Finde die durchschnittliche Höhe einer Funktion über ein ganzes Intervall. Beispiele, Skizzen und kurze Aufgaben zeigen dir den Unterschied zum Endpunktdurchschnitt und zur mittleren Änderungsrate.
mUnsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck
Hilfreiches Vorwissen: Bestimmte Integrale, Intervalllängen und Bruchrechnung.
Finde heraus, was du schon kannst
Drei kurze Aufgaben zeigen dir, wo du einsteigen kannst. Löse sie zunächst ohne Hilfe.
Zahlen mit Komma oder Punkt, Brüche exakt mit /. Gib bei Zahlenaufgaben nur den Zahlenwert ein; die Einheit steht am Eingabefeld. Entscheidungen: ja oder nein. Mehrere Stellen mit Semikolon trennen. Wurzeln exakt etwa als 2/sqrt(3) eingeben.
Verstehen
Was der Funktionsmittelwert bedeutet
Integral durch Intervalllänge
mf = 1b − a · ∫ba f(x) dx
Das Integral beschreibt den gesamten vorzeichenbehafteten Beitrag. Durch die Intervalllänge geteilt ergibt es den durchschnittlichen Funktionswert.
Eine Funktion kann auf einem Intervall steigen, fallen oder schwanken. Ihr Mittelwert beschreibt eine konstante Höhe, die über dasselbe Intervall denselben Integralwert liefert.
Für eine nicht negative Funktion kannst du dir ein Rechteck vorstellen: Es hat dieselbe Breite wie das Intervall und denselben Flächeninhalt wie die Fläche unter dem Graphen. Seine Höhe ist der Funktionsmittelwert.
Bei negativen Funktionswerten zählen die Beiträge mit Vorzeichen. Dann ist der Mittelwert keine durchschnittliche Entfernung von der x-Achse.
Die Formel herleiten
Für eine integrierbare Funktion auf [a; b] mit a < b soll die konstante Höhe mf denselben Integralwert liefern:
mf · (b − a) = ∫ba f(x) dx
Teile durch die positive Intervalllänge:
mf = 1b − a · ∫ba f(x) dx
Du brauchst also zwei Schritte: das bestimmte Integral berechnen und durch die Intervalllänge teilen. Die Intervalllänge ist b − a, nicht grundsätzlich die obere Grenze b.
Übungsaufgabe
Das Integral auf [2; 5] ist 12. Wie groß ist der Funktionsmittelwert?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Teile durch die Länge, nicht durch die obere Grenze.
Mittelwert = 12/3 = 4.
Die Einheit ist dieselbe wie die der Funktionswerte.
Beispiel: f(x) = x² auf [0; 2]
Beispiel – Schritt für Schritt
Den Funktionsmittelwert berechnen
f(x) = x² auf [0; 2]
RechnungErklärung zum Schritt
F(x) = x³/3
1 Stammfunktion bilden
Die Ableitung von x³/3 ist x².
I = F(2) − F(0) I = 8/3 − 0 = 8/3
2 Bestimmtes Integral berechnen
Setze obere minus untere Grenze in die Stammfunktion ein.
b − a = 2 − 0 = 2
3 Intervalllänge bestimmen
Für den Mittelwert wird durch die gesamte Breite des Intervalls geteilt.
mf = (8/3) : 2 mf = 4/3 ≈ 1,33
4 Durch die Länge teilen
Der Mittelwert ist die konstante Rechteckhöhe, die denselben Integralwert ergibt.
Blau: f(x) = x². Grün: konstante Mittelwerthöhe. Das Rechteck und die Fläche unter dem Graphen über [0; 2] sind gleich groß. Unterschiedliche Maßstäbe der beiden Achsen.
Kontrolle: Ein Rechteck mit Breite 2 und Höhe vier Drittel hat Fläche acht Drittel. Das ist genau der Integralwert.
Übungsaufgabe
Berechne den Mittelwert von f(x) = x² auf [0; 2].
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Endpunktmittel und Funktionsmittelwert vergleichen
f(x) = x² auf [0; 2]
RechnungErklärung zum Schritt
f(0) = 0; f(2) = 4
1 Randwerte bestimmen
Betrachte weiterhin f(x) = x² auf [0; 2].
(f(0) + f(2))/2 = (0 + 4)/2 = 2
2 Nur die Endpunkte mitteln
Dieses arithmetische Mittel verwendet lediglich zwei Funktionswerte.
2 ≠ 4/3 = mf
3 Mit dem Integralmittel vergleichen
Die Rechnung zeigt, warum das Endpunktmittel bei einer nichtlinearen Funktion im Allgemeinen nicht genügt.
Die Endpunkte allein erfassen den Verlauf dazwischen nicht. Auch f in der Intervallmitte ist im Allgemeinen nicht der Mittelwert: f(1) = 1 stimmt ebenfalls nicht mit vier Drittel überein.
