Verb oder Adjektiv
Wir lesen.
Eine neue Geschichte.
Die Wörter bleiben in diesen Verwendungen klein.
Deutsch · Rechtschreibung · etwa Klasse 5–8
Erkenne substantivierte Infinitive und Adjektive. Unterscheide Signalwörter, ausgelassene Nomen und Superlative und begründe die Großschreibung sicher.
„Mila liest gern.“ – „Das Lesen macht Mila Freude.“ Im ersten Satz sagt die Verbform liest, was Mila tut. Im zweiten bezeichnet Lesen die Tätigkeit als Nomen. Diese Verwendung heißt Nominalisierung oder Substantivierung. Das Wort beginnt dann groß.
Auch ein Adjektiv kann substantivisch gebraucht werden: „eine neue Geschichte“ – „etwas Neues“. In der ersten Gruppe beschreibt neue das Nomen Geschichte. In der zweiten steht Neues selbst als substantivischer Kern. Die Bedeutung und die grammatische Verwendung im ganzen Satz entscheiden.
Wir lesen.
Eine neue Geschichte.
Die Wörter bleiben in diesen Verwendungen klein.
Das Lesen.
Etwas Neues.
Die Wörter übernehmen Nomenfunktionen und beginnen groß.
Für die einfache Nominalisierung einer Tätigkeit nutzt du die Grundform: lesen → das Lesen, schwimmen → das Schwimmen, warten → das Warten. Nicht die Personalform wird großgeschrieben. Aus „Mila liest“ wird also „das Lesen“ und nicht „das Liest“.
Nominalisierte Infinitive sind im Grundfall sächlich: das Laufen, das Schreiben. Sie können durch Adjektive näher beschrieben werden: „das schnelle Laufen“, „ein deutliches Sprechen“. Der nominalisierte Infinitiv ist der Kern; die beschreibenden Adjektive bleiben klein.
| Verbal | Nominalisiert |
|---|---|
| Wir üben täglich. | Das tägliche Üben hilft. |
| Ben wartet lange. | Das lange Warten ist anstrengend. |
| Mila liest leise. | Ihr leises Lesen stört niemanden. |
Die Umformung ist eine Lernhilfe. Sie kann den Satzbau und die Betonung verändern. Prüfe deshalb beim Überarbeiten, ob eine nominale Form tatsächlich klarer ist. In einer Anleitung ist „Lies den Text“ oft unmittelbarer als „Das Lesen des Textes ist durchzuführen“.
Ein Artikel wie das oder ein ist ein starkes Indiz, wenn er sich auf den Infinitiv bezieht: „das Lesen“, „ein leises Klopfen“. Auch Possessivbegleiter können helfen: „dein Lachen“, „unser Warten“. Zwischen Begleiter und Kern dürfen weitere Wörter stehen.
In manchen Wörtern steckt ein Artikel: beim = bei dem, zum = zu dem, vom = von dem, im = in dem. Deshalb schreibst du „beim Lesen“, „zum Üben“ und „vom Laufen“. Du kannst die Verbindung zur Kontrolle auseinanderziehen, auch wenn die lange Form im Alltag ungewohnt klingt.
| Ausdruck | Kern | Beschreibung |
|---|---|---|
| beim leisen Lesen | Lesen | leisen |
| zum regelmäßigen Üben | Üben | regelmäßigen |
| dein fröhliches Lachen | Lachen | fröhliches |
Ein substantiviertes Wort braucht nicht immer einen ausgeschriebenen Artikel. „Regelmäßiges Üben hilft“ enthält den nominalisierten Infinitiv Üben. Das gebeugte Adjektiv regelmäßiges beschreibt ihn. In „Mila liebt Schwimmen“ ist Schwimmen der benannte Inhalt ihrer Vorliebe.
Die Artikelprobe ist daher nur ein Teil der Untersuchung. Betrachte, ob eine Tätigkeit als Sache oder Vorgang benannt wird und welchen Platz sie im Satz einnimmt. Eine mögliche Erweiterung wie „das ausdauernde Schwimmen“ kann die substantivische Verwendung verdeutlichen.
Es gibt Grenzfälle, in denen unterschiedliche Auffassungen möglich sind. Bei „schwimmen lernen“ wird schwimmen gewöhnlich verbal verstanden; bestimmte einfache Infinitivverbindungen erlauben auch eine substantivische Lesart. Solche Fälle gehören zur Vertiefung. Die automatisch bewerteten Aufgaben dieser Seite verwenden eindeutige Beispiele.
