1 · Zehn faire unabhängige Münzwürfe, X zählt Kopf: n und p?
Lösung und Rechenweg ansehen
n = 10 und p = 0,5. Bei festgelegter Trefferwertung sind die vier Bedingungen erfüllt.
Erklärung wiederholen →Mathe · Klasse 10–13 · etwa 40–60 Minuten
Du prüfst das Binomialmodell, übersetzt sprachliche Grenzen und berechnest Einzelwahrscheinlichkeiten, Summen und Kennwerte.
Unabhängigkeit, Kombinatorik und Erwartungswert.
01 · Dein Startpunkt · ca. 3 Minuten
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Brüche mit /, Dezimalzahlen mit Komma oder Punkt und Wurzeln als sqrt(2) eingeben. Mehrere Werte mit Semikolon trennen. Wahrscheinlichkeiten zwischen 0 und 1, nicht als Prozentzahl eingeben. Runde nur, wenn es die Aufgabe verlangt.
02 · Verstehen
Gleiche Chance, mehrere Versuche
n = 5; p = 0,25
Fünf unabhängige Fragen mit je vier Antwortmöglichkeiten, genau eine davon richtig: Wer zufällig rät, trifft pro Frage mit Wahrscheinlichkeit 25 %. X zählt die richtigen Antworten.
Eine Bernoulli-Kette besteht aus einer festen Anzahl gleichartig modellierter, unabhängiger Versuche. Jeder Versuch wird nur als Treffer oder Nichttreffer gewertet. Die Trefferwahrscheinlichkeit bleibt gleich.
| Prüffrage | Im Beispiel mit fünf Ratefragen |
|---|---|
| Feste Anzahl n? | Ja, n = 5 Fragen. |
| Zwei Wertungen? | Richtig oder falsch. |
| Konstante Trefferwahrscheinlichkeit p? | Ja, zufälliges Raten aus vier Antworten: p = 0,25. |
| Unabhängige Versuche? | Ja, wir nehmen unabhängiges Raten bei jeder Frage an. |
Dann ist X, die Anzahl der Treffer, binomialverteilt. Wir schreiben X ∼ B(n; p). X kann die ganzen Zahlen von 0 bis n annehmen. Ein „Treffer“ ist einfach das Ereignis, das du zählst – es kann auch ein defektes Bauteil sein.
Ziehen ohne Zurücklegen aus einer endlichen Urne mit beiden Farben ist im Allgemeinen keine Bernoulli-Kette: Die bedingten Chancen ändern sich. Auch bei Übungsaufgaben mit Lerneffekt oder unterschiedlich schweren Fragen ist ein konstantes p nicht automatisch gegeben.
Eine feste Reihenfolge mit k Treffern und n − k Nichttreffern hat die Wahrscheinlichkeit pᵏ · (1 − p)ⁿ⁻ᵏ. Mehrere Reihenfolgen können dieselbe Trefferanzahl ergeben. Der Binomialkoeffizient zählt diese Reihenfolgen:
P(X = k) = C(n, k) · pk · (1 − p)n − k
C(n, k) =
C(n, k) wird „n über k“ gesprochen und am Taschenrechner oft als nCr bezeichnet. Es ist kein Bruch aus n und k. Das Ausrufezeichen bedeutet Fakultät: 4! = 4 · 3 · 2 · 1 = 24. Per Definition ist 0! = 1.
Beispiel · Schritt für Schritt
5 unabhängige Ratefragen · Trefferchance p = 0,25
Gesucht: genau 2 richtige Antworten
Für die erste Position gibt es 5, für die zweite 4 Möglichkeiten. Jedes ungeordnete Paar wird zweimal gezählt, deshalb teilst du durch 2.
Die 10 verschiedenen Reihenfolgen sind disjunkt und gleich wahrscheinlich. Addiere ihre Wahrscheinlichkeiten, also multipliziere den einzelnen Pfadwert mit 10.
Allgemein übernimmt C(n, k) dieses Zählen. Die Formel gilt für ganzzahliges k zwischen 0 und n.
Wir setzen n = 5, p = 0,25 und k = 2 ein. Es bleiben drei falsche Antworten mit Wahrscheinlichkeit 0,75 pro Frage:
Beispiel · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25) · n = 5 · k = 2
Gesucht: P(X = 2)
Es bleiben drei falsche Antworten. Jede hat Wahrscheinlichkeit 0,75.
Der Faktor 10 zählt alle Platzierungen der beiden richtigen Antworten.
Rechne intern mit dem vollständigen Wert und runde nur die abschließende Prozentangabe.
Der Faktor 10 ist entscheidend: Ohne ihn würdest du nur eine bestimmte Reihenfolge berechnen. Runde erst am Ende, damit spätere Summen nicht unnötig ungenau werden.
