1 · Was bedeuten μ und σ?
Lösung und Rechenweg ansehen
μ ist der Erwartungswert, σ die positive Standardabweichung. Größeres σ bedeutet mehr Streuung.
Erklärung wiederholen →Mathe · Klasse 11–13 · etwa 40–60 Minuten
Du standardisierst Werte, berechnest Flächen, bestimmst Quantile und setzt die Stetigkeitskorrektur bei Normalnäherungen passend ein.
Erwartungswert, Varianz, Binomialverteilung und eine Normalverteilungsfunktion am Rechner.
01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Brüche mit /, Dezimalzahlen mit Komma oder Punkt und Wurzeln als sqrt(2) eingeben. Mehrere Werte mit Semikolon trennen. Wahrscheinlichkeiten zwischen 0 und 1, nicht als Prozentzahl eingeben. Runde nur, wenn es die Aufgabe verlangt.
02 · Verstehen
Die Fläche zählt
Die Normalverteilung ist ein Modell für stetige Zufallsvariablen. Stetig bedeutet: Zwischen zwei möglichen Werten liegen weitere mögliche Werte. Im Modell wird also nicht nur mit einzelnen Trefferzahlen gerechnet.
Die Dichtekurve ist glockenförmig und symmetrisch um den Erwartungswert μ. Die Standardabweichung σ ist positiv und beschreibt die Streuung. Wir schreiben auf dieser Seite X ∼ N(μ; σ²): Die zweite Angabe ist die Varianz. Manche Bücher oder Rechner verwenden stattdessen σ – prüfe daher immer die Konvention.
| Parameter | Bedeutung | Auswirkung auf die Kurve |
|---|---|---|
| μ | Erwartungswert | Verschiebt die Mitte nach links oder rechts. |
| σ > 0 | Standardabweichung | Größeres σ: breitere und flachere Kurve. |
| σ² | Varianz | Quadrat der Standardabweichung. |
Nicht jede Messgröße ist normalverteilt. Das Modell muss zur Aufgabe oder zu den Daten passen. Aus einer ungefähr glockenförmigen Stichprobe allein folgt noch keine exakte Normalverteilung.
Die gesamte Fläche unter der Dichtekurve ist 1, also 100 %. Die Wahrscheinlichkeit für ein Intervall ist die Fläche zwischen dessen Grenzen. Die Höhe der Kurve an einem Punkt ist dagegen eine Dichte und keine Einzelwahrscheinlichkeit.
Für eine stetige normalverteilte Größe gilt P(X = a) = 0. Eine einzelne Stelle hat keine Breite und damit keine Fläche. Deshalb ist P(X < a) = P(X ≤ a). Bei der Binomialverteilung ist das anders: Dort kann ein einzelner ganzzahliger Wert positive Wahrscheinlichkeit haben.
| Frage | Gesuchte Fläche |
|---|---|
| P(X ≤ b) | Alles links von b. |
| P(X ≥ a) | Alles rechts von a. |
| P(a ≤ X ≤ b) | Der Bereich zwischen a und b. |
Wenn ein Messgerät „500“ anzeigt, meint es durch Rundung meist ein kleines Messintervall. Das widerspricht der Wahrscheinlichkeit null für einen exakt festgelegten Einzelwert im stetigen Modell nicht.
Die Standardnormalverteilung hat Erwartungswert 0 und Standardabweichung 1. Ihre Zufallsvariable heißt häufig Z. Subtrahiere den Erwartungswert und teile durch die Standardabweichung:
Z =
Ein z-Wert gibt den Abstand von μ in Standardabweichungen an. z = 1 bedeutet eine Standardabweichung über dem Mittelwert, z = −2 zwei darunter.
Beispielmodell: Die Füllmenge X eines Produkts sei normalverteilt mit μ = 500 ml und σ = 10 ml. Für 510 ml erhältst du:
Beispiel · Schritt für Schritt
Füllmenge X · μ = 500 ml · σ = 10 ml
Wert: 510 ml
Subtrahiere den Erwartungswert und teile durch die positive Standardabweichung. Die Einheit ml kürzt sich heraus.
510 ml liegt eine Standardabweichung über dem Erwartungswert.
Beispiel · Schritt für Schritt
Dasselbe Modell: μ = 500 ml · σ = 10 ml
Wert: 480 ml
Verwende dasselbe Modell mit μ = 500 ml und σ = 10 ml.
480 ml liegt zwei Standardabweichungen unter dem Erwartungswert.
Φ(z), gesprochen „Phi von z“, bezeichnet die Fläche links von z bei der Standardnormalverteilung. Tabellen und Verteilungsfunktionen liefern diese kumulierte Wahrscheinlichkeit.
