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Lichtbrechung

Warum sieht ein Strohhalm im Wasser geknickt aus? Verstehe die Richtungsänderung an Grenzflächen, zeichne den Lichtweg und berechne Brechungswinkel Schritt für Schritt.

Unsicher beim Einstieg?3 Aufgaben im freiwilligen Kurzcheck

Finde heraus, was du schon kannst

Drei kurze Aufgaben helfen dir, deinen Startpunkt zu finden. Wenn du unsicher bist, wähle „Weiß ich noch nicht“.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

Nur die Zahl in 10⁸ m/s eingeben.

Nur die Zahl in ° eingeben.

Gib die verlangte kurze Antwort ein.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 2,73 – v = 3,00 · 10⁸/1,1 ≈ 2,73 · 10⁸ m/s.
  2. 6,65 – β = arcsin(sin 10°/1,50) ≈ 6,65°. Der Strahl wird zum Lot hin gebrochen.
  3. parallel – Der austretende Strahl ist zum eintretenden parallel, bei schrägem Einfall aber seitlich versetzt.

Direkt mit der Erklärung beginnen →

Lernschritt 1

Was passiert bei der Lichtbrechung?

Beim Übergang zwischen zwei durchsichtigen Stoffen kann Licht seine Ausbreitungsrichtung ändern. Diese Erscheinung heißt Brechung. Du beobachtest sie zum Beispiel an einem Strohhalm im Wasserglas oder am scheinbar angehobenen Boden eines Schwimmbeckens.

Entscheidend ist, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts in den beiden Stoffen unterschiedlich ist. In einem gleichartigen Medium verläuft der Strahl gerade; die Richtungsänderung findet im Strahlenmodell an der Grenzfläche statt.

Ein Teil des Lichts kann an derselben Grenzfläche reflektiert werden. Brechung und Reflexion schließen sich daher nicht aus. Der gebrochene Anteil tritt in den zweiten Stoff ein, der reflektierte bleibt auf der Seite des ersten Stoffes.

Lernschritt 2

Zuerst Grenzfläche und Lot einzeichnen

Das Lot ist die Senkrechte auf der Grenzfläche im Auftreffpunkt des Strahls. Der Einfallswinkel α liegt zwischen einfallendem Strahl und Lot. Der Brechungswinkel β liegt zwischen gebrochenem Strahl und dem Lot auf der anderen Seite.

Ein horizontaler Strich kann die Oberfläche von Wasser darstellen. Dann steht das Lot senkrecht auf diesem Strich. Bei einer schrägen Oberfläche dreht sich das Lot entsprechend mit. Es richtet sich nach der Grenzfläche, nicht nach dem Blattrand.

Ein Winkel von 20° zur Oberfläche bedeutet 70° zum Lot. Vor jeder Rechnung prüfen, welcher Winkel tatsächlich angegeben ist.

Vor jeder Brechungsaufgabe

  1. Medien in Laufrichtung benennen

    Medium 1 ist der Ausgangsstoff, Medium 2 der Stoff nach dem Übergang. Notiere n₁ und n₂.

  2. Grenzfläche und Lot zeichnen

    Das Lot steht im Auftreffpunkt senkrecht auf der Grenzfläche. Miss α zum Lot.

  3. Richtung vorhersagen

    n₂ > n₁: zum Lot hin. n₂ < n₁: vom Lot weg, sofern keine Totalreflexion auftritt.

  4. Berechnen und einzeichnen

    Bestimme β mit dem Brechungsgesetz. Zeichne den Strahl im zweiten Medium vom Auftreffpunkt weg und prüfe die vorhergesagte Richtung.

Lernschritt 3

Ausprobieren: Luft und Glas vertauschen

LuftGlasLotαβ

Zum Lot hin: β ≈ 19,5°

Luft n₁ = 1,00 → Glas n₂ = 1,50. Der Einfallswinkel beträgt jeweils 30° zum Lot.

Blau zeigt den einfallenden Strahl, Grün den gebrochenen. Ein ebenfalls reflektierter Anteil ist zur Übersicht weggelassen.

Verglichen werden zwei Versuche mit gleichem Einfallswinkel. Das ist nicht einfach derselbe Lichtweg rückwärts.

GlasLuftLotαβ

Vom Lot weg: β ≈ 48,6°

Glas n₁ = 1,50 → Luft n₂ = 1,00. Der Einfallswinkel beträgt jeweils 30° zum Lot.