Für eine lineare Funktion gilt dagegen die praktische Ausnahme: Ihr Mittelwert auf einem Intervall ist der Durchschnitt der beiden Endpunktwerte und zugleich ihr Wert in der Intervallmitte.
Übungsaufgabe
Warum ergibt der Durchschnitt der Endwerte bei x² auf [0; 2] nicht den richtigen Funktionsmittelwert?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Er berücksichtigt den gesamten Verlauf im Intervall.
Ein Intervall, das nicht bei 0 beginnt
Beispiel – Schritt für Schritt
Die richtige Intervalllänge verwenden
f(x) = 2x + 1 auf [1; 3]
RechnungErklärung zum Schritt
f(x) = 2x + 1 F(x) = x² + x
1 Stammfunktion bilden
Gesucht ist der Mittelwert auf [1; 3].
F(3) = 9 + 3 = 12 F(1) = 1 + 1 = 2
2 Grenzen einsetzen
Berechne beide Stammfunktionswerte getrennt.
I = 12 − 2 = 10 b − a = 3 − 1 = 2
3 Integral und Länge berechnen
Die obere Grenze 3 ist nicht die Intervalllänge.
mf = 10/2 = 5
4 Durch die Intervalllänge teilen
Der durchschnittliche Funktionswert beträgt 5.
Die Endpunktwerte sind 3 und 7. Ihr Mittel 5 stimmt hier überein, weil die Funktion linear ist. Wenn du fälschlich durch die obere Grenze 3 teilst, erhältst du einen falschen Mittelwert.
Übungsaufgabe
Finde den Mittelwert von f(x) = 2x + 1 auf [1; 3].
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Ein vereinfachtes Bewegungsmodell beschreibt die Geschwindigkeit durch v(t) = 2t + 1 für 0 ≤ t ≤ 4, mit t in Sekunden und v in Metern pro Sekunde. Die Geschwindigkeit bleibt positiv.
Beispiel – Schritt für Schritt
Die durchschnittliche Geschwindigkeit bestimmen
v(t) = 2t + 1 für 0 ≤ t ≤ 4 t in s · v in m/s
RechnungErklärung zum Schritt
V(t) = t² + t
1 Geschwindigkeit integrieren
Eine Stammfunktion von v(t) = 2t + 1 ist V(t). Die Zeit t wird in Sekunden gemessen.
s = V(4) − V(0) s = 16 + 4 − 0 = 20 m
2 Strecke bestimmen
Da die Geschwindigkeit positiv bleibt, liefert das Integral hier auch die insgesamt zurückgelegte Strecke.
Δt = 4 s − 0 s = 4 s
3 Zeitdauer bestimmen
Für den Mittelwert zählt die Länge des Zeitintervalls.
vmittel = 20 m / 4 s vmittel = 5 m/s
4 Strecke durch Zeit teilen
Der Mittelwert hat dieselbe Einheit wie die Geschwindigkeit.
Mit konstant 5 Metern pro Sekunde würde in derselben Zeit dieselbe Strecke zurückgelegt. Bei vorzeichenbehafteter Geschwindigkeit liefert das Integral die Ortsänderung. Für die insgesamt zurückgelegte Strecke und das mittlere Tempo brauchst du dann den Betrag der Geschwindigkeit.
Mittelwert und mittlere Änderungsrate unterscheiden
Der Funktionsmittelwert mittelt die Werte von f. Die mittlere Änderungsrate beschreibt dagegen, wie stark f im Durchschnitt pro x-Einheit steigt oder fällt:
Mittlere Änderungsrate = f(b) − f(a)b − a
Beispiel – Schritt für Schritt
Durchschnittliche Höhe und mittlere Steigung unterscheiden
f(x) = x² auf [0; 2]
RechnungErklärung zum Schritt
mf = (8/3) : 2 = 4/3
1 Funktionswerte mitteln
Für f(x) = x² auf [0; 2] wird das Integral durch die Intervalllänge geteilt.
Δf = f(2) − f(0) = 4 Δx = 2 − 0 = 2
2 Änderungen bestimmen
Die mittlere Änderungsrate nutzt die Differenz der Randwerte.
Δf/Δx = 4/2 = 2
3 Mittlere Steigung berechnen
Die Änderungsrate 2 beschreibt eine Steigung; der Funktionsmittelwert 4/3 beschreibt eine durchschnittliche Höhe.
Für stetig differenzierbare Funktionen ist die mittlere Änderungsrate von f gleich dem Funktionsmittelwert ihrer Ableitung f′. Das folgt aus dem Hauptsatz: Das Integral von f′ ist f(b) − f(a).
Wird der Mittelwert auch wirklich angenommen?
Ist f auf dem gesamten abgeschlossenen Intervall stetig, gibt es mindestens eine Stelle ξ im Intervall mit f(ξ) = mf. Das ist der Mittelwertsatz der Integralrechnung.