Beispiel · Schritt für Schritt
Normalverteilte Füllmenge · μ = 500 ml · σ = 10 ml
Gesucht: höchstens 510 ml
Die Grenze 510 ml entspricht z = 1.
„Höchstens“ bezeichnet die Fläche links von der Grenze.
Im vorgegebenen Modell enthalten etwa 84,13 Prozent der Füllungen höchstens 510 ml.
Beispiel · Schritt für Schritt
Dasselbe Modell: μ = 500 ml · σ = 10 ml
Gesucht: mehr als 510 ml
Die Fläche rechts von 510 ml ergänzt die linke Fläche zur Gesamtwahrscheinlichkeit 1.
Etwa 15,87 Prozent der Füllungen liegen über 510 ml. Der verwendete Tabellenwert ist gerundet.
Beispiel · Schritt für Schritt
Normalverteilte Füllmenge · μ = 500 ml · σ = 10 ml
Gesucht: zwischen 490 und 520 ml
Berechne den Abstand jeder Grenze vom Erwartungswert in Standardabweichungen.
Da σ positiv ist, bleibt die Reihenfolge der Grenzen erhalten.
Von der Fläche links der oberen Grenze ziehst du die Fläche links der unteren Grenze ab.
Mit diesen gerundeten Tabellenwerten erhältst du ungefähr 81,86 Prozent. Rechne am Rechner möglichst mit ungerundeten Werten weiter.
Das sind etwa 81,86 %. Wegen der Symmetrie gilt außerdem Φ(−z) = 1 − Φ(z). Runde möglichst erst das Endergebnis; gerundete Tabellenwerte können kleine Abweichungen verursachen.
| Intervall | Anteil bei Normalverteilung | Beispiel μ = 500 ml, σ = 10 ml |
|---|---|---|
| μ − σ bis μ + σ | ≈ 68,27 % | 490 bis 510 ml |
| μ − 2σ bis μ + 2σ | ≈ 95,45 % | 480 bis 520 ml |
| μ − 3σ bis μ + 3σ | ≈ 99,73 % | 470 bis 530 ml |
Diese Regeln gelten für symmetrische Intervalle um μ bei einer Normalverteilung. Für ein unsymmetrisches Intervall wie 490 bis 520 ml musst du beide Grenzen getrennt berechnen.
„Ungefähr 95 %“ und „zwei Sigma“ sind nicht exakt dasselbe. Das zentrale 95-%-Intervall reicht ungefähr von μ − 1,96σ bis μ + 1,96σ. Ein solches Intervall für Einzelwerte ist kein Konfidenzintervall für einen unbekannten Mittelwert.
Gesucht ist eine Grenze b, unter der 95 % der Werte liegen. Bestimme zuerst den zugehörigen z-Wert und rechne dann in die ursprüngliche Einheit zurück:
Beispiel · Schritt für Schritt
Normalverteilte Füllmenge · μ = 500 ml · σ = 10 ml
Gesucht: b mit P(X ≤ b) = 0,95
Die inverse Verteilungsfunktion liefert die Grenze mit 95 Prozent Fläche links davon; häufig wird z auf 1,645 gerundet.
Löse z = (b − μ)/σ nach b auf.
Mit dem ungerundeten Quantil ergibt sich die Grenze auf zwei Nachkommastellen. Auch der Tabellenwert 1,645 führt hier zu 516,45 ml.
Das ist eine einseitige 95-%-Grenze: Rechts bleiben 5 %. Für ein zentrales 95-%-Intervall bleiben dagegen links und rechts jeweils 2,5 %; dafür brauchst du ungefähr ±1,96. Verwechsle diese beiden Fragestellungen nicht.
Eine Binomialverteilung kann unter geeigneten Bedingungen näherungsweise durch eine Normalverteilung beschrieben werden. Die Parameter sind μ = n · p und σ = √(n · p · (1 − p)). Die Näherung wird schlechter, wenn nur wenige Treffer oder Nichttreffer zu erwarten sind; beachte die Bedingung deiner Aufgabe.
Warum eine halbe Einheit? Stelle dir zu jeder ganzen Trefferzahl eine Säule mit Breite 1 vor. Die Säule bei 60 reicht von 59,5 bis 60,5. Soll die 60 noch dazugehören, muss die angenäherte Fläche deshalb bis 60,5 reichen. Soll die 60 der erste enthaltene Wert sein, beginnt die Fläche bei 59,5.
Diese Anpassung heißt Stetigkeitskorrektur. Für eine binomialverteilte Trefferzahl Y und eine passende normalverteilte Näherung X gilt:
P(Y ≤ k) ≈ P(X ≤ k + 0,5)
Für P(Y ≥ k) liegt die Grenze bei k − 0,5; für P(a ≤ Y ≤ b) verwendest du a − 0,5 und b + 0,5. Wenn eine exakte Binomialrechnung möglich und verlangt ist, nutze diese.
