Produktseite mit den Angaben zum Material und zum PDF-Bezug.

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Partielle Integration nachschlagen

Kostenlose Lernkarte zur Formel und zum Vorgehen. Die gezielten Übungsaufgaben stehen außerdem im Selbstcheck dieser Seite.

Material ansehen →

Gedruckt weiterlernen

Die passenden Regeln auf Papier griffbereit

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Häufige Fragen

Muss u immer ein Polynom sein?

Nein. Auch ln(x) oder trigonometrische Funktionen können passend sein. Die Wahl soll das Restintegral vereinfachen oder einen lösbaren Zusammenhang erzeugen.

Darf ich zweimal partiell integrieren?

Ja. Bei x² · eˣ ist das sinnvoll, weil die Polynomableitung schrittweise einfacher wird.

Was tun, wenn wieder das gleiche Integral erscheint?

Prüfe die Vorzeichen und stelle die Gleichung nach dem ursprünglichen Integral um. Das Beispiel eˣ · sin(x) zeigt diesen Weg.

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