1 · OH⁻ greift das Carbonyl-C an
Im basenkatalysierten Weg bildet OH⁻ eine C–O-Bindung. Gleichzeitig wandert das π-Elektronenpaar der ursprünglichen C=O-Bindung zu deren O-Atom.
Chemie · Klasse 11–13 · Organische Reaktionen
Wie reagieren Aldehyde und Ketone mit Nucleophilen? Erkenne die Angriffsstelle an C=O und verfolge die Bildung von Hydraten und Halbacetalen.
Elektronenpaarspende · Addition · Protonenübertragung
Aldehyde und Ketone besitzen eine Carbonylgruppe C=O. Weil Sauerstoff elektronegativer ist, trägt O eine negative und C eine positive Teilladung. Das Carbonyl-C ist deshalb eine Angriffsstelle für Nucleophile.
Ein Nucleophil stellt ein Elektronenpaar für eine neue Bindung zum C bereit. Gleichzeitig wird das π-Elektronenpaar der C=O-Bindung auf O verschoben. Aus C=O wird zunächst C–O⁻: eine nucleophile Addition.
Das Produkt ist ein geminales Diol: Beide OH-Gruppen sitzen am selben C-Atom. Es wird auch Carbonylhydrat genannt. Die Reaktion ist umkehrbar. Der Anteil des Hydrats hängt vom Carbonylstoff und den Bedingungen ab.
Im basenkatalysierten Weg bildet OH⁻ eine C–O-Bindung. Gleichzeitig wandert das π-Elektronenpaar der ursprünglichen C=O-Bindung zu deren O-Atom.
Die Zwischenstufe nimmt von H₂O ein Proton auf. Aus O⁻ wird OH; OH⁻ wird zurückgebildet. Die Base wirkt als Katalysator.
Der erste Pfeil beginnt am freien Elektronenpaar des Nucleophils und endet am C. Der zweite beginnt an der π-Bindung und endet am O. Ohne den zweiten Pfeil würde man dem Kohlenstoff im Produkt zu viele Bindungen geben.
Das ursprüngliche Carbonyl-C ist trigonal-planar. Nach der Addition besitzt es vier Einfachbindungen und ist näherungsweise tetraedrisch. Die ebenen Strukturformeln zeigen die Verknüpfung, nicht alle Raumwinkel.
Verfolge die basenkatalysierte Hydratisierung von Ethanal. Die neue OH-Gruppe ist grün hervorgehoben.
Das Carbonyl-C ist elektrophil. OH⁻ kann eine neue Bindung zu diesem C bilden.
Alkylgruppen können Elektronendichte zum Carbonyl-C schieben und seine Elektrophilie verringern. Ketone tragen zwei C-Reste, Aldehyde nur einen oder keinen.
Zwei organische Reste können den Angriff stärker behindern als ein Rest und ein H-Atom. Die Zugänglichkeit der Carbonylgruppe spielt deshalb ebenfalls eine Rolle.
Für vergleichbare einfache Verbindungen sind Aldehyde daher oft additionsreaktiver als Ketone. Das ist eine Tendenz: Elektronenentziehende Gruppen und weitere Struktureffekte können sie verändern.
Statt Wasser kann ein Alkohol addiert werden. Ethanal und Methanol ergeben formal ein Halbacetal. Am ehemaligen Carbonyl-C sitzen nun eine OH-Gruppe und eine OR-Gruppe. Bei diesem Additionsschritt wird kein Wasser abgespalten.
Zwei OH-Gruppen am ehemaligen Carbonyl-C: R–CH(OH)₂.
Eine OH- und eine OR-Gruppe am ehemaligen Carbonyl-C: R–CH(OH)–OR′.
Unter Säurekatalyse kann ein Halbacetal mit weiterem Alkohol zum Acetal reagieren. Dabei entsteht Wasser. Diese Folgereaktion ist nicht mehr nur der ursprüngliche Additionsschritt. Bei Glucose kann eine eigene OH-Gruppe intramolekular ein cyclisches Halbacetal bilden.
Eine neue Bindung entsteht am trigonal-planaren Carbonyl-C, während die π-Bindung reagiert. Beim Aldehyd oder Keton wird im einfachen Additionsschritt keine Abgangsgruppe ersetzt.
Das Nucleophil ersetzt eine Abgangsgruppe, beispielsweise Br an einem gesättigten C-Atom. Der Bindungsaustausch folgt einem anderen Mechanismus.
Carbonsäurederivate wie Ester können nach einem nucleophilen Angriff eine Abgangsgruppe abspalten. Das ist eine nucleophile Acylsubstitution und darf nicht mit der reinen Addition an Aldehyde und Ketone gleichgesetzt werden.
Welche Gruppe kennzeichnet ein Halbacetal am ehemaligen Carbonyl-C?
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Einstieg: Die C=O-Gruppe polarisieren und die Angriffsstelle markieren.
Partnerarbeit: In jeder Laboransicht vier Bindungen am reagierenden C und die Ladungen kontrollieren.
Sicherung: Hydrat, Halbacetal und Acetal anhand ihrer Struktur unterscheiden und den Bezug zur Zuckerringbildung herstellen.

Grundlagen: Carbonylgruppen erkennen und Aldehyde von Ketonen unterscheiden.
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Ergänzende Grundlagenübungen zu Aldehyden und Ketonen; kein spezielles Additions-Arbeitsblatt.
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Vertiefung: Nucleophile, Elektrophile und Elektronenpaarpfeile bei organischen Mechanismen.
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Material ansehen und herunterladenFachlich weiterführend: OpenStax · Organic Chemistry