1 · Berechne das Integral von 2x über [0; 2].
Lösung und Rechenweg ansehen
Mit F(x) = x² folgt 4 − 0 = 4.
Erklärung wiederholen →Mathe · Klasse 11–13 · Grundlagen und Wiederholung
Berechne bestimmte Integrale und unterscheide Bilanz und Flächeninhalt. Lerne, wann du an Nullstellen aufteilen musst und wie du Flächen zwischen zwei Graphen bestimmst.
Vorzeichen mitdenken
x dx =
Der Integralwert ist 1,5. Der gesamte geometrische Flächeninhalt zwischen Graph und x-Achse ist hier aber 2,5: Der Anteil unterhalb der Achse zählt im Integral negativ.
Lernschritt 1
Ein bestimmtes Integral erfasst die aufsummierte Wirkung einer Funktion zwischen zwei Grenzen. Für a < b kannst du es bei stetigen Funktionen als Grenzwert immer feinerer Rechteckssummen verstehen: Funktionshöhe mal kleine Intervallbreite, über das ganze Intervall addiert.
Positive Höhen tragen positiv bei, negative negativ. Beim Flächenbild heißt das: Oberhalb der x-Achse wird positiv gezählt, unterhalb negativ. Wir nennen das eine orientierte Flächenbilanz.
f(x) dx
a ist die untere, b die obere Integrationsgrenze. f(x) ist der Integrand und dx die Integrationsvariable. Auf dieser Seite betrachten wir stetige Funktionen auf abgeschlossenen, endlichen Intervallen.
Lernschritt 2
Ist F eine Stammfunktion der stetigen Funktion f auf [a; b], gilt:
f(x) dx = F(b) − F(a)
Berechne zuerst eine Stammfunktion. Setze dann die obere Grenze ein und ziehe den Wert an der unteren Grenze ab. Beispiel mit f(x) = 2x auf [1; 3]:
2x dx = 3² − 1² = 8
Hier ist F(x) = x². Eine additive Konstante ist bei dieser Rechnung nicht nötig, denn (F(b) + C) − (F(a) + C) ergibt wieder F(b) − F(a).
In die Grenzen setzt du die Stammfunktion F ein, nicht den Integranden f. Und die Reihenfolge lautet immer: oberer Wert minus unterer Wert.
Lernschritt 3
Für f(x) = x auf [−1; 2] ist F(x) = . Daher:
x dx = 2 − =
Die rechte Dreiecksfläche ist 2, die linke hat den Inhalt 0,5. Wegen ihrer Lage unter der Achse liefert die linke Fläche den Integralbeitrag −0,5. Die Bilanz ist 2 − 0,5 = 1,5.
Der geometrische Flächeninhalt addiert dagegen beide positiven Teilinhalte: A = 2 + 0,5 = 2,5 Flächeneinheiten. Der Betrag des gesamten Integrals wäre hier nur 1,5 und deshalb nicht die gesuchte Fläche.
Lernschritt 4
Um die gesamte Fläche zwischen f und der x-Achse zu berechnen, bestimme die Nullstellen im Intervall und prüfe, wo die Funktion das Vorzeichen wechselt. Teile die Rechnung dort auf und addiere die Beträge der Teilintegrale.
A = | x dx| + | x dx|
A = + 2 =
Allgemein kannst du für a < b auch A = Integral von |f(x)| über [a; b] schreiben. Die Aufteilung macht diese Betragsrechnung praktisch ausführbar.
Wenn f auf dem ganzen Intervall nichtnegativ ist, stimmt das Integral mit dem Flächeninhalt überein. Ist f überall nichtpositiv, ist der Flächeninhalt das Negative des Integrals.
Lernschritt 5
Die Höhe eines schmalen Flächenstreifens ist der obere Funktionswert minus der untere. Wenn f(x) ≥ g(x) auf [a; b], lautet die Fläche:
A = (f(x) − g(x)) dx
Beispiel: f(x) = x und g(x) = x² schneiden sich bei x = 0 und x = 1. Dazwischen liegt x oberhalb von x².
A = (x − x²) dx
A = − =
Eine Stammfunktion der Differenz ist − . Wechselt die obere Funktion innerhalb eines größeren Intervalls, musst du an den entsprechenden Schnittstellen aufteilen. Allgemein zählt der Betrag der Differenz.
Lernschritt 6
Integrale über benachbarte Teilintervalle lassen sich addieren. Für a < c < b gilt:
f(x) dx = f(x) dx + f(x) dx
Vertauschst du die Grenzen, ändert sich das Vorzeichen. Bei gleichen Grenzen ist das Integral null:
f(x) dx = − f(x) dx
f(x) dx = 0
Auch konstante Faktoren und Summen lassen sich wie bei Stammfunktionen behandeln. Für einen geometrischen Flächeninhalt wählst du die Grenzen normalerweise von links nach rechts.
Lernschritt 7
Eine Rate r(t) = 2t beschreibt einen Wasserzufluss in Litern pro Minute, t wird in Minuten gemessen. Zwischen t = 0 und t = 3 fließen insgesamt 9 Liter zu, denn eine Stammfunktion ist t² und 3² − 0² = 9.