Wähle eine Formulierung und eine Trefferzahl. Vermute zuerst, welche Säulen dazugehören. n = 5 und p = 0,25 bleiben fest; die Verteilung selbst ändert sich dabei nicht.
Enthaltene Trefferzahlen: 0, 1, 2. P(X ≤ 2) ≈ 89,65 %.
Vergleiche bei k = 2 „höchstens“ mit „weniger als“ sowie „mindestens“ mit „mehr als“. Welche Säule kommt jeweils hinzu? Prüfe auch k = 0 und k = 5.
„Höchstens 2“ und „mindestens 2“ schließen die Säule bei 2 ein. „Weniger als 2“ und „mehr als 2“ schließen sie aus. Der Unterschied beträgt jeweils P(X = 2) ≈ 26,37 Prozentpunkte.
Weniger als 0 oder mehr als 5 Treffer sind unmöglich: 0 %. Mindestens 0 oder höchstens 5 Treffer sind sicher: 100 %.
| Treffer k | P(X = k), gerundet | P(X ≤ k), gerundet |
|---|---|---|
| 0 | 23,73 % | 23,73 % |
| 1 | 39,55 % | 63,28 % |
| 2 | 26,37 % | 89,65 % |
| 3 | 8,79 % | 98,44 % |
| 4 | 1,46 % | 99,90 % |
| 5 | 0,10 % | 100 % |
Die mittlere Spalte enthält Einzelwahrscheinlichkeiten. Die rechte Spalte addiert jeweils alle Wahrscheinlichkeiten von 0 bis k; sie heißt kumulierte Verteilung. Die Säulen beziehen sich auf die mittlere Spalte. Ein Treffer ist hier am wahrscheinlichsten.
„Höchstens zwei“ schließt die 2 ein. Du addierst die Werte 0, 1 und 2. „Weniger als zwei“ schließt die 2 aus und umfasst nur 0 und 1.
| Formulierung | Gezählte Werte | Wahrscheinlichkeit im Beispiel |
|---|---|---|
| Höchstens 2 | 0, 1, 2 | P(X ≤ 2) ≈ 89,65 % |
| Weniger als 2 | 0, 1 | P(X < 2) = P(X ≤ 1) ≈ 63,28 % |
Beispiel · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25)
Höchstens 2 Treffer: 0, 1 oder 2
Höchstens zwei schließt die Trefferzahl 2 ein.
Verwende P(X = 0), P(X = 1) und P(X = 2) mit ungerundeten Werten.
Für weniger als zwei fällt der letzte Summand weg: P(X < 2) = P(X ≤ 1) = 0,6328125 ≈ 63,28 %.
Bei ganzzahligen Trefferzahlen kannst du strenge Grenzen so übersetzen: X < k bedeutet X ≤ k − 1. Das hilft beim Eingeben in die kumulierte Verteilungsfunktion des Rechners.
„Mindestens zwei“ bedeutet 2, 3, 4 oder 5 Treffer. Das Gegenereignis lautet „höchstens ein Treffer“. Deshalb:
Beispiel · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25)
Mindestens 2 Treffer: 2, 3, 4 oder 5
Im Gegenereignis stehen 0 und 1. Die Trefferzahl 2 gehört weiterhin zum gesuchten Ereignis.
P(X ≤ 1) ist die kumulierte Wahrscheinlichkeit für 0 oder 1 Treffer.
Runde erst nach der Subtraktion.
Wenn du stattdessen 1 − P(X ≤ 2) rechnest, erhältst du mehr als zwei Treffer. Das ist eine andere Frage:
| Formulierung | Gegenereignis | Ergebnis |
|---|---|---|
| Mindestens 2 | Höchstens 1 | ≈ 36,72 % |
| Mehr als 2 | Höchstens 2 | ≈ 10,35 % |
| Mindestens 1 | Genau 0 | ≈ 76,27 % |
Die häufigste Fehlerstelle ist die Grenze: P(X ≥ k) = 1 − P(X ≤ k − 1). Schreibe zuerst die passenden ganzen Zahlen auf.
„Mindestens zwei und höchstens vier“ umfasst die Werte 2, 3 und 4. Dafür kannst du diese drei Einzelwahrscheinlichkeiten addieren oder kumulierte Werte voneinander abziehen:
Beispiel · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25)
Mindestens 2 und höchstens 4 Treffer: 2, 3 oder 4
Die erste Summe enthält 0 bis 4. Ziehe nur 0 und 1 ab, damit 2, 3 und 4 übrig bleiben.
Die Grenzen schließen die Trefferzahlen 2 und 4 ein.
Dieses Ergebnis entspricht auch der Summe von P(X = 2), P(X = 3) und P(X = 4).