Blau zeigt den einfallenden Strahl, Grün den gebrochenen. Ein ebenfalls reflektierter Anteil ist zur Übersicht weggelassen.

Verglichen werden zwei Versuche mit gleichem Einfallswinkel. Das ist nicht einfach derselbe Lichtweg rückwärts.

Beim Übergang von Luft nach Glas wird der Strahl zum Lot hin gebrochen: β ist kleiner als α. Im gezeigten Beispiel werden aus 30° etwa 19,5°.

Beim Übergang von Glas nach Luft wird der Strahl vom Lot weg gebrochen. Bei wiederum 30° Einfallswinkel sind es etwa 48,6° in der Luft. Das sind zwei unterschiedliche Versuche mit gleichem Einfallswinkel, nicht einfach derselbe rückwärts gezeichnete Lichtweg.

Allgemein gilt: Zum Stoff mit größerem Brechungsindex wird zum Lot hin gebrochen. Zum Stoff mit kleinerem Brechungsindex wird vom Lot weg gebrochen, sofern ein gebrochener Strahl existiert. Bei zu großem Einfallswinkel kann im zweiten Fall Totalreflexion auftreten.

Lernschritt 4

Was beschreibt der Brechungsindex?

Der Brechungsindex n vergleicht die Vakuumlichtgeschwindigkeit c mit der Phasengeschwindigkeit v im Stoff:

n =   →   v =

n ist dimensionslos. Für Schulrechnungen verwenden wir häufig näherungsweise n = 1,00 für Luft, 1,33 für Wasser und beispielsweise 1,50 für Glas. Glas ist kein einzelner Stoff mit einem immer gleichen n: Zusammensetzung und Wellenlänge beeinflussen den Wert.

Bei n = 1,50 ergibt sich mit c ≈ 3,00 · 108 Meter pro Sekunde die Geschwindigkeit v ≈ 2,00 · 108 Meter pro Sekunde.

Der Ausdruck „optisch dichter“ bezeichnet einen größeren Brechungsindex. Er ist nicht gleichbedeutend mit größerer Massendichte. Für die Brechungsrichtung solltest du n vergleichen, nicht das Gewicht eines Stoffstücks.

Lernschritt 5

Den Brechungswinkel mit dem Sinusgesetz berechnen

Für die betrachteten durchsichtigen, isotropen Medien gilt das Snelliussche Brechungsgesetz:

n₁ sin α = n₂ sin β

Beispiel · Schritt für Schritt

Von Luft nach Glas

Bestimme den Brechungswinkel und kontrolliere seine Richtung.

n₁ = 1,00 · n₂ = 1,50 · α = 40° zum Lot

Rechenweg: Von Luft nach Glas
Rechnung Erklärung zum Schritt
sin β = (n₁/n₂) · sin α
1Nach dem gesuchten Sinuswert auflösen

Teile beide Seiten durch n₂. β allein erhältst du erst im nächsten Schritt mit der Umkehrfunktion.

sin β = (1,00/1,50) · sin 40°
≈ 0,4285
2Werte einsetzen

Taschenrechner auf Gradmaß (DEG) stellen. Der Sinuswert hat keine Einheit.

β = arcsin(0,4285) ≈ 25,4°
3Den Winkel bestimmen

Benutze arcsin beziehungsweise sin⁻¹ als Umkehrfunktion; gemeint ist nicht 1/sin.

25,4° < 40°
4Richtung prüfen

Glas hat den größeren Brechungsindex. Der kleinere Winkel zum Lot passt zur erwarteten Brechung.

Ergebnis: Der Strahl wird auf etwa 25,4° zum Lot gebrochen.
Den Rückweg berechnen

Aus Glas mit ungefähr 25,4° folgt sin β = 1,50 · sin 25,4° ≈ 0,643 und damit β ≈ 40° in Luft. Für den exakten Rückweg mit ungerundeten Werten rechnen.

Lernschritt 6

Senkrechter Einfall und unveränderte Frequenz

Bei senkrechtem Einfall ist α = 0°. Dann gilt β = 0°: Der Strahl wird nicht seitlich abgelenkt. Trotzdem ändern sich beim Eintritt in einen Stoff mit anderem n seine Geschwindigkeit und seine Wellenlänge.

An einer ruhenden Grenzfläche bleibt die Frequenz des Lichts erhalten. Aus v = λ · f folgt: Wird v kleiner, wird bei gleichem f auch λ kleiner.