Bei 100 unabhängigen fairen Münzwürfen zählt Y die Köpfe: Y ∼ B(100; 0,5).
Lösung · Schritt für Schritt
100 faire, unabhängige Münzwürfe · Y zählt die Köpfe
Y ∼ B(100; 0,5) · gesucht: höchstens 60 Köpfe
Erwartete Treffer- und Nichttrefferzahlen sind beide 50. Die symmetrische Verteilung ist hier ausreichend breit für eine gute Normalnäherung.
„Höchstens 60“ enthält die Säule bei 60 vollständig. Diese reicht von 59,5 bis 60,5; die zweite Modellangabe ist σ² = 25.
Verwende den Erwartungswert 50 und die Standardabweichung 5.
Die exakte Binomialrechnung ergibt rund 98,24 Prozent. Die Näherung ist nah dran, aber nicht identisch.
Kontrollfrage: Wie ändert sich die Rechnung bei „weniger als 60“?
Lösung · Schritt für Schritt
Dasselbe Modell: Y ∼ B(100; 0,5)
Jetzt gesucht: weniger als 60 Köpfe
Weniger als 60 Köpfe bedeutet höchstens 59; die Säule bei 60 darf nicht mitgezählt werden.
Die Säule bei 59 reicht bis 59,5.
Die veränderte Grenze führt zu einer kleineren Wahrscheinlichkeit von ungefähr 97,13 Prozent.
03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten
Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe zuerst auf Papier. Für Flächen darfst du die Normalverteilungsfunktion am Rechner nutzen. Hier bedeutet N(μ; σ²): Die zweite Angabe ist die Varianz. Vorgegebene Quantil-Näherungswerte genau wie angegeben verwenden.
Freiwillig, ohne Anmeldung. Auf gemeinsam genutzten Geräten besser ausgeschaltet lassen. Deine Eingaben werden nicht gespeichert.
04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten
Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.
Dein Wissen anwenden
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
μ ist der Erwartungswert, σ die positive Standardabweichung. Größeres σ bedeutet mehr Streuung.
Erklärung wiederholen →Lösung · Schritt für Schritt
μ = 100 · σ = 15 · x = 130
Subtrahiere μ = 100 von x = 130 und teile durch σ = 15.
Der Wert liegt zwei Standardabweichungen über μ.
0. Ein einzelner exakter Wert hat keine Fläche. Messanzeigen stehen dagegen typischerweise für gerundete Intervalle.
Erklärung wiederholen →Lösung · Schritt für Schritt
Normalverteilung mit σ > 0
Gesucht: Anteil zwischen μ − 2σ und μ + 2σ
Vorausgesetzt ist eine Normalverteilung mit σ > 0.
Im Zwei-Sigma-Intervall liegen ungefähr 95,45 Prozent der Werte.
Lösung · Schritt für Schritt
Z ∼ N(0; 1)
Gesucht: P(−1 ≤ Z ≤ 2)
Ziehe die Fläche links von −1 von der Fläche links von 2 ab.
Mit gerundeten Tabellenwerten ergibt sich ungefähr 81,86 Prozent.
Lösung · Schritt für Schritt
Einseitige 95-%-Grenze oder zentrales 95-%-Intervall?
Vergleiche 1,645 und ±1,96
Bei ungefähr 1,645 liegen links 95 Prozent und rechts 5 Prozent.
Für ein zentrales 95-Prozent-Intervall liegen links und rechts jeweils 2,5 Prozent außerhalb.
Die beiden Grenzen −1,96 und 1,96 schließen zusammen ungefähr 95 Prozent der Fläche ein. Sie beantworten eine andere Frage als die einseitige Grenze.
Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
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Dranbleiben
Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.
Gezielt weiterüben →Wiederhole in zwei bis drei Tagen fünf Aufgaben ohne Hilfe. Danach kannst du das nächste Thema angehen.
Mit Hypothesentests weiterlernen →Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Nein. Wahrscheinlichkeiten sind Flächen unter der Dichtekurve. Die Höhe beschreibt eine Dichte.
Bei der Näherung einer diskreten Verteilung durch eine stetige, etwa einer Binomialverteilung durch eine Normalverteilung. Für eine bereits normalverteilte Messgröße ist sie nicht nötig.
Nein. Die Varianz ist σ². Die Standardabweichung σ ist ihre positive Wurzel und hat dieselbe Einheit wie die Zufallsvariable.
X wird als Zahlenwert der Füllmenge in ml verwendet. Die zweite Angabe ist auf dieser Seite die Varianz; σ = 10 ml.