Glucose · Aldehydgruppe
Blau: Die endständige Gruppe –CHO enthält C=O und ein H am Carbonyl-C. Grün: OH-Gruppen, auch in der Endgruppe CH₂OH.
Chemie · Klasse 10–13 · Grundlagen & Vertiefung
Glucose, Haushaltszucker und Stärke: Was verbindet diese Stoffe – und worin unterscheiden sie sich? Lies Zuckerstrukturen, erkenne glycosidische Bindungen und erkläre Nachweise aus dem Molekülaufbau.
Ringstruktur · Verknüpfung · Hydrolyse
Glucose, Haushaltszucker und Stärke gehören zu den Kohlenhydraten. Ihre Grundbausteine sind Einfachzucker. Typisch sind mehrere Hydroxygruppen –OH und, in der offenen Form, eine Aldehyd- oder Ketogruppe. Das zeigen Glucose und Fructose:
Blau: Die endständige Gruppe –CHO enthält C=O und ein H am Carbonyl-C. Grün: OH-Gruppen, auch in der Endgruppe CH₂OH.
Blau: Die C=O-Gruppe sitzt innerhalb der Kette an C2. Grün: mehrere OH-Gruppen. Beide Zucker haben die Summenformel C₆H₁₂O₆.
So liest du die Fischer-Projektionen: An jedem unbeschrifteten Kreuz sitzt ein C-Atom. Waagerechte Bindungen zeigen nach vorne, senkrechte nach hinten. Die OH-Gruppen ermöglichen Wasserstoffbrücken mit Wasser; viele kleine Zucker sind deshalb gut wasserlöslich.
Glucose ist eine Aldohexose: sechs C-Atome und in der offenen Form eine Aldehydgruppe. Fructose ist eine Ketohexose; ihre offene Form besitzt eine Ketogruppe an C2.
In Wasser liegt Glucose überwiegend ringförmig vor. Die OH-Gruppe an C5 reagiert mit der Aldehydgruppe an C1 zu einem Halbacetal. Es entsteht ein sechsgliedriger Ring aus fünf C-Atomen und einem O-Atom. Dabei wird kein Wasser abgespalten.
Wechsle die Form und achte auf die OH-Gruppe am anomeren C-Atom C1.
Haworth-Darstellung: Unbeschriftete Ringecken stehen für C-Atome; die daran gebundenen H-Atome sind weggelassen. Der Ring ist räumlich nicht eben. „Unten = α“ gilt hier für die gezeigte Orientierung der D-Glucose.
Glucose und Fructose sind Monosaccharide. Ein Glucosemolekül bleibt auch nach seiner Ringbildung ein einzelner Zuckerbaustein.
Maltose und Saccharose bestehen aus zwei Bausteinen: Disaccharide. Stärke und Cellulose bestehen aus vielen: Polysaccharide.
Die Verbindung erfolgt über eine glycosidische Bindung. Ein O-Atom verbindet zwei Zuckerreste. Bei Maltose verbindet es das anomere C1 des ersten Glucoserings mit C4 des zweiten:
Ausschnitt: links C1, rechts C4; die kurzen Fortsetzungen gehören zum übrigen Zuckergerüst. Die räumliche α-Stellung und die übrigen Gruppen sind hier nicht dargestellt. Die folgende Bilanz zeigt, wie daraus ein Zweifachzucker entsteht.
Bei Maltose ist C1 des ersten Glucosebausteins über ein O-Atom mit C4 des zweiten verbunden: eine α(1→4)-glycosidische Bindung.
Bei einer Verknüpfung wird formal ein Wassermolekül abgegeben. Diese Kondensationsbilanz beschreibt die Zusammensetzung; sie ist kein vollständiger Mechanismus der biologischen Synthese.
Eine glycosidische Bindung wird unter Wasserverbrauch gespalten. Geeignete Enzyme oder saure Reaktionsbedingungen ermöglichen die Hydrolyse.
Bei vollständiger Hydrolyse von 0,10 mol Maltose entstehen 0,20 mol Glucose. Die Bilanz benötigt 0,10 mol Wasser.
Maltose: Glucose + Glucose, α(1→4). Lactose: Galactose + Glucose, β(1→4). Bei beiden bleibt ein anomeres Zentrum als Halbacetal frei; sie sind reduzierende Zucker.
Glucose und Fructose sind über beide anomeren Zentren verknüpft: C1 der Glucose und C2 der Fructose. Es bleibt kein freies Halbacetal- beziehungsweise Halbketalzentrum. Saccharose ist daher nicht reduzierend.
Alle drei besitzen die Summenformel C₁₂H₂₂O₁₁. Gleiche Summenformel bedeutet weder gleiche Bindung noch gleiche chemische Eigenschaften.
Ein freies anomeres Zentrum ermöglicht die Ringöffnung. Bei Glucose entsteht dabei eine kleine Menge der offenen Aldehydform. Diese kann oxidiert werden und beispielsweise Cu(II) in der Fehling-Probe zu rotem Kupfer(I)-oxid reduzieren.
Die Gleichung ist eine vereinfachte Ionenbilanz ohne die Komplexliganden des Reagenzes. Fructose reagiert im alkalischen Test ebenfalls positiv, weil sie sich in Aldosen umlagern kann. Die Probe unterscheidet daher nicht sicher zwischen Glucose und Fructose.
Iod-Kaliumiodid-Lösung bildet mit geeigneten helikalen Stärkeabschnitten einen blauen bis blauschwarzen Komplex. Das ist ein anderer Nachweis: Eine positive Fehling-Probe bedeutet nicht automatisch, dass Stärke vorliegt.
Wähle einen Zucker. Sage zuerst voraus, was bei Hydrolyse entsteht und ob die Fehling-Probe positiv ausfällt.
Qualitative Auswertung bei geeigneten Testbedingungen, keine Versuchsanleitung und keine Mengenbestimmung.
Amylose besitzt überwiegend unverzweigte α(1→4)-verknüpfte Glucoseketten. Amylopektin enthält zusätzlich α(1→6)-Verzweigungen. Stärke dient Pflanzen als Speicherstoff; menschliche Verdauungsenzyme können sie abbauen.
Die β(1→4)-Verknüpfungen ermöglichen gestreckte Ketten und stabile Faserverbände mit Wasserstoffbrücken. Menschen besitzen keine körpereigene Cellulase und können diese Bindungen nicht entsprechend verdauen.
Wähle eine Antwort.
30–45 Minuten: Offene Glucose und Ringform zuordnen, α und β im Ring-Labor vergleichen und die Maltosebilanz gemeinsam kontrollieren.
Partnerauftrag: Zucker wählen, Hydrolyseprodukte und Nachweisverhalten vorhersagen und anschließend im Zucker-Labor begründen.
Vertiefung: Stärke und Cellulose über Bindungsart und Wechselwirkungen vergleichen; Endgruppen bei der Bilanz einer kurzen Kette berücksichtigen.
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Zuckerklassen, Verknüpfungen und Hydrolysebilanzen üben.
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Reduzierende Zucker, Nachweise sowie Stärke und Cellulose vergleichen.
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