Allgemein gilt für ganzzahlige Grenzen a und b mit 0 ≤ a ≤ b ≤ n: P(a ≤ X ≤ b) = P(X ≤ b) − P(X ≤ a − 1). Für a = 0 ist der abgezogene Anteil null, denn negative Trefferzahlen sind unmöglich.
Für eine Binomialverteilung ergeben sich die Kennwerte direkt aus n und p:
μ = E(X) = n · p
Var(X) = n · p · (1 − p)
σ = √(n · p · (1 − p))
Beispiel · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25)
Gesucht: Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung
Im langfristigen Durchschnitt ergeben sich 1,25 richtige Antworten pro gleichartig durchgeführtem Test. Ein einzelner Test kann keine 1,25 Treffer haben.
Multipliziere n, p und 1 − p.
Ziehe die nichtnegative Quadratwurzel aus der Varianz.
Die Standardabweichung beschreibt die Streuung um den Erwartungswert. Sie ist keine feste Grenze, innerhalb der alle Ergebnisse liegen müssen.
Am Rechner bedeutet eine Einzelwahrscheinlichkeitsfunktion P(X = k), eine kumulierte Funktion üblicherweise P(X ≤ k). Die Namen und Eingabereihenfolgen hängen vom Gerät ab. Prüfe deshalb die angezeigte Bedeutung der gewählten Funktion.
03 · Selber rechnen · ca. 10–15 Minuten
Wähle eine Stufe. Du bekommst zu jeder Antwort eine Rückmeldung und kannst eine Aufgabe nach einem Hinweis noch einmal versuchen. Rechne und begründe zuerst auf Papier. Prüfe das Modell und die Bedeutung der gesuchten Größe, bevor du rechnest. Die Beispiele sind vorgegebene Übungsmodelle.
Freiwillig, ohne Anmeldung. Auf gemeinsam genutzten Geräten besser ausgeschaltet lassen. Deine Eingaben werden nicht gespeichert.
04 · Ohne Hilfe prüfen · ca. 5–8 Minuten
Rechne ohne Formelübersicht und Tipps. Danach siehst du, was geklappt hat und welcher Lernschritt als Nächstes sinnvoll ist. Das ist eine kurze Orientierung, keine Klassenarbeitsnote.
Dein Wissen anwenden
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
n = 10 und p = 0,5. Bei festgelegter Trefferwertung sind die vier Bedingungen erfüllt.
Erklärung wiederholen →Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25) · genau 2 Treffer
Gesucht sind genau zwei Treffer in fünf Versuchen.
Verwende die Trefferwahrscheinlichkeit 0,25 und die Nichttrefferwahrscheinlichkeit 0,75. Runde am Ende.
Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25) · höchstens 2 Treffer
Die Grenze 2 ist eingeschlossen.
Die drei möglichen Trefferzahlen schließen einander aus.
Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25) · mindestens 3 Treffer
Gesucht sind 3, 4 oder 5 Treffer. Nicht dazu gehören 0, 1 und 2.
Verwende P(X ≤ 2) und runde erst am Schluss.
Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(20; 0,3)
n = 20 · p = 0,3
Multipliziere n mit p.
Beachte 1 − p = 0,7.
Die Standardabweichung ist die nichtnegative Wurzel aus der Varianz.
Lösung · Schritt für Schritt
X ∼ B(5; 0,25)
Gesucht: P(2 ≤ X ≤ 4)
Ziehe die kumulierte Wahrscheinlichkeit bis 1 ab. Die 2 muss enthalten bleiben.
Die verbleibenden Trefferzahlen sind 2, 3 und 4.
Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
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Diese Materialien ergänzen die Erklärung und unterstützen dich beim Üben und Nachschlagen.
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Dranbleiben
Wiederhole die Erklärung zu deinem Fehler. Rechne danach eine ähnliche Aufgabe ohne geöffneten Tipp oder Rechenweg.
Gezielt weiterüben →Wiederhole in zwei bis drei Tagen fünf Aufgaben ohne Hilfe. Danach kannst du das nächste Thema angehen.
Die Normalverteilung kennenlernen →Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Nein. Entscheidend sind zwei Wertungen. Beim Würfeln kannst du „Sechs“ als Treffer und alle anderen Augenzahlen als Nichttreffer zusammenfassen.
Nein. Für p = 0,5 ist sie symmetrisch. Bei anderen Trefferwahrscheinlichkeiten ist sie im Allgemeinen schief.
Bei p = 0 ist X sicher 0. Bei p = 1 ist X sicher n. Diese Randfälle kannst du direkt ohne Potenzrechnung lösen.
R steht für richtig und F für falsch. Wegen der unabhängigen Antworten werden die fünf Einzelwahrscheinlichkeiten multipliziert.