Beispiel – Schritt für Schritt
Die Stelle finden, an der der Mittelwert angenommen wird
f(x) = x² auf [0; 2] · mf = 43
RechnungErklärung zum Schritt
f(ξ) = mf ξ² = 4/3
1 Funktionswert gleichsetzen
Gesucht ist eine Stelle, an der x² den Mittelwert auf [0; 2] annimmt.
ξ = ±√(4/3) ξ = ±2/√3
2 Quadratische Gleichung lösen
Beim Wurzelziehen entstehen zunächst zwei Kandidaten.
ξ = 2/√3 ≈ 1,15
3 Intervall beachten
Nur der positive Kandidat liegt in [0; 2]. Diese Stelle ist nicht die Intervallmitte 1.
Bei einer unstetigen Funktion kann der Mittelwert existieren, ohne dass er als Funktionswert vorkommt. Eine Funktion, die eine Hälfte des Intervalls den Wert 0 und die andere Hälfte den Wert 2 hat, besitzt Mittelwert 1, muss aber nirgends 1 annehmen.
Übungsaufgabe
An welcher Stelle auf [0; 2] nimmt f(x) = x² ihren Mittelwert 4/3 an?
Erst selbst lösen. Danach mit dem Rechenweg vergleichen.
Für endlich viele gleich gewichtete Messwerte verwendest du das arithmetische Mittel. Sind Werte für unterschiedlich lange Zeitabschnitte konstant, müssen sie dagegen mit den jeweiligen Zeitdauern gewichtet werden.
Beispiel – Schritt für Schritt
Unterschiedliche Zeitdauern gewichten
Wert 10 für 1 Stunde Wert 20 für 3 Stunden
RechnungErklärung zum Schritt
Δt₁ = 1 h; Δt₂ = 3 h T = 1 h + 3 h = 4 h
1 Dauern bestimmen
Die Größe hat zunächst den Wert 10 und anschließend den Wert 20.
10 · 1 + 20 · 3 = 70
2 Mit der Dauer gewichten
Der Wert 20 zählt dreimal so lange wie der Wert 10. Die gemeinsamen Zeiteinheiten kürzen sich beim Teilen.
m = 70/4 = 17,5
3 Durch die Gesamtdauer teilen
Der ungewichtete Durchschnitt 15 wäre hier falsch, weil er die unterschiedlichen Dauern ignoriert.
Das Integral übernimmt diese Gewichtung für einen kontinuierlichen Verlauf. Einzelne Stichproben erlauben ohne zusätzliche Annahmen nur eine Näherung an diesen Mittelwert.
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Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.
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Eigene Aufgabe lösenMit dem Mathehelfer
Mathehelfer
Den Mittelwert deines Polynoms berechnen
Für Polynome bis Grad 6: Integral und Intervalllänge berechnen, die mittlere Höhe als Rechteck sehen und mit Endpunktdurchschnitt sowie Änderungsrate vergleichen. Du kannst auch alle Stellen im Intervall mit diesem Funktionswert finden.
Du möchtest beim Üben schnell nachschlagen und wichtige Regeln regelmäßig wiederholen? Die Abitur-Spickzettel enthalten unter anderem Integrale und Stammfunktionen als Grundlagen der Mittelwertberechnung und ergänzen die Aufgaben auf dieser Seite.
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Lasst euch eine Aufgabe laut erklären. Fragt: „Warum darfst du diesen Schritt machen?“ Bei einem Fehler schaut ihr gemeinsam auf den Hinweis. Danach löst das Kind eine ähnliche Aufgabe selbst.
Zum Schluss benennt das Kind einen Schritt, den es jetzt sicherer beherrscht, und plant eine kurze Wiederholung.
Für Lehrkräfte: Vorschlag für eine Übungsstunde
Nach der Einführung des Themas: 5 Minuten Kurzcheck, 10 Minuten gezielte Wiederholung, 15 Minuten Üben auf passender Stufe, 10 Minuten Abschlusscheck und Besprechung, 5 Minuten Lernreflexion.
Die Stufen dienen zur Differenzierung. Die kurze Auswertung ist eine Orientierung; Begründungen und Rechenwege sollten zusätzlich auf Papier oder im Gespräch sichtbar werden.
Häufige Fragen
Hat der Mittelwert dieselbe Einheit wie f?
Ja. Das Integral multipliziert mit der Einheit der unabhängigen Variablen; die Division durch die Intervalllänge hebt das wieder auf.
Kann ein Funktionsmittelwert negativ sein?
Ja. Wenn die negativen Integralbeiträge überwiegen, ist er negativ.
Ist der Mittelwert immer f an der Intervallmitte?
Nein. Bei linearen Funktionen gilt das, bei anderen Funktionen im Allgemeinen nicht.
Die Ableitung von x³/3 ist x².