Adjektive können eine Eigenschaft, etwas Bestimmtes oder eine Person substantivisch bezeichnen. Vergleiche „das gute Ergebnis“ und „das Gute“. Im ersten Ausdruck bleibt gute eine Beschreibung von Ergebnis. Im zweiten wird Gute selbst substantiviert.
Häufige Hinweise sind etwas, nichts, viel, wenig oder alles: „etwas Neues“, „nichts Schwieriges“, „viel Gutes“, „alles Wichtige“. Die Endung gehört zur Form dazu. Schreibe nicht nur den Wortstamm groß, sondern bilde die passende ganze Form.
| Beschreibung eines Nomens | Substantivische Verwendung |
|---|---|
| ein neues Heft | etwas Neues |
| eine schwierige Aufgabe | nichts Schwieriges |
| die wichtigen Informationen | alles Wichtige |
| ein bekanntes Gesicht | eine Bekannte |
Substantivierte Adjektive behalten ihre adjektivischen Endungen: „ein Bekannter“, „der Bekannte“, „mit einem Bekannten“. Die Großschreibung bedeutet also nicht, dass ihre Form immer unverändert bleibt.
„Mila hat eine rote und eine blaue Jacke. Sie nimmt die blaue.“ Blaue bezieht sich auf das zuvor genannte Nomen Jacke und bleibt klein. Das Weglassen eines wiederholten Nomens macht ein Adjektiv nicht automatisch zu einer selbstständigen Substantivierung.
Vergleiche „Von den beiden Heften nehme ich das neue“ mit „Ich möchte etwas Neues lernen“. Im ersten Satz ist Heft aus dem Zusammenhang zu ergänzen. Im zweiten benennt Neues selbst den Lerninhalt. Suche deshalb nach einem vorhergehenden oder nachfolgenden Nomen, auf das sich das Adjektiv bezieht.
„Mila liest am besten.“ Hier ist am besten die höchste Steigerungsform von gut. Du fragst: Wie liest Mila? Die Form bleibt klein. Am lässt sich in dieser Verwendung nicht sinnvoll durch an dem ersetzen.
„Das Beste kommt noch.“ Hier ist Beste substantiviert. Auch „Es fehlt uns am Nötigsten“ enthält eine substantivische Form: an dem Nötigsten. Frage: Woran fehlt es? Das äußerlich ähnliche am führt deshalb nicht immer zur gleichen Schreibung.
| Satz | Frage | Entscheidung |
|---|---|---|
| Ben läuft am schnellsten. | Wie läuft Ben? | kleiner Superlativ |
| Mila wählt das Beste. | Was wählt Mila? | substantiviertes Adjektiv |
| Es fehlt am Nötigsten. | Woran fehlt es? | substantiviertes Adjektiv |
Lerne die Gegenüberstellungen in vollständigen Sätzen. Ein einzelnes am ohne Zusammenhang reicht nicht, um die Schreibung des folgenden Wortes festzulegen.
Eine gute Begründung lautet: „Ich schreibe Üben in beim regelmäßigen Üben groß, weil der Infinitiv substantivisch verwendet wird. Regelmäßigen beschreibt Üben und bleibt klein.“ So erklärst du beide Schreibungen gleichzeitig.
Jede Auswahl zeigt zwei farbige Zeilen mit derselben Darstellungsweise.
Der Infinitiv bezeichnet rechts die Tätigkeit als Nomen.
Korrigiere: „beim regelmäßigen üben lerne ich etwas neues. das schwierige wiederhole ich. am besten hilft mir lautes lesen.“ Begründe jeweils die Schreibung von Üben, regelmäßigen, Neues und besten.
„Beim regelmäßigen Üben lerne ich etwas Neues. Das Schwierige wiederhole ich. Am besten hilft mir lautes Lesen.“
Üben, Neues, Schwierige und Lesen sind substantiviert. Regelmäßigen beschreibt Üben. Besten gehört zum mit Wie? erfragbaren Superlativ. Beim, Das und Am beginnen zusätzlich jeweils einen Satz.
Einstieg: Zwei ähnliche Beispiele vergleichen und den entscheidenden Unterschied benennen.
Differenzierung: Zuerst vorgegebene Möglichkeiten wählen, anschließend eigene Beispiele finden und schriftlich begründen.
Transfer: Einen eigenen Text gezielt auf die behandelten Schreibstellen prüfen und die Korrekturen erklären.
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