Waren anfangs 5 Liter im Behälter, sind danach 14 Liter vorhanden. Das Integral der Rate liefert die Änderung; zum Endbestand musst du den Anfangsbestand addieren.
Bei einer Rate mit positiven und negativen Anteilen liefert das Integral die Nettobilanz. Für die gesamte bewegte Menge ohne Berücksichtigung der Richtung würdest du die Beträge der jeweiligen Beiträge addieren.
Die Einheit des Integrals entsteht aus Funktionswert-Einheit mal Variablen-Einheit: Liter pro Minute mal Minuten ergibt Liter. Das Ergebnis ist also nicht in jedem Sachzusammenhang ein Flächeninhalt in Quadratmetern.
Lernschritt 8
Die hier verwendete einfache Hauptsatzrechnung setzt einen stetigen Integranden auf dem ganzen betrachteten Intervall voraus. Liegt etwa bei eine Polstelle innerhalb der Grenzen, darfst du nicht einfach eine Stammfunktion an beiden Enden einsetzen und das Problem ignorieren.
Solche Aufgaben gehören zu den uneigentlichen Integralen und benötigen getrennte Grenzwertuntersuchungen. Auch scheinbar symmetrische positive und negative Anteile dürfen dort nicht beliebig gegeneinander aufgehoben werden.
Lernschritt 9
Numerisch ergänzen
Liegen Funktionswerte in gleichmäßigen Abständen vor oder ist keine einfache Stammfunktion verfügbar, kannst du das bestimmte Integral näherungsweise berechnen. Die Trapezregel verbindet benachbarte Messpunkte durch Geraden und summiert die orientierten Trapezflächen.
Teile [a; b] in n gleich breite Teilintervalle. Die Schrittweite ist h = (b − a) geteilt durch n, die Stellen sind xᵢ = a + ih. Dann gilt:
Tₙ = h · [f(x₀)2 + f(x₁) + … + f(xₙ₋₁) + f(xₙ)2]
Nur die beiden Randwerte werden halb gewichtet. Beispiel f(x) = x² auf [0; 2] mit n = 2: h = 1, die Werte sind 0, 1 und 4. Daher T₂ = 1·(02 + 1 + 42) = 3. Das exakte Integral beträgt 83 ≈ 2,667. Hier überschätzt die Trapezregel wegen der konvexen Kurve.
Mit n = 4 ist h = 0,5 und die Werte sind 0; 0,25; 1; 2,25; 4. Damit T₄ = 0,5·(0 + 0,25 + 1 + 2,25 + 2) = 2,75. Die feinere Einteilung verbessert hier die Näherung. Für stetige Funktionen konvergiert diese Folge von Näherungen bei immer feinerer gleichmäßiger Einteilung gegen das Integral; eine garantierte konkrete Fehlerschranke benötigt zusätzliche Voraussetzungen.
Bei einer stückweise linearen Funktion ist die Trapezregel exakt, wenn alle Knickstellen zu den Stützstellen gehören. Für Messwerte erhältst du die Bilanz des Modells mit geraden Verbindungen, nicht automatisch den exakten Wert des unbekannten wirklichen Verlaufs.
Beispiel: Zuflusswerte 2, 4 und 2 Liter pro Minute bei t = 0, 1, 2 Minuten ergeben näherungsweise 1·(1 + 4 + 1) = 6 Liter. Negative Werte würden als Abfluss abgezogen. Der Anfangsbestand kommt für einen Endbestand noch hinzu.
h = 1; die Werte sind 1, 3 und 5. T₂ = 1·(0,5 + 3 + 2,5) = 6. Hier ist das Ergebnis exakt, weil der Graph eine Gerade ist. Mit F(x) = x² + x ergibt sich ebenfalls F(2) − F(0) = 6.
Dein Wissen anwenden
Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.
Mit F(x) = x² folgt 4 − 0 = 4.
Erklärung wiederholen →Der Integralwert ist 0. Die beiden Dreiecke haben jeweils Inhalt 0,5, daher beträgt der geometrische Flächeninhalt 1.
Erklärung wiederholen →Positive und negative Beiträge können sich vorher aufheben. Für den gesamten Flächeninhalt musst du gegebenenfalls die Beträge der Teilintegrale addieren.
Erklärung wiederholen →x liegt höher. Die Fläche ist das Integral von x − x² und beträgt .
Erklärung wiederholen →Der Integralwert wechselt sein Vorzeichen.
Erklärung wiederholen →14 Liter. Das Integral liefert die Änderung, die zum Anfangsbestand addiert wird.
Erklärung wiederholen →Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.
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Spickzettel ansehen – Preis und Details →Ja. Negative Beiträge können überwiegen. Ein geometrischer Flächeninhalt ist dagegen nichtnegativ.
Das Ergebnis ist eine Zahl. Eine Integrationskonstante würde sich beim Subtrahieren der beiden Stammfunktionswerte aufheben.
Die Differenz aus oberem und unterem Funktionswert ist die Höhe jedes Flächenstreifens. Bei wechselnder Reihenfolge musst du die Fläche aufteilen.