Beispiel: Licht mit 600 nm Vakuumwellenlänge besitzt in einem Medium mit n = 1,50 eine Wellenlänge von 400 nm. Beim Austritt ins Vakuum werden daraus wieder 600 nm. Das Licht wird im Glas deshalb nicht einfach zu einer anderen Farbe; zur Farbeinordnung wird die Frequenz beziehungsweise Vakuumwellenlänge verwendet.

Geschwindigkeit und Wellenlänge Schritt für Schritt

Beispiel · Schritt für Schritt

600-nm-Licht in Glas

Bestimme, welche Größen sich an einer ruhenden Grenzfläche ändern.

λ₀ = 600 nm im Vakuum · n = 1,50 · c ≈ 3,00 · 10⁸ m/s

Rechenweg: 600-nm-Licht in Glas
Rechnung Erklärung zum Schritt
v = c/n = 2,00 · 10⁸ m/s
1Geschwindigkeit berechnen

Gemeint ist die Phasengeschwindigkeit im Glas.

f = c/λ₀
= 3,00 · 10⁸ / (600 · 10⁻⁹) Hz
= 5,00 · 10¹⁴ Hz
2Frequenz bestimmen und beibehalten

An der ruhenden Grenzfläche bleibt die Frequenz erhalten.

λ = v/f = λ₀/n
= 600 nm / 1,50 = 400 nm
3Neue Wellenlänge berechnen

Kleinere Geschwindigkeit bei gleicher Frequenz bedeutet kleinere Wellenlänge.

Ergebnis: Im Glas: v = 2,00 · 10⁸ m/s und λ = 400 nm; f bleibt gleich.

Lernschritt 7

Was passiert an einer parallelen Glasplatte?

LuftGlasLuft

Parallel, aber seitlich versetzt

An der ersten Fläche: zum waagerechten Lot hin. An der zweiten Fläche: vom dortigen Lot weg. Beide Lote sind parallel.

Luft auf beiden Seiten; Glas mit n = 1,50. Der Einfallswinkel beträgt 40°. Die schräg gestrichelte Linie zeigt den Weg ohne Platte als Vergleich.

Der Ausgangsstrahl besitzt wieder dieselbe Richtung, liegt aber auf einer anderen Geraden.

An der ersten Fläche wird der Strahl von Luft nach Glas zum Lot hin gebrochen. An der zweiten Fläche geht es von Glas zurück in Luft, also vom Lot weg. Beide Flächen und damit auch ihre Lote sind parallel.

Deshalb verlässt der Strahl die ideale planparallele Platte in derselben Richtung, in der er eingetreten ist. Der Ausgangsstrahl ist aber bei schrägem Einfall seitlich versetzt. „Parallel“ bedeutet nicht „auf derselben Geraden“.

Diese Aussage setzt voraus, dass auf beiden Seiten dasselbe Außenmedium vorliegt. Bei nicht parallelen Flächen, etwa einem Prisma, bleibt im Allgemeinen eine Richtungsänderung übrig.

Lernschritt 8

Warum wirkt ein Strohhalm im Wasser geknickt?

Licht vom untergetauchten Teil des Strohhalms tritt aus Wasser in Luft und wird dabei vom Lot weg gebrochen. Dein Auge empfängt die gebrochenen Strahlen. Ihre gedachten geraden Rückverlängerungen zeigen nicht zum tatsächlichen Ort des untergetauchten Punktes.

Der Punkt erscheint dadurch an einer verschobenen Stelle, bei einem Blick von oben typischerweise näher an der Wasseroberfläche. Der Teil in der Luft wird anders gesehen als der untergetauchte Teil – der Strohhalm wirkt an der Oberfläche geknickt.

Der Gegenstand selbst ist unverändert. Die Richtungsänderung des Lichts führt zum veränderten scheinbaren Ort. Auch ein Beckenboden kann aus diesem Grund höher erscheinen, als er tatsächlich liegt.

Selbst ausprobieren

Üben & prüfen

Mit Tipps lernen oder ohne Hilfe testen – du entscheidest.

Wähle deine Stufe. Du löst jeweils sechs Aufgaben mit direkter Rückmeldung, Tipps und Rechenwegen.

Wie sicher bist du jetzt?

Bearbeite drei weitere Aufgaben ohne Nachschlagen. Nutze die Rückmeldung, um gezielt weiterzulernen.

Löse die Aufgaben ohne Nachschlagen. Bei Zahlen sind Dezimalkomma und Dezimalpunkt möglich. Verwende keine Tausenderpunkte.

Nur die Zahl in 10⁸ m/s eingeben.

Nur die Zahl in ° eingeben.

Gib die verlangte kurze Antwort ein.

Lösungen mit Erklärungen
  1. 2 – v = 3,00 · 10⁸/1,5 ≈ 2 · 10⁸ m/s.
  2. 30,71 – β = arcsin(sin 50°/1,50) ≈ 30,71°. Der Strahl wird zum Lot hin gebrochen.
  3. parallel – Der austretende Strahl ist zum eintretenden parallel, bei schrägem Einfall aber seitlich versetzt.

Die Aufgaben sind unterschiedlich. Die Ergebnisse geben dir eine kurze Orientierung zu deinem Lernstand.

Eigene Werte einsetzenMit dem Physikhelfer

Physikhelfer

Eigene Werte einsetzen

Berechne Einfalls- und Brechungswinkel mit dem Snelliusschen Gesetz oder bestimme den Grenzwinkel der Totalreflexion. Beide Winkel werden zum Lot gemessen. Wähle deine gesuchte Größe und lass dir den Rechenweg Schritt für Schritt zeigen.

Passende Aufgabe öffnen →

Kostenlos und ohne Anmeldung. Ein Rücklink führt dich wieder zu dieser Erklärung.

Lieber auf Papier? 6 Aufgaben mit aufklappbaren Lösungen

Dein Wissen anwenden

Auf Papier üben

Löse die Aufgaben zuerst auf Papier. Öffne danach die Lösung. Bei einem Fehler führt dich der Link zur passenden Erklärung zurück.

1 · Licht tritt schräg von Luft in Wasser ein. In welche Richtung wird es gebrochen?

Lösung und Rechenweg ansehen

Zum Lot hin, weil Wasser im betrachteten Bereich den größeren Brechungsindex besitzt.

Erklärung wiederholen →

2 · Der Strahl bildet 35° mit der Oberfläche. Wie groß ist α?

Lösung und Rechenweg ansehen

α = 90° − 35° = 55°. Der Einfallswinkel wird zum Lot gemessen.

Erklärung wiederholen →

3 · Luft nach Glas: n₁ = 1,00, n₂ = 1,50, α = 30°. Berechne β.

Lösung und Rechenweg ansehen

sin β = (1,00 geteilt durch 1,50) · 0,5 = 0,3333. β ≈ 19,5°.

Erklärung wiederholen →

4 · Ändert Licht beim senkrechten Eintritt in Glas seine Richtung?

Lösung und Rechenweg ansehen

Nein. α = β = 0°. Geschwindigkeit und Wellenlänge ändern sich trotzdem.

Erklärung wiederholen →

5 · Welche Größe bleibt an einer ruhenden Grenzfläche erhalten: Frequenz oder Wellenlänge?

Lösung und Rechenweg ansehen

Die Frequenz bleibt erhalten. Die Wellenlänge passt sich zusammen mit der Geschwindigkeit an.

Erklärung wiederholen →

6 · Ein Strahl durchläuft schräg eine planparallele Glasplatte mit Luft auf beiden Seiten. Wie verlässt er sie?

Lösung und Rechenweg ansehen

Parallel zum ursprünglichen Strahl, aber seitlich versetzt. Beide Grenzflächen müssen berücksichtigt werden.

Erklärung wiederholen →

Der Selbstcheck hilft dir zu erkennen, welchen Schritt du noch üben solltest. Rechne nach einer Korrektur eine ähnliche Aufgabe ohne Hilfe.

Häufige Fragen

Bedeutet optisch dichter auch schwerer?

Nein. Optische Dichte bezieht sich hier auf den Brechungsindex, nicht unmittelbar auf die Massendichte.

Wird Licht beim Eintritt in Glas immer abgelenkt?

Bei schrägem Einfall und unterschiedlichen Brechungsindizes ja. Bei senkrechtem Einfall bleibt die Richtung erhalten.

Warum brauche ich arcsin auf dem Taschenrechner?

Das Brechungsgesetz liefert zunächst den Sinus des gesuchten Winkels. Die inverse Sinusfunktion gibt den Winkel zurück.

Dein nächster Lernschritt

Wie möchtest du weiterlernen?

Passende Materialien zum Thema „Lichtbrechung“. Wähle aus, was dir beim Üben und Wiederholen hilft.

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